| Zur Militärfahrzeug-Übersicht zurück |
Der von mir montierte MB Lizenz-Blitz mit dem Holzvergaser.
Die wichtigsten Daten zum Basis-Bausatz:
![]() (Zum vergrössern bitte anklicken !) |
|
| TOP |
Diverse Ausrüstungsgegenstände der beiden im Karton befindlichen Figuren. |
| FLOP |
Einige grundlegende Details fehlen oder sind falsch. |
Allgemeines zum Vorbild und zum Modell:
Während der Kriegszeit mussten in Deutschland zahlreiche zivile Kfz mit Holzgasanlagen oder mit Flaschengas betrieben werden. Diesel und Vergasertreibstoffe blieben der Wehrmacht und den als kriegswichtig eingestuften Fahrzeugen von Behörden und Rüstungsunternehmen vorbehalten.
Beim Ersatzheer und bei den Heimatdienststellen der Wehrmacht wurden aber auch die alternativen Treibstoffe genutzt. Sehr bekannt sind die mit Flaschengas betriebenen Fahrschulpanzer. Auf Fotos sind auch LKW mit Imbert-Holzgasanlagen, Zivilkennzeichen und "WH"-Kennung auf dem Kotflügel zu sehen.
Als Basis für mein Modell eines Holzgas-Fahrzeuges verwendete Ich den Opel Blitz, Late Version, Nr.6386 von Italeri. Den Holzgas-Umbausatz lieferte Calibre35. Wie schon öfter erwähnt: Das Vorbild des Italeri-Bausatzes ist eigentlich kein "richtiger" Opel-Blitz. Der Blitz 3t S mit dem aus Holzplatten gefertigten Einheitsfahrerhaus wurde nur bei Mercedes-Benz als erzwungener Lizenzbau ab August 1944 gefertigt. Opel fungierte lediglich als Zulieferer.
Mein Modell entspricht einem Wagen der im Mai 1945 so ausgesehen haben könnte. Etwas schmuddelig, aber nicht übermäßig vergammelt oder verrostet. Als Grundfarbe kommt nur Dunkelgelb oder eine weiße Wintertarnung in Frage. Für die Lackierung wurden die Farben von Revell genutzt, das Washing erfolgte mit schwarzer und brauner Acrylfarbe. Der "Staub" wurde aus diversen Kreiden gewonnen und per Pinsel aufgetragen. Blankes Metall wurde mit einem 4B Bleistift dargestellt.
Das Fahrgestell:
Das Fahrgestell wurde zunächst weitgehend aus dem Karton heraus montiert. Der Motor, der Kühler, der Auspuff und der Reservereifen, mit der im Bausatz enthaltenen Felge, wurden separat vorlackiert und erst nach der Farbgebung des Rahmens angeklebt. Die eigentlich falsche Sechsloch-Felge des Reservereifen kann man getrost ignorieren. Nach dem aufkleben der Pritsche ist die nicht mehr zu sehen.
Die Lage des Reserverades musste allerdings etwas verändert werden. Der Reifen wurde etwa 8 mm weiter nach hinten, zum Rahmenheck hin aufgeklebt. Ansonsten kann der Brennofen später nicht an der richtigen Position angeklebt werden.
Die zusätzlichen Blattfederpakete der oberen Zusatzfederung an der Hinterachse wurden im Eigenbau aus Plastiksheet, Kupferdraht und Litze angefertigt. Da die hinteren Kotflügel fehlen, hat man einen guten Einblick in diesen Bereich. Auf die Anfertigung der Federn sollte also nicht verzichtet werden.
Das Bild: Das Fahrgestell, das etwas umgearbeitete Einheitsfahrerhaus und die etwas veränderte Pritsche im Rohbau. Über der Hinterachse wurden die oberen Federpakete mit den zusätzlichen Böcken nachgerüstet. Auf der rechten Seite der Pritsche musste Platz für den Brennofen der Holzgasanlage geschaffen werden.
Der komplette Rädersatz wurde aus gesammelten und überarbeiteten 8-Loch Vorderradfelgen von Italeri und Revell im Eigenbau erstellt. Die Radmuttern wurden abgeschnitten und an den korrekten Positionen neu aufgeleimt. Die ehemaligen Innen-, jetzt Außenseiten der äusseren Hinterräder wurden mit einem Fräser der Minibohrmaschine überarbeitet. Die Radnaben wurden dem Basis-Bausatz entnommen.
Alle Räder wurden auf den Achsen lediglich aufgesteckt. Ein Ersatz durch Resin-Teile ist also noch jederzeit problemlos möglich.
Die unbearbeiteten Bausatzteile für die Felgen sollte man besser nicht montieren. Sowohl die Vorderradfelgen (falsche Position der Radmuttern), als auch die Hinterradfelgen (frühe Sechsloch) passen nicht zu diesem Vorbildfahrzeug. Ein Austausch der Bausatzteile gegen die Resinräder von z.B. Toro-Model oder die Felgen und Reifen von MR-Models ist die beste Lösung. Weitere Kleinserienhersteller wie Real-Model, Trakz und Leadwarrior bieten ebenfalls Austauschteile an. Allerdings ist die Beschaffung zum Teil etwas schwierig.
![]() |
![]() |
Das Führerhaus und die Motorhaube:
An der Kabine und am Motorvorbau wurden auch einige Teile aus einem passenden Ätzteilsatz von Eduard verarbeitet. Allerdings wurden bei weitem nicht alle Metallteile verarbeitet. An einigen Stellen macht das einfach keinen Sinn. Ausserdem wurden einige der Ätzteile bereits in anderen Modellen verbaut. So wurde das Armaturenbrett mit dem Instrumentenfilm im Tanklöschfahrzeug TLF 15/43 verwendet.
Das Armaturenbrett, die vordere Spritzwand und die Pedalerie wurden aus Plastiksheet neu erstellt. Das Lenkrad wurde aus Neusilberdraht gelötet. Die entsprechenden Teile aus dem Basisbausatz kamen in die Bastelkiste.
Die offen dargestellte Einweiserluke auf dem Dach wurde mit den Metallteilen aus dem Ätzteilsatz aufgebaut. Der Ätzteilsatz lieferte auch die Scheibenwischer und die Teile für den Außenspiegel. Die innen angeklebten Antriebe der Scheibenwischer entstanden aus überfeilten Gußästen im Eigenbau.
Die angespritzten Türgriffe wurden entfernt, aus Draht neu angefertigt und eingeklebt.
![]() |
Das Bild: Die Fotoätzteile von Eduard für den Mercedes-Benz L701, Art.Nr.35235 . Wenn Ihr auf das Bild klickt, wird das Foto vergrössert. |
Die Türen am Führerhaus stellen mit den jeweiligen Seitenteilen ein komplettes Bauteil dar. Die geöffnete Darstellung der Türen ist ohne grössere Kunstgriffe nicht möglich. Ich habe auf einen entsprechenden Umbau verzichtet.
Am Motorvorbau wurden die Übergänge von den Seitenteilen zur Haube verspachtelt und verschliffen. Die Motorklappen der späten Blitze und der MB L701 waren einteilig ausgeführt.
Die Grundplatten der Federspannknebel der Haubenverschlüsse stammen aus dem Ätzteilsatz. Die Knebel wurden jedoch dem Basisbausatz von Italeri entnommen. Die Ätzteile sind zu groß und nicht plastisch genug.
Aus dem Ätzteilsatz von Eduard wurden auch noch folgende Bauteile ausgeschnitten:
Die Hauptscheinwerfer aus dem Bausatz wurden mit den Tarnblenden versehen und mit der Feile erheblich verkleinert. Die Lampen wurden mit 0,4 mm Draht in den Kotflügeln verstiftet. Die viel zu großen Tarnblenden von Eduard wurden nicht verwendet.
Der Innenraum wurde mit dem Pinsel mit diversen Revell-Farben angestrichen. Nach der Alterung und dem Abkleben der Fensterhöhlen erfolgte die Außenlackierung per Airbrush. Die Fenster wurden erst nach der kompletten Bemalung eingeklebt. Zuletzt wurde dann das Dach sauber mit Zweikomponentenkleber aufgeleimt.
Die Pritsche und die Holzgasanlage:
Am Pritschenboden wurden die vier senkrechten Halter für die Kotflügel vollständig entfernt. Die Kotflügel unter den Pritschen waren mit die ersten Teile die bei den kriegsbedingten Entfeinerungen wegfielen. Der Ausschnitt für den Ofen wurde mit der Trennscheibe der Proxxon eingearbeitet. Die Maße ergeben sich zwangsläufig durch das neue Resin-Teil für die Bordwand aus dem Umbausatz von Calibre35.
Von der rechten Bordwand wurde das erste Feld abgetrennt, gekürzt und neu angeleimt.
Der erste Pritschenquerträger wurde nach der Bauanleitung von Calibre35 gekürzt. Unter dem Pritschenboden, auf der Fahrerseite, wurden noch ein kleiner Staukasten (Italeri) und ein Kanisterhalter (Eduard) angebracht. Das winzige Vorhängeschloß am leeren Kanisterhalter wurde aus Kupferlitze und Sheet wieder scratch gebaut.
Am Kennzeichenhalter wurde noch das Kolonnenfahrgerät (Eigenbau) mit einem Anschlußkabel aus Kupferlitze nachgerüstet.
Die Bordwandverschlüsse blieben unverändert. Die Teile aus dem Ätzteilbogen waren mir einfach zu flach.
![]() |
Das Bild: Die unlackierten Resinteile aus dem Bausatz für eine Imbert Holzgasanlage von Calibre 35, Art.Nr.35018 . Wenn Ihr auf das Bild klickt, wird das Foto vergrössert. |
Die Resinteile wurden nach dem entgraten zunächst gründlich gereinigt. Ansonsten gibt es später Probleme mit der Haftung der Lackierung.
Der Ofen (Teil 3) und der Absitzer (Teil 15) wurden mit den Anbauteilen nach den Skizzen der Bauanleitung von Calibre35 vervollständigt. Die Rohranschlüsse an diesen beiden Teilen wurden mit kurzen Drahtstiften versehen. Die anzuschließenden Rohrleitungen bekamen entsprechende Bohrungen.
Sämtliche Rohrleitungen wurden untereinander ebenfalls mit 0,4 mm Draht verstiftet. Die Stifte vereinfachen das deckungsgleiche zusammensetzen der Rohre erheblich.
Der Halter für den Absitzer (Teil 5) wurde nach der Skizze unter der Stoßstange angeklebt. Dieses Teil wurde in der Wagenfarbe lackiert. Alle anderen Teile der Gasanlage wurden zunächst mit Mattschwarz Nr.8 vorlackiert und dann später mit etwas Graphitpulver (Bleistift) farblich nachbehandelt. Nach dem Ein- und Anbau an die Kabine und das Fahrgestell, wurden alle Klebe- und Verbindungsstellen noch einmal farblich nachbehandelt.
In der Baustufe 4 der Anleitung von Calibre35 hat sich ein Fehler eingeschlichen. Der Ofen wird nicht rechts vom Pritschenquerträger, sondern links davon angeklebt. Das ergibt sich einfach zwangsläufig durch die umgebaute Pritsche und das Führerhaus.
Sonstiges:
Das auf der Pritsche untergebrachte Brennholz für den Ofen wurde aus dünnen Holzzweigen und Zahnstochern abgelängt und nach der Alterung des Wagens eingeklebt.
Die Nummern der Kennzeichen (WH-1204392) stammen aus einem Beitrag den Ich in einem Forum im Netz gefunden habe. Die Ziffern wurden aus diversen Decalbögen von Italeri ausgeschnitten und zusammengesetzt.
Fazit:
Hätte Ich den Umbausatz von Calibre35 nicht derart günstig erstanden, wäre dieses Modell von mir wohl nicht gebaut worden. Bei 9,99 Euro plus 2,50 Euro Versand konnte Ich allerdings nicht widerstehen. Die etwas kuriose Optik macht dieses Modell doch recht interessant.
Der Bau war relativ problemlos. Etwas ärgerlich sind immer wieder die falschen Felgen der Blitz-Bausätze. Um viel Arbeit oder zusätzliche Ausgaben für entsprechende Resin-Räder kommt man nicht herum. Zumindest dann nicht, wenn man eine gute Optik erzielen möchte.
Der Umbausatz von Calibre35 war problemlos zu verarbeiten. Alle Teile waren sehr sauber gegossen. Die Angüsse fielen erfreulich klein aus. Das entgraten hielt sich also in Grenzen. Eines der "Rohre" war zwar etwas verzogen, das spielte aber keine besondere Rolle. Einen Decalbogen oder weiteres Zubehör enthält der Karton leider nicht.
Die Ätzteile von Eduard gehören eher in die Kategorie "muss man nicht unbedingt haben". Der Interessent sollte sich erstmal auf der Website von Eduard über den gebotenen Inhalt informieren. Die Bauanleitung und die Aufteilung der Ätzteilplatinen stehen dort zum Download bereit.
Schön wären mal Vorbildfotos die derartige Fahrzeuge, also speziell die Holzgas-L701, mit einem Wehrmachtskennzeichen zeigen. Trotz intensiver Suche habe Ich bislang noch kein Bild gefunden. Die in den 1:72 Holzgas-Bausätzen von MAC enthaltenen Nummern und Bemalungsangaben machen einen etwas merkwürdigen Eindruck. Schaut selber mal nach....
Die Kosten:
Der verwendete Basis-Bausatz wurde im September 2006 bei SGK-Modellbau in Braunschweig für 12,45 Euro erworben. Der Umbausatz von Calibre35 wurde bei ebay für 12,49 Euro (inkl. Vers.) sehr günstig ersteigert. Im Normalfall sind dafür sonst etwa 22 - 23 Euro plus eventuell anfallende Versandkosten zu bezahlen.
Wer es etwas günstiger haben möchte, kann seit August 2007 auf den Holzgas-L701 Komplettbausatz Nr.6457 von Italeri zurückgreifen. Hier gibt es eine Beschreibung dieses Bausatzes: Italeri Holzgas-L701 Nr.6457 .
Die Ätzteile wurden schon im März 2006 für knappe 12 Euro (inkl. Vers.) ebenfalls über die Plattform mit den vier Buchstaben eingekauft.
| Zur Militärfahrzeug-Übersicht zurück |
Copyright © in 2007 by Rik *Berti* Hartl