Die Oberburg von Westen gesehen, Bild aus dem privaten Fotoarchiv von J. Wegmann

Geschichte


Entstehung:
Die Burg wurde vermutlich im 11. Jahrhundert von den Grafen des Speyergaus, die Gefolgsleute der Salier waren, erbaut.

Jahr 1100:
Johann, Bischof von Speyer und der letzte seiner Familie, vermachte nach seinem Tote die Burg seinem Bistum.

Mitte 12. Jahrhundert:
Um diese Zeit gelangt die Burg in Reichsbesitz.

Jahr 1186:
Wird erstmals ein Ministeriale der Reichsburg mit dem Namen Heinrich von Meistersel urkundliche erwähnt.

Jahr 1277:
Nach drei Generationen stirbt mit Sigelo der letzte derer von Meistersel aus. Das Lehen wurde dann von König Rudolf von Habsburg eingezogen.

Jahr 1306:
In diesem Jahr wird Otto IV von Ochsenstein als Lehensinhaber urkundlich erwähnt.

Jahr 1366:
Die Burg wird Ganerbenburg nach dem Ottmann von Ochsenstein den Pfalzgrafen des Öffnungsrecht einräumte.

Jahr 1369:
Die Hälfte der Burg wird an Konrad Landschaden von Steinach verpfändet. Auch in den danach folgenden Jahren nimmt die Zahl der Ganerben weiter zu.

Jahr 1391:
In einem Burgfriedensvertrag werden nicht weniger als sechs Familien genannt, die Ganerben auf der Burg sind.

Jahr 1404:
Die Zahl der Ganerben ist auf acht angestiegen.

Jahr 1406:
Bauliche Tätigkeiten auf der Burg, um sie notdürftig in Stand zu halten.

Jahr 1485:
Starb Georg von Ochsensteiner als letzter seines Geschlechtes. Sein Anteil an der Burg wird vom Reich eingezogen und von Kaiser Friedrich III. an Heinrich von Bock gegeben.

Jahr 1525:
In Bauernkrieg soll die Burg beschädigt worden sein.

Jahr 1618-1648:
Im "Dreißigjährigen Krieg" wurde die Burg endgültig zerstört und ist seit dem Ruine.

Jahr 1662:
In diesem Jahr ging die Ruine in den Besitz der Grafen von Leyen über.

Besonderheiten

Die Brunnenanlage, die von der Ober- und Unterburg erreicht werden kann und eine schöne Fenstergruppe mit vier gleichgroßen gotischen Fenstern.

Lage

Auf einem Bergkegel ca. 1 Km vom Parkplatz "Drei Eichen" bei Ramberg entfernt.



Beschreibung des baulichen Zustandes

Grundriss Reichsburg Meistersel Die Ruine der Burg Meistersel befindet sich in einem bedauernswerten Zustand. Dies belegen Berichte über die Reichsburg die schon längere Zeit zurück liegen. Einige Bauteile die dort noch beschrieben wurden sind heute verschwunden oder unter Schutt begraben. Auch musste bereits ein Teil der Reichsburg wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. Der Rest der Anlage ist bereits stark von Bäumen und Sträuchern überwuchert.

Die Anlage lässt sich in drei auf dem Grundriss erkennbare Teile aufspalten.

Das Vorburg
Das Vorburg liegt im Norden der Anlage, ist der Jüngste Teil der Reichsburg und dem eigentlichen Halsgraben vorgelagert. Die Vorburg wurde mit großer Wahrscheinlichkeit für Wohnzwecke einiger der vielen Ganerben erbaut. Leider konnte man auf dem Areal der Vorburg keine Hinweise auf eine Bebauung finden. Aufschlüsse darüber könnten Grabungen ergeben, nach dem die Schuttberge bei Seite geräumt wurden. Der einzige noch sichtbare Beweis für eine wehrhafte Umfassung dieser Anlage bildet die westliche Begrenzungsmauer mit ihren vorhandenen Schießscharten.

Die Unterburg
Der Zutritt zur Unterburg, die sich an der südwestlichen Seite des Kernfelsens entlang zieht, erfolgte entlang der westlichen Umfassungsmauer der Vorburg über den Halsgraben, der durch eine Brücke (eventuell der letzte Teil als Zugbrücke) erfolgte. Die Unterburg selbst war durch ein äußeres und inneres Tor geschützt. Derzeit ist vom äußeren Tor nichts mehr zu erkennen, da vermutlich vorhandene Reste unter Schutt begraben sind. Das innere spitzbogige Tor ist noch gut erhalten und weist Vorrichtungen für Riegelbalken auf. Der nordwestliche Teil der Unterburg wird von der Giebelwand eines ehemals dort stehenden Wohngebäudes beherrscht, die noch einen spitzbogigen Eingang und mehrere Fensteröffnungen aufweist. Ganz in der nähe dieser Giebelwand befindet sich auch die in den Fels gehauen Aufgangstreppe zur Kernburg. Im südwestlichen Teil der Unterburg befindet sich ein tonnengewölbter Keller der ehemals zu einem "Steinernen Haus" gehörte. Am südöstlichen Ende der Unterburg gab es noch die sogenannte Schnabelecke die durch einen weiteren Graben geschützt wurde. Von den Baulichkeiten die dort einmal standen war bis auf ein paar Steine nichts mehr zu sehen. Weitere Wirtschaftsgebäude der Unterburg wie z.B. die Stallungen können nur noch an Hand der Balkenlöcher im Kernfelsen lokalisiert werden. Von der eigentlichen Ringmauer der Unterburg haben sich kaum noch Reste erhalten, außer beim oben schon einmal erwähnten inneren und äußeren Tor der Unterburg.

Die Kernburg
Über den oben schon erwähnte Aufgangstreppe die zusätzlich noch einmal durch ein Tor (oder mehrere Tore) geschützt wurde, was Riegellöcher in der Felswand beweisen, erreicht man die Kernburg. Fast die gesamte Fläche der Kernburg wurde früher von zwei Wohngebäuden eingenommen. Vom nördlichen Wohnhaus (ehemaliger Palas) hat sich noch Mauerwerk bis in eine Höhe von eineinhalb Stockwerken erhalten. Auch findet man auf dem Areal dieses Gebäudes noch einen Zisterne und in der nordöstlichen Mauer die Reste eines Kamins. Der südliche Wohnbau ist zurzeit leider zum größten Teil gesperrt, da Einsturzgefahr besteht. Hier kann man eine schöne Fenstergruppe mit vier gleichgroßen gotischen Fenstern, die in dieser Gegend normalerweise nicht anzutreffen sind, besichtigen. Auch lässt sich in der östlichen Mauer, die sich in eine Höhe von zwei Stockwerken erhalten hat, mehrere Kragsteine, zwei kleine Fenster und ein Aborterker besichtigen. Da beide Wohngebäude wegen der Beschaffenheit des Kernfelsens relativ schmal waren dürften sie aus diesem Grund relativ hoch gewesen sein. Auch soll auf dem Kernfelsen ein Bergfried gestanden haben, der sich heute aber nicht mehr lokalisieren lässt. Von der nordwestlichen Mauer des letzt genannten Wohnbaus führt eine aus den Fels gehauene Treppen zum Brunnenschacht der Burg. In späterer Zeit wurde am Fuß des Kernfels eine zweiter rundbogiger Zugang zum Brunnenschacht geschaffen um auch den Bewohnern der Unterburg den Zutritt zu ermöglichen.

Mein Resümee
Wie es beim meinem letzten Besuch der Burg den Eindruck machte, wird die Burg den Verfall preisgegeben. Dies ist darum so schade weil sie ein Paradebeispiel einer typischen Felsenburg ist und dazu vom nächst gelegenen Parkplatz "Drei Eichen" in kürzester Zeit zu erreichen ist. Auch bin ich der persönlichen Überzeugung, dass bei einer Erschließung noch sehr viele Details der Burg ans Tageslicht treten würden. Weiterhin ist mir unverständlich das keinerlei Hinweisschilder zu dieser alten Reichsburg existieren, ganz als ob man sie in Vergessenheit geraten lassen wollte.

Anfahrtsweg

Am besten folgt man von Landau der B10 in Richtung Annweiler am Trifels. Kurz vor Annweiler a. Tr. verlässt man die B10 und fährt Richtung Ramberg. Nach dem durchfahren der Ortschaft Ramberg kommt man nach ca. 1,5 Km an den Parkplatz "Drei Eichen" und parkt dort. Danach setzt man über die Straße und geht den Weg rechts an der Kriegsgräber-Gedenkstätte vorbei zu der ca. 1 Km entfernten Burg die rechter Hand gut versteckt auf dem Bergkegel liegt.


Öffnungszeiten

Die Burg ist jederzeit zugänglich, aber wegen seines baulichen Zustandes zum Teil gesperrt.

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