Hintergründe
Wir möchten einen besonderen Teil Chemnitzer Geschichte beleuchten,
der sonst wohl in der "offiziellen" Geschichtsschreibung keinen Einlass finden würde.
Im Oktober 2005 war es soweit. Der Startschuss für die Chemnitzer Memoiren fiel.
Wie so oft saßen wir in einem gemütlichen Café in Chemnitz und philosophierten über die Chemnitzer Szene. Inspiriert durch die schwule Vergangenheit von Chemnitz und das freundliche und unbefangene Auftreten von einigen älteren Herrschaften, entstand die Idee dieser Übersicht (zugegeben ein-zwei Bier waren auch beteiligt).
Was damals keiner Wissen konnte, diese Arbeit sollte ein Lebenswerk werden. Vergleichbar mit "Faust", nur etwas schlimmer.
Es folgten Internetrecherchen, Recherchen in Archiven, Treffen mit ehemaligen Betreibern und natürlich auch mit Gästen die sich an Ihre Jugend erinnern konnten.
Wer denkt das es einfach ist solch eine Übersicht zu erstellen, der irrt. Für die aktuellen oder besser gesagt noch geöffneten Etablissements ist dies einfach, aber bei Discotheken die vor 5 Jahren geschlossen haben, sieht das ganze schon etwas anders aus. Ganz zu schweigen von der DDR Zeit. Von daher bleibt uns nur die Option Zeitzeugen zu finden, welche uns darüber informieren können, aber Fotomaterial auf diesem Wege zu erhalten ist auch so ein Problem.
Heute geht jeder mit einer Kamera oder Fotohandy auf Partys und hofft das er wieder richtig photogen aussieht und Fotos von sich selbst in irgendwelchen Zeitschriften oder Internetforen findet – und früher? DDR und Fotos von Schwullesbischen Veranstaltungen?
Chemnitz hat im laufe der Jahre viele Türen sich öffnen und schließen sehen. Streckenweise bot Chemnitz (proportionalgesehen) mehr Szenegastronomie als Köln an. Die 90er Jahre waren, so kann man sagen die hochzeit der Szene in Chemnitz. Daran sollten wir festhalten und nicht alles totreden, sondern vielmehr sich für unser Chemnitz stark machten.
Pünktlich zum CSD, im Juni 2006 gingen die Memoiren online. Zwar nicht vollständig recherchiert, aber dennoch konnte mann sich schon über 40 Lokale informieren.
Es sind nun mittlerweile knapp zwei Jahre vergangen seitdem wir mit den Recherchen begonnen haben und noch immer sind nicht alle Locations recherchiert. Das größte Problem ist schlicht und einfach die Zeit, die langsam aber sicher dafür sorgt das die Vergangenheit in Vergessenheit gerät. Und zugegeben, fehlende Gelder um das Chemnitzer Stadtarchiv zu nutzen.
Aber alles in allem denke ich, das dieses Projekt gelungen ist und wir einen besonderen Teil Chemnitzer Geschichte beleuchtet haben,
der sonst wohl in der "offiziellen" Geschichtsschreibung keinen Einlass finden würde.
Ein besonderer Teil, der bei näherer Betrachtung gar nicht mal so klein ist.
Für kostenlose Fotos und deren Nutzung im Ramen diesen Projetes, so wie Hintergrundinfos sind wir immer dankbar.
Ivo Kästner