Die Hetzjagd beginnt

Hexen
Ab dem 13. Jahrhundert wird von der Kirche ein deutlich schärferer Ton gegenüber vermeintlichen Hexen angeschlagen. Thomas von Aquin (circa 1225-1274), einer der bedeutendsten Kirchentheoretiker des Mittealters, geht in seinen Schriften davon aus, dass Hexentaten mit Hilfe des Teufels tatsächlich ausgeführt werden können. Er gibt zudem detaillierte Beschreibungen der magischen Praktiken durch Hexen, zum Beispiel den Pakt mit dem Teufel, die Hexenluftfahrt, die Tierverwandlung oder das Wettermachen. In seinen Augen sind Hexen schadensbringende Weiber. Als renommierter Denker legt er damit den theoretischen Grundstein für die späteren massenhaften Hexenverbrennungen.In seinem Gefolge veröffentlichen zahlreiche kirchliche Gelehrte Traktate, die vermeintliche Hexensekten beschreiben und deren Verbrechen klassifizieren. Allmählich wandelt sich das Hexenbild: Angestachelt von Predigern und Autoren empfindet die Bevölkerung die Anwesenheit von Hexen als zunehmend bedrohlich. Eines der Kerngebiete ist die heutige Schweiz. Hier machen Anfang des 15. Jahrhunderts Inquisitoren vermeintliche neue Sekten aus, die stark vom jüdischen und vom Hexenglauben beeinflusst seien. In einem Prozess gegen solch ein Sektenmitglied taucht 1419 in der Schweizer Stadt Luzern auch zum ersten Mal das deutsche Wort "hexerye" zur Bestimmung der Praktiken auf. Text? Verfolgungen von der bösen Zauberei verdächtigen Personen gab es in fast allen Kulturkreisen; mit Hexenverfolgung als historischem Begriff meint man allerdings die Periode der legalen Hexenverfolgung bzw. der Hexenprozesse in Europa vom 15. bis ins 18. Jahrhundert. Der Grossteil der Hexenverfolgungen liegt also entgegen der landläufigen Ansicht nicht im Mittelalter sondern in der frühen Neuzeit. Weiterhin betrafen die Hexenverfolgungen nicht nur Frauen. Obgleich diese insgesamt die Mehrheit der Verfolgten bildeten, gab es Abweichungen in Regionen, wo das Bild des Zauberers traditionell männlich besetzt war. In Island waren beispielsweise 80% der verfolgten Hexen Männer.Schon im spätantiken römischen Recht (unter Diokletian) stand die Schadenszauberei unter Strafe und auch in den mosaischen Gesetzen sind entsprechende Regelungen erwähnt. In der spätantiken und frühmittelalterlichen Kirche gab es jedoch zwei konkurrierende Ansichten zur Hexerei. Augustin schloss von der physikalischen Unmöglichkeit des von der Zaubernden auf eine implizite Einladung des Teufels zur Bewerkstelligung der unmöglichen Aufgabe. Diese semiotische Auffassung der Hexerei trat aber zunächst in den Hintergrund zugunsten einer Auffassung, die sich aus den Regelungen der Kirchenväter zum Umgang mit Frauen, die glaubten mit Diana des nachts auszufahren ableitete: Diese Frauen, so heisst es dort, seien mit Nachsicht zu behandeln, denn das was sie zu tun glaubten physikalisch unmöglich sei, basiere es auf Einbildung.
Hexen
Für eine beschuldigte Frau war die Erfahrung am öffentlichen Schandpranger im Mittelalter mit Sicherheit eine schlimme Strafe. Hilf- und schutzlos war sie den Demütigungen und schmerzhaften Schikanen des Volks ausgeliefert, welches sich ohne Mitleid an dem zur Schau gestellten Weib verging. Text? du hast eindeutig zu wenig Eisen am Körper. Ich kenn mich da aus. Halseisen, Handschellen, Fußfesseln - das reicht längst nicht. Du brauchst auf alle Fälle noch einen engen Leibring, der dir das atmen so schwer wie möglich macht. von den Lenden aus haben davon schwere Ketten abzugehen, die an den Boden geschmiedet werden müssen. Ferner ist ein eiserner Kopfharness unerlässlich - mit Stirnband und Trensenartigem Mundstück.Das Halseisen ist außerdem durch ein massives Exemplar mit nach innen gerichteten Stacheln zu ersetzen. Schließlich hast du bei jeder kleinsten Bewegung das Gefühl zu haben, du bist eine niederträchtige Hexe, die diese Behandlung verdient. Solltest du ob dieser Behandlung ins Jammern geraten, wartet die nächste eisenhaltige Strafverschärfung auf dich. also: benimm dich und betrachte deine Lage als Gnade.

Text? Bei den Hexenprozessen ging es nur vordergründig um Religion, den wahren Glauben, um den Einfluss des Teufels und dessen Bekämpfung. Unübersehbar ging es um die Machterhaltung der Kirche und um wirtschaftliche Macht, um Unterdrückung der Frauen und um sexuelle Lust und Sadismus. Die Hexen mussten detailliert schildern, was der Teufel mit ihnen tat, wenn er ihnen "beiwohnte". Nicht nur die Kleidung wurde den Hexen genommen, sondern auch jegliche Körperbehaarung, da in beiden sich der Teufel verstecken hätte können.Jedes Detail des Körpers der Hexe wurde nach "Teufelsmalen" untersucht. Um ein (Wieder-)Eindringen des Teufels in den Körper der Hexe zu vermeiden, oder um sein unkontrolliertes Entweichen zu verhindern, wurden alle Körperöffnungen der Hexe verschlossen. Text? Hexen, versammelt euch! Um nie wieder zu brennen, versammelt euch! Um nie wieder gefoltert zu werden, versammelt euch! Um nie wieder gequält zu werden, versammelt euch! Um nie wieder zu sterben, versammelt euch! Um Toleranz bewahren zu können, versammelt euch! Um allem zu trotzen, versammelt euch! Um die Menschenachtung nicht ganz zu verlieren, versammelt euch! Um zu zeigen wer wir sind, versammelt euch! Versammelt euch, um nie wieder zu brennen, um nie wieder gefoltert zu werden, um nie wieder gequält zu werden, um nie wieder zu sterben, um Toleranz bewahren zu können, um allem zu trotzen, um die Menschenachtung nicht ganz zu verlieren, um zu zeigen wer wir sind! HEXEN, versammelt euch, um die Scheiterhaufen, auch in den Köpfen, zum Erlischen zu bringen!

Hexen
Seht Euch doch an Ihr grausig Ausgeburt der Hölle, Ihr Magd des Belzebub. Welch Schand für brave Bürger Ihr doch seid ! Oh nein, Euch gehört kein Respekt ! Glaubtest wohl unentdeckt deiner Wollust, im Reigen mit deinem Herrn und dessen Dienern deinem unzüchtigen Treiben fröhnen zu können, du Hexe du ? Nun denn die Inquisitoren werden deine Zunge schon zu lockern wissen um dein verruchtes Mundwerk zum gestehen deiner Taten zu bewegen. Wie ist der Name deines Herrn, von welchem Dämon bist du nur besessen ? Wenn du gestehst soll deine Pein nur Kurzweil haben...gestehe und bekenne dich der Anklage schuldig, denn wenn es Gott gefällig sein sollte, dann wir er dich erretten, doch sagst du nicht ab von deiner Unzucht und von der Hurerei mit Satan, seist du auf Ewigkeit verdammt ! Im Namen jedes züchtigen Weibes spucke ich vor dir aus !



Die Folter

Das Prinzip der Folter (Tortur, peinliche Befragung) ist so alt wie die Menschheit. Im Mittelalter galt die Folter als Instrument des Gottesurteils.Ab dem 15. Jahrhundert wurde die Folter zum funktionalen Bestandteil in den Hexenprozessen. Wurde jemand der Hexerei beschuldigt, so wurden die Vorwürfe durch Richter geprüft. Ergab die Prüfung den dringenden Verdacht der Hexerei, so wurde die Person sofort verhaftet und verhört. Erfolgte in diesem Verhör kein Geständnis, so wurde die Person gefoltert. Die Folter der Hexen bzw. Hexer wurde von Henkern (sogenannten Hexenjägern) ausgeführt. Die Hexenjäger erhielten Lohn für ihre getane Arbeit. Der Sinn der Folter bestand darin, die Verfolgten (Hexe / Hexer) zu einem Geständnis zu zwingen. Ohne Geständnis konnte die Hexe / der Hexer nicht hingerichtet werden. Auch das Schweigen galt als Geständnis, d. h. verweigerten die Hexen / Hexer die Aussage, so wurden sie trotzdem verurteilt. Hiervon ausgenohmen wurden nur wenige, z. B. schwangere Frauen, sie entgingen der Folter und Hinrichtung. Dagegen wurden Kinder wiederum gefoltert. Allgemein wurde mit der Folter so lange fortgefahren, bis das Opfer viele Komplizen genannt hatte. Auch diese wurden verhaftet und gefoltert, bis auch sie weitere Namen genannt hatten. So konnten sich aus jedem Hexenprozeß zahllose Folgeprozesse entwickeln. Es gab verschiedene Methoden der Folter. Werkzeuge waren unter anderem die Daumenschrauben und die Beinschrauben (auch spanischer Stiefel genannt). Dieses Werkzeug wurde zum Quetschen der Finger bzw. der Waden genutzt. Auch wurde durch das Schlagen mit Ruten und gleichzeitiger Streckung des Körpers gefoltert. Ein anderes Mittel war das Hochziehen an den auf dem Rücken zusammengebundenen Armen, wobei Gewichte an den Füßen die Qualen verstärkten. Es kam vor, dass ein Angeklagter während der Folter starb. Dann wurde die Schuld durch den Richter und Henker auf den Teufel abgewälzt. Es war nicht möglich, in der Folter seine Unschuld zu beweisen. Die Folter wurde bis zu vier mal wiederholt und bei Verbrechen von besonderer Härte wurde die Folter mit extremer Dauer, Härte und Häufigkeit eingesetzt. Eine Frau, die wegen Hexerei festgenommen wurde, mußte schuldig sein, ob zu Recht oder zu Unrecht. Ansonsten fühlten sich die Untersuchungsbeamten beschämt. Sobald das Schuldbekenntnis vorlag, trat nach Vorgabe der Carolina das 'Blutgericht' zusammen, um die Verurteilung zu verkünden. Die Angeklagten hatten keine Chance Text? Hexenproben sind auch unter der Bezeichnung Gottesurteil bekannt. Ein Zeichen Gottes konnte nach dem Volksglauben die Unschuld beweisen. In engen Zusammenhang steht dazu der Glaube, dass der Schuldige nur mit Hilfe teuflischen Machwerks siegen kann. Aus dieser Vorstellung entstanden die Hexenproben wie z.B. Eisen-, Feuer-, Nadel-, Tränen- und Wasserproben.Wasserprobe: Das Opfer wurde mit den Daumen an die gegenüberliegenden Zehen gefesselt und, an ein Seil gebunden, ins Wasser hinabgelassen, z.B. in einem Fluß oder Teich. Schwimmen war das Zeichen der Schuld und damit die Hexerei erwiesen. Sank der Körper ins Wasser, so galt die Angeklagte als unschuldig (meistens ertrank sie dann aber). Insgesamt konnte die Probe bis zu 3x wiederholt werden. Eine Vorstellung war, daß der Teufel im Wasser mit der Hexe war und ihr Untersinken verhinderte. Eine andere Vorstellung beruhte darauf, dass Hexen sehr leicht sein mußten,um fliegen zu können und daher nicht untergehen konnten. Die Wasserprobe wurde bei Mitgliedern unterer Klassen angewendet. Wägeprobe: Ähnlich wie in der Wasserprobe war auch hier das Prinzip, dass Hexen leichter sein mußten, um die Fähigkeit des Fliegens nicht zu verlieren. Das gemessene Körpergewicht gab Auskunft darüber, ob es sich bei der Frau um eine Hexe handelte oder nicht. Man ging davon aus, dass die angeklagte Person nicht über 5 Kilo weniger wiegen durfte als ein bestimmtes geschätztes Gewicht. War sie leichter, mußte sie eine Hexe sein. Man ging aber auch davon aus, dass, wenn sie nicht leichter war, sie die Waage verhext haben müßte (demzufolge ebenfalls als Hexe angeklagt werden konnte). Feuerprobe: Die Angeklagten mußten ein glühendes Stück Eisen über eine bestimmte Entfernung tragen, oder barfuß mit verbundenen Augen über rotglühende Pflugscharen gehen. Drei Tage später wurden Hände und Füße begutachtet. War die Angeklagte verletzt (was wohl im allgemeinen zu erwarten ist), so galt sie als schuldig, war sie unverletzt, wurde sie für unschuldig erklärt
Hexen

Lange Zeit vergessen, so lang her Wirklich vergessen, oder nur vergraben? Immer wieder wie durch Zufall An die Oberfläche gespülte Fragmente Rufen die Erinnerungen zurück Nichts ist ohne Vergangenheit Und nichts wird ohne sie sein Sie ist wie ein Wegweiser Zu den Schichten unserer Seele Hinter denen sich die Tiefe verbirgt Vergangenheit - Schleier und Masken Viele Jahre verbergen die Seele Unvergängliche Vergangenheit Immer noch Gegenwart und Zukunft Vergessen ist nicht gegeben Nur Unterdrückung und Zuschüttung Nicht ist das Vergessen für ewig Irgendwann wieder am Tageslicht Je tiefer, je länger, je härter Und voller Schmerzen Vergangenheit ist nie tot Sie ist ein Teil der Seele Sie lebt durch die Erinnerung.

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