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Jena, 1.- 4.5.09 Happy Landing!
Am 16. Dezember eines jeden Jahres habe ich Geburtstag. Letztes Jahr habe ich von meinen Eltern Geld bekommen, damit ich mir einen Laptop kaufe. Aber da ist etwas dazwischen gekommen:
Der Paraglid-Kurs hat 150 Euro gekostet. „Halber Preis zwecks Jugendförderung“, stand auf der Homepage.
Es war wie mit dem Einrad vor einer Woche. Ich wollte im Internet nur gucken, was so etwas kostet und plötzlich hatte ich eines ersteigert. Herzlichen Glückwunsch zum Kauf des Produktes XY usw. Jetzt fahre ich damit zum Einkaufen oder in die Uni.
Ich habe eine Bewerbung abgeschickt. Dazu ein Foto von Norwegen. Ich am Prekestolen. Geschickte Perspektive. Ein abgeklärter Gesichtsausdruck, dahinter der große Wanderrucksack mit der billigen Isomatte, die Felskante nur eine Schrittlänge entfernt, die unendliche Tiefe ist nicht zu sehen, trotzdem für jeden erkennbar. Ich halte das Bild immer ruhig in meinen Händen, damit ich keinen Wind mache, der mich packt und hinunter in den Fjord weht.
Plötzlich war ich angemeldet. Paragliden? Ist das das mit den Bogenschirmen? Oder das mit dem Gestell? Kann ich demnächst damit zum Einkaufen oder in die Uni?
Wir sind elf Flugschüler. 3 Frauen, 8 Männer. Papa + Sohnemann (Hans, 111 und Hannes, 78), zwei seit der 1. Klasse beste Kumpels (Jakob „J“ (Dschej), 60 und Tobias, 67), Schatz und Schatzi (Thomas, ? und Josephine, 55), ein Sondermaschinenprogrammierer (Nico, 87), www.IhrZaunbauer.de (Klaus, ?), ein Student der Interkulturellen Wirtschaftskommunikation (Alex, 79), eine, die sich mit Bürodiensten selbständig gemacht hat (Sabine, 60) und ich, 52 Kilo.
Sabine ist letzte Woche mit einer Cessna geflogen. Hans hat einen Tandemflug gemacht. Nico einen Tandem-Fallschirmsprung. Klaus ist in Tschechien alleine Fallschirm gesprungen. Hannes hing mit Schirm hinter einem Motorboot. Tobias und Jakob träumen schon lange vom Fliegen. Das Pärchen ist steif und erzählt nicht viel (wahrscheinlich wollen sie mal auf Wolke 7). Alex ist in Neuseeland auf den Geschmack gekommen. Ich - bin jeden Tag auf dem Weg zur Uni an der Flugschule vorbeigelaufen.
Hakan. Club-Mate-Trinker, Raucher, Fischesser, Casio-ProTrek-Uhr-Träger, Ex-Freiburger, Geburtsistanbuler, Klassische-Musik-Hörer, seit 20 Jahren hauptberuflich Fluglehrer und Inhaber der Flugschule Jenair. Ein cooler Typ, ein witziger Vogel, ein prima Lehrer, ein deutscher Orientale, ein türkischer Mitteleuropäer, ein Teppichverkäufer, ein Joga-Guru, ein Späßlemacher, ein fliegender Händler, ein Leithammel, ein Himmelsgucker, ein Graswerfer, ein Waldlauscher, ein Fähnchen-in-den-Wind-Hänger, ein Täufer, ein Wetterfrosch und Grund genug, einfach mal in der Flugschule vorbei zu schauen. Am 1. Mai kann man in Deutschland demonstrieren, besoffen sein und ausschlafen, einen Maibaum aufstellen oder einen Paraglid-Kurs beginnen. Dazu gehören ein paar Formalitäten, ein paar Scheinchen mit Silberstreifen, ein langer Traum oder eine spontane Idee, kräftige Wadeln, sportliche Lungen und alles, was Hakan auf seiner Liste führt:
Der Rest hängt vom Wetter ab (Windjacke, Handschuhe, T-Shirt und Socken zum Wechseln). Das Wichtigste aber bekommt man in der Flugschule: einen Helm, Gurtzeug und den Schirm. Alles einladen in Hakans Auto: Fliege mit Luft - fahre mit Gas!
Wo fährt man hin, wenn man fliegen will? Auf den Flugplatz! Alle Hakan nach. Eine deutsche Karawane setzt sich in Bewegung. Blech an Blech. Auto an Auto. Nach Schöngleina, wo die die Segelflieger schon Startvorbereitungen treffen.
Hakan, der Himmelsgucker, guckt zunächst in den Himmel. Natürlich hat er vorher den Deutschen Wetterdienst konsultiert:
Im Staubereich der Mittelgebirge auch BKN ST um 300 Meter. Im Vormittagsverlauf bilden sich SCT CU bei 900 Meter. Die maximale Basis wird am Nachmittag bei 1500 bis 1700 m erwartet. Keine Rueckseitenschauer mehr. Nachmittags koennen zeitweise mittelhohe und hohe Wolkenfelder durchziehen.
Thermik: Gute aber etwas zerissene Cumulusthermik, zeitweise durch Abschirmung gestoert. ??? in unseren Gesichter. CU = Kumuluswolken (Word-Rechtschreibprogramm schreibt Cumulus mit K). Dann folgt ein kurzer Exkurs über Blauthermik, Leeturbulenzen, Himmelsbedeckungen bis zu acht Achteln. Langsam lichten sich die Nebel in unseren Hirnen und wir sehen klarer. Bei 360° Wind herrscht schon regelrechte Blauthermik in meinem Denkstübchen, denn ich verstehe jetzt, dass der Wind von Norden kommt.
Hakan, der Fähnchen-in-den-Wind-Hänger, stellt den halben Flugplatz voll Windsäcke. So können wir sehen, aus welcher Richtung und wie stark es weht.
Wir packen einen Schirm aus. Ca. vier Kilo hat der kleine Ladyguard, dem ich in den nächsten Tagen mein Körpergewicht anhängen und mein Leben anvertrauen werde – na ja, so dramatisch…wir werden sehen.
Hakan, der Teppichverkäufer, legt den Schirm im Gras aus – „wie einen Kaffee-Filter, Melitta oder eine andere Marke. Jedenfalls nicht wie einen Teppich“. Er nimmt ein Ende in die Hand, „Guckst du, schöne Teppich. Ist fliegende Teppich. Willst du kaufe? Mach ich gute Preis!“
A-Leine, B-Leine, C-Leine, D-Leine – wer es genauer wissen will, soll selbst einen Kurs machen. Mit dem Gurtzeug auf dem Rücken sehen wir aus wie Schildkröten, die sich auf die Hinterbeine gestellt haben. In Zweierteams lernen wir den Schirm auszulegen, aufzuziehen, einzupacken und uns von der Seilwinde fern zu halten, die nur wenige Meter neben uns Segelflugzeuge in den blauen Himmel reißt. Hakan, der prima Lehrer, erklärt: „Das ist ein Stahlseil. Das kann eine Kuh in der Mitte auseinander schneiden!“ In meinem Hirn entstehen Kumuluswolken und mitten darin eine wiederkäuende Kuh. Das Stahlseil gleitet kurz vor dem Euter sauber durch ihren Leib. Ein dünner roter Gürtel bildet sich darum, aber das Tier glotzt nur und kaut weiter. Plötzlich zerfällt es in zwei Teile. Die Wolken lösen sich auf. Erneut Blauthermik. Ob die anderen auch dieses Szenario gesehen haben?
Keiner landet in der Winde.
Mittagspause. Ortswechsel im Karawanenverband. Beutnitz. Der erste Hang. Ein Hügel. Wir freuen uns auf die Aussicht abzuheben. Was wir noch nicht wissen: Hochlaufen mit Schirm, Helm und Gurtzeug ist ein hoher Preis für die kläglichen ersten Meter ohne Bodenkontakt.
Hakan, der Graswerfer, wirft Gras in die Luft, wenn die Windsäcke nicht wehen, wie er es will. Manchmal nimmt er auch ein Sigara-Börek zur Hilfe, wobei er das Börek weglässt und die Sigara mit der brennenden Seite nach oben in die Luft hält. Meistens mit Erfolg. Der Wind kommt mit zarten Böen, spielt mit dem Luftsack, trägt den Rauch und das Gras davon.
Wenn keine Brise unseren Start erleichtern will, stehen wir lange in voller Montur in der Sonne, die Gurte auf unseren Armen, die Seile wie einen langen Schleier bis hinunter an die bunte Schleppe aus noch ungefüllten Luftkammern.
Hakan, der Joga-Guru, hat keine Eile. Er schließt die Augen, breitet die Arme aus, atmet tief ein und rät zu Entspannungsübungen. „Macht euch schon mal locker!“
Es wird spät. Die Thermik lässt uns hängen. Einpacken und die motorisierten Kamele besteigen. In einer Linie schlängeln wir uns nach Kunitz in die Karawansarei Kunitzburg.
Hakan, der türkische Mitteleuropäer, Hakan, der deutsche Orientale, hat überall Kontakte, kennt alle seine Partner, hält mit allen ein kurzes Schwätzchen, auf dem Flughafen, im Lokal, die Segler, die Bedienung. Überall hat er irgendwelche Absprachen getroffen: mit den Bauern, dass wir auf ihren Feldern landen dürfen, mit der Gaststätte, dass es einen Schulungsraum mit Fernseher und DVD-Spieler gibt und womöglich sogar mit allen Wettergöttern, denn bis Sonntag macht uns keiner einen Strich durch die Fliegerei, obwohl es im Umland stürmt und gewittert.
Hakan, der Täufer, lässt Sekt kommen und tauft uns mit gleichzeitiger Adelung und Aufnahme in den Fliegerstand. Dazu sengt er mit einem Feuerzeug jedem die Haare an, löscht mit Sekt und macht aus uns Prinzessinnen, Barone und Prinzen von Beutnitz.
Ich taufe auch. Meinen Gleitschirm. Aus Ladyguard wird Ladykracher, denn statt sauber und langsam hinter mir zu Boden zu sinken ist er einmal mit voller Wucht vor mir auf die Wiese gekracht. Ich hoffe, dass ich nicht mit ihm zusammen irgendwo hinkrache. Später wird er Tobias durchs Gras pflügen. Hakan, der Späßlemacher, hat noch gewarnt, dass man sich dann den „ganzen Löwenzahn aus den Zähnen machen muss“.
Hakan, der Wetterfrosch, steigt hoch auf die Hügel, wenn das Wetter schön ist und bleibt unten, wenn es schlecht ist. Das Wetter ist gut am zweiten Ausbildungstag, aber die Wiesen sind noch nass. Hakan, der Leithammel, kennt die wenigen Oasen, die auch sonntags die durstigen Flieger tränken und führt die Karawane zum Kaffeetrinken.
Anschließend geht es abermals nach Beutnitz.
Hakan, der fliegende Händler, verhandelt am Telefon über Fluggeräte, die heute noch geschickt werden sollen. Derweil trocknet das Gras.
Unsere Gruppe wird größer. Es kommen Leute dazu, die den Grundkurs schon gemacht haben, ihre eigene Ausrüstung mitbringen und von weiter oben starten dürfen. Ich will auch!
Hakan, der Waldlauscher, lauscht dem Wald. Der Wald erzählt ihm, wie stark der Wind weht. Es rauscht und die Bäume wiegen sich wie schunkelnde Festzeltbesucher. Manchmal ist es auch Hakan, der Pfeifgeräusche durch das Funkgerät schickt, so dass man verwundert die Ecke sucht, um die der Wind gerade bläst.
Mittag in der Karawansarei mit Videoanalyse unserer ersten Flugversuche und Lehrfilmen. Hakan, der witzige Typ, kommentiert: „Ihr fliegt wie die Adler!“ Klingt gut, ist aber nicht so gemeint. Wer wie ein Adler die Flügel ausbreitet, hat die Hände nicht ruhig wie ein Gleitschirmflieger auf Schulterhöhe.
Zurück in Beutnitz. Anschnallen geht immer schneller. 5-Punkte-Check gemacht? Pilot (Beingurte zu? Bauchgurt zu? Karabiner zu? Helm zu?) Leinen und Gurte frei? Schirm richtig ausgelegt? Luftraum frei? Passt der Wind?
„Arme ausgestreckt nach unten. Und laufen, laufen, laufen, laufen, laufen, schneller, größere Schritte, jawohl, und anbremsen, juhuuuuuu, Linkskurve, und gerade aus auf den Windsack zu, auf den gelb-roten Windsack zu, nicht so stark bremsen, auf den Windsack, und laufen, laufen, einfach weiter laufen, und durchbremsen, jawohl, gut gemacht!“
Landeplatz frei machen.
„Jetzt kommt die Nasrin. Arme ausgestreckt nach unten. Und laufen, laufen, laufen, laufen, laufen, schneller, größere Schritte, und anbremsen, Linkskurve, Linkskurve und gerade aus auf den Windsack zu, und wieder laufen, laufen, laufen, D-Leine ziehen und unter dem Schirm durchlaufen, D-Leinen – zu spät! Ihr sollt die D-Leinen ziehen.“
Wenn ich mir vorstelle, wie ich später mit dem Gleitschirm fliege, dann… …gibt es keine Hakan mit Funkgerät, der die Fliegerruhe stört. …werde ich vielleicht manchmal Hakan mit Funkgerät vermissen, der mir sagt, wo ich hinfliegen soll. …werde ich vielleicht noch immer Hakans Stimme aus dem Funkgerät hören („Laufen, laufen, laufen!“). …soll es niemals eine Situation geben, in der ich ganz dringend einen Hakan mit Funkgerät herbeiwünsche, der mir sagt, was ich jetzt verdammt noch mal tun soll.
Abends müssen wir noch das Flieger- und das Ausbildungsbuch ausfüllen. Anzahl der Flüge (noch immer nicht genug), Fluggerät (Ladykra-, äh –guard), Fluglehrer (Hakan, der coole Typ), Ort (so ein popliger Hang. Morgen gehen wir hoffentlich an die Klippen), Höhe (definitiv zu niedrig), Zurechnungsfähigkeit des Piloten/der Pilotin (völlig unzurechnungsfähig, das sieht man doch schon an den Kommentaren in Klammern).
Sonntag. Karawanenbildung im Jenaer Umland unterhalb von beginnender Blauthermik bei aufkommender Fliegerlust auf ganzer Front. Strömungsbeginn gegen neun Uhr vom Parkplatz Kunitz zum Kunitzer Südhang. Warnhinweise: UC (¹ CU (Cumuluswolken), sondern unending caravan (endlose Karawane)).
Das Gras geht mir bis über die Knie. Es trocknet vor allem dadurch, dass unsere Hosen, Schuhe und Socken den Tau aufnehmen, der noch an den hohen Halmen hängt. Von unten betrachtet zieren dottergelber Löwenzahn und zarte Pusteblumen den grünen Teppich. Erst beim Landen mit dem Gleitschirm spürt man den Schmerz an den durchnässten Unterschenkeln und entdeckt die Spur, die man beim Auslaufen durch das Brennesselfeld gezogen hat. Da der Schirm vor Ort zusammengerafft werden muss, bekommen auch die Unterarme die Anti-Rheuma-Kur zu spüren. Mit Sack und Pack nimmt man am besten die alten Fußstapfen aus den Brennesseln hinaus (beim zweiten Mal tut es schon weniger weh) und schwitzt sich den Berg wieder hinauf. Auslegen, Leinen entwirren, in Starthaltung auf den Wind achten, Hakans Entspannungsübungen mitmachen oder seinen schlauen Sprüchen lauschen. „Hast du beim Starten Rückenwind, musst du laufen ganz geschwind!“ Und wo er Recht hat, hat er Recht. So manches Mal warten wir oben lange, um dann mit Helm und Gurt den ganzen Berg hinab zu rennen. Keine Thermik, die uns in die Lüfte zieht; kein Wind, der uns abheben lässt; kein Glück, das und zum Fliegen bringt; weder Können noch Talent, das uns auch ohne Wind und Glück in die Höhe tragen würde.
„Laufen, laufen, weiter rechts, rechts, den Schirm unterlaufen, laufen, nicht hinsetzen, Leinen loslassen, laufen, ja, du musst schneller laufen, nicht da in die Senke, wo kein Wind geht, was machst du denn? Das wird nichts mehr.“
Brennesseln, klatschnasse Socken, blaue Flecken an den Oberarmen, x-Mal Berg rauf, Berg runter. „Könnt ihr noch?“ Aber Hallo! „Also, dann schnell. Lange geht es nicht mehr. Dahinten kommt es schwarz.“
Bitte, bitte, Hakan, den letzten Flug von ganz oben, nur den letzten. „Also gut!“ Plötzlich sitze ich in meinem Gurtzeug, ruhig gleitet der Schirm durch die Luft, vorsichtig ziehe ich an den Leinen und sofort antwortet der Ladykracher, gehorcht mir, fliegt zu dem trügerischen Windsack, der wie ein nasser Lappen an seiner Stange hängt und schon Feierabend macht. Ich fliege! Hakan, ich fliege! „Aufstehen, laufbereit sein und landen, landen, laufen, laufen, gut gemacht!“ Nochmaaaal! Ich will nochmaaaal!
Beim ersten Tropfen reden wir uns noch ein, es sei Schweiß, der von unseren Stirnen rinnt. Fünf Minuten später rennen wir mit zusammengerollten Gleitschirmen unter dem Arm zu den Autos und packen alles durcheinander schnell ins Trockene. Im T-Shirt stehen wir im Regen, Erdballen an durchnässten Wanderschuhen. Darin aufgedunsene Füße wir Bleikugeln an schweren Waden, zerkratzt und mit Nesselpusteln übersäht. Die Zeckensuche ist für nach dem Duschen geplant. Unsere Gesichter sind braun geworden in den letzten drei Tagen. Oder glühen sie jetzt vor Freude? Man, wir sind geflogen. Prinzessin Ladyguard von Beutnitz, wir gratulieren Ihrer Hoheit zur erstmaligen selbständigen Eroberung des Luftraumes und wünschen gutes Gelingen bei allen weiteren Feldzügen in die Senkrechte!
Montag, der 4. Mai ist ein Tag, an dem die meisten zur Arbeit müssen, in die Schule oder in die Uni. Zumindest war das in anderen Jahren so, in denen der 4. Mai ein Montag war. Heuer ist der 4. Mai ein Montag, an dem ich in die Fliegerschule muss. Ich MUSS noch drei Flüge machen, um den Grundkurs zu beenden. Ich MUSS noch einen Theorietest schreiben und in meinem Ausbildungsbuch bestätigen lassen. Ich MUSS noch was über Luftrecht lernen. Ich MUSS mir überlegen, wie ich auch nach Beendigung des Grundkurses weiter Gleitschirm fliegen kann.
Aber nicht heute. Das Wetter macht diesmal nicht mit. Hat Hakan Abspracheprobleme?
Nach bisschen Theorie in der Flugschule, dem Test und einem neuen Termin für verbleibende Übungsflüge ist der Kurs erstmal beendet.
Mit zwei Litern Wasser, Sonnencreme und einem Wechsel-T-Shirt renne ich in die Uni. Trockene Erdbatzen fallen von meinen Wanderschuhen, als ich das Gewicht auf dem Holzstuhl nach links verlagere. Ich starre der Dozentin auf ihr gelbes Halstuch.“…und gerade aus, auf den gelben Windsack zu…“.
Nasrin, was hat es gegeben, als die Osmanen in den Balkanraum eingedrungen sind?
Turbulenzen. Äh… also da ist eine Südostfront auf die Völker im Nordwesten getroffen, und die haben ordentlich Gegenwind gemacht. Die Osmanen haben trotzdem acht Achtel des Balkans bedeckt und sind bis Wien geflogen, aber da gab es einen Strömungsabriss und mit der Thermik war es auch vorbei. Mit ein paar Reformen haben sie sich noch eine Weile in der Position des niedrigsten Sinkens halten können, aber letztlich hat es ihnen den Schirm zusammengeklappt und sie sind sie in der heutigen Türkei gelandet.
Viele Generationen später ist einer aus der Türkei wieder weggeflogen und zum Glück nicht vor Wien umgedreht, sondern bis nach Jena gekommen. Da verkauft er jetzt fliegende Teppiche, konsumiert Sigara-Börek ohne Börek, leitet moderne Karawanen zu natürlichen Oasen und Thüringer Karawansaraeien und hat uns mit viel Humor ein lehrreiches und spannendes Wochenenden ermöglicht, das unendlich Lust auf mehr gemacht hat.
Am Freitag geht es weiter – wenn das Wetter so will. Auf jeden Fall geht es weiter – weil wir es so wollen. |
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