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Kritik an der Paläo-SETI

Klaus Richter


Einleitung
Unwissenschaftliches Arbeiten
Quellen
Wissenschaftsfeindlichkeit
Ignoranz
Religiöse Aspekte
Gefällte Säulen der PS-Hypothese
Forderung an die Wissenschaft und die Medien
Ausblick



Einleitung

Ursprünglich begeisterte mich Paläo-SETI Hypothese, wie sie in zahllosen Büchern und Artikeln zu diesem Thema vertreten wird. Seit 1986 bin ich Mitglied in der A.A.S (damals hieß sie "Ancient Astronaut Society, kurz AAS), war ein vehementer Verteidiger grenzwissenschaftlicher Thesen, ohne auch nur einen Blick in wissenschaftliche Literatur geworfen zu haben. Ich erinnere mich noch gut an das Jahr 1989. Damals veröffentlichte der 1999 verstorbene Diplomgeologe Johannes Fiebag einen sehr kritischen Artikel über Atlantis in dem damaligen Mitgliedermagazin der AAS, der Ancient Skies. In diesem Artikel legte Fiebag anhand geologischer Fakten dar, dass es weder einen Inselkontinent Atlantis noch eine technische Hochkultur Atlantis gab. Wie viele andere Mitglieder schrieb auch ich an Fiebag einen Leserbrief, auf den er mir sogar antwortete. Interessant war übrigens der Einleitungssatz: Er antworte mir gerne, da ich einer der ganz wenigen sei, die ihre Auffassung von Atlantis begründet hätten, ohne polemisch zu werden. Ein Umstand, den ich beim Umgang mit Grenzwissenschaften auch noch kennnenlernen sollte. Zunächst zu meinen Gründen: Die waren samt und sonders aus der damals erhältlichen grenzwissenschaftlichen Literatur unbesehen übernommen worden, doch Fiebag widerlegte sie überzeugend. Doch wenn Atlantis auch erledigt war, so gab es immerhin noch andere mögliche Hinweise auf eine rätselhafte Vergangenheit: Die Pyramiden in Ägypten, das Siriusrätsel der Dogon, die Grabplatte von Palenque, die Linien von Nazca, um nur einige zu nennen. Ich blieb also am Ball. Seit 1986 habe ich in entsprechenden Publikationen veröffentlicht - vier Artikel in Ancient Skies bzw. dem Nachfolgemagazin Sagenhafte Zeiten (das jedes Mitglied der A.A.S. erhält) sowie einer in einer Anthologie aus der Reihe "Kosmische Spuren." Einer dieser Artikel sollte die in der Paläo-SETI beliebte These stützen, die Dogon, ein Bauernvolk in Mali, habe Kenntnisse über das Siriussystem, die von außerirdischen "Nommos" vermittelt wurden. Auf dem Internet-Diskussionsforum der AAS verteidigte ich vehement, sogar polemisch und ohne Begründung, Thesen der Paläo-SETI. Doch ich gehöre nicht zu den Menschen, die Dinge, die in Büchern oben genannter Autoren behauptet werden, auch gleich glaube. Die eigene Neugier, aber auch Anregungen durch andere regten zur Nachprüfung solcher Statements an. Das Ergebnis ist Ernüchterung.
Erster Anlass zur Skepsis waren Sitchin und v. Buttlar. Sitchin entwarf ein Historiengemälde von Kontakten außerirdischer "Annunaki" mit den Sumerern und diversen unerkannten Himmelskörpern im Sonnensystem und kosmischen Katastrophen, dass nicht nur zu stimmig war (hinsichtlich der Auslegung alter Keilschriften), sondern auch den Gesetzen der Himmelsmechanik widersprach. Und von Buttlar erreichte mit "Adams Planet" einen schriftstellerischen Tiefpunkt, zumal das Buch in vielen Punkten den Ideen Sitchins angelehnt war. Ein übriges taten diverse Atlantis-Schmöker, die stets nur alte wissenschaftliche Literatur zitierte, kaum oder gar nicht auf neueste Erkenntnisse über die Geologie eingingen. Selbst die letzten Bastionen wackelten hier: die Bimini-Road und Mt. Ampere im Atlantik. Beides stellte sich als natürlich heraus, im letzten Fall verkündete sogar einer der Entdecker vor laufender Kamera: dies ist nicht Atlantis. Und doch wird es immer wieder in Büchern zitiert bzw. abgeschrieben. Und das Marsgesicht? Es ist künstlich, so hörte man immer wieder. Andererseits brachte aber Johannes Fiebag, der selbst prominenter Forscher im Bereich der Paläo-SETI war, immer wieder treffsichere Gegenargumente hervor, die für einen natürlichen Ursprung sprachen.  Beim Marsgesicht und bei Atlantis hat Fiebag als promovierter Diplomgeologe mit besonderem Interesse an Planetengeologie immer wieder darauf hingewiesen, dass das Marsgesicht höchstwahrscheinlich natürlichen Ursprungs ist, dass es keinen (explodierten) Planeten "Phaeton" mit einer Superzivilisation im Sonnensystem gegeben haben kann und dass die Vorstellung, es habe einen großen Kontinent "Atlantis" im Atlantik gegeben, der innerhalb kürzester Zeit wegen Naturkatastrophen versunken sei, unrealistisch ist und der modernen Geologie widerspricht. Dieses Vorgehen zeigte mir jedenfalls, dass man auch kritisch an derartige Themen herangehen kann und man nicht einfach alles vorbehaltlos schlucken und auch dann weiterverbreiten soll, wenn es sich als unhaltbar entpuppt hat. Entscheidend und prägend war aber die Erfahrung, die Fiebag und ich auf dem Diskussionsforum der AAS mit Hans-Joachim Zillmer machten. Dieser wollte mit seinem Buch "Darwins Irrtum" die Evolutionstheorie Darwins widerlegen. So weit, so gut. Doch er versuchte dies ohne jegliche Kenntnisse von geologischen Prozessen oder paläontologischen Erkenntnissen, entwarf ein auf grenzwissenschaftlichem und kreationistischem Gedankengut aufgebautes Bild der Entstehung von Leben und Erde, das jeden Kenner der Materie auf den Plan rufen musste. Fiebag war Geologe, ich hatte mich bereits seit frühester Kindheit für die Entstehung des Lebens, insbesondere das Zeitalter der Dinosaurier interessiert. Wir traten also gegen Zillmer an und merkten bald, dass er keine Argumente hat, lediglich von anderen Autoren verbreitetes Halbwissen übernommen hat und schnell in die Polemik abdriftete. Folge dieser Auseinandersetzung mit Zillmer war eine Freundschaft zwischen Johannes Fiebag und mir, die auf gleichen Ansichten über den Umgang mit Wissenschaft und die Behandlung mit solchen problematischen Autoren wie Zillmer oder Sitchin beruhte und die bis zum Tode von Fiebag im Oktober 1999 zu einem regen Gedankenaustausch führte. Johannes Fiebags Botschaft an mich war, dass die Wissenschaft auch eine interessante und spannende Welt zu bieten hat, der die PS-Autoren mit ihren abwertenden Behauptungen in Büchern und Artikeln nicht gerecht wurden. Einen entscheidenden Beitrag zu dieser Erkenntnis aber leistete auch Carl Sagans letztes Buch "Der Drache in meiner Garage". Ich bin jedenfalls Johannes Fiebag und Carl Sagan dankbar dafür, dass sich meine Einstellung von einer "Friß und glaub's" Mentalität zur Kritik und Vorsicht hin gewandelt hat - ein mühsamer Prozess, der sich durch Ereignisse in der 2. Hälfte des Jahres 2000 an seinem Ende befindet. Im August 2000 fand das jährliche One-Day-Meeting der A.A.S. (jetzt Forschungsgemeinschaft für Archäologie, Astronautik und SETI) in Berlin statt - direkt vor meiner Haustür. Hatte ich bis dahin noch das Gefühl, es lasse sich zumindest mit seriöser Arbeit etwas bewirken, wurde ich bald eines besseren belehrt. Zunächst das Meeting selbst. Dort gab es zwei Vorträge, die einem die Haare zu Berge stehen lassen konnten. Der Einleitungsvortrag von Klaus Deistung befasste sich mit der Entwicklung des Lebens und der Frage, ob wir allein im All sind. An und für sich ein spannendes Thema, doch was wurde daraus gemacht? Sitchin feierte Auferstehung, der 12. Planet und seine Annunaki zogen sich wie ein roter Faden durch den Vortrag. Das war selbst für die Organisatoren zuviel des Guten: Immerhin musste jeder Vortragende ein Abstrakt vorlegen, bei Deistung fand sich nichts von Sitchin. So wurden die Organisatoren des Meetings nach Strich und Faden reingelegt - man konnte es ihren Gesichtern ansehen. Der zweite Vortrag war der von Reinhard Habeck. Der kündigte eine Ausstellung mit dem Titel "Die Welt des Unerklärlichen" an. Hier sollen in Zusammenarbeit mit Klaus Dona, einem Organisator von Ausstellungen, rätselhafte Objekte ausgestellt werden. So weit so gut. Als Habeck dann aber die Mitwirkung Zillmers erwähnte und den angeblich 140 Millionen Jahre alten Hammer von Glen Rose ansprach, wurde ich skeptisch. Die Skepsis blieb auch, nachdem ich darüber informiert wurde, dass die ausgestellten Objekte unabhängig untersucht werden sollen. Der Hammer von Glen Rose - unabhängig untersucht? Er gehört zu den Paradestücken der Kreationisten in den USA. Carl Baugh, einer ihrer prominenten Vertreter aus Texas, hat in den USA bereits eine wissenschaftliche Untersuchung blockiert - warum sollte er sie hier zulassen? Die Mitwirkung Zillmers lässt den Schluss zu, dass vielleicht eine Untersuchung stattfinden wird, jedoch mit dem Ergebnis: Der Hammer ist 140 Millionen Jahre alt. So etwas wäre Manipulation, etwas, das in den Kreisen der Paläo-SETI-Forschung durchaus üblich ist. Zwei weitere Ereignisse ließen mich schließlich zum 100%igen Kritiker werden. In Sagenhafte Zeiten 5/2000 wurde ein Interview mit Michael Haase veröffentlicht. Der Berliner Sachbuchautor und Kenner der ägyptischen Pyramiden riet dort der A.A.S. sachlich und neutral zum kritischen Umgang mit "alten Zöpfen", längst überholten Rätseln und die Konzentration auf solche offenen Fragen, die bislang noch einen Spielraum bieten könnten. Ein mutiger Schritt der A.A.S. - doch wurde der gleich in der selben SZ-Ausgabe durch ein Interview mit Erich von Däniken zunichte gemacht, der deutlich machte, daß es an der Arbeit der A.A.S. nichts zu kritisieren gäbe. Dem setzte in der folgenden Ausgabe Algund Eenboom einen drauf, indem er die A.A.S. in einem umfassenden Artikel gegen die konstruktive Kritik Haases mit den üblichen Standardargumenten verteidigte. Die Folgerung daraus: Niemand, der in der A.A.S. an führender Stelle steht, hat Interesse an sachlicher und konstruktiver Kritik. Es bleibt alles beim alten. Und schließlich kam zum Jahreswechsel 2000/2001 die schmerzhafte Erkenntnis hinzu, von einem bekannten Autor der Paläo-SETI-Szene, zu dem eine engere persönliche Beziehung bestand, an der Nase herumgeführt worden zu sein, sowohl in seinen Publikationen als auch im persönlichen Gespräch.
Doch wenden wir uns von meinen Erfahrungen ab und werfen wir einen kritischen Blick auf die Paläo-SETI-Forschung, die wir kurz PS-Forschung oder PS-Hypothese nennen wollen. Was lässt sich der gegenwärtig in Deutschland durch die A.A.S. PS-Forschung konkret vorwerfen?

Unwissenschaftliches Arbeiten

So verführerisch der Gedanke auch sein mag, dass Außerirdische die Erde in der Vergangenheit besucht haben und sich unsere Frühgeschichte vielleicht nicht so abgespielt hat, wie es uns die Wissenschaft lehrt: Man sollte sich davor hüten, jedes nicht gleich erklärbare Relikt der Vergangenheit zu einem "Indiz" oder "Beweis" für die PS zu erklären, sondern diesen Relikten gründlich nachgehen. Johannes Fiebag hat es vorgemacht - doch keiner macht es ihm nach. Von Bertrand Russell gibt es ein schönes Zitat, das gut in diesen Zusammenhang passt:

"Darin besteht das Wesen der Wissenschaft. Zuerst denkt man an etwas, das wahr sein könnte - und dann sieht man nach, ob es der Fall ist, und im allgemeinen ist es nicht der Fall."

Darin kommt ein klares Prinzip wissenschaftlicher Forschung zum Ausdruck: Es geht nicht darum, eine Behauptung zu beweisen, es geht darum, sie zu falsifizieren. In der Wissenschaft geht es um Falsifikation -- mehr als um Verifikation.
Das gilt so aber nicht für diejenigen, die "Forschung" im Rahmen der PS-Hypothese betreiben. Hier steht auf jeden Fall das Ergebnis von vornherein fest, wird die Argumentation so manipuliert, das sie mit dem Ergebnis - scheinbar - stimmig ist. Alle Behauptungen der Paläo-SETI, die grundsätzlich nicht falsifizierbar sind, entbehren schon deshalb der Wissenschaftlichkeit, weil
sie nicht falsifizierbar sind. Beispiele gibt es zur Genüge.
Vielfach werden Fälschungen als Beweise für irgendeine irrwitzige Hypothese präsentiert - Dr. Zillmer hat es hinsichtlich des Hammers von Glen Rose und anderer von Kreationisten präsentierten "Fossilien" so getan. Ein weiteres Beispiel sind die Steine von Ica - größtenteils Fälschungen, auf Anweisung von Dr. Cabrera (Ica, Peru) ausgeführt, von vielen Autoren der Paläo-SETI aber als echt verkauft. Ganze Theoriengebäude von einer Menschheit vor der Menschheit, einer vergangenen Kultur mit Hochtechnologie oder Außerirdischen haben sich daran aufgeknüpft. Oder nehmen wir als letztes Beispiel die Grabplatte von Palenque. Seit Ende der achtziger Jahre die Mayahieroglyphen entziffert wurden und die Mayaikonographie bekannt ist, steht fest, dass auf der Grabplatte kein Raumfahrer in seinem Raumschiff dargestellt wurde, sondern dass es sich um eine religiöse Darstellung handelt, die den Mayaherrscher Pacal II. auf seinem Weg nach Xibalba, dem Jenseits der Maya, zeigt. Zugleich stellt die Grabplatte die Mittlerrolle des Königs zwischen dem Dies- und dem Jenseits dar, eine wichtige Funktion, die Pacal II. als Schamane zukam. Und schließlich ist die Grabplatte politische Propaganda, rechtfertigt sie die Thronbesteigung Pacals und die Vererbung des Thrones an seinen Sohn Chan-Balum. Doch diese Erkenntnis stört die PS wenig: Die neuen Erkenntnisse der Mayaforschung werden so manipuliert, dass von der Raumschiffthese keineswegs Abschied genommen werden musste. Die Liste derartiger Manipulationen im Dienste der Paläo-SETI ließe sich noch weiter verlängern.
Die Konsumenten saugen diese Dinge begierig auf, erklären sie zu Glaubensgrundsätzen, lassen daran nicht mehr rütteln - und wer es dennoch wagt, über den komme der Zorn der Götter. Eine seltsame Reaktion, denn eigentlich sollten sich die Betroffenen darüber ärgern, dass man sie gezielt an der Nase herumgeführt hat.
Manch ein Anhänger der PS argumentiert, dass die A.A.S. für jeden offen sei, sowohl für Leute mit wissenschaftlicher Vorbildung sowie, als anderes Extrem, solchen, die eine rudimentäre Schulbildung haben. Das sei, so wird dann weiter argumentiert, die Berechtigung dafür, auch unwissenschaftlich arbeiten zu dürfen. Doch das überzeugt nicht: Die A.A.S. tritt als Forschungsgemeinschaft auf und sucht trotz aller Wissenschaftshetze den Kontakt zu den Wissenschaften, will mit einem alternativen Erklärungsmodell überzeugen. Auf der Homepage der A.A.S. wird dies auch explizit zum Ausdruck gebracht:

"Das Ziel der A.A.S. - "Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI ist es, einen anerkannten Beweis für ehemalige Besuche von Außerirdischen auf unserer Erde zu erbringen. Dabei wollen wir den Grundregeln des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns folgen, uns aber nicht von bestehenden Dogmen oder Paradigmen eingrenzen lassen."
(Die Hervorhebungen im Text stammen von mir)

An diesen Prämissen muss sie sich messen lassen, gleichgültig, wen sie als Mitglied zulässt. Im übrigen ist es ein großer Schritt vom bloßen Mitglied zum Artikel in Sagenhafte Zeiten - dazwischen steht die Redaktion, die, so sollte man meinen, problematische Artikel im Vorfeld von einer Veröffentlichung ausschließt. Es sei in diesem Zusammenhang auch auf die Infrastruktur der A.A.S. hingewiesen, die einer der herkömmlichen Wissenschaften ähnlich ist. Man verwendet als Ausgangspunkt einen "Fachterminus", entweder "Prä-Astronautik" oder "Paläo-SETI-Hypothese," veranstaltet nationale und internationale Konferenzen und veröffentlicht mit den "Sagenhaften Zeiten" eine "Fachzeitschrift", in denen "Fachartikel" mit Bezug zur grundlegenden Hypothese veröffentlicht werden. Eine Zeitlang wurde sogar ein Forschungspreis vergeben, man bemühte sich sogar um ein Magazin mit echtem wissenschaftlichen Anstrich: Die Scientific Ancient Skies, die leider nach zwei Ausgaben eingestellt wurden.

Quellen

Geradezu typisch für viele Autoren der Paläo-SETI ist der unzureichende oder falsche Umgang mit Quellenmaterial. Quellen, die vielleicht das eigene Weltbild zerstören könnten, werden ignoriert, statt dessen schreibt man lieber bei anderen Autoren ab (wo denn schon mal eine Hypothese zur Theorie und diese dann zum Fakt mutiert) oder es werden Quellen herangezogen, die von der Wissenschaft längst widerlegt worden sind, beispielsweise Velikovsky, Muck oder die Tollmanns. Was aber dann noch schlimmer ist, ist das gegenseitige Zitieren: Man entwirft eine phantastische These nicht etwa aufgrund wissenschaftlichen Materials, egal wie alt es auch sein mag, sondern schreibt bei Arbeiten anderer PS-Forscher ab, die ihrerseits natürlich mit Fehlern behaftet sind. So wird Zecharia Sitchin mit seiner Mär vom 12. Planeten und den Annunaki, die angeblich die Menschen geschaffen haben sollen, immer wieder als Beleg für eigene, bisweilen abstruse Thesen herangezogen. Zillmers Buch "Darwins Irrtum" ist da nur ein Beispiel von vielen. Mit wissenschaftlicher Arbeit hat das wirklich nichts mehr zu tun, im Gegenteil, es werden Altlasten weitergetragen, die sich in den Köpfen der Menschen fest nisten und nicht der Forschung, sondern höchstens dem besseren Verkauf diverser Bücher und der Befriedigung einer mehr oder weniger fest umrissenen Fangemeinde dienen.
Nur wenige machen sich überhaupt die Mühe, das Quellenmaterial zu sichten und daraus dann eigene Hypothesen zu entwickeln. Doch mit der Sichtung des Quellenmaterials ist es alleine nicht getan: Ich kann mich in uralte Texte vertiefen, doch wie ich damit umgehe, ist eine andere Frage. Entscheidend ist nämlich, dass man herausarbeitet, was der Schöpfer der Quelle wirklich aussagen wollte. So mancher PS-Autor macht es sich einfach und handelt nach dem Motto "Sieht aus wie, also ist es auch ..." Daraus entwirft er dann eine phantastische These. So sollen die süd- und mittelamerikanischen "Goldflieger" - einer von ihnen ist das Wappen der A.A.S. - Hinweise auf einen Kontakt mit einer unverstandenen Technologie sein, eine Art prähistorischer Cargo-Kult. Von einigen dieser Gebilde wurden Modelle angefertigt, die tatsächlich flogen und einen technologischen Bezug von Völkern in der Vergangenheit unseres Planeten aufzuzeigen scheinen. Doch sind die Originalfundstücke auch Belege für eine frühere Technologie? Die Mitglieder der A.A.S., die diese Modelle gebaut haben, arbeiteten nach dem von Erich von Däniken entworfenen Grundsatz, altes auch einmal durch die moderne Brille zu betrachten. Doch leider ist das der falsche Ansatz, denn mit unserer modernen Sichtweise können wir alte Kulturen nicht begreifen. So mögen zwar die Goldflieger wie Flugzeuge aussehen, sogar als Modelle fliegen und phantastische Flugeigenschaften aufweisen - doch wollten die Indianer wirklich Flugzeuge darstellen oder nicht doch vielleicht etwas anderes? Doch danach wird nicht gefragt. Wichtig ist: Sie sehen aus wie Flugzeuge, nachgebaut fliegen sie wie Flugzeuge, also sind es Hinweise auf einen Cargo-Kult in ferner Vergangenheit. Und da Menschen damals nicht fliegen konnten, mussten es Außerirdische sein. So falsch dieser Gedankengang auch ist, er verkauft sich gut, befriedigt die Leserschaft. Andere Beispiele sind die "Glühbirnen" von Dendera sowie die Grabplatte von Palenque.

Wissenschaftsfeindlichkeit

Statt die Nähe der Wissenschaft zu suchen und ihre Vertreter vom Nutzen der Paläo-SETI zu überzeugen, wird sie von vielen Grenzwissenschaftlern vehement kritisiert, ja geradezu diffamiert und mit Hasstiraden überzogen. Die Wissenschaft, so das allgemein verbreitete Vorurteil, verweigert sich Ansätzen, wie sie die Paläo-SETI vorträgt, erklärt die Rätsel dieser Welt mit allen möglichen Kniffen und Tricks, nur um ja nicht Außerirdische oder andere phantastische Erklärungen ins Spiel zu bringen. Manch einer munkelt sogar von Verschwörungen und sieht sich, ganz im Stile der beliebten Fernsehserie "Akte X", von dunklen Schattenmännern verfolgt. Man sollte die Wissenschaft nicht verteufeln, zumal es Vertreter aus ihren Reihen gibt, die die Idee der Paläo-SETI vom Ansatz her für durchaus sinnvoll und diskussionswürdig halten. Aber so manch ein Autor der "Szene" macht sich gar nicht die Mühe, wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse anzuwenden. Man redet darüber einfach hinweg, ordnet es den eigenen Wunschvorstellungen unter und konstruiert bisweilen abstruse Sachzusammenhänge, die sich aber dennoch wegen ihrer Einfachheit und Verführbarkeit gut verkaufen lassen. Viele Reaktionen auf die MGS-Bilder vom "Marsgesicht", die es als einen natürlichen Felshaufen entlarvt haben, belegen dies ebenso gut wie die Hasstiraden der Kreationisten gegen die Evolutionstheorie, von ihnen abfällig als "Darwinismus" bezeichnet. Solange in der Paläo-SETI auch auf diese Weise gearbeitet wird, dürfen sich viele ihrer Vertreter nicht wundern, wenn man sie als Träumer oder Spinner abtut. Es sei denn, sie wollen nur von einer überwiegend kritiklosen, mehr oder weniger klar umrissenen "Gemeinde" bewundert werden. Und das scheint, so mein Eindruck, tatsächlich auch der Fall zu sein.
Einige Autoren jammern in Zeitschriften, in Büchern, auf Meetings und auf Internetforen lautstark, dass die Wissenschaft sie nicht ernst nehmen würde - warum denn auch, wer Wissenschaftler verprellt, darf sich nicht wundern, wenn er dann keinen Kontakt zu ihnen bekommt. Im Gegenteil: Wer es wagt, eine grenzwissenschaftliche These zu kritisieren, soll seine Kritik dann auch bitteschön begründen. Das ist eine Erfahrung, die ich selbst oft genug gemacht habe. Leider vergessen diejenigen, die nach grenzwissenschaftlichen Methoden arbeiten und Kritikern eine Begründung abverlangen, einen ganz wesentlichen Umstand:
Die Wissenschaft hat ihr Weltbild und kann es zumindest durch Theorien auch belegen. Die Grenzwissenschaft stellt überwiegend Behauptungen und Spekulationen auf, fordert dann von der Wissenschaft, darauf einzugehen. Dabei erkennen ihre Protagonisten nicht, dass sie es sind, die die Beweislast tragen.
Es reicht also nicht, dass ein Sonntagsforscher nur Fragen stellt. Wenn er das wissenschaftlich fundierte Weltbild angreift, muss er Erklärungen bieten, mit denen Wissenschaftler auch arbeiten können, er muss seine Behauptungen belegen, und zwar im Sinne eines empirischen Beweises! Ob ein solcher Beweis dann von der Wissenschaftswelt ernst genommen wird, klärt sich nicht durch Veröffentlichung in grenzwissenschaftlichen Büchern oder Magazinen, sondern wissenschaftlichen Zeitschriften, Vorträgen, Diskussionen und Konferenzen. Wird man von der main stream science nicht ernst genommen, muss man eben eigene wissenschaftliche Konferenzen oder Zeitschriften organisieren. Bis auf den hoffnungsvollen, aber leider eingeschlafenen Ansatz mit der Zeitschrift "Scientific Ancient Skies" ist daraus leider nichts geworden. Ehrlich gesagt: Bislang hat niemand einen echten Beweis vorlegen können, obgleich seit über 30 Jahren geforscht wird.
Woran könnte die Wissenschaftsfeindlichkeit der A.A.S.-Mitglieder liegen? Vielleicht ist die A.A.S. für viele eine Stätte, in der sie aus ihrem normalen, bürgerlichen Alltag ausbrechen und den Aufstand proben können - nicht gegen die Politik, sondern gegen die Wissenschaft. Man fühlt sich verkannt und dadurch zusammengehörig, und das ist es, was die Sache für viele erst wirklich interessant macht. Ein Dialog mit der Wissenschaft ist daher nicht vorgesehen, unnötig oder sogar schädlich. Schließlich ist man ja im Besitz der Wahrheit, und „die" Wissenschaftler werden das früher oder später mit hochrotem Kopf und gesenkten Kopf schamvoll eingestehen müssen. Aber so wird das nicht funktionieren.

Ignoranz

In der PS-Forschung werden allerdings nicht nur zahlreiche wissenschaftliche Forschungsergebnisse ignoriert, man kümmert sich auch ungern um Richtigstellung aus den eigenen Reihen. Dabei gibt es zahllose exzellente Arbeiten von Autoren, die mit einigen Mythen der Paläo-SETI gründlich aufräumen. Als Beispiele seien hier nur Jörg Dendl, Wolfgang Siebenhaar oder Johannes Fiebag genannt. Doch werden deren kritische Arbeiten irgendwo in nennenswertem Umfang erwähnt? 1989 schrieb Johannes Fiebag in Ancient Skies kritische Artikel über den Mythos, Atlantis sei eine Insel, die im Atlantik versunken sei. Hat die "Szene" daraus gelernt? Mitnichten, vielmehr hat man den Eindruck,  solche Arbeiten werden wie faule Eier gemieden, denn noch immer geistert der Inselkontinent Atlantis durch die Grenzwissenschaften. Wenn überhaupt, werden solche kritischen Arbeiten aus dem Zusammenhang gerissen zitiert. Lobenswerte Ausnahme ist Erich von Däniken, der in seinem letzten Buch "Im Namen von Zeus" die Arbeiten von Johannes Fiebag zum Thema Atlantis gewürdigt hat. Doch erstreckt sich die Ignoranz nicht nur auf kritische Artikel aus den eigenen Reihen, sie erstreckt sich auf alles, was die Hypothesen der PS-Forscher gefährdet. Protagonisten der PS ignorieren Fakten, sie halten unbeirrbar an ihrem Weltbild fest, es kann nicht sein, was nicht sein darf: Sitchin hat die Kartusche in der Königskammer als Fälschung Vyses entlarvt, es kann nicht sein, dass sie echt ist, weil Sitchin sich das nicht ausgedacht und Cheops nicht die Große Pyramide erbaut haben darf. Gerade die Pyramiden von Gizeh sind ein Standardbeispiel für diese Haltung: Die Forschung der Ägyptologen und Archäologen hat inzwischen so viele Indizien gefunden und gesammelt, die belegen, dass die Cheops-Pyramide von Pharao Cheops erbaut wurde und dass sie sich in eine lange Evolution einordnen lässt, die etwa ein Jahrhundert zuvor mit der Stufenpyramide Djosers begann. Doch diese Fakten werden ignoriert, man will auf Seiten der PS-Forscher nicht akzeptieren, dass die Pyramiden Grabmäler waren, und so konstruiert man munter Hypothesen aus einer isolierten Betrachtung des Bauwerks heraus, die sich bei näherer Nachprüfung nicht halten lassen. Alles darf es sein - nur darf Cheops die Pyramide nicht als Grabmal errichtet haben. Der Vorwurf der Ignoranz lässt sich noch auf einen anderen Punkt beziehen: Es wird alten Kulturen die Fähigkeit abgesprochen, sich eigenständig entwickelt und in diesem Zusammenhang eigene, hervorragende Leistungen vollbracht zu haben. Dieser Umstand lässt sich mit dem unschönen, aber zutreffenden Begriff "Kulturrassismus" umschreiben. Dieser zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Bücher oder Artikel in der Paläo-SETI: Außerirdische oder Angehörige einer untergegangenen, irdischen Superzivilisation waren die Kulturbringer auf Erden, die Menschen selbst sollen dazu gar nicht in der Lage gewesen sein. Das äußert sich in vielen Facetten: So behauptete Ignatius Donnelly im 19. Jahrhundert, der versunkene Inselkontinent Atlantis habe die Kulturen Mittelamerikas, Ägyptens und Mesopotamiens beeinflusst. Auch wenn Archäologen inzwischen nachgewiesen haben, dass es derartige Kulturbringer nicht gab, glauben immer noch viele an diese Legende, wird sie regelmäßig in der ein oder anderen Form in Artikeln oder in Büchern weitergetragen. Ein anderes Beispiel ist die Behauptung, der frühe Mensch sei von einer außerirdischen Intelligenz genetisch manipuliert worden, denn nur so lasse sich der Schritt zum modernen Menschen, das Fehlen eines Missing Links erklären. Dass dieser Gedanke von Paläoanthropologen und Paläontologen nicht ernsthaft in Betracht gezogen wird, hat nicht etwa etwas damit zu tun, dass man sich vor einem außerirdischen Eingriff fürchtet, sondern dass es dafür bislang keinerlei ernstzunehmende Belege gibt. Warum soll sich nicht der Mensch eigenständig zu dem entwickelt haben, was er heute ist? Diese Fähigkeit traut man ihm jedenfalls in der Paläo-SETI-Forschung nicht zu, etwaige Forschungsergebnisse, die gegen eine außerirdische Manipulation sprechen, werden ignoriert oder lächerlich gemacht. Das kann, das darf nicht sein, es muss eine außerirdische Superzivilisation dahinter stehen.

Religiöse Aspekte

Die Halbwahrheiten, die von Paläo-SETI-Autoren verbreitet werden, mutieren zu Glaubenssätzen, zu Ideologien, die vehement verteidigt werden. Eigene Erfahrungen belegen, dass es eine harten Kern überzeugter Menschen gibt, die an die Paläo-SETI-Hypothese glauben und nicht bereit sind, auch nur einen Millimeter davon abzurücken. Wird eine lieb gewonnene PS-Theorie sachlich kritisiert, gar zu Fall gebracht, reagieren diese Menschen mit Unverständnis oder Polemik, also so, als seien sie persönlich angegriffen worden. Direkten Fragen wird gezielt ausgewichen, nur um einen Irrtum nicht zugeben zu müssen. So hatte vor einigen Jahren Wolfgang Siebenhaar, selbst Mitglied der A.A.S., die Geschichte des 12. Planeten, die sich Zecharia Sitchin ausgedacht hat, in einer Artikelserie in G.R.A.L. sowie der kurzlebigen Zeitschrift "Scientific Ancient Skies" glänzend widerlegt und als Unsinn entlarvt. Vielfache Reaktion war: "Es ist anmaßend, dass ein Herr Siebenhaar es wagt, einen Herrn Sitchin zu kritisieren." Anderes Beispiel: Die angeblich von Howard Vyse gefälschte Kartusche des Pharao Cheops in der Cheops-Pyramide. Auch hierbei handelt es sich um eine Erfindung Sitchins, die von Michael Haase und später nochmals von Markus Pössel mit vernichtenden Argumenten widerlegt wurde. Auch hier die Reaktion: Unverständnis oder Polemik. Ich selbst kritisiere seit Jahren den grenzwissenschaftlich-kreationistisch motivierten Versuch Dr. Zillmers, die Evolutionstheorie zu widerlegen. Auch hier die Reaktion: Unverständnis und Polemik. Allen drei Fällen gemeinsam ist, dass diejenigen, die so heftig auf die Widerlegung der PS-Theorien reagieren, selbst nur diese kennen, sonst aber überhaupt keine weitergehenden Kenntnisse besitzen oder besitzen wollen. Man nimmt dann zwar schon mal wissenschaftliche Arbeiten zur Kenntnis, liest sie aber nicht richtig oder verdreht völlig die Aussage, die dort getroffen wird. Typische "Totschlagargumente" der PS-Anhänger, die angewandt werden, wenn die Argumente ausgehen, sind Sätze wie "Die Wissenschaftler waren damals nicht mit dabei, die können das gar nicht genau beurteilen" oder "Kritiker liefern keine Argumente, ihnen passt nur die Ansicht der PS nicht."
Ein schönes Beispiel ist die kürzlich erfolgte Ablehnung der ägyptischen Altertümerverwaltung, genetische Untersuchungen an der DNA der Pharaonen Tutanchamun und Amenophis III. vorzunehmen. Im Vordergrund stand der Schutz der Mumien, getroffen wurde die Entscheidung von dem Vorsitzenden der Verwaltung, Gaballah Ali Gaballah. Was machten daraus überzeugte PS-Anhänger? Sie schoben diese Entscheidung Zahi Hawass, dem Chef der Verwaltung des Gizeh-Plateaus und Buhmann der Grenzwissenschaftler, in die Schuhe und titulierten ihn als Geschichtsfälscher. So geschehen auf dem Diskussionsforum der A.A.S. Das kuriose dabei ist: Hawass hatte mit der Entscheidung nichts zu tun. Hier begegnete man übrigens einer neuen Variante eines "letzten Argumentes", herangezogen von jemandem, dem die Argumente ausgegangen sind: Zahi Hawass sei ja ein Fachmann, der dürfe nicht lügen; Sitchin dagegen dürfe dies, denn er sei ja kein Fachmann. Eine interessante Logik, vor allem wenn man bedenkt, dass Sitchin sich selbst immer als Fachmann bezeichnet hat.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass viele Anhänger der PS-Hypothese inzwischen ein Verhalten an den Tag legen, wie es Erich von Däniken in seinen Büchern den Wissenschaftlern immer wieder vorgeworfen hat: Die Unfähigkeit, über den eigenen Tellerrand zu schauen, die Ignoranz dessen, was sich außerhalb der Paläo-SETI tut. Und die Autoren, die im Fahrwasser Erich von Dänikens ihre Bücher schrieben und veröffentlichten, taten und tun nichts, den Anhängern der Paläo-SETI den Blick über den Tellerrand zu ermöglichen - im Gegenteil: Längst von der Wissenschaft widerlegte Stützen der PS-Hypothese werden künstlich am Leben erhalten, man verdreht oder manipuliert Erkenntnisse zur Not so, dass sie in das grenzwissenschaftliche Weltbild hineinpassen. Dem der Wissenschaft unkundigen Leser solcher Bücher wird zugleich nahe gelegt, nur ja nicht die Wissenschaft zur Kenntnis zu nehmen, indem man sich entweder über wissenschaftliche Theorien lustig macht (so bei Erich von Däniken) oder das Weltbild der Wissenschaften als "verkrustet" bezeichnet (P. Fiebag, Der Götterplan). Das so etwas durchaus auf fruchtbaren Boden fällt, zeigt die Reaktion vieler Anhänger der PS-Hypothese, wenn sie mit Kritik konfrontiert werden. Ohnehin ist Kritik etwas, mit dem ein gestandener PS-Autor nur umzugehen vermag, wenn sie positiv ist. Negativkritik - und sei sie sachlich und begründet - darf nicht sein, wird nicht akzeptiert. So war und ist es üblich, Bücher grenzwissenschaftlicher Kollegen in "Sagenhafte Zeiten" (früher "Ancient Skies") stets positiv zu besprechen und den gegenseitigen Schulterschluss zu üben, selbst wenn in den betroffenen Büchern der größte Unsinn stehen sollte. All das lässt nur einen Schluss zu: Es geht bei der Vermittlung von Prä-Astronautischem Gedankengut nicht um Diskussionsalternativen oder die Schaffung von Wissen, sondern es geht um eine Weltanschauung, eine Ideologie. Ist die A.A.S. damit eine Sekte? Schauen wir uns einmal die Kriterien an, die eine Sekte ausmachen. Wir finden sie im Buch "UFO-Sekten" von Horn/Fischinger:

1. Eine Sekte ist eine Gruppe, die ihre Anhänger eng an sich bindet
2. Wer die Gruppe verlassen will, wird unter Druck gesetzt
3. Wer sich gegen die Weltanschauung der Gruppe richtet, ist ein Abtrünniger der Gemeinschaft, ein "Irregeleiteter"
4. Die Gruppe hat ein offen erkennbares "Idol", einen "Anführer"
5. Kritik ist verboten
6. Sozial und kulturell engagiert sich diese Gruppe nicht
7. Alle Menschen, die ihre Ansichten nicht teilen, sind Feinde gegen den echten Glauben oder die Ideologie

Prüfen wir also nach, ob die A.A.S. eine Sekte ist:

1. Die Anhänger der A.A.S. werden nicht eng an sie gebunden. Die Mitgliedschaft kostet kein Vermögen, es gibt keine Gehirnwäsche wie bei regulären Sekten. Jedenfalls lassen sich die Quasiwissenschaftlichen Bemühungen der A.A.S. wie beispielsweise die Organisation von Tagungen noch lange nichts mit einem Auditing im Sinne der Scientologen zu tun.
2. Jedermann kann die A.A.S. verlassen, wenn es ihm beliebt, Druck wird nicht ausgeübt.
3. Offiziell werden Kritiker aus den eigenen Reihen nicht als Abtrünnige oder Irregeleitete bezeichnet. Sie werden aber so behandelt, weniger von der A.A.S. selbst als von ihren Mitgliedern.
4. Einen offiziellen Anführer im Sinne eines Sektengurus gibt es bei der A.A.S. nicht. Doch nimmt beispielsweise Erich von Däniken in der Vorstellung vieler A.A.S. Mitglieder diese Rolle ein, werden seine Aussagen zum Glaubenscredo - auch wenn Erich von Däniken so etwas ausdrücklich nicht möchte.
5. Kritik ist nicht verboten, solange sie positiv ist. Negativkritik ist unerwünscht und wird, wenn es sie doch mal in offiziellen Publikationen gibt, wieder geradegebügelt.
6. Soziales und kulturelles Engagement gibt es durch die A.A.S. nicht. Der Park "Mysteries of the World" ist zwar kulturelles Engagement, jedoch nicht von der A.A.S. bewirkt, sondern von Erich von Däniken und einer eigens gegründeten AG.
7. Offiziell werden die, die die Ansichten der A.A.S. nicht teilen, nicht als Feinde angesehen. Doch werden Skeptiker, egal ob sie Mitglieder sind oder nicht, von den übrigen Mitgliedern der A.A.S. wie Feinde behandelt, man ergießt über sie jede erdenkliche Form der Polemik, getreu dem Grundsatz: "Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns."

Fazit: Eine Sekte ist die A.A.S. nicht. Dennoch zeigt die von der A.A.S. vertretene PS-Hypothese erkennbar religiöse Züge. Es handelt sich um eine mythologische Letztbegründung in der ideologischen Dimension, und die antiwissenschaftliche und zugleich parawissenschaftliche Organisationsform hat in ihrer Absetzung von der etablierten Wissenschaft  "sektarisches" Gepräge.

Gefällte Säulen der PS-Hypothese

An dieser Stelle sollen "Säulen" der PS-Hypothese aufgelistet werden, die inzwischen durch die wissenschaftliche Forschung widerlegt wurden, ohne dass sich die PS-Forschung davon distanziert hätte. Mit Distanziert ist hier nicht gemeint, dass einmal ein kritischer Artikel dazu erschienen ist. Dazu gehört mehr, nämlich der konsequente Abschied von derartigen Irrläufern. So gab es beispielsweise den ermutigenden, aber leider eingestellten Ansatz eines kritischen Magazin: Die Scientific Ancient Skies (SAS). Darin fanden sich tatsächlich kritische Artikel, beispielsweise zum Thema Ägypten oder den Thesen Sitchins. Doch die SAS wurde nach zwei Ausgaben eingestellt, nach Aussagen aus A.A.S-Kreisen mangels brauchbarer Artikel. Das Problem ist, dass kaum ein Mitglied ein Blick in dieses Magazin geworfen hat. Die Mehrzahl las und liest "Ancient Skies", die 1998 in "Sagenhafte Zeiten" umbenannt wurden. Auch dort gab es kritische Artikel, doch wurden die in ihrer Wirkung durch entsprechende Gegendarstellungen oder Leserbriefe entkräftet. Beispiele: Jörg Dendl schrieb über Baalbek und machte klar, dass man es hier nicht mit einem Raumhafen der Außerirdischen, sondern einem griechisch-römischen Tempel zu tun hat, einem Zeugnis genialer antiker Baukunst. Die Reaktionen waren überwiegend polemischer Natur, anscheinend fühlten sich viele durch Dendls Sachkritik persönlich angegriffen. Ein anderes Beispiel ist Michael Haase: Er schrieb in Ancient Skies einen Artikel über Sitchins Fälscherlegende. Auch hier die Reaktion: Polemik, Unverständnis. Und am deutlichsten wird es an Haases Interview "Spuren im Sand" in SZ 5/2000. Einerseits ein begrüßenswerter Schritt der SZ-Redaktion, dieses Interview in das Heft zu bringen, andererseits aber wieder durch ein Gegeninterview mit Erich von Däniken in der gleichen Ausgabe und einen Selbstbestätigenden Artikel Eenbooms in SZ 6/2000 entwertet. Sitchins Thesen wurden weder in AS noch in SZ widerlegt. Spricht man prominente Vertreter der A.A.S. darauf an, so erhält man die Antwort, dass dies in SAS geschehen sei. Nur: Wer hat dieses Heft gelesen? Außerdem belegte man in einer der vergangenen SZ-Ausgaben, wie kritisch man zu Sitchin steht: Zu einem Artikel über fliegende Götter in Persien wurde als Literatur ein Buch Sitchins empfohlen.

Forderung an die Wissenschaft und die Medien

Es gibt Wissenschaftler, die sich kritisch mit dem Gedankengut der PS-Forschung auseinandersetzen, die auch immer wieder bereit sind, gemeinsam mit kritisch eingestellten Laien solche Thesen zu beleuchten und mit wissenschaftlicher Methodik zu hinterfragen. Doch leider sind es nicht genug. Es gibt immer noch zu viele Wissenschaftler, die sich auf ihre aktuelle Forschung zurückziehen und sich aus Zeitmangel oder Desinteresse weigern, auf grenzwissenschaftliche Thesen einzugehen. Am Beispiel Dr. Zillmers lässt sich das gut beobachten: Welcher Wissenschaftler macht sich einmal die Mühe, Dr. Zillmer in eine Diskussion zu verstricken oder ihn zu widerlegen? Ich kenne bislang niemanden. So darf man sich dann auch nicht wundern, wenn mehr und mehr Leute, denen das nötige Hintergrundwissen fehlt, an die grenzwissenschaftlichen Thesen glauben. Meine Forderung an die Wissenschaftler: Geht auf diese Thesen ein, widerlegt sie, lasst nicht zu, dass so etwas zu Gemeingut wird. Was nützt die ganze wissenschaftliche Arbeit, wenn die Menschen auf der Straße den Grenzwissenschaftlern hinterherlaufen? Oder konkret: Ich bin auf das Gesicht des Ägyptologen gespannt, der auf der Straße von Passanten angesprochen wird und nicht etwa gefragt wird, wie die Pyramiden gebaut wurden, sondern warum sie nach den Gürtelsternen des Orion ausgerichtet sind. Wissenschaftler tragen gegenüber der Allgemeinheit die Verantwortung dafür, dass das grenzwissenschaftliche Gedankengut, wie es durch die PS-Hypothese repräsentiert wird, nicht zum Allgemeingut wird. Mancher Wissenschaftler mag argumentieren, die Beschäftigung mit der PS-Hypothese und ihren Protagonisten führe nur zu deren Aufwertung, was man vermeiden solle. Doch bleibt die Frage, ob man eine Aufwertung nicht auch dann betreibt, wenn man die PS-Hypothese und ihre Vertreter ignoriert und ihre Behauptungen unkorrigiert im Raum stehen lässt.
Auch an die Medien geht die Aufforderung, sich kritisch und gründlich mit dem Gedankengut der Paläo-SETI auseinanderzusetzen. Gerade bei den Privatsendern hat man oft den Eindruck, dass hier, wo es anscheinend wesentlich auf die Einschaltquote ankommt, nicht so gründlich recherchiert wird. Je sensationeller, desto besser. Und so darf beispielsweise H.J. Zillmer in einem bekannten deutschen Privatsender seine grenzwissenschaftlich-kreationistischen Thesen verkünden, ohne Kritik zu erfahren. Gleiches gilt hier für verschiedene Zeitungen, die Zillmers Buch "Darwins Irrtum" in den höchsten Tönen loben, ohne auch nur ansatzweise auf die geologisch-paläontologische Argumentation einzugehen, wie sie die Wissenschaft vertritt. Es klingt gut, es verkauft sich gut. Lobenswerte Ausnahme ist hier das ZDF. In seinen Serien "Terra-X" oder "Sphinx" werden auch immer wieder Themenbereiche angeschnitten, die die PS für sich beansprucht. Bislang haben die Redaktionen beider Serien erfolgreich die PS-Hypothesen umschifft. Weder in den Templerfolgen der Serie Terra-X noch in der kürzlich ausgestrahlten Sphinxfolge über den heiligen Gral wurde die von Peter und Johannes Fiebag entworfene Theorie der "Ewigkeitsmaschine" auch nur ansatzweise angesprochen. Gleiches gilt für die Terra-X-Folge über Oak Island. Und in einer Terra-X-Folge über die Sintflut wurde sogar ausdrücklich von wissenschaftlicher Seite Stellung gegen grenzwissenschaftliche Thesen bezogen. Ein ermutigender Anfang.

Ausblick

Es bestehen ernsthafte Zweifel am Fortbestehen der Paläo-SETI, so wie sie derzeit bei uns betrieben wird. Man hat den Eindruck, es geht den meisten Protagonisten der PS-Hypothese im wesentlichen weniger um Erkenntnisgewinn als vielmehr um das Aufstellen von Halb- oder Unwahrheiten, mit denen man eine mehr oder weniger fest umrissene "Fangemeinde" befriedigen kann, von denen viele - leider - nicht bereit sind, eigene Nachforschungen anzustellen und diverse phantastische Theorien kritisch zu hinterfragen. Es spricht viel dafür, dass die derzeitigen Vertreter der PS-Forschung in Deutschland, wie sie sich in der A.A.S. konzentriert, gar kein Interesse an einer Veränderung haben, da sie wissen müssten, dass dann Manipulationen, die vielfach vorgenommen wurden und werden, an die Öffentlichkeit gelangen und sie sich auf diese Weise ihrer Existenzgrundlage berauben.  Interessante Aspekte, die eine kritische Forschung ermöglichen könnten, wurden eingestellt. All das zeigt, dass letztlich PS-Forschung in Deutschland weltanschaulich, ideologisch motiviert ist und es gar kein wissenschaftlich motiviertes Interesse an einer Suche nach einem Beweis gibt. Markus Pössel gibt in seinem Buch "Phantastische Wissenschaft" im Schlussteil eine gute Zusammenfassung der gesamten Problematik. Ich will seine Argumente, entsprechend für diesen Artikel abgeändert, hier abschließend wiedergeben:

1. Paläo-SETI-Autoren gehen mit erschreckender Nachlässigkeit und ohne fundiertes Hintergrundwissen mit Argumenten, Quellen, Fakten oder sogar ganzen wissenschaftlichen Theorien um und entwickeln daraus falsche und fragwürdige Aussagen, deren Ziel die Bewahrung der Ideologie ist: Es gab außerirdische Besucher auf der Erde.
2. Ein weiteres Ziel ist die Massenwirksamkeit der propagierten Thesen.
3. Diese Vorgehensweise führt zu fehlender Akzeptanz in den Wissenschaften.
4. Die parawissenschaftliche Organisation der PS-Forschung in der A.A.S. und dem gesamten Umfeld gleicht einer Karikatur von Wissenschaft.
5. Jedem, der hofft, bei einem PS-Autor zuverlässige neue Erkenntnisse zu gewinnen, ist dringend zur Vorsicht zu raten. Man sollte Behauptungen dieser Autoren nicht einfach glauben, sondern sich nicht davor scheuen, eigene Nachforschungen insbesondere in der herkömmlichen Wissenschaft anzustellen.
6. Journalisten und Medienvertretern sollten insbesondere gründliche Recherchearbeit leisten, bevor sie unbesehen eine PS-These übernehmen, sei sie scheinbar noch so sensationell und publikumswirksam.

Für Interessierte hier noch zwei Buchtipps:

Carl Sagan, Der Drache in meiner Garage - oder die Kunst der Wissenschaft, Unsinn zu entlarven, München 1997
Markus Pössel, Phantastische Wissenschaft, Hamburg 2000



K. Richter, 20. Februar 2001

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