New York Tagebuch 1. - 14. Oktober 2006
Eigentlich war es eine fixe Idee von meinem Studienfreund Stefan (genannt
der Schäfer) und mir, in der Syslvesternacht zum Jahresbeginn 2006: Einfach einmal nach New York City zu fliegen. Die Idee wurde schnell zum Vorhaben.
Wochen später konnte problemlos ein Direktflug von Berlin Tegel (TLX) nach New York (JFK) bei www.ebookers.de mit Delta Airlines gebucht werden, allerdings mit Rückflug via Paris (CDG). Allein die Suche nach einem erschwinglichen Hotel in Manhattan bei www.priceline.com , wo man auf bestimmte Stadtviertel, Sterne und Reisezeit mit Kreditkarte einen bestimmten Betrag bietet und mit etwas Glück einen Zuschlag erhält, gestaltete sich schwierig. Auch mit Hilfe des Forums www.biddingfortravel.com konnte für 7 zusammenhängende Tage im Oktober mit 160 - 170 $ pro Nacht und Zimmer für 3 bis 5 Sterne kein Staat gemacht werden. Erst der Internetdialog mit Cia, einer New Yorker Blogautorin phillipinischer Herkunft, brachte ein paar nette Tips zu Tage. Ein Anruf in den empfohlenen "Off SoHo Suites" in der Lower East Side Manhattans führte dann aber im Handumdrehen zu der Buchung für 179 $ netto. Ein ganz guter Tip, wie sich später herausstellte. Damit war der Grundstein für den Wochentrip gelegt. Jeder zog sich sich noch ein, zwei Reiseführer rein und wir fühlten uns gerüstet. Ich empfehle für den praktischen Gebrauch den ADAC Reiseführer plus New York vom ADAC Verlag (mit Karte) und zur Detailinformation den Vis-a-Vis Reiseführer New York von Dorling Kindersley. Beide sind sehr unterschiedlich aufgebaut, letzterer im Live Einsatz gewöhnungsbedürftig, aber dafür mit guten Detailinfos und z.T. dreidimensionalen Darstellungen von New Yorker Quartern.
Samstag , 07.10.2006 Anfahrt von Blankenfelde, dem Wohnort von Schäfer, mit S-Bahn,U-Bahn und Bus zum Flughafen Tegel. Check-In ca. 2 Stunden vor Abflug- Fragen der Einreisebehörden und Securityangestellten
beantworten, Zieladresse angeben, Karte für die Immigrantenbehörde ausfüllen, Feuerzeuge abgeben - keine Flüssigkeiten im Handgepäck - alles o.k. - Boarding - Platz nehmen in der Boing767 - ready for kick off kurz nach
12:00 Uhr mittags - und schon finden wir uns in 33.000 ft Höhe wieder. Allein die Stewardessen überraschen mit ihrem gefühlten Durchschnittsalter von 65 und einer angestrengt gekünstelten Freundlichkeit. Die Versorgung
klappt dennoch problemlos. Nach 8,5 h Flug landen wir planmäßig gegen 16:00 Ortszeit auf JFK. Die Einreisebehörden nehmen von Non US Citizens je einen Fingerabruck der Zeigefinger und ein Digitalfoto des Gesichtes.
Sie sind gut gelaunt, lächeln freundlich, scherzen etwas. Man fühlt sich nicht schikaniert. Aus dem Flughafengebäude heraus in einem untertunnelten Teil warten zwar Taxis, aber wir zögern noch eine Zigarettenlänge,
bekommen von ein paar freundlichen, ebenfalls rauchenden Stewardessen (wesentlich jünger, als die von DELTA Airlines) den Tip: Nehmt erst den Airtrain, der gleich hier um die Ecke eine Station hat und steigt dann in den
A-train (eine Subwaylinie) um. Der Airtrain ist eine moderne, führerlose Einschienenbahn, die den ganzen Airport umrundet, an allen Terminals hält und dann zum Subwaynetz in Queens abbiegt. An der Station Howard Beach
- Airport JFK steigt man um. Ein freundlicher Inder knöpft uns die 5 $ für die Airtrainfahrt ab, nur mit dem Ticket kommt man durch die Schranke, und verkauft uns auf Anfrage gleich eine 7 Tageskarte für Subway und
Busse in ganz New York für nur 24 $. Mit dem A-Train geht es durch Queens und Brooklyn unter dem East Rivertunnel hindurch. Ein freundlicher New Yorker hatte uns schon als Touris identifiziert, nach dem Ziel gefragt,
den Umsteigetip gegeben und uns eine Subwaymap zugesteckt (die Karte er Metropolitan Transportation Authority - MTA) , die es auch an jeder Station gibt. Eine nette Geste, finden wir, steigen an der Station Fulton
Street Broadway Nassau in den J-train um und sind 5 min später an der Station Bowery. Ein paar Meter um die Ecke, in der Bowery Street treffen wir ein paar Herren vom New York Police Department (NYPD), die uns
freundlich die Richtung Uptown zur Rivington Str. zeigen. 3 Minuten später stehen wir vor dem Hotel, einem typischen Gebäude dieser New Yorker Gegend, mit eisernen Feuertreppen außen. Das Gebäude ist weiß angestrahlt,
das Äußere und der Empfangsbreich machen einen gepflegten Eindruck. Es ist ein kleines Hotel mit Suiten, die neben einem Bad auch über eine kleine Küche verfügen. Die Zimmer unserer Preisklasse müssen sich aber Küche
und Bad mit einem zweiten Zimmer im gleichen abgeteilten Bereich teilen. Das hat uns dann aber kaum gestört, da nur an ca. 3 Nächten das Nachbarzimmer belegt war, was noch dazu kaum bemerkt wurde.
Nach einer erfrischenden Dusche, Auspacken und kurzer Ruhepause zieht es uns hinaus ins Viertel. In unmittelbarer Nachbarschaft der Off Soho Suites (9 Rivington) gibt es einen deutschen Biergarten mit dem Namen
Loreley. Es handelt sich dabei nicht wirklich um einen Biergarten, im Hinterhof (Backyard) gibt es ein paar Sitze an Bänken und Tischen im überdachten Außenbereich. Ansonsten eine langgestreckte Kneipe mit separatem
Kellerbereich, in der neben vielen deutschen Biersorten (Kölsch, Jever, Radeberger ...) auch Nürnberger Würstchen, Schnitzel usw. angeboten werden. Die Kneipe scheint z.Zt. bei der Jugend angesagt. Es ist jedenfalls
schon jetzt ziemlich voll. Wir genießen ein Radeberger zu 6 $ der halbe Liter, stellen fest, dass sich ja soviel bisher noch nicht geändert hat im Vergleich zu Berlin, und ziehen weiter. Wir saugen erstmal die
Atmosphäre der Straßen in uns auf und beobachten an den Kreuzungen der Bowery, wo wie überall und immer in NYC dichter Verkehr herrscht, das Chaos. Don't block the box (Nicht die Kreuzung blockieren) und "Don't
blow the horn except in case of Danger" steht zwar an jeder Kreuzung, wird aber eher als Aufforderung betrachtet, genau das zu tun. Die Kreuzung ist permanent zugefahren und wird nicht nur von wild hupenden,
herumrudernden Yellow Cabs (NYC Taxis) sondern manchmal auch von meterlangen Stretchlimousinen durchbrochen. Irgendwie kommen dann auch noch sirenenheulende Krankenwagen durch das Blechgewühl. Mein Kumpel Schäfer findet
das nicht sonderlich merkwürdig, er kommt ja schließlich aus der Großstadt Berlin und ist einiges gewöhnt. Wir gehen Richtung Uptown ohne es wahrzunehmen, biegen in die East Houston St. links ab und kaufen an der Ecke
zur Lafayette Street etwas Kaffee, Wasser und Kekse. Draußen brummt und pulsiert das Leben, es ist immerhin Samstagabend, wir bummeln weiter, essen eine Kleinigkeit und finden uns im mittlerweile bis zum Erbrechen
vollen Loreley wieder. An der Kellerbar gehen noch zwei Radeberger und dann fallen wir todmüde ins Bett. Sonntag, 8.10.2006 Wie auch gestern schon erwartet uns ein sonniger Tag mit gefühlten 20° C bereits am
Morgen gegen 09:00. Bei einer Tasse Kaffee in der Küche der Suite ist schnell der Plan gemacht: Bei dem Wetter gehen wir Downtown und dann mit der Staten Island Fähre an der Statue of Liberty vorbei nach Staten Island.
Wir laufen durch die Springstreet zur gleichnamigen Subwaystation, nehmen die erste Treppe obwohl Uptown drüber steht, ziehen nach einigen Fehlversuchen erfolgreich die Metro Card durch den Leser, passieren die
Drehschranke und schnappen uns den einfahrenden Zug mit der Nummer 6. An der nächsten Station bemerken wir den Richtungsfehler, wechseln auf die andere Seite nehmen den Gegenzug und hören die Ansage, dass dieser nur bis
Brooklyn Bridge fährt und nicht bis zur gewünschten Station Whitehall/South Ferry. Also Canal Street raus in den nächsten Zug, einen J-train, gewechselt und dann wenigstens bis Broad Street gefahren- ein Stück Fussweg
ist sowieso besser. Der gewählte Ausgang führt uns etwas überraschend direkt vor die New York Stock Exchange an der Wallstreet Ecke Broadstreet. Wir staunen mit den anwesenden Touris, ich frage eine Polizistin, die an
einer etwa 3 Meter breiten Bannmeile vor der NYSE steht, ob mann denn Wochentags den Handel von der Besucherplattform beobachten könne. Sie sagt, das ist seit 9/11 vorbei, schade. Wir besichtigen noch das Federal Hall
National Monument mit der Bronzestatue von George Washington auf den Stufen, der dort 1789 seinen Amtseid ablegte und bummeln weiter Richtung Trinity Church. Über das südliche Ende des Broadway kommen wir dann am
Battery Park vorbei zur Staten Island Ferry Station. Dort erwartet uns eine Menge von mehreren 100 Menschen in der riesigen Abfertigungshalle. Doch als die Fähre angelegt hat geht es über mehrere Brücken innerhalb von
10 min rauf. Die Überfahrt kostet nichts und soll einen guten Blick auf die Statue of Liberty bieten, was sich zwar als richtig herausstellte, aber angesichts der Massen, die alle den gleichen Blick genießen wollten,
nicht ganz ohne Einsatz des Körpergewichtes möglich war. Auf der Rückfahrt war es dafür umso stressfreier. Die Staten Island Bus Map, die ich mir vor der Abfahrt geschnappt hatte, erleichtert unseren Entschluss, das
innere der Insel zu erkunden, irgendwas von Historic Richmond Town hatten wir gelesen. Kleine Häuser, Kirchen, viel Grün - etwas amerikanisches Landleben, das erwartet uns in Staten Island, dem etwas anderen Gesicht der
Megacity.Das japanische Pärchen, das neben mir im Bus sitzt verfolgt meinen Finger auf dem Busplan in meiner Hand und weiß auch nicht recht wo es aussteigen soll - draußen gibt es grüne Alleen mit wenigen Kneipen,
Geschäften, zwischen Holzmasten hängenden Strom- und Telefonleitungen und vielen Holzhäuschen im amerikanischen Landstil zu sehen. Nach einer guten halben Stunde Fahrt wird es immer grüner, dann wieder betonierter.
Draußen taucht eine triste Einkaufscity auf und das japanische Pärchen ist schon raus.Wo wir eigentlich nicht raus wollten, müssen wir nun aussteigen, da der Bus sein Ziel erreicht hat. Es ist sehr warm und wir haben
nur den Busplan, nachdem wir unseren Fussweg starten in der Hoffnung durch einen grünen Park zurückzukommen. Aber der Schein trügt, der Wald ist mit einem Zaun abgetrennt durch den kein Weg von der Straße hereinführt.
Also marschieren wir an den vielen schon jetzt zum Hallowien mehr als reichlich dekorierten Siedlungshäuschen vorbei bis wir endlich zu einer Straße kommen, die uns herunter nach Richmond Town führen sollte. Aber keine
Fußwege in Sicht. Amerika hat außerhalb der Innenstädte nichts für Fußgänger übrig, dachte ich und machte Schäfer den Vorschlag über den Golfplatz zu laufen, der wenigstens Wege basaß. Aber schon nach wenigen Schritten
machte ein einschlagender Golfball uns klar, wie gefährlich das werden konnte. Unter größter Aufmerksamkeit und Blickkontakt zu den schlägerschwingenden Spielern setzten wir unseren Weg fort. Ein laut raschelndes
Geräusch im Wipfel eines Baumes in unmittelbarer Nähe forderte dann nochmal unsere ganze Aufmerksamkeit, wobei sich herausstellte, dass offensichtlich ein Anfänger erheblich ins Rough geschossen hatte (so nennen
Golfspieler den Bereich außerhalb des zu bespielenden Green). Wir überleben den Weg und steigen einige steil hinabführende Wege durch Wohnsiedlungen hinab. Die Leute putzen und schrauben auch hier manchmal sogar
Sonntags an ihren Autos, wie in manchen deutschen Siedlungen und man sieht viele japanische Automarken. Als wir endlich den Bus der Linie 74 Richtung Küste erwischen, fällt uns auf, dass das Frühstück heute nur aus
ein paar Keksen und dem Kaffee bestand. So wird beschlossen irgendwo auszusteigen und etwas zu essen. Heute wird es nur eine Chicken Bar, wo eine Puertoricanerin uns die Chicken Wings, Nuggets, Pommes und einen frischen
Salat serviert. Überhaupt gehen hier viele Hispanier und Schwarze ein und aus, einige offensichtlich etwas angetrunken.Wir essen, zahlen, gehen zum Bus. Kurz bevor der Bus am Bus Stop eintrifft bekommen mitten auf der
Straße drei Puertos das Prügeln. Wir steigen in den Bus ein und ich frage den Fahrer, ob er zum St. George Ferry Terminal, fährt. Dieser schnauzt mich an, ich solle sofort von der Tür weg gehen, schließt alle Türen und
fährt mit Vollgas weiter. Anschließend belehrt er mich, wie gefährlich es sei, wenn Leute kämpfen, hat man zu fliehen, sie könnten schießen - und übrigens fahre er zur Fähre. Die Überfahrt nach Manhattan ist ein Genuss.
Der Blick auf die Verrazano Narrows Bridge, die Brooklyn und Staten Island verbindet, Liberty Island, Ellis Island und die Südspitze Manhattans bei strahlendem Sonnenschein lässt keine Wünsche offen. Vom Terminal gehen
wir in den von Statuen und Monumenten gesäumten Battery Park. Wir begegnen Straßenkünstlern und Musikern, Sonntagsspaziergängern und natürlich Touristen, Menschen aller Rassen und Farben, ein buntes Gewimmel. Unser Weg
führt uns durch die West Street wieder Richtung Norden, oder besser ein Stück Uptown zu dem Platz, wo früher die zwei Türme des WTC standen, die die Orientierung in Manhattan wesentlich erleichtert haben, weil sie immer
zu sehen waren. Das World Financial Center lassen wir sozusagen links liegen und begeben uns auf eine überdachte Brücke, die stellenweise den Blick in die riesige Grube des Ground Zero freigibt. Auf der
gegenüberliegenden Seite am Trinity Place gibt es eine Gedenkstätte, mit vielen Fotos und einer Chronologie von 9/11. Der Durst plagt uns und wir gehen in einen der vielen Deli's, die es in New York gibt, eine Art
Delikatessenladen, in dem man Getränke, Sandwiches, warme Speisen, Nahrungs- und Genussmittel kaufen aber auch an Tischen verzehren kann. Wir genießen zwei Cyder und die Ruhe, denn außer dem Personal ist keiner in dem
Laden und die John Street draußen ist zumindest Sonntags eine ruhige Straße. Nachdem uns wieder ein J-Train bis zur Station Canal Street brachte, bummeln wir noch etwas durch Cinatown. Ein buntes Lichtermeer im
Verkehrslärm, haufenweise Läden und Stände mit Uhren, Parfüms, billigen "Louis Vuitton" Taschen und richtigem China-Klimbim erwarten uns. In der Mulberry Street Richtung Uptown beginnt dann Little Italy mit
den entsprechenden Restaurants Haus an Haus und mit Sitzen auf der Straße, halt italienisch. Wir nehmen draußen im "Sambuca" (Mulberry St.) Platz, essen eine Kleinigkeit, gönnen uns ein paar Heinecken und
genießen die bewegte Straßenszene. Nach einer zweistündigen Schlafpause im Hotel lassen wir den Abend und die Eindrücke des ersten Tages in der Loreley ausklingen. Inzwischen haben wir gelernt, dass es natürlich auch am
Tresen Tip gibt, bei zwei Radebergern für 12 $ also mindestens einen drauf. Die freundliche "Maid behind the Bar" erzählt uns etwas vom teuren Wohnen in Manhattan und dass viele hier nur arbeiten und wie sie
in Brooklyn oder anderen Boroughs wohnen. Dass wir New Yorker nett finden, wundert sie nicht, es sei eben so, die von der Westküste seien mehr "plastic", wenn wir verstehen, was sie meint. Wir nicken und
fragen noch, warum jetzt alle Schnapfsflaschen und die Zapfhähne mit Küchenfolie umwickelt werden. Das sei wegen der Fliegen - Good night - cu2morrow. Montag 09.10.2006 Wir haben uns nach dem Duschen und dem
Morgenkaffee in der Küche der Suite vorgenommen, heute keinesfalls auf ein deftiges Frühstück zu verzichten. Unsere Handys (Cellphones) haben sich schon wieder bei T-Mobile eingeloggt und gegen halb zehn Uhr Morgens ist
ein Lebenszeichen bei den Daheimgebliebenen, die dem Feierabend entgegensehen angebracht. Es klappt völlig problemlos- darüber wundert sich heute keiner mehr, schon gar nicht Schäfer, der bei der deutschen Telekom
arbeitet - ich finde es immer noch beeindruckend. Heute ist es noch wärmer als gestern. Wir kennen mittlerweile das Viertel schon etwas und biegen wieder in "unsere" Spring Street ein, laufen bis zur La
Fayette Str. und finden ein Frühstückscafe mit dem Namen "Midnight Cafe". Es hat Straßentische, auf die durch eine Häuserlücke auch noch die Sonne strahlt. Scrambled eggs, Coffee, Marmelade,Toast für 8 $ , das
ist o.k. und Schäfer schlägt vor, da wir uns ohnehin Richtung Uptown vorarbeiten werden, zur Central Station zu fahren. Nach diesem Frühstück ist mir alles recht und schon finden wir uns in der 6er Subway wieder,
diesmal in der richtigen Richtung und ohne Stau beim einchecken am Drehkreuz - es wird langsam mit uns in Big Apples Verkehrsgewühl. Ein Stück an der 42thStreet entlang gelangen wir zu einem Eingang der
Grand Central Station, gehen an einigen luxuriösen Läden, Spezialitätenimbissen und Restaurants, wie der berühmten Grand Central Oyster Bar, vorbei und stehen plötzlich in der gigantischen Empfangshalle.Über
Marmortreppen gelangt man zu einer Empore, von der man einen Blick über die riesige Halle mit den Tierkreiszeichnungen im Deckengewölbe hat. Wir bummeln noch lange durch Gänge, Hallen, Bahnsteige und und staunen. Weiter
auf der 42sten Richtung Westen begegnen wir einer Absperrung zur 5thAvenue. Der Cop weist uns einen Weg um den Block und uns fällt ein, dass heute in der 5th
Av. die Columbus Day Parade zum gleichnamigen Feiertag zu Ehren des Amerika Entdeckers stattfindet.Ein Stück zurück, dann die Madison Av. hoch. Erst an der 45th Stret finden wir einen Durchgang zur 5th
Av., die anderen Straßen sind voll mit uniformierten, geschmückten und mit Blasinstrumenten ausgestatteten Gruppen sowie Paradefahrzeugen. Wir sehen gerade die Firefighter von Ladder (Feuerwache) soundso, das
müssen die Helden von 9/11 sein, weil alles klatscht.Dann ein Pressepulk mit Fernsehkameras. Die umzingeln Hillary Clinton, die in der Parade mitzieht und wohl Wahlkampf für die anstehende Kongresswahl macht. Ähnliches
muss wohl für den italienisch aussehenden Herrn im offenen, gelben Lamborghini zutreffen, der mit aufgesetztem Lächeln der Menge zuwinkt, lange stehenbleibt und immer mal ein Interview gibt.Während wir langsam weiter
Uptown drängeln, kommen noch ganze Ferrarikolonnen, und bunt geschmückte Wagen mit venezianisch gekleideten Operndivas und allerlei Kitsch, irgendwie itialienische Übermacht. Weil Schäfer sich für ein Teleobjektiv für
seine Digitale Spiegelreflex interessierte, schwenken wir in ein Fachgeschäft an der 5th
Av. ein. Der Verkäufer spricht deutsch, zieht ein Objektiv aus dem Schrank, schraubt es auf Schäfers Kamera, schickt ihn zu Probeaufnahmen auf die Straße, erläutert den großen Preisvorteil zu Europa, zieht von den angeblich gesenkten 399 $ noch 100 $ ab, lässt sich auf keinen weiteren Handel ein und bevor noch andere Gedanken aufkommen, liegt die Kreditkarte auf dem Tisch des Kassierers. Schäfer zieht etwas überrascht aber offensichtlich zufrieden weiter, ich gratuliere zu der Kaufentscheidung.
Die 49th
Str. bis zur Park Av. Richtung Osten führt uns direkt zum berühmten Waldorff Astoria Hotel. Wir setzen uns in die Lobby, bestaunen die riesige Uhr und den Flügel, der einst Cool Porter gehörte, fahren auf einen der Zwilligstürme, ohne am Etagenservice vorbeizukommen und finden uns auf der Rückfahrt im Ballsaal wieder. Dort findet gerade eine Promotionparty zur Wahl der besten Praline oder etwas Ähnlichem statt.
Bei dem schönen Wetter, es sind noch immer weit über 20° bei strahlender Sonne, wollen wir noch auf das Empire State Building.Also mit der Subway Downtown bis zur 33th Str. und rüber zur 5th
Av. zum jetzt wieder höchsten Gebäude der Stadt. Für 16 $ kaufen wir eine Karte zur umlaufenden Aussichtsterasse in der 86. Etage. Wartezeit in der Schlange einschließlich Sicherheitscheck fast 90 min. , für 40 $ gibt es die Expresskarte, um an der Schlange vorbeizukommen. Militärangehörige haben wie fast überall Sonderkonditionen und können gleich vorbei.. Wir sind geduldig und gelangen endlich mit dem Fahrstuhl in ein paar Sekunden nach oben. Dort erwartet uns erst eine Touristenprozedur - vorbei am Souveniershop mit Pyramiden und Räuchermännchen ?? aus dem Erzgebirge ??? geht es zum Fotografieren. Den elektronischen Sprachführer (Tonys Audioview) für weitere 6$ lehnen wir dankend ab und gelangen endlich auf die Plattform, wo uns fantastische Ausblicke über Manhatten erwarten. Wieder unten angekommen wandeln wir noch kurz durch die Passage, sehen die Schilder mit den hunderten hier eingemieteten Firmen und die vielen Portiers vor den Lifts zu den Büros.
Als wir vor dem Gebäude stehen jaulen ständig Feuerwehren die 34th
Richtung Westen. Die Straße scheint überhaupt gesperrt - es kümmert keinen weiter. Wir laufen weiter von Sirenengehäul begleitet und finden uns bei Macys, dem größten Kaufhaus der Welt , an der Kreuzung 34th
, Broadway, 6th
Av. wieder. Dort ist alles verstopft, die Straße voller Menschen, Feuerwehren, Polizei und Rettungsfahrzeugen. Ich stelle fest, dass die New Yorker bei so was immer nach oben schauen. Ein Hubschrauber steht über der Szene - aber Hubschrauber fliegen hier ständig über Manhattan, auch Flugzeuge sieht man sehr oft im Landeanflug auf irgendeinen der Flughäfen. Es ist immer ein komisches Gefühl in dieser Stadt mit den vielen Wolkenkratzern.
Nun stellt sich heraus, dass es ein Bombenalarm in Macys gewesen sein muss, die Angestellten des Hauses stehen auch draussen, aber keiner scheint wirklich aufgeregt. So ziehen wir den Broadway weiter in nördlicher
Richtung. Ach ja das mit den Straßen hat man doch schnell kapiert in dieser Gegend. Die Avenues gehen von Nord nach Süd und zählen von Ost nach West. Die 5thAvenue teilt Manhattan in West und Ost. Dann
bleiben nur noch die Straßen die von Süd nach Nord zählen und je nach Lage ein West oder East vorangestellt haben. Also West 34thliegt westlich der 5th Av. Und wenn man weiter geht und auf die 35
th Str. trifft, ist man nach Norden gelaufen. Manchmal kann dann schon ein bekannter Wolkenkratzer, wie das Chrysler Building als Orientierung dienen, aber die markanteste Südorientierung fehlt wie gesagt.
Man sieht gerade jetzt verhältnismäßig viele orthodoxe Juden auf der Straße. Das wundert mich nicht, denn ich hatte bereits gehört, dass in dieser Woche das jüdische Laubhüttenfest gefeiert wird. Direkt am Broadway,
nicht weit von Macy's steht ein LKW mit einer Hütte auf der Ladefläche. Ein orthodoxer,schwarz gekleideter Jude huscht aus dem an der Straße liegenden Mc Donalds mit einem Burger in der Hand und verschwindet auf dem LKW
in der schilfgedeckten Hütte. Die Juden vor dem Fahrzeug fragen mich, ob ich jüdisch sei, ich könnte doch dann auch in der Laubhütte essen. Ich verneine, erkunde mich noch nach Einzelheiten, werde auf das 3. Buch Mose
verwiesen und nach der Frage nach meiner Herkunft werde ich mit den Worten "You are Welcome" verabschiedet. Wir sehen später noch viele dieser mobilen Laubhütten und Juden mit einem Palmzweig in der einen und
einer Zitrusfrucht in der anderen Hand zur einer Hütte eilen. Kurz vor der Dämmerung sind wir am Times Square angelangt.Die Leuchtreklamen sind noch bunter, greller und größer, als wir es im Fernsehen oder auf Bildern
gesehen hatten- NASDAQ Kurse und Nachrichten auf Laufbändern, Auto- und Elektronikreklame dazu die Werbung der umliegenden Broadwaytheater - es wird schnell verwirrend und wir ziehen in eine Seitenstraße ab (46th
). Zwei Irish Pub, oder dass was man hier in dieser Gegend darunter versteht, werben mit Leuchtreklame. Wir entscheiden uns für O'Colony und bestellen zwei Smithwicks, die irische Variante vom Kilkenny, das man
aus Deutschland kennt.Es ist gut zu sitzen und die zwei Jameson Irish Whyskey, die wir auf Schäfers Kaufentscheidung trinken, sind ein Genuss.Anschließend laufen wir noch den Broadway weiter bis zum Columbus Circle. Mit
der Subwaylinie D geht es zurück zur Lower Eastside, unserem Heimatviertel. Wir entscheiden uns für ein Dinner bei einem Mexikaner in der Rivington Str. Ecke Orchard Str. Zum Essen werden mexikanische warme Fladenbrote
in einem zugedeckten Korb gereicht. Ich lasse sie links liegen in der Annahme es seien warme Lappen zum Händewaschen. In das mexikanische Bier aus der Flasche steckt man ein Limettenachtel bevor man es trinkt. Das
konnte mir Schäfer sagen, er war schon mehrmals in Kuba und kennt das wohl auch aus Berlin. Man lernt eben nie aus. Der Abend klingt noch bei zwei Radebergern im Loreley aus und Audrey, die nette Bartenderin aus
Brooklyn gibt uns noch einen Jägermeister aus einer Flaschenkühlbox aus, die wir noch nie in Deutschland gesehen hatten. Als die Plastikfolienzeremonie beginnt ziehen wir müde ab nach nebenan in die Off Soho Suites.
Dienstag 10.10.2006 Noch immer scheint die Sonne bei geschätzen 22° C . Man kennt uns schon, als wir pünktlich halb zehn zum Frühstück im Midnight Cafe an der La Fayette Str. erscheinen und wieder in der Sonne
Platz nehmen. Der Plan für heute ist schnell geschmiedet, ein Klassiker, nämlich der Walk über die Brooklyn Bridge soll Ausgangspunkt sein und Conny Island, den alten Vergnügungspark und Strand an der Atlantikküste
Brooklyns wollen wir auch bei dem Wetter mitnehmen.Also mit der 6 bis Brooklyn Bridge/City Hall und raus. Wir stehn am City Hall Park und machen einen Rundgang vorbei an der schönen Fassade der City Hall aus dem 19.Jh,
bleiben vor dem mächtigen Woolworth Building stehen und besuchen St. Pauls Chapel, die kleine Kirche, die wie durch ein Wunder beim Einsturz der Twin Towers unbeschädigt blieb. Drinnen ging es allerdings etwas kitschig
zu. Da standen Familienfotos von Angehörigen von bei 09/11 um das Leben gekommener Feuerwehrleute neben handgeknüpften oder gehäkeltem Kunstgewerbe auf Tischen an den Seiten der Kapelle. Irgendwie unpassend,bemerkte
Schäfer. Wir nehmen dann Anlauf auf die Fussgängerrampe der Brooklyn Bridge. Ständig kommen uns Läufer entgegen, die wohl schon für den Anfang November stattfindenden New York Marathon trainieren. Die Ausblicke von
dem 5,50 m über der Fahrbahn verlaufenden Gehweg auf Südmanhattan, den East River, die Piers und Brooklyn werden immer schöner. Am Mastbereich sitzen und stehen junge Leute und malen an Panoramas - wir fotografieren
lieber, aus Zeitmangel. Es weht nur eine leise Brise, auf der Fahrsprur nach Manhattan hatte es einen Auffahrunfall gegeben, keiner nimmt weiter Notiz davon, nur der Stau wächst jetzt bis nach Brooklyn zurück.Wenn man
sich nicht gerade über das Geländer beugt , bekommt man vom Verkehr unter und neben einem nicht viel mit und kann die vielen Ausblicke genießen. Auf der Brooklyn Seite fallen mir riesige Gebäudekomplexe der Watchtower
Bible Society auf, das sind die Zeugen Jehovas, das Headquarter in der USA sozusagen. Angesichts der Wärme suchen wir uns ein Cafe gleich nach der Brückenrampe in Brooklyn und trinken eine eisgekühlte Coke. Draussen
fragen wir noch eine farbige, gut beleibte Polizistin nach dem Weg zur Subway Richtung Conny Island. Sie zeigt Richtung Brücke, ich nicke und sie sagt "You are welcome" - eine nette Floskel. Der F-Train
bringt uns durch den Tunnel erst zurück nach Manhattan, weil wir falsch eingestiegen sind, wir kehren um, nehmen den richtigen Zug und haben jetzt vom Subwayviadukt (ein komisches Wort) einen guten Überblick über die
Alleen, Straßen und Wohnviertel von Brooklyn. Nach einer guten halben Stunde Fahrt steigen wir an der Endstation Conny Island/Stillwell Avenue aus und gehen Richtung Strand. Es macht einen etwas abgewrackten Eindruck
das Vergnügungs-viertel - und das ist es auch. Von der alten Pracht der Zwanziger Jahre soll nur noch dieser Rest an Fahrgeschäften, die hölzerne Achterbahn, ein Riesenrad und Imbissbuden übriggeblieben sein. Wir gehen
zum Boardwalk, jener hölzernen Strandpromenade, die von den Drifters in den Sechzigern besungen wurde. Unzählige orthodoxe Juden sind wegen des Laubhüttenfestes mit ihren Familien unterwegs. Am Strand wird gespielt. Wir
gehen noch auf die Seebrücke hinaus und treffen viele Angler, die ihre Bierflaschen in Papiertüten versteckt haben. Man trinkt in Amerika keinen Alkohol in der Öffentlichkeit. Wir fahren anschließend bis zur Atlantik
Avenue in Brooklyn zurück. Im Subwayzug sind jetzt viele Kinder aller Farben und Rassen, die gerade Schulschluss haben. Sie führen mit ihren Handys laute "Push to Talk" Gespräche, einem Service der
Verbindungen, wie mit einem Walky Talky zulässt. Hier hat ohnehin fast jeder eine Freisprechmuschel vom Mobile oder Kopfhörer vom I-pod im Ohr. An der Atlantik Avenue bummeln wir duch ein islamisches Viertel mit
vielen Geschäften, die alle Dinge führen, die ein Muselmann so braucht, Räucherstäbchen, Wasserpfeifen, Gebetsteppiche, Kopftücher, lange Kleider, Seifen, süßes Parfüm, Datteln und noch viel mehr. An der Ecke Bedford -
/Hasley Str. gehen wir zu einem arabischen Imbiss und bestellen Fischfilet mit Reis und viel Salat. Die exotischen Gewürze stimmen.Der Mann hinter dem Tresen bietet uns ein hausgemachtes Ingwerbier an, es schmeckt sehr
erfrischend, hat aber sonst mit Bier nichts zu tun. Draußen an den Tischen beobachten wir das Straßenleben und den Verkehr, bevor wir etwas ausgeruht durch eine Geschäftspassage zur Subway Richtung Manhattan bummeln.
In einer Bar in der Springstret ist uns schon einmal die Werbung für "Schäfer" Lager aufgefallen. Nun gehen wir rein, probieren eins, es ist ist furchtbar dünn und fad, der Laden ist voller junger Leute - wir
ziehen weiter. Ein Rundgang führt uns durch die belebten Straßen von SoHo , dann über die Bleeker Street zurück zur Bowery Street. Aus dem Irish Pub mit dem Namen "Slaint'e" (Prost) dringt Musik. Wir
schwenken ein, bestellen ein Guiness und hören den Musikern zu. Es klingt weder nach Irish Traditionell noch nach Bluegrass Stil und wie ich später von dem Fiddleplayer erfahre, handelte es sich um Ould Stile, einem
irischen Musikstil aus der frühen Auswandererzeit Mitte bis Ende des 19.Jh. Wir bleiben noch bis zum Schluss, der Musiker hinterlässt uns eine Adresse eines Pubs in Greenwich Village, wo sie morgen spielen. Ich erzähle,
dass wir morgen abend zum Apollo Thater wollen und ob man Karten braucht, er sagt wir sollen einfach hingehen. Wir bleiben noch bis zum Schluss und fallen dann müde in unsere Hotelbetten Mittwoch 11.10.2005
Es ist etwas kühler geworden und bedeckt, als wir am Fenster der Küche sitzen und unseren ersten Morgenkaffee trinken.Heute ist ein Spaziergang ins Village, wie die New Yorker kurz Greenwich Village nennen, angesagt.
Wenige Stationen mit dem F-Train bis West 4th/WashingtonSquare und wir stehen mitten im Viertel, das die Gebäude der New York University prägt. Bevor wir aber Richtung Washington Square wandern suchen wir ein
Cafe und werden bei einem gemütlichen Italiener namens Cafe Reggio in der McDougals Str. fündig.Es handelt sich laut Reiseführer um das 1785 eröffnete, erste Kaffeehaus der USA. Von hier aus sind es nur wenige
Schritte zum Washington Square. An steinernen Tischen sitzen junge Leute, die Schach spielen, aber entschieden abwehren, als ich ein Foto machen will - sorry. Es scheint hier mehr Eichhörnchen als Menschen zu geben,
kein Rasenstück wo nicht wenigstens eine Grupppe Eichhörnchen umherspringt. Wir werfen noch einen Blick durch den Washington Arch, der wie ein großes Tor den Beginn der Fifth Avenue markiert. Hier in Greenwich Village
haben die Straßen noch Namen, sie machen noch Knicke und Bögen, die Bebauung ist flach es gibt viel grün. In der Christopher Street, auf der wir Richtung Westen - Hudson River gehen, finden sich zahlreiche Sexshops,
Schwulencafes und Künstlerboutiquen. Wir landen schließlich an der Pier 45, wo gerade ein New York Water Taxi anlegt, und beobachten die Szene auf dem Hudson und das Panorama von New Jersey auf der gegenüberliegenden
Seite. Auf dem Rückweg finden wir in der Bedford Str. No. 86 das im Reiseführer erwähnte Speakeasy namens Chumleys, eine der illegalen Kaschemmen aus der Prohibitionszeit. Es gibt noch heute kein Schild am Eingang.
Wir nehmen passend zum Ambiente einen Jameson Irish Whyskey statt eines Selbstgebrannten. Der Hund des Barkeepers liegt mitten auf der größten freien Fläche im Raum, ein alter eiserner Ofen steht in der Ecke, der Tresen
hängt schief und die Regale scheinen sich unter der Last der Flaschen durchzubiegen, an den Wänden hängen Bilder und Buchumschläge berühmter Schriftsteller, die zur Kundschaft gehörten, so auch Ernest Hemmingway. Ein
Stück weiter in der Bedfordstr. 751/2 stehen wir vor dem schmalsten Gebäude des Viertels. Beim weiteren Bummeln landen wir in der Bleeker Street und entscheiden uns zu einem Lunch in einem Thailändischen
Restaurant. Am Tisch bekommen wir erst einen Krug Wasser und die Karte. Unser Blick fällt auf den Bildschirm an der Stirnseite des schmalen Lokals. Dort scheint ein Remake von 09/11 zu laufen, jedenfalls brennt ein
Hochhaus. Aber es handelt sich um Breaking News von CNN und für einen Augenblick stockt der Atem. Wir erfahren, dass ein Kleinflugzeug in ein Appartmenthaus in der Upper East Side, Höhe 72th, geflogen ist.
Wie sich später herausstellte, war es ein Unfall, bei dem ein populärer Baseballspieler ums Leben kam und im Gebäude keine weiteren Personen Schaden genommen haben. Die New Yorker sind viel gewöhnt und beruhigen sich
schnell wieder. Es hat angefangen zu regnen, den ersten Tag seit unserer Ankunft, und wir fahren jetzt mit der Subway 1 bis zum Columbus Circle, besichtigen den Trump Tower und entscheiden, dass es kein Wetter für
den CentralPark ist. Die Subway B fährt uns zurück zum Rockefeller Center, wir werden ziemlich nass, weil wir den Eingang im Block nicht gleich finden. Mein Hauptinteresse gilt zunächst einem gepflegten
"Restroom", wie die WC's hier heißen. Ich werde fündig und den anschließenden Geschäftsbummel beenden wir mit einem Coffee to go von Starbucks. Als wir uns am Abend auf den Weg nach Harlem zum Apollo Theater
machen hat der Regen weiter zugenommen. Wir steigen an der 125th
West aus und finden gleich das Theater. Der schwarze Mann am Eingang (in Harlem gibt es fast keine Weißen) sagt, die Amateurs Night fiele heute aus und einen Grund wüßte er nicht. Wir wollen den Abend retten und fragen uns zu Sylvia's, dem bekannten Soul-Food-Restaurant mit Livemusic durch, finden es aber geschlossen. Durchnässt bummeln wir durch Harlem, an zahlreichen Kirchen und den typischen Wohnhäusern mit den Freitreppen zur Straßenseite vorbei. Wir fragen noch in 2-3 Kneipen nach Livemusik und fahren etwas enttäuscht zurück zur Lower East Side. Nach einem kleinen Diner im Midnight Cafe erwartet man uns schon in der Loreley. Bartenderin Mascha und Kellner Nikolaus, zwei junge Deutsche, die sich hier schon länger aufhalten und jobben, sind auch schon ziemlich genervt von dem Dauerregen und treiben ihre Scherze.
Wie an jedem Abend werden aus dem Hinterausgang des Restaurants gegenüber große schwarze Säcke mit Müll auf den Gehsteig gepackt. Das machen alle Kneipen so in New York. Da liegen dann des Nachts riesige Müllberge
auf der Straße und es bedarf keines Zufalls, dass man ab und zu auch eine Ratte über die Straße huschen sieht. Irgendwann kommt dann ein Müllfahrzeug, das die Säcke in seinem riesigen Bauch verschluckt und presst. Hier
wird alles weggeschmissen, nichts getrennt, es sind mehrere Kubikmeter, die so ein Restaurant Abend für Abend abwirft. Dieser Müll wurde früher nach Staten Island gefahren, was den dortigen Bewohnern natürlich völlig
mißfiel. Jetzt landet wohl das Meiste in riesigen Müllverbrennungsanlagen. Nur den Schutt des WTC musste man noch auf der Halde in Staten Island abladen.
Wir bekommen von Mascha noch ein Radeberger auf das Haus - Good night. Donnerstag 12.10.2006 Es hat aufgehört zu regnen. Trotzdem entscheiden wir uns heute im Midnight Cafe die Srcambled Eggs drinnen zu
essen. Wir lassen uns etwas Zeit, wollen zunächst am South Broadway um die Ecke etwas shoppen gehen. Hier gibt es genug Geschäfte, die u.a. die Levis 501 anpreisen. Ein größerer Laden mit viel Auswahl und netten
Verkäuferinnen, die uns die Größen heraussuchen und zu den Kabinen bringen, füllt unsere Einkaufstaschen. Die Markenjeans sind mit 30 -40 $ bei einem Kurs von 1,25 $/€ sozusagen ein Schnäppchen. Auf dieser Höhe des
Broadway sieht man sowohl das Woolworthbuilding im Süden, als auch das Chrysler Building im Norden, das erleichtert die Nord-Südorientierung finden wir und sind mittlerweile schon etwas stolz, uns etwas auszukennen im
Big Apple. Ich hatte im Reiseführer als Beispiel moderner Architektur noch das Javits Convention Center herausgesucht, ein 15 stöckiges Ausstellungsgebäude am Hudson River, das aus 16.000 Glasplatten besteht. Das
wollen wir noch besichtigen und Entdeckungen auf den Wegen mitnehmen, wie immer. So fahren wir von der Station Broadway-Lafayette Str. mit dem B-Train bis Höhe 34th, um dann westwärts durch Chelsey und
Garment District zu wandern. Und tatsächlich, hier gibt es noch Textilfabriken, Nähereien und ganz viele Stoffläden. Als es dann etwas offener wird und wir vorbei an Lagerhäusern und einem riesigen Postterminal ziehen,
stehen wir plötlich vor der gigantischen, gläsernen Ausstellungshalle. Wir schlendern hindurch,genießen und fotografieren ein paar Ausblicke. Die gerade stattfindende Computermesse interessiert uns heute nicht weiter.
Auf dem Rückweg westwärts über die 41th
Str. gehen wir in das Port Authority Bus Terminal, einen riesigen Überlandbusbahnhof. Ausstellungen, Geschäfte, Bars, Cafes, Schalter und Rolltreppen zu den Abfahrtterminals, eben wieder great, wei alles in NYC. Da wir etwas Hunger bekommen haben kommt uns Papayas Hotdog an der 41
th . Ecke 7th
Av. Gerade recht. Laut Werbung soll es hier die besten HotDogs der Welt geben. Als Getränke werden exotische Drinks, wie Mango und eben Papayasaft gereicht. Die Hotdogs schmeckten - naja wie Hotdogs, ein Europäer kann da keine Prädikate vergeben.
Wir fahren mit der Subway 1 bis zur 72th hoch um nun endlich auch noch in den Central Park zu kommen. Wenn man dann die 72thRichtung Ost, also Central Park geht, kommt man genau an den Dakotas
raus, jenem Appartmenthauskomplex, in dem John Lennon wohnte und vor dem er auch erschossen wurde. Yoko Ohno hat gegenüber im Central Park die Strawberry Fields errichten lassen, einen kleinen tränenförmigen
Gedenkgarten mit einem Steinmosaik in der Mitte, auf dem das Wort Imagine steht. Hier sitzen viele Leute auf den Bänken und sinnieren, genießen die Stille oder warten auf eine Verabredung. Auch wir genießen einen
Augenblick, bevor wir durch die verschlungenen Wege des teilweise idyllisch angelegten Central Parks weiterwandern. In der Abendsonne ist der Blick auf die Hochhäuser von Manhattan im Süden des Parks besonders
beeindruckend. Es wird gespielt, gemalt, musiziert, gejoggt oder einfach geschlendert. Auf der Ostseite liegt die 5thAvenue, die wir überqueren und dann in das wohlhabende Appartmentviertel der Upper East
Side eintauchen. Hier hat jedes Hochhaus einen uniformierten Empfangschef der in einer luxuriösen Lobby auf die ankommenden Besitzer, Mieter und Gäste wartet und wohl unliebsame Zeitgenossen abzuweisen hat. Als wir an
der 1th Avenue angekommen sind, schlagen wir uns südwärts, sorry downtown, bis zur 60th
Str. durch, wo eine Seilbahn nach Roosevelt Island auf dem East River die Straße überspannt. Ein überraschender Anblick mitten in der Stadt. Es dunkelt schon lange und wir entscheiden, ein Dinner im vertrauten Little Italy zu nehmen. Letztlich schlendern wir von Chinatown kommend durch die Mulberry und vertrauen uns erst in der Springstreet Lombardi's an, dem Itialiener mit "The best Pizza on the Planet". Und tatsächlich, die berühmte New York Pizza wurde irgendwann nicht mehr im Holzofen, sondern im Kohleofen gebacken und ist daher einmalig. Dieser hier wurde 1905 als erste Pizzeria New Yorks lizensiert. Ob Kohle oder Holz, die knusprigen dünnen Fladen lassen wir mit 6 verschiedenen Zutaten (Pilzen, Mozarella,Brokoli, Schinken, Paprika, ich weiß nicht mehr) belegen. Mit einem Durchmesser von 18 inch bedeckt die Platte den ganzen Tisch und reicht locker für 2 Personen. Die Bedienung ist schnell und freundlich, der Laden aber auch gerammelt voll. Absolut empfehlenswert.
Das Mitternachtsbier im Loreley schmeckt heute besonders lecker. It was a nice day today - good night. Freitag 13.10.2006 Das Datum haben wir nicht wahrgenommen. Breakfast nicht bei Tiffanys, sondern
wieder im Midnight Cafe. Es hat sich bewährt, Bewährtes zu behalten und besonders beim Frühstück keine großen Experimente zu wagen, sonst ist Lunchtime und man ist immer noch hungrig.Der Vormittag soll dem Shopping
geopfert werden. Dazu scheint es uns am Einfachsten im Macy's, dem schon erwähnten größten Kaufhaus ... , einen Versuch zu starten. Es ist enorm anstrengend, hier ist alles nach Marken sortiert und nicht etwa einfach
Herren und Damenabteilung. Letztlich gibt es zum Glück extra eine Besucher und Touristenabteilung, so groß, wie ein kleines Kaufhaus. Dort werden wir fündig, Hemden, Shirts,Pullis.Es gibt haufenweise Rabatte und man
scannt am besten jedes Teil an den Checkpoints, um den wahren Preis zu sehen.Schäfer ergattert noch eine extra Rabatt , weil die nette Verkäuferin ihm den Tip gibt, die Besucherkarte am Eingang auszufüllen, die für
ausländische Gäste gedacht ist. Nach ein paar Irrgängen und Fahrstuhlfahrten im Riesenkomplex reicht es dann auch mit Shopping und wir gehen über die 34th
zur Subway Richtung Downtown, fahren bis Greenwich Village, suchen durstig einen Pub und finden ihn.Nie waren Guiness und Smithwicks so wohltuend, wie nach so einer anstrengenden Shoppingtour. Ich nutze kurz nochmal die Dienste von T-Mobile USA und melde mich zu Hause, noch ist es Abend in Deutschland. Im Pub ist sowieso alles am telefonieren, simsen, pushtalken oder spielen.
Wir schlendern noch etwas durchs Village, bringen die Einkäufe in unsere Suite und machen uns auf in letzten Stadtteil New Yorks, den wir noch nicht besichtigt haben, die Bronx.
Wir steigen am Times Square in den 2-Train um und fahren ca. eine halbe Stunde bis zur 180th
Str. Während der Fahrt sehen wir aus der nun überirdisch fahrenden Bahn schon einige der großen quadratischen Wohnblöcke, die aber nicht so gespenstisch aussehen, wie man es von den Bildern ausgebrannter Blöcke in der South Bronx der Achtziger Jahre in Erinnerung hat. Hier am Südende des größten städtischen Tierparks der USA, dem Bronx Zoo, ist es eher parkähnlich und grün. Am Bronx River sitzt ein Angler in einem Rollstuhl, ein Stück weiter plätschert ein Wasserfall, eine nahezu idyllische Szene. Für einen Zoobesuch brauchten wir allerdings wohl noch 2 Tage extra.
Vor den Holzhäusern auf der gegenüberliegenden Straßenseite hängt das übliche Kabelwirrwar und die Umspanntrafos an Elektromasten. Vorbei an einer großen Subwaystation kommen wir in eine große Einkaufsstraße, die
Tremont Avenue. Auf der Straße begegnen wir fast nur noch südamerikanisch bis karibisch aussehenden Menschen. Und auch die Geschäfte geben den Anschein, dass man eher in einer südamerikanischen Großstadt ist, viele
Auslagen und Werbungen sind nur noch spanisch oder portugiesisch.Wir bleiben an einem gepflegt aussehenden, chinesischem Self Service Restaurant stehen und entscheiden uns für ein chinesisches Dinner, hatten wir noch
nicht in dieser Stadt. Es gibt freie Auswahl an einem großen, warmen Büffett und das ganze für runde 12 $. Es überrascht uns etwas, geht doch der Bronx stets ein schlechter Ruf voraus. Wir bummeln die Allee weiter,
kaufen noch ein paar Kleinigkeiten, eine Mütze, ein Gürtel, hier scheint alles 3 $ zu kosten. Aus einer Feurwache fahren schon zum zweiten mal hintereinander sirenenheulende Löschwagen auf die Straße, die Nationalflagge
weht am Fahrzeugheck und die Besatzung legt noch letzte Ausrüstung an. Man denkt unwillkürlich an Fernsehbilder der früheren Southbronx. Aber das scheint trotzdem Geschichte zu sein. Da wir heute Abend noch etwas
Musik- und Klubszene in unserer angesagten Lower East Side erleben wollen, machen wir uns nach Einbruch der Dunkelheit auf die Rückfahrt. Außerdem soll es ja nun nachts doch nicht ganz so ungefährlich sein in diesem
Bezirk, der immerhin 1,3 Mio. Einwohner beherbergt. Die Subway 5 bringt uns direkt eastside-downtown zur Springstreet in unser Viertel. Als wir uns im Hotel an der Rivington zum Ausgehen fertigmachen, sehen wir unten
auf der Straße verhältnismäßig viele Leute, unter ihnen auch welche mit Musikinstrumenten ostwärts ziehen. Wir schlagen anschließend die gleiche Richtung ein und müssen nur auf der Rivington Str. bis zur Ludlow Str.
gehen und nach links schauen. Hier brummt der Bär. Wo am Tag heruntergelassene Rolläden eine Reihe pleite gegangener Läden vermuten lässt, ist jetzt alles hell erleuchtet, ein Musikklub neben dem anderen wirbt um seine
Gäste. 2 Polizisten drücken uns einen Merkzettel in die Hand, wo drauf steht, wie man sich im Falle eines Terrorangriffs, eines Feuers oder einer Bombendrohung verhalten soll. Vor dem Eingang eines jeden Clubs steht
eine Art Einlasser mit einem Lesegerät um den Hals. Die Leute geben ihm eine Karte, die er durch das Lesegerät zieht. Ich denke znächst es handelt sich um ein Ticket o.ä., frage Passanten, die aus einem französischen
Dinnerrestaurant kommen, und erfahre, dass es nur die ID-Kontrolle ist, also die Mindestaltersprüfung von 21 Jahren anhand der ID-Karte. Wir steuern auf den Eingang des "Living Rooms" in der Nummer 154 zu, der
Einlasser sagt "I trust you", was bei einem Durchschnittsalter von knapp 30 nicht verwundert. Hier spielen heute Abend 4 Bands, jede eine Stunde ab 20:00 Uhr.
Heute sind es "The Self Same, Libby Johnson, Ashleigh Flynn, Katy Pfaffl, and Jeff Garfinkle" In einem Bühnenraum hinter dem Ausschank gibt es Tische, wie in einem Variete. Am Tresen können wir kein Bier
bestellen, wir sollen den Service nutzen. Den gibt es hier immer und überall. In allen Restaurants wird einem ohnehin der Platz zugewiesen, damit das Tip gleichmäßig auf das Servicepersonal verteilt wird. Katy Pfaffl
ist gerade on stage, eine sehr schöne Stimme, die sich und die Band am Klavier begleitet - eine recht frische Kombination aus Pop, Folk, Rock, Jazz und World Music. Ein Eimer kreist im Publikum umher, wir schmeißen 5 $
rein. So wird die Gage für die Musiker gesammelt, der Eintritt ist hier immerhin frei. Ein Drink minimum und 5 $ Tip werden allerdings auf der Internetsite des Living Room empfohlen ( http:\\www.livingroomny.com ) . Nach dem Gig dieser Band ziehen wir erst mal weiter und stoßen an der Ecke Ludlow-Housten Street auf das berühmte Katz Deli, den größten und bekanntesten Delikatessenladen New Yorks ( http:\\www.katzdeli.com ). Es ist ein riesiger Raum, voller Leute, die an Tischen sitzen und essen, hinter dem 30 Meter langen Tresen herrscht geschäftiges Treiben, es werden Sandwiches mit Beef und Käse bereitet. Am Eingang erhält man eine grüne Karte, die an ein Busticket erinnert. Da wird der Verzehr eingelocht bzw.draufgekritzelt. Wir geben uns mit je einem Paar Frankfurter zufrieden und beschließen, Katz Deli morgen zum Frühstück aufzusuchen.
In einem Club um die Ecke dröhnt Havy Metal Sound, wir schauen rein, sehen uns die Sache kurz durch die Scheibe an, verzichten heute auf die laute Show, die zudem 10 $ Eintritt kosten soll, und wenden uns der
nächsten Msuikdarbietung im Living Room zu. Dort hat jetzt Jeff Garfinkle mit einer Countryband aufgebaut, trotz Steelguitar aber eine sehr softige und anspruchsvolle Variante dieser mit reichlich Klischees behafteten
Musik.Wir haben einen Platz an einem der Tische gefunden und genießen die Show bei einem etwas faden Lager. Als wir gegen Morgen halb 3 wieder beim Hotel sind, ist noch Leben in der Loreley und wir nehmen den
gewohnten Absacker hier noch mit. Jackie und Jessica, zwei junge mexikanische Mädels, die als Barbacks hier aushelfen, gackern herum und freuen sich, uns wiederzusehen.Zum Schluss helfen wir noch ein paar Bänke in den
Biergarten zu tragen, das kennen wir noch aus der Studienzeit in Wismar - die letzten Gäste zu sein. Good Bye Loreley - das letzte Radeberger geht aufs Haus. Samstag , 14.11.2006 Nun geht es leider ans
Packen. Es ist schon 11:00 Uhr, als wir geduscht und bepackt die Tür ins Schloss fallen lassen. Der Portier von den Off SoHo Suites schließt unser Gepäck weg, zieht die Kreditkarte durch und druckt die Quittung aus.
Plötzlich wird er gesprächiger,als sonst. Als Schäfer auf Anfrage erwähnt, er sei aus Berlin, erzählt uns der Portier, er habe 3 Jahre in Berlin gedient, es sei eine sehr schöne Stadt und er würde gern nochmal nach
Germany - Berlin.Aaf Wiedersign. Jetzt wissen wir ja, dass es nur 10 Minuten bis zu Katz Deli in der Houston Street sind. Schon haben wir wieder die grüne “Busfahrkarte” in der Hand und stehen unentschlossen vor den
Tresen, hinter denen geschäftig geschmiert, geschnitten, gerührt und eingegossen wird.Ein Kaffee am einen Ende, das Sandwich am anderen Ende des Tresens und wir sitzen etwas beengt an einem der Tische. Mein Blick fällt
auf ein großes Schild, das von der Decke hängt: “Senda Salami to your Boy in the Army”. Das hat schon seit dem 2. Weltkrieg Tradition, wie ich später recherchiere.
Ein letzter Spaziergang führt uns von der Houston Street über die Fist Avenue Uptown bis zur 14th
Str. , in die wir links abbeigen und am Union Square stehen. Hier herrscht Samstags geschäftiges Treiben, Künstler stellen Zeichnungen und Gemälde aus, Jongleure zeigen ihr Können, auf dem Rasen scheinen einige zu meditieren andere einfach zu lesen und auf dem Wochenmarkt an der Westseite des Platzes werden vor allem Blumen, Gemüse, Früchte und Backwaren angeboten.
Wir lassen bei Sonnenschein die Szene noch etwas auf uns wirken und ziehen ein letztes mal den Broadway Downtown. Im Hotel nehmen wir unser Gepäck, bedanken uns nochmal und fahren von Bowery, der gleichen Station, an
der wir angekommen sind mit dem J-Train Richtung Brooklyn. Das war eine zeitraubende Entscheidung, da der Train bereits an der nächsten Station endet und wir eine viertel Stunde auf den Anschluss warten, der uns in
einer unendlich erscheinenden Fahrt bis zur Station Broadway Junction in Brooklyn bringt, wo wir nach fast 20-minütigem Warten endlich einen A-Train besteigen, der uns zum JFK Airport-Train bringt. Bei knapp 80
Minuten bis zum Abflug werden wir ermahnt, hasten durch alle Kontrollen, kommen letztlich noch zu einem Sturbucks Kaffee und sind pünktlich beim Boarding. Der unmerklich im Pass eingeheftete Abschnitt des grünen
Einreiseformulars wird hier nochmal verlangt und einbehalten. Die jungen Stewardessen dieses Delta Airline Fluges nach Paris scheinen die Rentnercrew des Hinfluges endgültig abgelöst zu haben. Es dauert fast 90
Minuten bis wir JFK verlassen und abheben. Nach ca. 7 Stunden Flug und fast planmäßig erreichen wir gegen 10:00 Uhr Paris CDG. Trotzdem ist der Anschlussflug um 12:00 Uhr wegen der unendlich langen Wege für niemanden
zu schaffen. Allein wir sind geschafft, buchen problemlos auf einen 2 Stunden späteren Air France Flug nach Berlin um, versuchen vergebens unsere in New York geschriebenen und frankierten Postkarten hier noch
unterzubringen und landen schließlich müde in den Sitzen des Airbus und immer noch müde auch wieder in Berlin-Tegel. |