Überleben Hinrichs Site
• Die Paradigmen (die grundlegenden Glaubenssätze des Weltbilds), die das Überleben der Menschheit bestimmen.
Es sind gegenübergestellt: Das überlebensfähige Paradigma dem
heutigen Aussterbe-Paradigma.
Daniel Quinn schätzt, dass wir mit dem Aussterbe-Weltbild noch etwa zwei Generationen
lang überleben können.
Anmerkung: Statt "überlebensfähig" wird in Deutschland meist
der verharmlosende und nichtssagende Begriff "nachhaltig" benutzt.
Ein Paradigma ist ein bewusster oder unbewusster Glaubenssatz oder eine Grundüberzeugung, die unser Handeln bestimmen. Sobald man hinter die Kulissen schaut, erkennt man etliche Paradigmen als überholt, falsch, irreal oder schädlich.
Die meisten Einträge in der Liste stammen aus Daniel Quinns Büchern.
Weitere aus Diskussionen und dem Buch von Doug Brown, siehe die Bücher-Seite.
Anmerkung: Daniel Quinn nennt die Bausteine des Weltbilds Meme,
abgeleitet von Memory. Sie sind ähnlich bestimmend wie unsere Gene.
| Überlebensfähiges Paradigma | Aussterbe-Paradigma |
| Wir Menschen sind Teil der Natur, genau wie Mikroben, Löwen, Eidechsen, Fliegen. | Wir stehen über allem anderen; die Natur ist unser Spielzeug und unsere Gefangene. Die Welt gehört uns, wir können damit machen, was uns beliebt. |
| Wir gehören der Lebensgemeinschaft der Erde. | Alles Leben auf der Erde gehört uns. |
| Evolution: Alle Wesen entwickeln sich weiter. | Im Menschen hat die Evolution vor ca 10.000 Jahren ihren Höhepunkt erreicht. Eine noch höhere Entwicklung ist nicht denkbar. Der zivilisierte Mensch ist um Grössenordnungen wertvoller als z.B. ein Tier, eine Pflanze, oder ein unzivilisierter Mensch. |
| Das Lebensgesetz ist ein Naturgesetz. Es gilt für Menschen genau wie für alle anderen Lebewesen. Wenn eine Spezies das Lebensgesetz missachtet, stirbt sie aus. | Wir sind vom Lebensgesetz ausgenommen, weil wir Menschen sind. |
| Wir sind zufrieden mit dem was ist. Gier hat keinen Wert für uns. | Unser höchster Wert heisst Fortschritt. Wir müssen alles unbegrenzt ausweiten. Von allem, was wir für gut halten, müssen wir ohne Beschränkung immer mehr mehr mehr haben. Wir nennen das Lebensstandard und Mehrwert. Wir müssen alles unter immer besserer und grösserer Kontrolle haben. |
| Unser Lebenssinn ist, anderen beizustehen. Wir geben uns gegenseitig Sicherheit.
Individueller Wettbewerb hat wenig Stellenwert.
Wettbewerb mit anderen Gemeinschaften hört da auf, wo unser Überleben gesichert ist. |
Unser Lebenssinn ist, unbegrenzt zu wachsen, sicher auch auf Kosten anderer. Als Person, als Firma, als Stadt, als Staat. Gesetz des Marktes nennen wir das. Den fairen Wettbewerb versuchen wir möglichst auszuschalten, er behindert die Alleinherrschaft. |
| Unsere Geschichte ist erprobt und wertvoll, sie geht Millionen Jahre zurück. | Wir sind zivilisiert. Alle anderen sind Primitive. Die 3 Millionen Jahre unserer Geschichte sind nur Nebel. |
| Es gibt unendlich viele gute Lebensweisen. | Die Gesetze, die wir uns geben, definieren unsere einzig angemessene Lebensweise. Sie ist die allein zugelassene Lebensweise für alle Menschen. |
| Stabiles ewiges Leben ist unser wichtigstes Ziel, für weitere Jahrmillionen. | Nur unbegrenztes (Wirtschafts-)Wachstum kann unseren Wohlstand sichern. |
| Wir nehmen nur, was wir heute brauchen; den Rest lassen wir. | Wir nehmen alles, was wir kriegen können. Wir rotten aus: Das, was wir nicht essen können. Das, was unsere Nahrung frisst. Das, was nicht zu unserem Wachstum beiträgt. |
| Im Mittel bleibt bei uns alles gleich, unser Wissen wächst aber. | Wer nicht wächst und konkurriert, wird verdrängt und muss Konkurs anmelden oder Hartz IV beantragen. Ohne Wachstum würde unser Wirtschaftssystem, unser Sozialsystem und unser Finanzystem im Crash enden. |
| Künstliche Steigerung der Nahrungsproduktion lehnen wir ab. Sie würde Bevölkerungsexplosion und noch grössere Hungersnot hervorrufen, hier oder woanders. | Wir bekämpfen Hungersnöte. Wir dehnen dazu die Nahrungsproduktion noch viel weiter aus. Die resultierende Bevölkerungsexplosion und den grösseren Hunger kriegen wir noch in den Griff. |
| Werden wir angegriffen, dann wehren wir uns, sofort oder später.
Wenn unser Überleben gefährdet ist, greifen wir an. |
Fühlen wir uns angegriffen oder eingeschränkt, dann rotten wir die Angreifer aus. Wir führen Krieg. |
| Grosse Artenvielfalt sichert den Überlebenserfolg der Lebensgemeinschaft. | Die Arten, die wir antreffen, haben zufällig überlebt, und keine Bedeutung. Nur Monokultur in grossem Stil kann unser Wachstum sichern; in Feld, Weide, Wald und Meer. Bald werden wir alles klonen können. |
| Unsere Gemeinschaft ist die Natur, und darin unsere Gesellschaft, mit allen vorkommenden Verhaltensweisen. | Gemeinschaft empfinden wir nur, wenn wir unter Gleichgesinnten sind, abgeschottet. |
| Alle Rassen haben ihre Berechtigung und ihre Rolle im Ganzen. | Wir definieren andere Rassen als minderwertig. Ausgrenzungen bis hin zu ethnischen Säuberungen sind das Mittel, damit sie nicht den uns angestammten Platz einnehmen. |
| Die Welt ist gut gesteuert und organisiert, durch das Lebensgesetz. | Wir selbst müssen die Welt steuern, sonst kämen Chaos und Anarchie auf. Wir erobern dazu den letzten unbesetzten Fleck. |
| Stammesähnliche Lebensformen gehören zu den besten und bewährten Weisen, langfristig zu überleben. | Wir brauchen mächtige, zentrale und hierarchische Organisationen, Programme und Armeen, um die Welt gut zu steuern. |
| Unser Leben funktioniert, angepasst an unseren Lebensraum, unser Klima, unsere Gemeinschaft, unseren Geschmack, unsere Vorlieben, unsere Visionen. | Die Zerstörung der Welt können wir nicht anhalten, noch nicht. Auch den angerichteten Schaden nicht reparieren, den ökologischen Kollaps nicht verhindern. Nur eins kann uns retten: Vollständige Beherrschung der Welt, bis wir alles unter Kontrolle haben. Dann, wenn nichts mehr aus dem Ruder laufen kann, wird alles gut sein. |
| Wir passen in unsere Welt, so wie wir sind. Selbstbeherrschung vervollkommnen wir. Über andere herrschen: wozu soll das dienen? | Unsere eigene sündige Art können wir nicht im Zaum halten, zum Ausgleich versuchen wir unsere Umwelt und uns gegenseitig zu beherrschen. |
| Wir lehren unsere Kinder das Lebensgesetz. Wir kennen es aus der Erfahrung von tausenden von Generationen vor uns. | Wir bringen unseren Kindern bei, wie man Sachen herstellt, mehr und bessere Sachen. |
| Wir wissen, dass alles mit allem zusammenhängt, voneinander abhängt. | Wir sezieren unsere Umwelt. Alles sind nur unabhängige Teile, mit denen wir tun können, was uns beliebt. Was wichtig ist, sind wir und unser Wohlstand. Alles andere ist nichts wert. |
| Solange wir wach sind, sind wir tätig, geistig, körperlich, in Freiheit. | Unser Lebenssinn ist fremdbestimmte sozialversicherte Arbeit, im Gegensatz zu Freizeit. |
| Unsere Spiele dienen dem gemeinsamen Erforschen der Welt und dem Lernen. | Alle unsere Spiele sind darauf begrenzt, Sieger zu küren. |
| Gott ist der Urheber der Naturgesetze. Durch sie teilt er sich mit. | Die Naturgesetze waren vor Gott da. Gott hat zusätzliche Gebote geschaffen. Wir beten zu Gott, negative Auswirkungen von Naturgesetzen aufzuheben, auch wenn sie die unvermeidlichen Folgen unseres Handelns sind. |
| Gott ist in allem um uns herum, auch in uns. Er sorgt für das überlebensfähige Gleichgewicht. | Wir Menschen sind von Gott getrennt. Die Vereinigung mit Gott liegt weit in der Zukunft. Dazu nutzen wir Mittler (kirchliche Organisationen, Erlöser). Wir verstehen nicht, warum Gott das Leid in der Welt zulässt. |
| Jeder von uns weiss, was gut für ihn ist. Was für die Gemeinschaft zu tun ist, was nach dem Lebensgesetz gut ist. | Wie man am besten lebt, spüren wir nicht in uns. Das sagen uns unsere Propheten oder die Experten,
nur sie wissen die einzig richtige Lebensweise, und schreiben sie uns vor.
Die Menschen sind fehlerhaft und sündig. Sie müssen gezwungen werden, richtig zu leben, richtig zu arbeiten. Durch Strafen, und verschärfte Strafen. Nur wer genug für uns arbeitet, soll auch essen. |
| Unsere Gemeinschaft kann für jeden Einzelnen sorgen. Wir zwingen niemanden, etwas für ihn sinnloses zu tun. | Wir nutzen Existenznot, um andere Menschen zur Arbeit für uns zu zwingen. |
| Wir sind in unserer Gemeinschaft sicher. Was geschieht, ist gut. | Wir fühlen uns immer durch irgendetwas bedroht. Individuell, als Volk, als Menschheit. Wir müssen für unsere Sicherheit arbeiten, schuften, und teuer bezahlen. |
| Wir gehören zu den am besten ernährten Lebewesen auf der Erde. Wir sind ausserdem die entspanntesten, gesündesten und glücklichsten hier. | Armut, Stress, Hunger, Gewalt, Depressionen, Psychische und Sucht-Krankheiten, Selbstmord, Scheidungsrate, Kriminalität wachsen zwar beständig. Das sind aber nur Zivilisationskrankheiten, Nebenwirkungen unserer fortschrittlichen Kultur. Andere Gemeinschaften sind einfach zu primitiv, um solche Probleme zu haben. |
| Auch globale Probleme lösen wir gemeinsam, indem wir alle an den Ursachen arbeiten. | Bei Problemen (z.B. Erderwärmung, Überbevölkerung) bekämpfen wir auf unserem Territorium die Symptome und die Folgen. Die resultierenden Leiden erträgt dann die Unterschicht. |
| TAMARA: There are many and realistic alternatives. (Es gibt zur Problemlösung immer viele und realistische Alternativen.) | TINA: There is no alternative. (Zu dieser Massnahme gibt es keine Alternativen.) |