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Sepino

Sepino, ein kleiner Ort am Fuße des Gebirgsmassivs Matese, hat eine lange Geschichte und viele Zeugnisse vergangener Zeiten zu bieten.

Es gibt drei Stationen der Geschichte, die man rund um diesen Ort besichtigen kann. Die älteste ist die samnitische Befestigungsanlage Sáipins, die sich oberhalb Sepinos auf dem Hügel Terravecchia (altes Land) befindet. Allerdings ist diese archäologische Zone nicht touristisch erschlossen und ohne ortskundigen Führer und eine anstrengende Wanderung bzw. Klettertour kaum zu erreichen. Im Tal bauten die Samniter zeitgleich eine Handelsstation, die 3 Jahrhunderte später von den Römern überbaut wurde. Diese römische Siedlung, die zuerst Saepinum und später in Altila hieß, haben wir besichtigt. Drittens wäre dann noch Sepino selbst zu nennen. Diese Stadt wurde von den Einwohnern Altilas nach der Plünderung der Stadt durch die Sarazenen im 9. Jahrhundert an einem etwas sichereren Standort gegründet. Aber zurück zu Altila, das heute eine Ausgrabungsstätte ist und besichtigt werden kann.

Ausgerüstet mit einem kleinen Reiseführer (es gibt aber auch einige Informationstafeln (italienisch/englisch) auf dem Gelände), den wir uns von Carmine ausgeliehen hatten, sind wir auf Entdeckungsreise gegangen. Obwohl die Stätte relativ groß ist, braucht man keine Eintrittskarte, was uns anfänglich etwas gewundert hat. Aber nachdem wir durch die Porta Terravecchia eingetreten sind, haben wir den Grund gleich bemerkt. Denn die Anlage ist eine nette Mischung aus Antike und Gegenwart, ein Mix aus uralten Mauern und Bauernhöfen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die z.T. noch bewohnt und bewirtschaftet werden. Da diese Häuser aus den Steinen der römischen Gebäude gebaut sind, passen sie sich perfekt in das Bild ein. Während wir durch das römische Municipium gewandert sind und die antiken Ruinen bestaunt haben, sind wir grasenden Rindern und Schafen begegnet, die zwischen diesen Mauern ihr Zuhause haben. Weil ein Teil des Grundes noch den Bauern gehört, ist auch längst noch nicht das gesamte Areal freigelegt worden.

Noch bevor wir die Ausgrabungsstätte betreten hatten, waren wir schon von der Bauweise der relativ gut erhaltenen Stadtmauer mit ihren Türmen beeindruckt. Durch das Stadttor, vorbei an den ersten Bauernhäusern gelangten wir zur Kreuzung der zwei durch Saepinum führenden Straßen. Auffallend sind hier die zwanzig ionischen Säulen einer großen Halle. Wendet man sich jetzt in Richtung Porta Beneventum gegangen, kann man z.B. das Forum, einen kleinen Tempel, eine Aula, Brunnen, Becken zum Auffangen von Regenwasser und viele andere Bauwerke der Römer entdecken. In diesem Bereich wurde noch gearbeitet, als wir im September die Anlage besucht haben. Da sich hier auch die Bauerhöfe befinden, wird es wohl noch einige Zeit so bleiben.

Ein paar Meter nach dem Porta Beneventum findet man das Mausoleum des Caius Ennius Marsus. Laut der Inschrift an der Vorderseite des Gebäudes muss er einst ein wichtiger, einflussreicher, hoher Beamter gewesen sein. Zwei Löwen flankieren die Front, die noch gut erhalten ist. Nachdem wir aber einen Blick auf die Rückseite des Mausoleums geworfen hatten, waren wir der Meinung, dass sie vielleicht lieber dort wachen sollten. Denn während die Touristen nur die Vorderfront des Mausoleums besichtigen können, gelangen die Rinder über die verfallene Rückseite ins Innere und machen es sich dort gemütlich.

Wir wenden uns in Richtung der Porta Támmaro. Während uns rechts des Weges Schafe beäugen, gibt es auf der linken Seite wieder einige römische Gebäude zu sehen. Bei einem Brunnen kurz vor dem Stadttor biegen wir nach links ab. Durch einen schmalen Gang kommen wir zu den Torbögen, die den Eingang des Theaters bilden.

Es wird geschätzt, dass etwa 3000 Personen in diesem Theater Platz gefunden haben. Die Bauernhäuser hinter den letzten Rängen sind das beste Beispiel für das perfekte Zusammenspiel von alt und neu. Auf der anderen Seite der Bühne gibt es ein weiteres Tor, das zu einem schmalen Gang hinter dem Theater führt. Hier lagern jede Menge Steine, die noch ihren Platz finden müssen.

Über einen Aufgang geht es zu den Thermen, die sich direkt vor der Stadtmauer befinden. Am Ende der langen Reihe kleiner Räume sieht man schon das Porta Bovianum, das von allen Toren am besten erhalten ist.

Über eine Treppe gelangt man auf das Tor und hat eine schöne Aussicht auf die gepflasterte "Einkaufsstraße" von Saepinum, die von hier bis zur Kreuzung reicht. Die Straße diente früher gleichzeitig als Tratturo. Für uns unvorstellbar muss das Ausmaß des Gewühls auf dieser engen Straße gewesen sein, wenn beispielsweise an einem belebten Markttag zusätzlich noch riesige Viehherden durch die Stadt zogen.

Uns hat an dieser archäologischen Stätte besonders der lockere Umgang mit der Geschichte gefallen. Wo sonst laufen Touristen und Schafe auf gleichen Wegen durch Jahrtausende alte Ruinen?
Wir haben die gesamte Anlage nicht als Zeugnis vergangener Zeit, sondern eher als lebendige Geschichte verstanden. Sozusagen als Sinnbild für das heutige Molise.