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Familie KARLA berührende Textpassagen
Geschichte
Frühzeit
Wegen der dramatischen
Gestaltungsprozesse der Landschaft während der Interglazialzeiten ist eine
Besiedelung erst ab dem Mesolithikum wahrscheinlich. Davor zogen Nomaden
durch das Land, die den Rentierherden folgten.
Spuren früher
Besiedelung Masurens (Erdwälle, Schanzen) durch die europäische
Urbevölkerung aus dem 5. Jahrtausend vor Christus fand man bei Lötzen. Bei
Jedwabno gab es Grabfunde, die aus der frühen Bronzezeit (etwa 1.000 vor
Christus) stammten und solche, die bis in das Mesolithikum zurückreichen.
Zeit
der Prußen
Die
einwandernden Prußen besiedelten Masuren noch vor dem Jahr 2.000 vor
Christus und vermischten sich mit der ansässigen Bevölkerung. In Masuren
fasste etwa um das Jahr 1.000 vor Christus die Lausitzer Kultur Fuß. Es gab
Siedlungen aus Pfostenhäusern. Befestigte Burgen wurden auf Erhebungen oder
in sumpfigen Niederungen angelegt. Es wurde mit großen Buckeln und
Riefelungen verzierte Keramik hergestellt. Die Toten wurden auf dem
Scheiterhaufen verbrannt und in Urnen beigesetzt, die teilweise auf großen
Urnenfeldern Platz fanden. Beigaben von Tassen und Schalen lassen auf
Bestattungszeremonien schließen. Während der Periode V der Bronzezeit (900
- 750 vor Christus) differenzierte sich diese Kultur in eine westmasurische
Gruppe (Träger die Galinder) und eine ostmasurische Gruppe (Träger die
Sudauer).
Erste
schriftliche Belege über die prußischen Bewohner Masurens stammen aus Rom.
Der Kaufmann und Geograf Pytheas von Massilia erfuhr von den Prußen als
einem Volk, das östlich der Weichsel an der Ostsee wohnen sollte, und
erwähnte sie 320 vor Christus in seinem Werk "Aestuarium Oceani
Mentonoman". Der Konsul Tacitus berichtete 98 nach Christus in seiner
Germania von den Aisten (Aestii). Damit war die indoeuropäische
Völkergruppe der Balten (Prußen, Kuren, Litauer, Letten und Selen) gemeint.
Im Raum
Ortelsburg wurden zu ebener Erde angelegte Großsteingräber der Galinder aus
dem 2. Jahrhundert vor Christus gefunden.
Von etwa 100
vor Christus bis etwa 350 nach Christus fand ein kultureller Austausch der
Prußen mit den allmählich durchziehenden Goten und Vandalen statt. So
gingen die Prußen von der Urnenbestattung zur Körperbestattung über.
Im Gau Sassen
wurden Brandgräber der Vandalen gefunden. Als wissenschaftlich bedeutender
Fund gilt das "Fürstengrab von Pilgramsdorf" aus dem frühen 4.
Jahrhundert.
Der Geograf
Ptolemäus erwähnt um 170 - 180 in seiner Erdbeschreibung die Galinder und
Sudauer.
Die Sudauer
hatten ab 700 und besonders von 900 - 1200 ständig heftige Angriffe
slawischer Stämme abzuwehren. Zeugen dieser schweren Abwehrkämpfe sind
zahlreiche Burgwälle.
Durch eine
Forschungsreise, die der spanische Jude Ibrahim ibn Jacub 965 unternahm,
wurde im Westen bekannt, dass die Aestier selbst
den Namen Brus führten.
Am 9. 3. 1009
wurde der Missionar ("Apostel der Preußen") Erzbischof der Heiden
Brun von Querfurt, ursprünglich Domherr in Magdeburg und Hofkaplan von Otto
III., dann Benediktinermönch, mit 18 Gefährten bei einem Bekehrungsversuch
am Löwentinsee durch Prußen enthauptet.
Im 11.
Jahrhundert kam es zu zahlreichen Einfällen der Masowier. 1112 fielen
ihrerseits die verbündeten Pommern und Prußen in Polen ein. 1192 unternahm
daraufhin der Polenherzog Casimir einen siegreichen Rachefeldzug gegen die
Sudauer. Nach 1210 gab es durch Herzog Konrad I. von Masowien mehrere
erfolglose kriegerische Unternehmungen gegen die Prußen, welche nun
erfolgreich nach Masowien vorrückten und erst nach Erfüllung von
Tributforderungen wieder abzogen.
Anfang des
13. Jahrhunderts hatte Masuren eine Bevölkerungsdichte von 4 - 5 Einwohner
/ km².
Zeit
der Zugehörigkeit zum Ordensstaat
Im Juni 1218
rief Papst Honorius III. zum Kreuzzug gegen die Prußen auf. Um 1225 wandte
sich Herzog Konrad I. von Masowien um Hilfe gegen sie an den Deutschen
Orden ("Orden der Ritter des Hospitales von Sankt Marien der Deutschen
zu Jerusalem"). 1226 schenkte er diesem das Kulmer Land. Dieser
Schenkungsakt wurde durch Kaiser Friedrich II. mit der Bulle von Rimini
bestätigt und zugleich der Besitz des zu erobernden Prußenlandes
garantiert. 1229 erneuerte Papst Gregor IX. durch eine Bulle den Aufruf zum
Kreuzzug gegen die Prußen. 1231 begann der Orden mit der Eroberung dieses
Landes. Durch die päpstliche Bulle von Rieti 1234 erhielt der Orden das neu
eroberte Land zum "ewigen Besitz". Um 1250 war der Westen
unterworfen. Der Orden wandte sich 1252 gegen Galinden. Da es durch schwere
Kämpfe mit seinen slawischen Nachbarn stark entvölkert war, wurde es ohne
großen Aufwand erobert.
1260 erhoben
sich die Litauer gegen den Orden. Die Sudauer unterstützten die Aufständischen
und fielen tief in Ordensland ein. Erst nach Jahren konnte der Aufstand
niedergeschlagen werden.
1277 begann
der Orden unter Landmeister Konrad von Thierberg südlich des Löwentinsees und
bei Mierunsken (nordöstlich von Marggrabowa) mit dem gut vorbereiteten
Kriegszug gegen die Sudauer. Zu gleicher Zeit unternahmen einige
Sudauerführer zunächst erfolgreiche Raubzüge in das Ordensland hinein.
Nach der
Vernichtung des angreifenden Sudauerheeres setzte der Orden 1281 mit seiner
gesamten Macht die Eroberung des Gaus Sudauen fort. Der Hauptstoß richtete
sich gegen den Sudauerfürsten Skomand, der sich als Hauptgegner des
Deutschen Ordens erwiesen hatte. Sein Gebiet wurde erobert und seine am Südufer
des Skomentner Sees (östlich Lyck) gelegene Burg zerstört. Skomand wich mit
seinen Leuten nach Weißrussland aus und unternahm kurze Zeit später den
erfolglosen Versuch, sein Gebiet zurückzuerobern. Mit seiner Kapitulation
1283 und dem Übertritt zum christlichen Glauben wurde auch der Rest
Masurens Teil des Ordensstaates. Ein Teil der Sudauer wurde vom Deutschen
Orden vertrieben, 1.600 von ihnen im "sudauischen Winkel" des
Samlandes angesiedelt. Skomand und seine Nachfahren bekamen Land übereignet
und gehörten fortan zum hohen preußischen Adel.
Das
Ordensland wurde in Komtureien unterteilt. Jede Komturei wurde von einem
Komtur verwaltet, dem ein Konvent (mehrere Ordensritter) beigegeben wurde.
Die
Besiedelung Masurens mit deutschen Kolonisten kam wegen der schlechten
Infrastruktur und der unsicheren Grenzlage (Einfälle der Litauer und Polen,
Grenzstreitigkeiten) nur schleppend voran. Um Sicherheit für Siedler zu
schaffen, baute der Orden "feste Häuser" (befestigte Holzgebäude
mit einem Palisadenzaun) oder Burgen (in Stein), in deren Schutz dann
Siedlungen gegründet wurden.
Burgenbau:
1266 - 1268 Neidenburg in Holz, 1376 in Stein
1335 Angerburg, 1365 durch Litauer zerstört, 1398 Neuaufbau
1337 - 1340 Leczenburg (Lötzen), 1365 durch Litauer zerstört
1344 Soldau
1345 Johannisburg, 1361 und 1366 durch Litauer zerstört
1348 Seehesten, 1371 Vorburg durch Litauer zerstört
1360 Ortelsburg, 1370 durch Litauer zerstört, Neuaufbau in Stein
1360 Eckersberg
1377 Rhein
1398 Lyck in Holz, 1408 in Stein
Anfangs wurde
Landbesitz nach "kulmischem Recht" vergeben, weil der Orden die
Ansiedelung erleichtern wollte. Es haftete nicht an der Person, sondern am
Grund und Boden. Der Besitz durfte uneingeschränkt auf Söhne und Töchter,
Brüder und Schwestern vererbt werden. Mit fortschreitender Besiedelung
wurde der Landbesitz nach "magdeburgischem Recht" vergeben. Auch
dieses Recht haftete nicht an der Person. Es konnten nur die direkten
männlichen Nachkommen erben. Später wurde das Erbrecht "zu beider
Kinder Rechte" erweitert, so dass auch Töchter erben konnten.
Die
Kolonisation begann im Gau Sassen. Der Orden führte Grenzverhandlungen mit
polnischen und litauischen Fürsten. Die Grenze zwischen Gallinden und
Masowien wurde unter Hochmeister Luther von Braunschweig (1331 - 1335) festgelegt.
Diese Grenze wurde unter Hochmeister Dietrich von Altenburg (1335 - 1341)
nochmals deklariert.
Nachdem der
Deutsche Orden 1409 Polen den Krieg erklärt hatte, kam es am 15. 7. 1410
zur Schlacht bei Grünfeld (polnisch Grunwald) und Tannenberg (Stebark), in
der das Ordensheer unterlag. In den folgenden Jahren war Masuren Schauplatz
von furchtbaren Raubzügen der Polen und Litauer, die die Region verheerten.
Erst nach dem Frieden am Melnosee 1422 festigten sich wieder die
Verhältnisse.
In dem nicht
zum Ordensstaat gehörenden Teil des Gaus Sudauen hatten sich inzwischen
masowische Bauern und Kleinadlige angesiedelt. Durch sie war es bereits zur
Landnahme im menschenleeren südlichen Teil Masurens gekommen. Als Antwort
darauf begann der Orden mit der planmäßigen Erschließung der Region, indem
für "Freidörfer", "Freigüter" und
"Zinsdörfer" Privilegien (Handfeste) erteilt wurden. Freidörfer
wurden von freien Bauern bewohnt. Sie hatten ihren Besitz zumeist nach
kullmischem Recht erworben und wurden deshalb auch Köllmer genannt. Adlige
Dörfer und Güter leisteten Abgaben an einen vom Orden angesiedelten
Adligen.
Ortsgründungen:
1367 Rudwangen
1371 Langenbrück
1373 Warpuhnen, Sontag
1376 Weißenburg
1379 Sorquitten
1383 Jedwabno, Malschöwen, Burdungen, Braynicken
1387 Lissaken bei Neidenburg
1391 Maradtken
1392 Masehnen, Gronau, Nakomniaden
1397 Nawiadt
1399 Salpgick
1401 Seehesten, Peitschendorf
1403 Rehsau
1406 Engelstein, Guja
1411 Faszen
1415 Weidicken
1421 Reussen
1422 Brödienen, Mertinsdorf, Polskawiesz
1428 Bialla, Kumilsko, Lissaken, Sokollen, Kowalewen
1429 Turowen, Rakowken
1431 Chelchen
1434 Quicka
1435 Prinowen, Dlottowen, Kosuchen, Mikutten, Pawlozinnen
1436 Drygallen
1437 Rosengarten, Pilwe, Muntowen
1438 Plotzitznen, Brosowen
1439 Krzywen, Neuendorf
1440 Gollubien
1443 Arys als Neudorf
1445 Jeschen, Lisken
1448 Poseggen
1452 Thiergarten, Bogumillen, Skarzinnen
1453 Adlig Rakowen
1471 Groß Rosinsko, Grusen, Gusken, Jakubben, Kuklen, Bagensken, Zwalinnen,
Proberg
1475 Stradaunen
1476 Skomentnen, Grodzisko, Kossaken
1478 Kehlen, Soldahnen
1480 Widminnen
1482 Statzen, Prostken
1484 Grabnick, Kosken
1491 Lipniken
1495 Dziadowen, Schymken
1496 Doben, Grieslack
1499 Skomatzko, Schaden, Kallinowen
1503 Schimonken
1504 Pissanitzen
1508 Sdorren
1512 Talten
1514 Angerburg als Neuendorf
Es gibt auch
Dörfer, die bereits in früher Sudauerzeit besiedelt waren: Lepacken,
Moldzien, Judzicken, Niekrassen, Kopicken, Sarken und Orzechowen. Die
Kolonisten errichteten ihre Höfe im bereits bestehenden Dorfverband und
rodeten den Wald zur Gewinnung von neuem Ackerland.
1454 - 1466
wurde Masuren wiederholt von Polen besetzt und ausgeplündert, weil der
Ordensstaat wegen innerstaatlicher Auseinandersetzungen ab 1441 mit den
Ständen, dem Adel und den Städten Danzig (polnisch Gdansk), Thorn (Torun),
Elbing (Elblag), Neidenburg und Rastenburg (Ketrzyn) außenpolitisch
handlungsunfähig war. Die Unzufriedenen wählten den König von Polen zum
Schutzherrn. Die Festung Lyck wurde niedergebrannt.
Durch den 2.
Thorner Frieden vom 19. 10. 1466 wurde das Ordensterritorium aus dem
Verband des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gelöst. Es geriet
in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Polen.
Der Zustrom
von Siedlern aus Masowien, vor allem Angehörige des Kleinadels, aber auch
Leibeigene, nach Masuren nahm zu. Die masowischen Siedler mussten ihren
Besitz in der Regel kaufen. Er wurde ihnen zu magdeburgischem und beider
Kinder Rechte verliehen. Bis 1525 wanderten 20.000 - 25.000 Masowier ein
bei einer Gesamtbevölkerung von 30.000 - 40.000. Andere Volksgruppen
(Deutsche, Prußen, Ukrainer und Litauer) gingen allmählich im masowischen
Element auf. Als Sprache wurde Masurisch vorherrschend.
1520 fielen
Polen in die Gebiete Rhein, Lyck, Stradaunen, Lötzen und Sehesten ein und
verheerten sie.
Zeit
der Zugehörigkeit zum Herzogtum Preußen
1525 führte
der Friede zu Krakau zur Säkularisierung des Ordensstaates. Masuren wurde zusammen mit den anderen Landschaften des
Ordensstaates Teil des weltlichen Herzogtums Preußen.
Aus den
Komtureien der Ordenszeit wurden die Hauptämter, geleitet von einheimischen
Adligen, davon auch ehemaligen Ordensrittern. "Amtsdörfer" wurden
auf altem Ordensbesitz gegründet und leisteten Abgaben an den
Amtshauptmann.
Ortsgründungen:
1526 Rydzewen
1538 Ostrokollen
1542 Klein Stamm
1544 Szeczinowen, Sawadden
1545 Olschewen
1548 Wosnitzen, Borowen
1549 Groß Kosuchen
1550 Lißuhnen
1555 Dopken
1559 Czerwanken
1563 Glodowen
1564 Diebowen
1566 Benkheim
1570 Babienten, Macharren, Czierspienten
1571 Roggen
1572 Gonswen
1573 Giesewen
1584 Siemanowen, Mniodunsken
1588 Grabowen, Doliwen
1602 Isnothen
1615 Dubeningken
1617 Mosdzehnen
1623 Prawdowen
1663 Lubjewen
1699 Wiartel
1700 Wolka
1549 kamen
die "Böhmischen Brüder" als evangelische Glaubensflüchtlinge ins
Land. Die meisten Glaubensflüchtlinge kamen jedoch aus Polen, so die
"Sozianer".
Am 4. 4. 1571
bekam Angerburg die Stadtprivilegien zuerkannt.
Im 16.
Jahrhundert wütete die Pest und die Tataren fielen in das Land ein.
Im
Schwedisch-polnischen Erbfolgekrieg fielen 1655 schwedische Truppen in
Masuren ein.
König Johann
Kasimir von Polen versammelte überraschend schnell seine in der Schlacht
vor Warschau (polnisch Warszawa) gegen die Schweden und Preußen
geschlagenen Truppen und verbündete sich mit krimtatarischen Streitkräften
unter Führung des polnisch-litauischen Generals und Hetmans Vincenty
Corvinus Gonsiewski. Die Schweden und Preußen konnten dieser Streitmacht
nur unterlegene Kräfte entgegenstellen. Sie verloren am 8. 10. 1656 in der
Schlacht von Prostken mehr als die Hälfte ihrer Kämpfer, die Kanonen und
den Tross. Masuren stand einer beutegierigen
Soldateska offen. Die Tataren fielen ein. 23.000 Masuren wurden getötet und
34.000 in die Gefangenschaft oder Sklaverei verschleppt. 2 Drittel der
Ortschaften wurden zerstört: Lötzen vollständig. 1000 Einwohner kamen zu
Tode. Zerstört wurden auch Rhein, Soldau, Bialla, Pissanitzen, Lyssewen,
Romotten, Przepiorken, Roggen und Dubeningken. Das Rathaus, die Kirche und
die Provinzialschule in Lyck wurden von den Tataren in Asche gelegt und
unter anderen die Kirchen von Nikolaiken, Ostrokollen und Kumilsko sowie
fast der ganze Ort Ostrokollen und viele Häuser in Grabnick,
Kolleschnicken, Grondzken, Romanowen, Jendreyken, Borschymmen, Ortelsburg
und Arys zerstört. In Angerburg blieb nur die Kirche stehen. Im niedergebrannten
Goldap wurde Bürgermeister Dullo auf dem Marktplatz dem Feuer übergeben.
Marggrabowa wurde mit Kirche und Rathaus in Schutt und Asche gelegt.
Durch den
Vertrag zu Wehlau (russisch Znamensk) vom 16. 9. 1657 zwischen Polen und
Preußen wurde die polnische Oberlehnshoheit aufgehoben. Dies wurde durch
den Frieden zu Oliva am 3. 5. 1660 nochmals bestätigt.
Zeit
der Zugehörigkeit zum Königreich Preußen
Ortsgründungen:
1704 Schiast
1705 Bubrowko
1707 Wollisko
1708 Mittel Pogobien
1710 Schwinicken
1711 Wigrinnen
1716 Pasken
1740 Trzianken
1749 Wondollek
1804 Karwik
1833 Lipnowo
1862 Eckertsdorf
1709 - 1711 wütete die Beulenpest
und machte besonders die Gaue Sudauen und Galinden wüst und arm. 30 % der Einwohner wurden
dahingerafft. Von 1.200 Johannisburgern verschonte die Pest nur 14
Einwohner. In Angerburg starben 1.111 Personen. Die Pest wurde
wahrscheinlich von Polen eingeschleppt, denn seit 1707 kam sie schon in
Warschau vor. Pestwachen an der masurisch-polnischen Grenze konnten ihr
Vordringen nicht verhindern. Einzelne Dörfer schirmten sich zusätzlich
durch hohe Zäune ab.
1711 traten Heuschreckenschwärme biblischen
Ausmaßes auf.
Wiederholt wurden Vieh- und besonders
Pferdeseuchen aus Polen eingeschleppt. Durch Zugtiermangel kam die
Ackerbestellung ins Stocken. Die Lage der Bauern verschlechterte sich wegen
der hohen Steuerlast in zunehmendem Maße, so dass viele leibeigene Bauern
ihre Höfe verließen und nach Polen flüchteten. Masuren war
zum Armenhaus Ostpreußens geworden.
Nach einer durchgreifenden Steuerreform im
Jahre 1720 erhielten neu ins Land einwandernde Siedler aus Polen nicht
bewirtschaftete Höfe. Neusiedler
kamen auch aus der Pfalz und Nassau.
1722 erhielt
Bialla, 1723 Willenberg und 1725 Arys das Stadtrecht.
1732
siedelten sich Salzburger an, die wegen ihres evangelischen Glaubens ihre
Heimat verlassen mussten.
Im Siebenjährigen Krieg besetzten russische
Truppen unter den Heerführern Sibilski und Liewen am 2. 8. 1756 Marggrabowa
und den übrigen Ostteil Masurens. Mit der Truppe waren Banditen über die
Grenze gekommen, die raubten, brandschatzten und mordeten. Ein großer Teil
der Landbevölkerung flüchtete in die Wälder oder in die noch unbesetzten
Gebiete. Die Okkupanten konnten die Banditen nicht zügeln. An einigen Orten
griffen die Einwohner, primitiv mit Forken und Sensen bewaffnet, zur
Selbsthilfe.
Trotz einer gewonnenen Schlacht am 30. 8. 1756
zogen die Russen ab, um aber 1757 unter Feldmarschall Fermor
wiedereinzurücken. Masuren blieb bis zum 5. 8.
1762 in russischer Hand. Die preußischen Gesetze blieben in Kraft und die
Verwaltung unter der Aufsicht russischer Offiziere im Amt.
Vom 21. 11. -
10. 12. 1806 residierte König Friedrich Wilhelm III. auf der Flucht vor den
Truppen Napoleons in Ortelsburg.
Am 31. 12. 1806 wurde Ortelsburg
durch die napoleonische Armee besetzt und ausgeplündert. Vom 21. 1. - 2. 2.
1807 befand sich das Hauptquartier Napoleons in Willenberg, anschließend in
Passenheim.
Während der napoleonischen Kriege wurde
Masuren nach dem Frieden zu Tilsit (russisch Sovetsk) vom 9. 7. 1807 von
den Franzosen besetzt. Hohe Kontributionsforderungen waren zu erfüllen.
Ungeheure Schäden entstanden durch die Verpflegung und Unterhaltung
französischer Truppen, nachdem sich vorher schon russische Truppenteile
durch Zügellosigkeit ausgezeichnet und an der Bevölkerung schadlos gehalten
hatten. Die Kommunen mussten sich durch die Ausgabe von Obligationen hoch
verschulden. Der Lebensmittelmangel führte zu einer lang andauernden
Epidemie. Hinzu kam eine weitere Viehseuche. Auch die Kontinentalsperre
wirkte sich negativ auf das Wirtschaftsleben aus.
1811 gab es eine schwere Mißernte.
1812 zogen Teile der Großen Armee Napoleons
nach Russland durch. Französische und bayrische Truppen waren einquartiert.
Die Bayern nahmen Pferde, Wagen und Vieh ohne Entschädigung mit.
Im Dezember fluteten die geschlagenen
Franzosen über Lyck und die Bayern über Johannisburg zurück.
Am 15. 1. 1813 trafen die Vorhuten der
russischen Armee unter Marschall Kutusow in Lyck ein. Am 19. 1. 1813 kam
der russische Kaiser Alexander an, in seinem Gefolge auch Freiherr vom
Stein und Arndt. Vom 23. - 26. 1.
1813 weilte Zar Alexander in Johannisburg.
20.
Jahrhundert
Die schlechte wirtschaftliche Lage zwang um
1900 Bewohner Masurens, in das Ruhrgebiet überzusiedeln, wo sie in den Kohlezechen
Arbeit fanden.
Während des
1. Weltkriegs wurde Anfang August 1914 Bialla von den Russen geplündert.
Arys wurde vom 21. 8. - 8. 9. 1914 und vom 10. 11. 1914 - 12. 2. 1915 von
ihnen besetzt und gebrandschatzt. Zivilisten wurden verschleppt. Ein einfallender
Trupp russischer Kosaken plünderte am 22. 8. 1914 Neidenburg. Durch die
Kampfhandlungen wurden 225 Gebäude zerstört, darunter das Rathaus und die
evangelische Kirche. Auch Lucknainen wurde besetzt. Vom 26. - 30. 8. 1914
fiel die russische Armee in den Raum Willenberg - Ortelsburg ein.
Ortelsburg wurde zum Teil niedergebrannt. Das Gleiche geschah am 26. 8.
1914 mit dem Schloss Sorquitten. Auch Rosengarten brannte bis auf wenige
Gebäude (Kirche, Pfarrhaus und Schule) ab. Johannisburg war von September
1914 bis zum 7. 2. 1915 von Russen besetzt. Die Stadt erlitt schwere
Zerstörungen. Zivilisten wurden getötet und eine große Zahl, darunter
Frauen und Kinder, nach Sibirien verschleppt. Auch Goldap war besetzt und
wurde zerstört. Es kam in den Jahren 1914 und 1915 zu heftigen Kämpfen
zwischen der eingedrungenen russischen Armee unter Samsonow und deutschen
Abwehrkräften (Schlacht bei Tannenberg 23. - 31. 8. 1914, Vernichtung der
Narew-Armee; Schlacht an den Masurischen Seen 5. - 15. 9. 1914, Rückzug der
Njemen-Armee; Winterschlacht in Masuren 4. - 22. 2. 1915).
Am 10. 1.
1920 wurde das Gebiet Soldau ohne Abstimmung an Polen angeschlossen.
In der
"Reichskristallnacht" am 9. 11. 1938 wurde die Neidenburger
Synagoge zerstört und dort 2 jüdische Bürger erstochen und mehrere
verletzt.
Ab September
1939 gehörte das Gebiet Soldau wieder zu Masuren.
Nachdem es
während des 2. Weltkriegs zu Bombardements der Alliierten kam, wurde
Masuren bis zum Sommer 1944 Zufluchtsgebiet für Luftkriegsevakuierte aus
West- und Mitteldeutschland.
Ab dem 11. 8.
1944 wurde die Bevölkerung der Dörfer östlich der Eisenbahnlinie
Marggrabowa - Lyck - Prostken in westlicher gelegene Orte Masurens
evakuiert.
Seit dem 22.
10. 1944 wurde Goldap von der 31. Sowjetarmee beschossen und Anfang November
1944 eingenommen. Vorübergehend wurde Goldap wieder von der deutschen
Wehrmacht zurückerobert.
Als Ende 1944
die Front immer näher rückte, flüchtete die Mehrzahl der Masuren vor dem
Einmarsch der Roten Armee, der im Januar 1945 erfolgte, in Richtung Westen.
Viele Masuren wurden von der deutschen Kriegsmarine über die ostpreußischen
Seehäfen evakuiert. Schließlich hielt die deutsche Wehrmacht nur noch einen
Kessel außerhalb Masurens in Ostpreußen (Braunsberg (polnisch Braniewo),
Heiligenbeil (russisch Mamonowo), Königsberg, westliches Samland). Die hier
eingeschlossenen Masuren versuchten, über das Eis des Frischen Haffs
(russisch Kaliningradskij zaliv, polnisch Zalew Wislany), über den Hafen
Pillau (russisch Baltijsk) oder durch Lücken im Einschließungsring zu
entkommen.
Am 19. 1.
1945 zerbombte die sowjetische Luftwaffe Johannisburg zu 60 Prozent. Durch
die Kriegshandlungen wurden 70 Prozent von Goldap, 60 Prozent von
Marggrabowa und 20 Prozent von Sensburg zerstört, Angerburg wurde
größtenteils niedergebrannt. Im unzerstörten Arys wurden während der
Einnahme durch die Rote Armee 40 Wohngebäude in Brand gesetzt. In Bialla
wurden nach der Einnahme durch Russen und Polen ganze Stadtviertel
niedergebrannt und 50 Zivilisten getötet.
In Arys wurde
ein Sammel- und Straflager des russischen Geheimdienstes NKWD eingerichtet.
Arbeitslager für Zivilisten, denen die Flucht nicht gelungen war, wurden
von der Roten Armee in Grabnick, Jucha und Lyck sowie an weiteren Orten
eingerichtet.
Auf der
Potsdamer Konferenz wurde Masuren bis zu einer
Regelung im Friedensvertrag unter polnische Verwaltung gestellt. Die
verbliebene Bevölkerung wurde teils zurückgehalten, teils verschleppt,
teils vertrieben. Etwa 80.000 Masuren blieben in Masuren zurück. Um den
polnischen Anspruch auf das Gebiet zu festigen, wurden alle deutschen
Inschriften entfernt. Im August 1945 zog die Rote Armee aus Masuren ab, aus
dem Kreis Goldap erst im November. Vorher setzten die Rotarmisten in Lyck
einen Teil der Wohnstätten in Brand, wovon ganze Straßenzüge betroffen
waren. Eine Etage des Bahnhofsgebäudes wurde ein Raub der Flammen.
1950 anerkannte der ostdeutsche Teilstaat die neue
deutsch-polnische Grenze an der Oder-Neiße-Linie und damit die
Zugehörigkeit Masurens zu Polen. 1970 vollzog diesen Schritt der
westdeutsche Teilstaat nach.
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