Wandern - allgemein
Bei unseren Aufenthalten im Molise waren wir natürlich auch zu Fuß unterwegs. Neben den längeren Touren, über die wir ausführlicher berichten, haben wir auch ein paar kürzere Wanderungen gemacht und dabei ganz unterschiedliche Landschaften erkundet.
Matese
Beispielsweise das Gebirgsmassiv des Matese. In der Nähe des Ortes Guardiaregia findet man die "Oase von Guardiaregia", ein vom WWF verwaltetes, über 1000 ha großes Naturschutzgebiet.
Hier gibt es zahlreiche ausgeschilderte Wege, von denen wir uns den kürzesten ausgesucht haben, einen Naturlehrpfad (leider nur auf Italienisch). Unsere kleine Wanderung führte uns entlang des Quirino, zuerst oberhalb der Schlucht und später auf Höhe des Wassers. Der Wasserfall S. Nicola, der sich über mehr als 100 m in die Tiefe stürzt, war im September leider nicht vorhanden. Es fehlte schlicht an Wasser.
Colle dell'Orso
Auf unserem Trail hatten wir die Natur und die Landschaft des Colle dell'Orso bereits kennengelernt.
Wir waren aber so beeindruckt, dass wir danach noch einmal mit dem Auto dorthin gefahren sind, um die schönsten Stellen in aller Ruhe besuchen zu können. Angefangen mit den Felswänden im Wald, den efeuüberrankten oder moosbewachsenen Steinen bis hin zu den riesigen Weideflächen mit ihren Rinder- und Pferdeherden. Übrigens sind die wilden Pferde Fußgängern gegenüber gar nicht so misstrauisch wie gegenüber Reitern (warum eigentlich?), so dass wir unsere schönsten Aufnahmen an diesem "Wandertag" machen konnten.
Tratturo
Bei unseren Ausritten wurden wir auf die Tratturi (Einzahl = Tratturo) aufmerksam gemacht, die im Molise besonders zahlreich zu finden sind. Diese jahrhundertealten Triften, die zum Teil über 200 km lang sind, werden heute nur noch selten zu ihrem eigentlichen Zweck, dem Viehtrieb, benutzt. Der Verkehr auf den Tratturi war in früheren Zeiten so groß, dass er im Jahre 1447 mit einem Dekret von Alfonso I von Aragon geregelt werden musste. Darin war genau festgelegt, dass Schafe und Ziegen Ende September und Rinder im Dezember die Berge in Richtung Apulien zu verlassen hatten und wie viel die Hirten für die Benutzung der Wege (Maut) zu zahlen hatten.
Doch die Transumanza (Transhumanz) hat mit Beginn des 19. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung verloren. Von den ehemals bis zu 111 Meter breiten Triften sind heute häufig nur noch Feldwege übrig, auf denen wir zu Pferde oder auch zu Fuß etliche Kilometer zurückgelegt haben. Diese Triften bilden in Süditalien ein Wegenetz mit einer Gesamtlänge von ca. 3000 Kilometern! Neben den breiten Tratturi gab es noch Tratturelli (Nebentriften), die nur etwa 32 bis 38 Meter breit waren, und die mit 12 - 18 Metern relativ schmalen Branches.
Leider ist das Wegenetz nicht vollständig erhalten, aber die vorhandenen Strecken sind bestens ausgeschildert. Sicher ist es nur eine Frage der Zeit, bis z.B. die Mountain Biker oder Langstreckenwanderer diese Landschaft für sich entdecken.
Hier noch einige Beispiele: Regio L'Apuila - Foggia (243 km), Celano - Foggia (207 km), Castel di Sangro - Lucera (127 km), Pescasseroli - Candela (211 km).
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