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Von Georg Thurmair
Wer jetzt daheim ist und sein
Tor verriegelt,
Wer jetzt sein Brot hat und nicht teilt,
Das Feuer löscht und seinen Mund versiegelt,
Auf einem Lager ruht und müßig weilt...
Wer noch ein Kleid hat und es nicht zerschneidet,
Wer noch zwei Hände hat und sie nicht rührt,
Die Freude liebt und keinen Kummer leidet,
Ein Herz noch hat und keine Kälte spürt...
Und wen noch nie die Liebe überwunden,
Und wem kein Werk in dieser Nacht gelingt,
Wer nie im Leben einen Menschen funden,
Der ihm ein köstliches Geheimnis bringt...
Wer nichts, kein Leben, keine Liebe spürte,
Der bleibe stumm und starr bei diesem Leid.
Ihr aber, Schwestern Christi, und ihr, Brüder,
Was wollt ihr tun in dieser kalten Zeit?
Ich wünsche Dir...
Ich
wünsche Dir nicht alle Gaben,
ich wünsche Dir nur, was alle haben,
Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freu'n und zu lachen,
Und wenn Du sie nützt, kannst Du was draus machen.
Ich
wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
nicht nur Dir selbst, sonder auch zum Verschenken.
Ich wünsche Dir Zeit, nicht zum Hasten und zum Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedensein können.
Ich
wünsche Dir Zeit, nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche Dir, sie möge Dir übrig bleiben.
Als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrau'n,
Anstatt nach der Zeit, der Uhr nur zu schau'n.
Ich
wünsche Dir Zeit nach den Sternen zu greifen
und Zeit, um zu wachsen, das heißt um zu reifen.
Ich wünsche Dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.
Ich
wünsche Dir Zeit, zu Dir selbst zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche Dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche Dir: Zeit haben zum Leben!
Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm,
daß es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte,
darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib
und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte.
Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war,
ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld. Da begegnete ihm ein armer Mann,
der sprach: »Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungerig.
« Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: »Gott segne dir's«,
und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: »Es friert mich so an meinem Kopfe,
schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.« Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm.
Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror:
da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin.
Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden,
da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte:
»Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben«,
und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin. Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte,
fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler;
und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen.
Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.

