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Das Debut mit einem der vielleicht besten Titel der Musikgeschichte erschien 1989 in einer 1000-Stück Auflage auf dem Label der tödlichen Doris und wurde deswegen 1994 mit Bonusstücken als CD wiederveröffentlicht. Credits: Gesang - Max Müller Gitarre - Frank Behnke Bass - Kerl Fieser Schlagzeug - Florian Koerner von Gustorf "Einleitung" von Bernhard Steudel Die Tracks 2, 3, 5, 6, 8, 9, 10, 11 wurden aufgenommen im Crelle Studio (8-Spur) von Peter Raabe. Tonmischnung im "Studio 112" von Alex Grumbach und Max Müller. "Es Juckt" wurde 1986 aufgenommen im Rauchhaus (4-Spur) von Coco Neubauer "XXX": 4-Spur Aufnahme von 1987 unter der technischen Leitung von Bernhard Steudel Zu den Bonustracks: "Together" aufgenommen im Rauchhaus (1990). Ursprünglich veröffentlicht 1990 auf dem Sampler "Naturidentische Paradiese" "Eine eigene Gesellschaft mit einer eigenen Moral" aufgenommen im Rauchhaus, überarbeitet von Gundula Schmitz und Max Müller. Erstveröffentlichung auf "Eine eigene Gesellschaft mit einer eigenen Moral" bei What's so funny about (1992) "Du bist nicht mein Bruder" aufgenommen von Niklas Ehlert im Astrosound Tonstudio. Erstveröffentlichung auf "Stahlgewitter im Glücksradtempo" bei Human Wrechords (1990/91) "Du" aufgenommen im Crelle Studio Erstveröffentlichung auf "Geräusche für die 90er" bei What's so funny about (1990) "Hassen" aufgenommen von Niklas Ehlert, abgemischt von Bernhard Steudel Linernotes: Wer schämt sich Gedanken zu haben die andere Menschen in ihrer Würde verletzen? - Eine Einleitung von Wolfgang Müller Am 24.05.1989 setzte der Tontechniker Bernhard Steudel die Schalter an der Bedienungsanlage des Tonstudios "Studio 112" in Bewegung. Als er am 14.06.1989 den roten Knopf auf OFF stellte, war die erste Langspielplatte von MUTTER fertig aufgenommen und überspielreif abgemischt. Während sich der Schlagzeuger Florian Koerner von Gustorf (26) noch seinen Schweiß mit einem Stofftaschentuch von Gesicht und Achseln wischte, begann hinter den Kulissen längst die Suche nach einem Produzenten für das MUTTER-Debut. Der Winter kündigte schon bald sein Kommen mit flatschigen Schneeflocken und Graupelhagel an, welche(r) sofort zerschmolz(en), sobald sie den Boden erreichen. Auf den Büschen und Bäumen in den Stadtparks bildete sich allmorgendlich Rauhreif. Da die Temparaturen ständig zwischen minus 1 und plus 8 Grad pendelten, blieb es die Wintermonate über feucht und schneelos. Gelegentlich gab es Glatteis auf den Straßen. "Das war früher anders!" hörte man die alten Leute reden und die Jungen sprachen vom Klimaschock. In einem Hinterhof in der Böckhstraße im Berliner Stadtteil Kreuzberg beratschlagen derweil der MUTTER E-Gitarrist Frank Behnke (34) und MUTTER Bass-Gitarrist Kerl Fieser (29) wie und vor allen Dingen wem man die Masterbänder zwecks Herstellung und Vertrieb einer Schallplatte anbieten könnte. Namen von Labels und Vertrieben fielen in die vorweihnachtliche Zeit. An den Kreuzfenstern der Fabriketage knabberten die Blau- und Kohlmeisen an den Meisenknödeln, die tierliebende Menschen dort befestigt hatten. Ihre possierlichen, ruckartigen Bewegungen, ihr neugieriges Picken an den mit Sonnenblumenkernen, Hanf- und Sesamsamen gespickten Talgknödeln erfreute die Herzen der Kinder und auch manches Erwachsenen. Ein Schellen an der Tür zerriß die entspannte Nachmittagsstimmung. Max Müller (26), Sänger von MUTTER hatte seinen Hausschlüssel bei seiner Freundin Martina (22) liegengelassen. Kerl öffnete die schwere Metalltür "Ach du! Gut, daß du kommst! Wir haben gerade über unser weiteres Vorgehen wegen der Schallplatte gesprochen..." Max streifte seine schwarzen Stiefeletten ab, in deren tiefen Sohlenrillen sich grauer Schneematsch gepreßt hatte. So oder so ähnlich hätte sich die Situation um die Band MUTTER in der Zeit zwischen Mai und Dezember 1989 abspielen können - Tatsache ist, daß sich die Ereignisse rückblickend nur schwer rekonstruieren lassen. Gesprochene Worte, Gedanken und Taten verschwimmen im Nebel der Erinnerung. Die besagte Langspielplatte erscheint schließlich auf "Die Tödliche Doris Schallplatten" unter der Bestellnummer EFA LP 15383-08 und ich darf mich rühmen, der Produzent dieser Produktion gewesen zu sein. Heute ist die LP längst vergriffen und erzielt als Rarität "die Auflage betrug nur 1000 Exemplare" Liebhaberpreise auf Plattenbörsen von Vinylsammlern. Da aber immer wieder neue Generationen heranwachsen, wäre es ungerecht, diesen die Möglichkeit zu versperren in den Genuß von "Ich schäme mich Gedanken zu haben die andere Menschen in ihrer Würde verletzen" zu kommen, nur weil sie später geboren, nicht über das nötige Kleingeld verfügen, sich heute das Teil zuzulegen. "Wäre ich damals mindestens 14 Jahre alt gewesen - ich hätte die braune MUTTER-LP ganz gewiß gekauft!" sagt mir vor kurzem ein damals (1989) genau 9jähriger. Nun, dem steht nichts mehr im Wege! Alle Freundinnen und Freunde von MUTTER und alle, die es noch werden wollen, haben mit der Veröffentlichnung der ersten MUTTER-LP als CD auf "Die Eigene Gesellschaft" die Möglichkeit, Verpaßtes jetzt nachzuholen. Mund zu, Ohren auf! Ich wünsche recht viel Vergnügen! gez. Wolfgang Müller Innervillgraten 49, Tirol 2. Januar 1994 | |