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Historische Hintergrundinformation zur Epoche Sturm und Drang

Die Epoche des Sturm und Drang existiert in ihrer spezifischen Form nur in Deutschland und bezeichnet eine rein literarische Bewegung, die ihr Entstehen vor allem Johann Gottfried Herder und dem jungen Wolfgang Goethe verdankt, die 1770 in Straßburg zusammentrafen.
Es entwickelte sich ein Kreis junger Dichter (Michael Reinhold Lenz, Heinrich Leopold Wagner, Johann Heinrich Merk, Maximilian Klinger), der 1772 eine literarische Zeitschrift herausgab („Frankfurter Gelehrten Anzeigen“), in deren Artikeln die Kunst- und Lebensauffassung der jungen, für den Sturm und Drang repräsentativen Autoren, zum Ausdruck gebracht wurde.

Im Sturm und Drang wird die Freiheit des Einzelmenschen und dessen Recht auf Selbstverwirklichung propagiert, wobei die Beherrschung bzw. Beschränkung durch äußere Regeln abgelehnt wurde. Eine aktive schöpferische Lebenshaltung wurde angestrebt, die in Konflikt zu den geltenden Konventionen und gesellschaftlichen Missständen geraten konnte.
Die Artikulation individueller Empfindungen stand im Vordergrund. Die Bestimmung des Menschen erfolgte im Sturm und Drang nicht mehr primär über die Vernunft sondern über dessen Gefühlsfähigkeit. Herder setzt dem „cogito ergo sum“ des Descartes sein „Ich fühle mich! Ich bin! Entgegen und anstelle der Verstandesklugheit fordert er „Herz! Wärme! Blut! Menschheit! Leben!“ In der Literatur erhielt somit auch die Vermittlung von Gefühlsunmittelbarkeit als Stilprinzip sowie eine emotionalisierter Sparachduktus („Explosivstil“) entscheidende Bedeutung.

Der Sturm und Drang sollte aber nicht als Gegensatz zur Epoche der Aufklärung verstanden werden. Er kann eher als Radikalisierung der Grundtendenzen der Aufklärung gelten. Die Emanzipation des Einzelnen wird nämlich in beiden epochalen Strömungen angestrebt.
Der aufgeklärte Aufruf zur Emanzipation richtet sich dabei allerdings mehr an den kosmopolitischen Weltbürger, der durch vernünftige Einsicht in die gesellschaftlichen Verhältnisse die ihn beherrschenden Strukturen gemäß der bürgerlichen Moralvorstellungen in Abgrenzung zum dekadenten Adel zu verändern sucht. Der Emanzipationsaufruf des Sturm und Drangs richtet sich an den Selbstverwiklichungsdrang jedes Einzelmenschen und zielt auf dessen Engagement ab, seine individuellen Ziele und Freiheitsvorstellungen auch gegen herrschende Konventionen durchzusetzen.

Literatur:
Reinhard Lindenhahn: Arbeitsheft zur Literaturgeschichte Strum und Drang. Texte Übungen.Berlin, 1996 Cornelsen.
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