Rienzi, der Letzte der Tribunen

 





Rienzi, der Letzte der Tribunen

Große tragische Oper in fünf Akten



 

Übersicht

 
       
 
Allgemeines Ort und Zeit
Personen Chor
Pantomime / Ballett Orchester
Zur Entstehung Uraufführung
Handlung Text
Diskographie  
Hintergrundmaterialien
 
 
 

Allgemeines

 


WWV
: 49

Dichtung: Richard Wagner, nach dem gleichnamigen Roman von Edward Bulwer-Lytton aus dem Jahre 1835

Uraufführung: 30. Oktober 1842 im Königlich Sächsischen Hoftheater in Dresden unter der Leitung von Carl Gottlieb Reißiger

Form: Ouvertüre und 16 Musiknummern, die pausenlos ineinander übergehen

Dauer 1 : ca. 3 Stunden, 40 Minuten

Verlag: B. Schott's Söhne, Mainz (Richard Wagner Gesamtausgabe)

 

nach oben

Ort und Zeit

 


Zeit
: Um die Mitte des 14. Jahrhunderts

Ort: Rom

Schauplätze: Eine Straße Roms mit Lateran-Kirche - Ein großer Saal im Kapitol - Großer PLatz des alten Forums mit Ruinen von Säulen, Statuen und Kapitellen - Platz vor dem Lateran - Eine Halle im Kapitol mit Hausaltar - Platz vor dem Kapitol

 

nach oben

 
 

Personen

 


Cola Rienzi, päpstlicher Notar   Ten
Irene, Rienzis Schwester   Sop
Steffano Colonna, Haupt der Familie Colonna   Baß
Adriano, Steffano Colonnas Sohn   Sop
Paolo Orsini, Haupt der Familie Orsini   Baß
Kardinal Raimondo, Legat des Papstes zu Rom   Baß
Baroncelli, römischer Bürger   Ten
Cecco del Vecchio, römischer Bürger   Baß
Der Friedensbote Sop
Ein Herold Ten
Der Gesandte Mailands Baß
Die Gesandten der lombardischen Städte Ten, Baß
Der Gesandte Neapels Ten
Die Gesandten Böhmens und Bayerns Baß

Abkürzungsverzeichnis

 

nach oben

 
 

Chor

 


Römische Nobili und Trabanten; Anhänger der Colonna und der Orsini; Prister und Mönche aller Orden; Senatoren; Bürger und Bürgerinnen Roms; Friedensboten

 

nach oben

 
 

Pantomime / Ballett

 


Waffentanz und Pantomime beim Friedensfest: Collatius; Lucretia; Virginia; Jungfrauen der Lucretia; Tarquinius; Bewaffnete des Tarquinius; Brutus; Freunde des Collatius; junge Römer; Ritter; die Friedensgöttin

 

nach oben

 
 

Orchester

 


Holzbläser 3 Fl (2. auch Picc), 2 Ob, 3 Kl, 3 Fg, Serpent (KFg)
Blechbläser 4 Hrn, 4Trp, 3 Pos, Op 2
Pauken / Schlagzeug Pkn, GrTr, KlTr, RührTr, Bck, Trgl, TT
Sonstige Hrf
Streicher 16 G1; 16 G2, 12 Br, 12 Vc, 8 Kb
Auf der Bühne Trp; Org; Gl; Militärmusik: 12 Trp, 6 Pos, 4 Op 2, 10 KlTr, 4 RührTr

Abkürzungsverzeichnis

 

nach oben

 
 

Handlung

 
         
         

1. Akt

2. Akt

3. Akt

4. Akt

5. Akt

         
         

Vorgeschichte

Rom in der Mitte des 14. Jahrhundert. Mehrere Adelsfamilien (Nobili), miteinander verfehdet, haben Rom in ihrer Hand. Das Haupt der Adelsfamilie Orsini, Paolo, hat die Entführung von Irene veranlaßt, der Schwester des päpstlichen Notars Rienzi.

nach oben


Erster Akt: Platz vor der Laterankirche

1. Introduktion

Paoli Orsini raubt nachts mit seinen Anhängern Irene aus Rienzis Haus. Sie werden jedoch von Steffano, den Haupt der Familia Colonna und seinen Getreuen gestört. Die alte Fehde der beiden Adelsgeschlechter lodert auf und ein Kampf entbrennt. Als die Colonna Irene selber in Ihre Macht bekommen wollen, stellt sich Adriano, Steffanos Sohn, schützend vor Irene. Durch den Lärm aufgeweckt versucht das Volk Ruhe zu schaffen, greift selbst in den Streit ein und ein Massenaufruhr entsteht. Raimondo, Legat des Papstes, tritt auf und versucht vergeblich Ruhe zu schaffen: Er erntet nur Spott der Adelsfamilien, gelangt zwischen die Fronten und kann gerade nur vom Volk geschützt werden. Da tritt Rienzi auf. Durch sein gebieterisches Auftreten setzt er die Adligen in erstaunen. Als Rienzi gegen die Herrschaft der "Nobili" wettert, erntet der "Plebejer" Rienzi von Seiten der Adligen nur Hohn und Spott, hat aber das Volk auf seiner Seite. Immerhin erreicht Rienzi, daß vom Kampf abgelassen wird. Rienzi schwört, die erlittene Schmach zu rächen und das Volk von der Adelsherrschaft zu befreien. Rienzi erhält Unterstützung von Raimondo. Auf Rienzi hoffend zerstreut sich das Volk, daß ihm zuvor die Treue geschworen hat.

2. Terzett

Rienzi, Adriano und Irene bleiben zurück. Rienzi wundert sich, daß Adriano sich nicht auf die Seite seiner Familie gestellt hat und Irene unter seinen Schutz genommen hat. Rienzi eröffnet Adriano den Plan, Rom eine neue Verfassung zu geben. Aus Liebe zu Irene schließt sich Adriano Rienzi an. Da ein Colonna einst Rienzis Bruder ermordete, hat Rinezi letzte Vorbehalte gegen Adriano, die jedoch verschwindet, als er im Weggehen das junge Liebespaar ansieht.

3. Duett

Irene und Adriano schwelgen in ihrer jungen Liebe. In der Morgendämmerung ertönen Trompetensignale. Die Adligen treten gegeneinander zum Kampf an.

4. Finale

Das Volk strömt zusammen zum Kampf gegen die Nobili. Rienzi, in voller Rüstung, tritt auf den Platz und verkündet vom Volke bejubelt die neue Verfassung, die dem Volk die Freiheit garantieren soll. Das Volk ruft Rienzi zum König aus. Diesen Titel lehnt Rienzi jedoch ab - er will nicht König, sondern Volkstribun sein. Das Volk feiert den Tribun Rienzi.

nach oben


Zweiter Akt: Großer Saal im Kapitol

5. Introduktion

Die Macht der Adligen ist gebrochen. Friedensboten verkünden auf Befehl Rienzis im ganzen Land die neue Verfassung und die Freiheit Roms. Die geschlagenen Nobili heucheln im Festsaal Rienzi Loyalität. Rinezi lädt die Nobili zum Festessen ein.

6. Szene, Terzett und Chor

Hinter Rienzies Rücken planen die Nobili Verrat: Sie wollen die so bald wie möglich ihre alte Macht und Stellung wiedererlangen und Rienzi töten. Orsini selbst will das Attentat durchführen. Adriano hat jedoch die Pläne belauscht und gerät nun in den Gewissenskonflikt, Rienzi zu schützen und sich dadruch gegen den eigenen Vater zu stellen. Er versucht seinen Vater von seinen Plänen abzuhalten und wird als Verräter von seiner Familie verstoßen. Aus Liebe zu Irene beschließt Adriano, Rienzi zu schützen.

7. Finale

Die Vertreter der Bürgschaft versammeln sich zur Friedensfeier und werden von Rienzi feierlich empfangen. Adriano warnt Rienzi wegen des geplanten Attentates.

Pantomime - Ballet - Kampf

Die Friedensfeier beginnt mit der Darstellung eines Waffen- und eines Gladiatorenkampfes.

Am Ende der Tänze nähert sich Orsini Rienzi und sticht mit einem Dolch auf ihn ein. Rienzi konnte sich jedoch durch ein Panzerhemd schützen. Das Fest wird je unterbrochen, die Verschwörer festgesetzt. Ein Gericht tritt zusammen. Dem Willen des Volkes gemäß werden die Rebellen zum Tode verurteilt. Adriano fleht mit Irene bei Rienzi um Gnade für seinen Vater. Rienzi erhört die Bitte seines Freundes und begnadigt die Verräter.

nach oben


Dritter Akt: einsamer Platz in Rom

8. Introduktion

Die Sturmglocken läuten. Die begnadigten Nobili sind über Nacht geflohen. Sie haben sich zum gemeinsamen Zug mit Söldnern gegen Rom wieder versammelt. Obwohl die Römer sich gegen Rienzis Güte äußern, gelingt es ihm, sie nochmals zum Kampf gegen die Nobili zu mobilisieren.

9. Szene und Arie

Nochmals versucht Adriano, Schlimmeres zu verhindern und eilt fort, um Versöhnung zu erreichen.

10. Finale

Mit Rienzi an ihrer Spitze haben die Römer abermals gesiegt. Jedoch gab es große Verluste: Colonna und Orsini verloren ihr Leben. Im Siegeszug kehrt Rienzi zurück. Adriano kommt zu spät. Er konnte nichts mehr retten. Adriano verflucht Rienzi, schwört ihm Rache für seinen Vater und verläßt Irene.

nach oben


Vierter Akt: Platz an der Laterankirche

11. Introduktion, Terzett und Chor

Kaiser und Papst stellen sich gegen Rienzi, da dieser sich in das Gesetz zur Wahl des deutschen Kaisers eingemischt hat. Die deutschen Gesanden haben Rom verlassen. Mißtrauen und Verleumdungen hetzten das Volk gegen den Tribun auf. Adriano, der seinen Vater rächen will, schürt den Haß. Das Volk ist zum Aufstand gegen Rienzi bereit.

12. Finale

In feierlicher Prozession begibt sich Rienzi in die Kirche, wo ein te deum gehalten werden soll. Der vermeintliche Schutz der Kirche hält den Mob vor einem Attentat zurück. Anstatt daß Raimondo jedoch das te deum zelebriert, verkündet er Rienzi vor dem Portal der Kirche den Bannfluch des Papstes. Alle meiden den von der Kirche ausgestoßenen. Lediglich Irene bleibt ihrem Burder treu.

nach oben


Fünfter Akt

13. Introduktion und Gebet: Halle im Kapitol

Rienzi betet noch einmal im Kapitol und bittet, daß sein Werk nicht untergehe.

14. Duo

Irene tritt zu ihm und Rienzi klagt ihr seine Liebe zu Rom, seiner "Braut". Irene hält ihm die Treue.

15. Szene und Duo

Adriano tritt auf, und versucht, Irene mit sich zu nehmen, um sie vor dem Tode zu retten. Sie weist ihn jedoch ab. Der Mob hat mittlerweile das Kapitol angezündet, so daß Adriano seine Rache nicht mehr selbst vollführen kann. Wie im Wahnsinn stürzt Adriano mit dem Schwert davon.

16. Finale: Platz vor dem Kapitol

Noch einmal versucht Rienzi zu der aufgepeitschten Menge zu sprechen. Vergeblich. Er und Irene werden auf dem Balkon mit Fackeln und Balken beworfen. Das Kapitol steht hell in Flammen. Rienzi und Irene werden von dem zusammenfallenden Steinquadern erschlagen. Adriano stürzt sich zu Irene um sie zu retten und findet auch in den Flammen den Tod.

 

(KU)
nach oben

 
 

Text

 


Download im pdf-Format


27 Seiten
Größe: 108 kb

download




 

Schnellansicht 

Erster Akt Zweiter Akt Dritter Akt Vierter Akt Fünfter Akt
Nr. 1 Introduktion: 
Hier ist's, hier ist's! Frisch auf
Nr. 5 Introduktion: 
Jauchzet, ihr Täler!
Nr. 8 Introduktion und Ensemble: 
Vernahmt ihr all die Kunde schon?
Nr. 11 Introduktion, Terzett und Chor: 
Wer war's, der euch hierher beschied?
Nr. 13 Introduktion und Gebet: 
Allmächt'ger Vater, blick herab!
Nr. 2 Terzett: 
O Schwester, sprich, was dir geschah
Nr. 6 Szene, Terzett und Chor: 
Colonna, hörtest du das freche Wort?
Nr. 9 Szene und Arie: 
Gerechter Gott! So ist's entschieden schon!
Nr. 12 Finale: 
Ihr nicht beim Feste?
Nr. 14 Duo:
Verläßt die Kirche mich
Nr. 3 Duett: 
Er geht und läßt dich meinem Schutz
Nr. 7 Finale: 
Erschallet, Feierklänge
Nr. 10 Finale: 
Der Tag ist da, die Stunde naht

Nr. 15 Szene und Duo:
Du hier, Irene? Treff' ich dich noch
Nr. 4 Finale: 
Gegrüßt, gegrüßt sei, hoher Tag!
      Nr. 16 Finale:
Herbei! Herbei! Auf, eilt zu uns!

 

 

nach oben

 
 

Zur Entstehung

 
 


Juni 1837

 
Wagner liest in Dresden den Roman "Rienzi" von Edward Bulwer-Lytton

Entschluß, den Stoff in einer großen Oper zu verarbeiten

 
 

Juli 1838

  Vorliegen eines ersten Prosentwurfes  
 

06.08.1838

  Riga: Abschluß der Versdichtung  
 

07.08.1838

  Beginn der Orchesterskizzen  
 

Winter 1838/39

  Wegen schwerer Erkältung Unterbrechung der Kompositionsarbeit  
 

20.08.1838

  Auf der Flucht vor seinen Gläubigern verläßt Wagner Riga und läßt sich - nachdem er zuvor erfolglos versuchte seinen Textentwurf Bulwer-Lytton in London zu überreichen - vorerst in Boulogne-sur-Mer (Frankreich) nieder.  
 

12.09.1839

  Boulogne-sur-Mer:

Partitur des Ersten und Zweiten Aktes abgeschlossen

Kontakt zu Meyerbeer, dem er die Dichtung des Rienzi vorliest und die Partituren zur Begutachtung vorlegt. Meyerbeer äußert sich positiv.

 
 

23.10.1840

  Beginn der Orchesterskizze der Ouvertüre (abgeschlossen im November)  
  19.11.1840   Paris: Abschluß der Partitur

Wagner übersendet die Partitur nach Dresden. In mitgesanden Briefen an den König und den Intendanten von Lüttichau bittet er um Aufführung des Werkes.

 
 

29.06.1841

  Rienzi wird von Lüttichau zur Uraufführung angenommen

Wagner reist zu den Probearbeiten nach Dresden.

 
  20.10.1841   Erfolgreiche Uraufführung des "Rienzi" in der Hofoper unter Leitung von Carl Gottlieb Reißiger (ohne Lucretia-Pantomime). Die Aufführunmg dauert über 6 Stunden
  1842   Erstdruck des Textes in Dresden
  1844   Erstdruck der Partitur im Verlagshaus Fürstenau (Dresden, Leipzig)
  21.03.1844   Erste Aufführung des Rienzi unter Leitung Wagners in Hamburg
  21.10.1847   Aufführung des Rienzi unter Leitung Wagners in Berlin
   
 
   1859
   1864
 1868
     1869
   1872

1976
  Weitere Aufführungen:
Prag
Stockholm
Rotterdam
Paris 6. April (Theater Lyrique)
Wien

Da schon die frühen Partiturausgaben Kürzungen enthielten und die Originalpartitur verschollen ist (sie Befand sich im Besitz Hitlers), müssen für eine BBC-Produktion der drei Jugendopern Wagners 1046 Takte anhand von Wagners Kompositionsszizze ergänzt werden.

Während der Bayreuther Festspiele wurde "Rienzi" bislang noch nicht aufgeführt.


 

nach oben

 
 

Diskographie

 


Heinrich Hollreiser, Staatskapelle Dresden

Aufnahme von 1976, 1976

René Kollo (Rienzi), Siv Wennberg (Irene), Theo Adam (Orsini), Nikolaus Hillebrand (Colonna), Janis Martin (Adriano), Siegfried Vogel (Raimondo), Peter Schreier (Baroncelli), Chor des Leipziger Rundfunks, Chor der Staatsoper Dresden

EMI, 3CD ADD

 


Wolfgang Sawallisch, Bayerisches Staatsorchester, München

Carmen Anhorn, Cheryl Studer, John Janssen, René Kollo, Friedrich Lenz, Norbert Orth, Hans Wilbrink, Bodo Brinkmann, Kieth Engen, Raimund Grumbach, Karl Helm, Alfred Kuhn, Jan Hendrik Rootering, Chor der Bayerischen Staatsoper

Orfeo, 3 CD

 

 

nach oben

 
 

Hintergrundmaterialien

 


Cola di Rienzo (* Rom, 04 oder 05 1313 - ebenda, 08.10.1354)
italienischer Staatsmann, der am 20.05.1347 mit dem Ziel der Erneuerung Romes im Sinne altrömischer, republikanischer Ideale die adeligen Senatoren absetzte und sich den Titel Tribun gab. Nach einem päpstlichen Bann mußte er fliehen und wurde 1352 dem in Avignon residierenden Papst augeliefert. Nach Aufhebung des Bannes wurde er 1354 als Senator nach Rom geschickt, wo er bei einem Volksaufstand umkam.

 

Externe Seiten zu Rienzi (bitte beachten Sie den Haftungsausschluß)

 

 

nach oben

 
 

Starten Sie das WagnerWeb hier neu, falls auf der linken Seite kein Menü zu erkennen ist.