Sicht von Westen auf die Burg Gräfenstein, Bild aus dem privaten Fotoarchiv von J. Wegmann

Geschichte der Burg


Entstehung:
Wahrscheinlich in den Jahren zwischen 1168 und 1220, als Ersatz für eine von Kaiser Friedrich Barbarossa geschleifte Burg (Steinschloß).

Jahr 1237:
Die Burg geht in den Besitz der Altleininger über.

Jahr 1250:
Nach diesem Jahr lassen die Leininger die südliche Unterburg erbauen.

Jahr 1275:
In diesem Jahr wird ein Ministeriale der Altleininger, Dancrad von Grebinstein, genannt.

Jahr 1317:
Ein anderer Zweig der Leininger, derer von Leiningen-Dagsburg, übernimmt die Burg.

Jahr 1367:
Friedrich V. von Leiningen-Dagsburg ist in diesem Jahr gezwungen 7/8 der Burg an Kurfürst Ruprecht I. zu verpfänden.

Jahr 1371:
In diesem Jahr erwarben auch die Grafen von Sponheim Anteile an der Burg.

Jahr 1393:
Ein Hannemann von Sickingen wird Teilhaber der Burg.

Jahr 1420:
Die Marktgrafen von Baden sind Mitbesitzer der Burg

Jahr 1421:
Durch Heirat erlangen die Grafen von Leiningen-Hardenburg Anteile an der Burg, die sie bis in das Jahr 1535 behielten.

Jahr 1525:
Der elsässische Kolbenhaufen äschert die Burg ein.

Jahr 1535:
Kommt Pfalzgraf Ruprecht von Zweibrücken-Veldenz gegen Zahlung von 9000 Gulden in den Besitz der Burg. Dieser ließ die Burg wieder Aufbauen, da er sie als Wohnsitz benutzte.

Jahr 1544:
Ruprecht stirbt. Der Hausrat wird nach Lauterecken gebracht, die Burg einem Verwalter übergeben.

Nach dem Jahr 1544:
Die Burg erlebt viele Besitzerwechsel.

Jahr 1560 - 1570:
In diesen Jahren endet der permanente Besitzwechsel, mit der Übernahme der Burg durch die Markgrafen von Baden-Baden.

Jahr 1635:
Durch Unvorsichtigkeit der kaiserlichen Besatzung wird die Burg eingeäschert und ist seit dieser Zeit Ruine.

Jahr 1680 - 1692:
Das Amt des Gräfenstein ist durch französische Dragoner besetzt.

Erhaltungsmaßnahmen
In den Jahren 1909/1910, 1936/1937 und 1985/1986 wurden an der Burg Instandhaltungs- und Restaurierungs-Arbeiten durch geführt.

Besonderheiten

Sehr guter Baubestand, ein sehr seltener 7-Eckiger Bergfried.

Lage

Die Kernburg liegt auf einem 12 Meter hohem Felsplateau, das sie komplett einnimmt.



Beschreibung des baulichen Zustandes

Grundriss des Gräfenstein Der Gräfenstein ist, wie die Reichsburg Landeck, ein typischer Vertreter einer in der Stauferzeit erbauten Burg.


Die Burg kann in die folgende Bereiche eingeteilt werden:

Zwingeranlage
Wie man am Grundriss erkennen kann war die Burg rundherum durch eine Zwingeranlage geschützt. Von dieser Anlage haben sich nur noch im Nordosten bedeutende Teile erhalten. In diesem Bereich ist heute wie damals auch der Zugang zur Burg, der Turm an der rechten Seite ist ein Halbschalenturm, der auf der linken Seite stehende ein Rundturm mit geringerem Durchmesser. Folgt man nun der Zwingeranlage in südliche Richtung, geht es durch einen weiteren Torbau der auf der linken Seiten durch einen weiteren Rundturm gedeckt ist. Wenn diese Tor durchschritten ist, erreicht man nach einigen Metern an der rechten Seite den Torturm der zur nördlichen Unterburg führt. In diesem Bereich ist auch noch ein Schalenturm zu besichtigen dessen offener Teil direkt dem Torturm zugewandt ist.

Nördliche Unterburg
Durch einen spitzbogigen, anscheinende zweigeschossigen Torturm betritt man im Nordosten die nördliche Unterburg, die an dieser Stelle von dem Abortschacht der Oberburg beherrscht wird. Von den Wirtschaftgebäuden und Stallungen die in diesem Teil der Unterburg lagen hat sich nur sehr wenig aufgehendes Mauerwerk erhalten, da viele der Gebäude wahrscheinlich aus Fachwerk waren. Erwähnenswert ist in diesem Bereich noch am nördlichen Ende des Kernfelsens die kreisrund eingefasste Zisterne, die heute verfüllt ist.

Kernburg
Die Kernburg steht auf einem ca. 12 Meter hohen Felsplateau, das an den Rändern senkrecht abgearbeitet ist. Der Zugang zur Kernburg erfolgt über einen neuzeitliche Treppe im Westen der Anlage. In früheren Zeiten war dieser durch einen Gusserker gedeckt und das Gestell der Treppe bestand sehr wahrscheinlich aus Holz. Nach dem durchschreiten des Einganges gelangt man direkt in den kleinen Burghof der Kernburg. Hier kann man linker Hand den Eingang und den Treppenturm des Palas sehen. Rechter Hand sieht man den Bergried mit der Schildmauer. Den größten Teil des Plateau nimmt der Wohnbau (Palas) ein, dessen Außenmauern die Ummantelung für diesen Teil des Plateau bilden. Der Wohnbau besitzt zwei Geschosse, die im nördlichsten Teil des Wohnbaues in ein drittes übergehen. Die Außenwände des Baues sind mit romanischen Fenstern durchbrochen und mit Buckelquadern verkleidet, was auf eine Entstehung der Anlage in der Stauferzeit hinweist. Die Mauer zum Burghof wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert durch einen Treppenturm ergänzt, der die einzelnen Geschosse und den Keller miteinander verbunden hat. An den Innenseiten des Gebäudes können noch die Zugänge zu der Abortanlage und die Kamine, die in jedem Stockwerk vorhanden waren, besichtigt werden. Hier war auch eine Zisterne zur Wasserversorgung der Kernburg untergebracht.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Kernburg war der siebeneckige Bergfried der in Deutschland äußerst selten ist. Sein Durchmesser beträgt in den Hauptmaßen 6x7,5 Meter, seine Höhe heute 17 Meter und sein ehemaliger Hocheingang liegt in 7 Meter Höhe.
Dieser Bergfried wird seinerseits von einer Schildmauer (Höhe ca. 9 Meter, Stärke 2 Meter)umgeben, was das Gesamtbild der Kernanlage abrundet.

Südliche Unterburg
Dieser Teil der Unterburg stammt aus dem späten 13. Jahrhundert. Von der nördlichen Unterburg führt der Weg im Westen durch zwei rundbogige Tore in diesen Bereich. Die zweigeschossigen Gebäude in der südlichen Unterburg waren an die starke Umfassungsmauer der Unterburg angelehnt. Im unteren Geschoss waren in die Umfassungsmauer Schießscharten, im oberen Geschoss Sitznischen mit Spitzbogenfenster und Aborterker eingelassen. Heute wird vermutet, dass diese Gebäude zur Kasernierung der Schutztruppen der Burg gedient haben. Auch soll im Bereich dieses Teiles der Unterburg eine Zisterne vorhanden sein, die ich aber bei meinem Besuch der Burg nicht gefunden habe.

Fazit: Die Burg ist zu einer Besichtigung sehr zu empfehlen, da sie durch ihren baulichen Zustand einen guten Einblick in den Burgenbau der Stauferzeit gibt.

Anfahrtsweg

Die Burg Gräfenstein liegt in der Nähe der Gemeinde Merzalben im Kreis Pirmasens. Merzalben ist am besten über die B10 bei Pirmasens zu erreichen. Die Burg ist leicht zu finden, da sie gut ausgeschildert ist. Geparkt werden kann direkt am Burgberg auf einem Parkplatz.

Öffnungszeiten

Das ganze Jahr hindurch.

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