Das Wildenfelser Schloss und seine Geschichte

  • Schloss Wildenfels - Einst Herrschaftssitz der Grafen von Solms (1602 - 1945), deren Vorbesitzer die Herren zu Wildenfels waren, ist heute eine Begegnungsstätte für junge und alte Menschen mit Interesse für Kultur, Bildung und Architektur. Das in der Stadt Wildenfels im Zwickauer Land gelegene Schloss wurde auf einem Felssporn erbaut und liegt eingebettet im Grün der Natur, unweit der Zwickauer Mulde und am nördlichen Rand des Wildenfelser Zwischengebirges.



    Schloss Wildenfels / SO-Ansicht
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    Vor rund 2000 Jahren begann die Besiedelung unseres Landes durch die Sorben. Bereits im 8. Jahrhundert führte eine Handelsstraße (Salzstraße) von Zwickau über Vielau, der Härtensdorfer Flur, Zschocken und Lößnitz ins Böhmische. Dieser alten Handelsstraße bzw. einer ihrer Seitenstaßen, welche entlang des Härtensdorfer Baches über Schönau in Richtung Zwickauer Mulde und Kirchberg ins vögtländische führte, hat Schloss Wildenfels letztlich seine Existenz zu verdanken. Es ist anzunehmen, dass die Feste Wildenfels im 10. Jh. als Burg angelegt wurde. Bestimmte historische Zusammenhänge lassen darauf schließen, dass die ersten Burgherren sorbische Adlige waren, die 1173 letztmals urkundlich erwähnten Herren von Mynime. Deren Nachfolger die Herren des edelfreien Geschlechts zu Wildenfels waren. Als Erster wird Heinrich von Wildenfels 1222 namentlich als Zeuge auf einer Urkunde erwähnt. Im Jahr 1253 ist der Herrschaftssitz auf der Burg als Teil der Doppelherrschaft über Hartenstein und Wildenfels gesichert. 1356 geben Hans und Heinrich von Wildenfels die Herrschaft als Lehen an den Kaiser Karl IV., König von Böhmen. Auf Grund von Steitigkeiten der reichsfreien Herren von Wildenfels mit dem Hause Wettin und einem Zerwürfnis mit der katholischen Kirche sowie finanziellen Schwierigkeiten, waren sie gezwungen ihre Herrschaftsrechte im Jahr 1407 zu verpfänden.


    Als Besitzer der Herrschaft von Wildenfels sind überliefert:

    die Herren von Wildenfels 1119 - 1406 
    Conrad von Tettau 1407 - 1422 
    die Herren von Pflugk 1422 - 1450 
    Heinrich Burggraf von Meißen 1450 - 1454 
    die Herren von Weida 1454 - 1531 
    Graf Hanns Heinrich von Schwarzburg 1531 - 1535 
    erneut die Herren von Wildenfels 1531 - 1602 
    die Grafen von Solms 1602 - 1856*

    * Mit der Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit 1856, durch die sächsische Regierung, war auch die ehemalige
       Herrschaft Wildenfels völlig in den sächsichen Staat aufgegangen.


    Mit dem Tode Anark Friedrichs im Jahre 1602 endete die Linie der reichsfreien Herren zu Wildenfels und der gesamte Besitz der Wildenfelser Herrschaft ging mit allen Rechten lt. eines Erbvertrages an das Solmsche Grafenhaus über. Ein Gemälde von Franz Theodor Große im restaurierten Ahnensaal neben dem Schlosssaal, zeigt eindrucksvoll den Einzug der gräflichen Familie auf Schloss Wildenfels im Jahr 1602. Seit dieser Zeit trägt das Wildenfelser Wappen den steigenden Löwen in Kombination mit der Rose der ursprünglichen Besitzer. Das Solmsche Familienwappen, dass im oberen Teil des Torbogens am Eingangsportal des Schlosses zu sehen ist, ist in vereinfachter Darstellung zugleich auch Stadtwappen von Wildenfels (s. Abb.).Wappen der Stadt Wildenfels Zur Erläuterung sei bemerkt, dass in der Heraldik mit "wachsend" eine heraldische Vorstellung bezeichnet wird, von der nur die obere Hälfte im Wappenschild sichtbar ist: der Löwe im Wildenfelser Wappen wird also als wachsend bezeichnet, weil nur sein Oberkörper erscheint. Die Tingierung (Farbgebung) des Wappens ist goldgelber Löwe im blauen Feld und blaue Rose im goldenen Feld. Sie wurde von den Stadtfarben blau-gelb (heraldisch: blau-gold) hergeleitet.
    Das Wildenfels auch als Stadt der Rose bezeichnet wird, ist nicht auf das aller zwei Jahre traditionell stattfindende Rosenfest oder das in Wildenfels etwa Rosen gezüchtet werden, zurückzuführen, sondern auf die Rose der ursprünglichen Wildenfelser Herrschaft, die im Wappen stilisiert dargestellt ist.

    Der Name WILDENFELS ist ein typischer Burgenname des Mittelalters. Aufmerken läßt die Tatsache, dass in Oberfranken die Burgruinen Wildenfels und Hartenstein 18 km voneinander entfernt, hier die gleichnamigen Burgen nur 6 km entfernt sind. An Hand von Forschungsergebnissen der Linguistik für das hiesige Gebiet, kann man annehmen, dass eine Namensübertragung aus dem Fränkischen möglich, aber nicht bewiesen ist.



    Die Katastrophen und Leidensgeschichte des Schlosses

    Aus dem Jahre 1521 vermeldet die Chronik, dass das Schloss von einem Brand völlig zerstört wurde. Gleichzeitig brannten in der Stadt sieben Häuser ab. 1589 brach erneut ein Brand aus, dem einige Häuser, der vordere Teil des Schlosses und die erst 1577 erbaute (erste) Kirche zum Opfer fielen. Den größten Brand meldet die Chronik jedoch aus dem Jahre 1636 wo 34 Häuser und wiederum die Kirche abbrannten. Das dürfte weit über die Hälfte der Stadt gewesen sein, denn vor dem Stadtbrand von 1706 bestand die Stadt noch aus 75 Häusern. Bei diesem Brand sind die oberen Stockwerke des vorderen Schlosses mit ausgebrannt. Betroffen musste auch der vordere Nordflügel gewesen sein. Denn dieser wurde 1714 wieder aufgebaut. 1726 wurde der Turm an seiner heutigen Stelle errichtet, nachdem ein solcher über dem Schlosstor 1720 von einem Blitzschlag zerstört wurde und abgetragen werden musste. 1727 wurde die Schlossbrücke gemauert und in den folgenden Jahrzehnten das Schloss teilweise umgebaut.


    Schloss Wildenfels - um 1590
    Schloss Wildenfels - um 1820


    Die heutige Schlossanlage entspricht der architektonischen Umgestaltung vom Ende des 18. Jahrhundert.


    Die Rettung des Schlosses
    Vorderer Schlossinnenhof - vor 1954

    Das Schloss Wildenfels sollte 1948/49 auf Grund der akuten Baustoffknappheit in der Nachkriegszeit und zum Zwecke der Baustoffgewinnung nach Plänen der Landesbodenkommission abgerissen bzw. gesprengt werden und das so gewonnene Material zum Bau von Gehöften für Neubauern verwendet werden. Da aber in Schlema der Uranbergbau, durch die sowjetische Besatzungsmacht vorangetrieben wurde und immer mehr Unterkünfte in den umliegenden Städten und Gemeinden für die zahlreichen Wismutkumpels benötigt wurden, ist es der findigen Idee des damaligen Wildenfelser Bürgermeisters Otto Beier zu verdanken, dass dieses Vorhaben nicht durchgeführt werden konnte. Er quartierte kurzer Hand einige Dutzend Bergleute in das Schloss ein und vereitelte somit das Vorhaben der Landesbodenkommission. Das Schloss, insbesondere der Schlosssaal und einige Gemälde und Einrichtungsgegenstände, litten in dieser Zeit zwar erheblich unter dem Tatwerk der Leute, aber so konnte, durch das umsichtige Handeln des damaligen Bürgermeisters ein noch größerer Kulturschaden - der Abbruch des Schlosses - verhindert werden.
    Im Zuge der Verstaatlichung von Privateigentum wurde 1950 die Schloss- und Parkanlage an die Stadt Wildenfels übertragen.



    Das Kornhaus - ältester Teil des Schlosses
     Kornhaus (Blick aus Westen) - 5/2007

    Das älteste Gebäude des Schlosses, wird im Volksmund als "Kornhaus" bezeichnet und bildet die westliche Begrenzung des hinteren Schlosshofes. Es ist ca. 1150 entstanden. Dieses Gebäude wurde 1921 von dem Historiker Otto Eduard Schmidt untersucht. Nach seinen Angaben soll es sich bei diesem Bauwerk mit seinen 1 1/2 Meter dicken Mauern um das Herrenhaus, auch Palas genannt, handeln. Nach Schmidt's Beschreibung enthielt das Gebäude im 1. und 2. Obergeschoß je einen niedrigen Saal mit Balkendecken. Das die Säle Wohnzwecken dienten, lassen die ehemals mit steinernen Sitzbänken versehen Fensternischen vermuten. Aus einem alten Kupferstich geht hervor, dass das Palas mit Mauerzinnen versehen war.

     Hinterer Wohnbereich des Schlosses mit Blick auf den 
 ehemaligen Pferdestall (re.) und Fachwerkgebäude - 5/2007

    Im Jahre 1636 wurde das Gebäude zum Kornhaus (Getreidespeicher) umgebaut. Um zusätzlichen Schüttboden zu gewinnen, erhielt das Gebäude ein steiles Satteldach.
    1949/50 wurde auf Grund von Wohnraummangel das Kornhaus zum Wohnhaus umgebaut. Es entstanden 6 Wohneinheiten.
    Im Zuge der 1999 erneut eingeleiteten Bau- und Renovierungsarbeiten am Kornhaus, wurden auch die von Schmidt 1925 angemerkten Türen, die den Zugang auf einen Wehrgang ermöglicht haben sollen, freigelegt und zu schmucken Fenstern umgestaltet. Die modern ausgestatteten Wohnungen konnten den Bewohnern am 7. Februar 2001 übergeben werden.

     Hinterer Wohnbereich des Schlosses mit Blick auf den 
 ehemaligen Pferdestall (li.) und dem Kornhaus - 5/2007

    Mit dem 2003 erfolgten Umbau des ehemaligen Pferdestalls und die Sanierung des Nordflügels im hinteren Schlossbereich sind hier weitere 8 moderne Wohnungen geschaffen worden, die wegen ihres freien Rundumblickes und ihrer ruhigen Lage als Wohnobjekte sehr geschätzt werden.

    Im weiteren Verlauf der geplanten Sanierungsarbeiten, sollen auch im vorderen Teil des Nordflügels, bis 2010, zusätzliche Wohn- und Verwaltungsräume entstehen.



    Historischer Abriss, über die Entwicklung des Schlosses und über die erfolgten baulichen Maßnahmen in chronologischer Folge

    Grundriss der
    Schlossanlage
    Grundriss der Schlossanlage
    1170 - 1180 Errichtung der Burg Wildenfels auf einem Bergsporn. Ältestes Gebäude ist der Palas (Kornhaus).
    1233 Erste urkundliche Erwähnung der Burg Wildenfels.
    ab 15. Jh. Nach Erweiterung der Burganlage wird nur noch die Bezeichnung "Schloss Wildenfels" beurkundet.
    1521, 1589 Stadtbrände in Wildenfels und weitgehende Zerstörung des Schlosses.
    1636 Umbau des alten Burgpalas zu einem Kornspeicher. Alle Gebäude im hinteren Schlosshof werden nun wirtschaftlich genutzt.
    1726 Errichtung des heutigen Schlossturms.
    1727 Die alte Zugbrücke zur Stadt wird durch eine gemauerte Bogenbrücke ersetzt.
    Mitte 18. Jh. Anlegen von Schlosspark und Schlossteich.
    Ende 18. Jh. Grundlegender Umbau der Wohn- und Repräsentatiosräume im vorderen Teil des Schlosses.
    1780 - 1804 Christian Leberecht Vogel Hofmaler in Wildenfels (wertvolle Deckengemälde in der ehemaligen gräflichen Bibliothek, zwei Supraporten im Festsaal). Sohn Carl Christian, nahmhafter Portraitist, wird als Vogel von Vogelstein bekannt.
    1856 - 1858 Franz Theodor Große gestaltet den Bildschmuck im Ahnensaal und der Hauskapelle (Hochzeitszimmer und untere Rotunde). Zu sehen sind "Der Einzug der Grafen Solms in Wildenfels 1602" und die "Oranierhochzeit 1625" sowie die irdischen und himmlichen Kardinalstugenden.
    1938 Schloss Wildenfels wird unter Denkmalschutz gestellt.
    1949 - 1950 Umbau des Kornhauses zum Wohnhaus.
    1959 - 1963 Umfangreiche Reparaturen - Bau der Arbortanlagen sowie Aussenputz erneuert (1962 Dächer neu gedeckt, Blitzschutzanlage erneuert) und Restaurationen des Schlosssaales und seiner Nebenräume, seitdem Nutzung als Repräsentationsräume für Konzerte, Ausstellungen, Trauungen, usw. Auch Stadtbibliothek und Kreismusikschule befinden sich nun im Schloss.
    seit 1982 Präsentation von Rosenschauen (zweijährig) im Schlosssaal
    1993 - 1994 Instandsetzung des Wintergartens. Nutzung für private und gesellschaftliche Anlässe.
    ab 1999 Beginn umfassender Sanierungsarbeiten und Restaurationen (Restauration der Rotunde, Heizungseinbau, Wohnensembele Kornhaus im hinteren Schlosshof, Sicherung des Nordflügels).
    ab 2003 Beginn des Umbaus des ehemaligen Pferdestalls (Südflügel) im hinteren Schlosshof zum Wohngebäude und ein Pfefferkuchenmuseum wird eingerichtet.
    ab 2004 Beginn der Sanierungsarbeiten am Schlossturm, und Ausbau des Kellerraumes unter dem Schlosssaal zum Gesellschaftsraum mit Bierausschank - eröffnet am 28. Mai 2005.
    2006 - Einweihung der Springbrunnenanlage, am 07. Juni 2006, im Schlossgarten.
    - Einweihung des Rosen-Pavillons (Schwersternsitz), am 21.10.06, nähe Kornhaus.
    - Restaurierung des Schlosssaales sowie der Schlosssaalfenster und -türen.
    - Sanierung der Stützpfeiler auf der Schloss-Nordseite.
    - Aussenputz am forderen Südflügel (Schlosssaal) erneuert.
    - Schlosszufahrt (Bogenbrücke) innen und außen verputzt.
    - Sanierungsbeginn der Stützmauer auf der westlichen Seite des Schloss-Südflügels.
    2007 - Weiterführung der Stützmauersanierung auf der Schloss-Südseite.
    - Sanierungsarbeiten im vorderen Nordflügel.
    - Tore am Durchgang der Bogenbrücke (Schlosszufahrt) erneuert.
    2008 - Weiterführung und Abschluss der Stützmauersanierung auf der Schloss-Südseite.
    - Sanierungsarbeiten im vorderen Nordflügel.
    - Ausstattung des Schloss-Rundweges mit elektrischen Beleuchtungskörpern.
    - Modernisierung der Toilettenanlage im Schlosshof.
    - Errichtung einer Natursteinmauer zur Sicherung der Terrassengärten am ostlichen
      Südflügel des Schlosses.
    - Dachsanierung des Westflügels.
    - November, Beginn der Restaurierung der Seidentapete aus dem Blauen Salon.
    2009 - Am 22.08.2009, wurde der sanierte Brunnen, der zum Gedenken an die 1833
      verstorbene Auguste Caroline, erste Frau des Grafen Magnus II. errichtet
      wurde, eingeweiht.
    - Sicherung des Nordflügels und der Stützpfeiler, Kellergewölbe und Westflügel
    - Restaurierung des Blauen Salon.
    2010 - Dachsanierung des vorderen Süd- und Ostflügels.
    - Umzug der Stadtbibliothek in den Westflügel.
    - Restaurierung der ehemaligen gräflichen Wohnräume (Stadtbibliothek).
    - Im Juli Verlegung der Bibliothek in die sanierten Räume des Westflügels.
    2011 - Bau eines Notausgang mit Außentreppe für den Schlosskeller im Nordflügel.
    - August, Neubau der ehemaligen Laube, nach historischen Vorlagen, im
      Schlossgarten.
    2012 - Am 9. März, Abschluß der Restaurierungsarbeiten an der Seidentapete
      und Wiedereröffnung des Blauen Salon.
    - Beginn der Innensanierung und Umbau des Nordflügels als Mehrgenerationen-
      wohnbereich.


    Historisches

    In der Zeit von 1776 - 1781 diente Schloss Wildenfels und das Hotel "Zum Goldenen Anker" in Zwickau als Wirkungsstätte der Freimaurerloge "Zum goldenen Apfel", die 1776 von Johann Samuel Petermann auf Schloss Wildenfels gegründet wurde. Er war zu der Zeit gräflich Solms´scher Hofmeister für die jungen Freiherrn von Mengden in Wildenfels/Zwickau.
    1780 übernahm Graf Friedrich Magnus von Solms-Wildenfels die Führung der Loge. Die Loge zog 1781 nach Dresden um. mehr Infos...
    Ein sichtbarer Hinweis, für die Gründung und Existenz der Freimaurerloge "Zum Goldenen Apfel" auf Schloss Wildenfels, ist das goldene Wappen der Loge, am Eigangsprotal, über dem Gräflichen Wappen. Es wurde nach der Wende, bei Restaurierungsarbeiten des Eingangsportals wiederentdeckt und rekonstruiert.



    Schloss Wildenfels & Stadt Wildenfels - 1986

    Dieser im Juni 1986 von Kay Wolf aus Wildenfels gedrehte 8 mm Schmalfilm, den ich zufällig bei youtube.com fand, ist ein Zeitzeugnis, dass den baulichen Zustand des Schlosses, kurz vor der Wiedervereinigung Deutschlands, dokumentiert.
    Trotz minderer Qualität, die durch die Dateikomprimierung bedingt ist, soll dieser ca. 3,5-menütige Kurzfilm, den Besuchern dieser Seite nicht vorenthalten werden.

    Um den Film zu starten, genügt ein Klick im linken Fenster auf das Pfeilsymbol.

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