Lohengrin

 

 

Lohengrin

Romantische Oper in drei Akten

 

 

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Allgemeines

 


WWV: 75

Uraufführung: 28.08.1850, Hoftheater Weimar; Leitung: Franz Liszt

Form: Durchkomponiert

Aufführungsdauer 1: 3 St. 32 Min.

Verlag: Breitkopf & Härtel, Wiesbaden; B. Schott's Söhne, Mainz (Richard-Wagner-Gesamtausgabe)

 

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Personen

 
Heinrich der Vogler, deutscher König   Baß
Lohengrin, Gralsritter und Parsifals Sohn   Ten
Elsa von Brabant   Sop
Friedrich von Telramund, brabantischer Graf   Bar
Ortrud, Friedrichs Gemahlin   Mez
Heerrufer des Königs   Baß
Vier brabantische Edele   2 Ten 2 Baß
Vier Edelknaben   2 Sop, 2 Alt
Herzog Gottfried, Elsas Bruder   stumme Rolle

Abkürzungsverzeichnis

 

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Chor

 

Sächsische und thüringische Grafen und Edele; Brabantische Grafen und Edele; Edelfrauen und Edelknaben; Mannen; Frauen; Knechte

 

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Orchester

 
Holzbläser: 3 Fl (2. auch Picc), 2 Ob, EH, 2 Kl, BKl, 3 Fg
Blechbläser: 4 Hrn, 3 Trp, 3 Pos, BTba
Pauken / Schlagzeug: 1 Paar Pkn, Trgl, Bck, Tamb
Sonstige: Hrf
Streicher: 16 G1; 16 G2, 12 Br, 12 Vc, 8 Kb
Auf der Bühne: 4 Trp, 3 Fl (2. auch Picc), 3 Ob, 3 Kl, 2 Fg, 4 Hrn, weitere 8-12 Trp, Pkn, Bck, Org, Hrf, Trgl, Gl in E, Rührtr

Abkürzungsverzeichnis

 

 

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Handlung

 
   

1. Akt:

zum 2. Akt - zum 3. Akt

Bei Antwerpen, erste Hälfte des 10. Jahrhunderts: König Heinrich ist nach Brabant gekommen, um für einen drohenden Krieg gegen die Ungarn Truppen zu sammeln. Der Heerrufer des Königs eröffnet die Versammlung Heinrichs mit den Edlen von Brabant, die ohne fürstliche Führung sind: Ihr Herzog ist verstorben, sein Sohn und Erbe, Gottfried, ist verschwunden.

Da Heinrich in Brabant auch Gericht hält, klagt nun Graf Friedrich von Telramund, den der verstorbene Herzog zum Vormund seiner beiden Kinder, Gottfried und Elsa, bestellt hat, Elsa von Brabant öffentlich an, ihren Bruder Gottfried ermordet zu haben – „Lustwandelnd führte Elsa den Knaben einst zum Wald, doch ohne ihn kehrte sie zurück!“ Telramund berichtet weiter, daß er nach dem Verschwinden Gottfrieds Abstand von seinem ihm durch den alten Herzog zugestandenen Recht auf Elsas Hand genommen habe: Er heiratete Ortrud, die Tochter des heidnischen Friesenfürsten Radbod. Elsa aber habe einen Buhlen, den sie zum neuen Herzog machen wolle, deshalb sei sie unwürdig, Herzogin zu werden. Telramund beansprucht die Herzogswürde für sich und seine Gattin Ortrud.

Heinrich läßt Elsa rufen, damit sie sich verteidige. Wie in Trance erscheint die Beklagte, auf die Fragen Heinrichs antwortet sie nur mit Gesten. Als Heinrich sie auffordert, sich zu verteidigen, berichtet sie von einem Traum, in dem ihr ein edler Ritter erschienen ist, der ihr beistehen würde. Das Gottesgericht wird ausgerufen: Da sich Heinrich alleine nicht zu einem Richterspruch fähig sieht, soll im Schwertkampf über Schuld und Unschuld entschieden werden. Telramund ist entschlossen, für sein Recht zu kämpfen, nur für Elsa findet sich kein Streiter: Zwei Rufe des Heerrufers verhallen ohne Antwort, obwohl Elsa demjenigen, der für sie streiten wolle, ihre Hand und das Herzogtum anbietet.

In höchster Not beginnt Elsa zu beten – da erscheint wie durch ein Wunder auf dem Fluß ein Nachen, der von einem Schwan gezogen wird und in dem ein unbekannter Ritter steht, gerade so, wie es Elsa geträumt hatte. Der Unbekannte bietet sich Elsa als Kämpfer an, unter der Bedingung, daß sie ihn nie nach seinem Namen und seiner Herkunft befragen dürfe, selbst dann nicht, wenn er sie zur Frau nähme: „Nie sollst Du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam‘ und Art!“ Elsa beteuert, nie gegen dieses Gebot zu verstoßen.

Das Gottesgericht wird vorbereitet, indem der König, Elsa und die beiden Streiter Gott um eine gerechte und weise Entscheidung bitten, während Ortrud, die Heidin, sich ganz auf Telramunds Stärke verläßt. Im Gotteskampf unterliegt Telramund dem Unbekannten, der dem so entlarvten Lügner das Leben schenkt. Das brabantische Volk, die Edlen, Heinrich, Elsa und der Unbekannte brechen in Jubel aus, Telramunds und Ortruds Klage geht im allgemeinen Freudentaumel unter.


   

2. Akt:

zum 1. Akt - zum 3. Akt

Nacht, Burghof der Burg von Antwerpen. Friedrich und Ortrud, verstoßen, da Telramund im Gotteskampf unterlegen ist, hören, wie der Hofstaat das neue Herrscherpaar feiert. Telramund wirft seiner Gattin vor, daß sie ihn zur Klage gegen Elsa angestiftet habe, indem sie ihm erzählte, sie habe gesehen, wie Elsa ihren Bruder ertränkte. Telramund verzweifelt: Bis Tagesanbruch müssen er und Ortrud die Stadt verlassen haben, geächtet und gebannt. Seine Frau, die immer noch heidnische Rituale ausübt und sich auch heidnischer Magie bedient, wirft ihm Feigheit vor. Sie will und kann nicht aufgeben: Die einstige Macht ihrer Väter und ihr heidnischer Glaube binden sie an das Land. Listig überzeugt sie Telramund, daß er nicht von Gott gerichtet worden sei, sondern Opfer eines Zaubers geworden sei. Die Macht des Unbekannten sei zu brechen, wenn man dem geheimnisvollen Ritter eine Verletzung beibrächte oder wenn man Elsa dazu bewege, die verbotene Frage zu stellen. Gemeinsam mit ihrem wieder leichtgläubigen Mann schwört sie bittere Rache: „Der Rache Werk sei nun beschworen aus meines Busens wilder Nacht! Die ihr in süßen Schlaf verloren, wißt, daß für euch das Unheil wacht!“

Ortrud schickt Friedrich fort, als Elsa auf einem Balkon ihres Gemachs erscheint, damit sie alleine sich an Elsa räche – Friedrich solle mit dem Schwanenritter abrechnen. Ortrud klagt Elsa, die voller Glücksgefühle ist, ihr Schicksal und spielt für Elsa die gedemütigte Frau. Elsa empfindet Mitleid und geht zurück in ihre Kammer, um Ortrud einzulassen. Die kurze Abwesenheit Elsas nutzt Ortrud, um ihre heidnischen Götter um Hilfe bei ihrer Rache anzurufen: „Entweihte Götter, helft jetzt meiner Rache!“ Als Elsa die Türe öffnet, wirft sie sich ihr heuchelnd zu Füßen. Sie gibt sich als besorgte Freundin aus und redet Elsa Angst vor dem Fremden ein. Elsa läßt sie in ihre Kammer ein. Telramund, der die Szene versteckt beobachtet hat, ist sich nun sicher, daß die Rache an seinem Bezwinger gelingt.

Inzwischen ist es Tag geworden, die Trompeten blasen von den Türmen der Burg die Wachrufe. Der Heerrufer gibt den sich versammelnden Edlen von Brabant bekannt, daß Friedrich von Telramund in Acht und Bann getan sei, und daß der König dem fremden Ritter Land und Krone von Brabant verliehen habe. Elsa soll ihn noch heute heiraten, damit der Fremde sogleich die brabantischen Truppen in den Krieg führen kann. Unter der Zuhörerschaft sieht man auch Telramund, der sich von seinen Vertrauten, die er in seine Rachepläne einweiht, verbergen läßt.

Die Hochzeitsprozession beginnt, doch als Elsa die Füße auf die Stufen des Münsters setzt, tritt ihr zum Entsetzen aller Ortrud entgegen und verlangt den Vortritt vor der Braut eines Namenlosen. Sie vertritt die Ansicht, daß der Held nicht sehr rein und edel sein könne, wenn man seine Herkunft nicht erfahren dürfe. Unterdessen hat sich auch der Zug der Männer, vom König selbst angeführt, dem Münster genähert. Telramund wirft sich dem Fremden in den Weg und klagt ihn des Betruges und der Zauberei an und fragt nach Namen und Herkunft des Fremden. Der fremde Ritter weißt die Frage ab: „Nur eine ist’s“ – Elsa nämlich – „der muß ich Antwort geben“, selbst dem König schulde er die Antwort nicht. Elsa stellt die Frage jedoch nicht, und zögernd zieht das Paar ins Münster zur Trauung. Als der Vorhang bereits gefallen ist, ertönt im Orchester noch einmal übermächtig jenes Motiv, welchen das Frageverbot des Unbekannten im ersten Aufzug kennzeichnete.


   

3. Akt:

zum 1. Akt - zum 2. Akt

Das Brautgemach in der Burg zu Antwerpen. Ein Brautzug geleitet Elsa und den unbekannten Ritter in das Gemach, wo die beiden zum ersten Mal allein gelassen werden. Obwohl beide sich gegenseitig ihre Liebe versichern, ist Elsa sich der Treue des Ritters unsicher, da sie ihren Geliebten nicht beim Namen nennen kann. Getrieben von der Angst, er könne ebenso schnell wieder verschwinden, wie er auftauchte, stellt sie schließlich doch die verbotene Frage. Im selben Augenblick bricht Telramund mit seinen Vertrauten in das Gemach, Telramund wird von dem Unbekannten mit einem Streich getötet. Die Leiche Telramunds läßt der Fremde vor den König tragen, dorthin soll auch seine Geliebte geführt werden, denn der wolle ihr die gestellte Frage vor dem König beantworten.

Am Flußufer. Die Truppen versammeln sich, das Volk erwartet seine Anführer. Friedrichs Leiche wird herbeigetragen, und Elsa erscheint, auf ihre Kammerfrauen gestützt. Als der Fremde erscheint, wird er vom Volk jubelnd als „Held von Brabant“ begrüßt. Aber der Unbekannte lehnt Amt und Würden ab: Nicht Telramunds Tod, sondern Elsas Frage zwinge ihn zu diesem Verzicht. Schließlich enthüllt er sein Geheimnis: Er ist ein Ritter des Grals, dessen König sein Vater Parzival sei. Wenn einer der Gralsritter entsandt werde, um für Recht und Tugend zu kämpfen, müsse er unerkannt bleiben, sonst müsse er die Menschen verlassen. Er selbst gibt sich als Lohengrin zu erkennen. (In dem bei der Uraufführung gestrichenen und bis heute selten zu hörenden zweiten Teil dieser „Gralserzählung“ erfährt man aus Lohengrins Sicht, wie der Held zu Elsa entsandt wurde und wie er vom Schwan gezogen die Reise nach Brabant antrat.)

Traurig nimmt Lohengrin von Elsa Abschied, wobei er ihr sein Horn, einen Ring und sein Schwert überläßt: Sie solle dies ihrem Bruder übergeben, wenn er zurückkomme. Dem König prophezeit Lohengrin, daß er siegreich aus dem Kampf gegen die Ungarn hervorgehen werde. Da erscheint wieder der Schwan – und an der Kette erkennt Ortrud, daß dies der Schwan ist, in den sie selbst einst den jungen Gottfried verwandelt hat. Sie wähnt sich bereits im Triumph, denn mit Lohengrin werde auch der Schwan, Gottfried also, endgültig verschwinden. Doch Lohengrin betet zu Gott, und Ortruds Zauber wird gelöst: Eine Taube schwebt vom Himmel herab, der Schwan versinkt, und an seiner Stelle erscheint der junge Gottfried, der nun als rechtmäßiger Herzog die brabantischen Truppen in die Schlacht führe wird. Ortrud bricht tot zusammen. Als sich Lohengrin in dem nun von der Taube gezogenen Nachen entfernt, sinkt auch Elsa entseelt zu Boden.

(CH)

 

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Text

 
1. Akt 2. Akt 3. Akt
1. Szene
Heinrich, Friedrch, Ortrud, Herrufer, sächsische und thüringische Edele, brabantische Edele
1. Szene
Friedrich und Ortrud
1. Szene
Elsa, Frauen, Lohengrin, Männer, Heinrich, Edelknaben
2. Szene
Die vorigen, Elsa, Edelfrauen
2. Szene
Die vorigen, Elsa
2. Szene
Elsa, Lohengrin
3. Szene
Die vorigen, Lohengrin
3. Szene
Die Edelen und Männer, Heerrufer, Friedrich, Edelknaben
3. Szene
Heinrich, brabantische Edele, sächsische und thüringische Edele, Elsa, Edelfrauen, Lohengrin, Ortrud
  4. Szene
Die vorigen, Elsa und Ortrud, Edelfrauen
 
  5. Szene
Die vorigen, Lohengrin, Heinrich
 

Download von Akt 1-3
 

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Quellen / Entstehung

 



Wagner kannte den "Lohengrin"-Stoff (siehe "Deutsche Sagen" der Brüder Grimm und die "Rittersage") wohl bereits seit seiner Jugend, aber eine erste intensive Auseinandersetzung mit dem Sagenstoff um den Gralsritter fand erst während Wagners erstem Parisaufenthalt in den Jahren 1841-42 statt. 1845 verfaßte der Komponist in Marienbad einen ersten Prosaentwurf zu "Lohengrin", nachdem er die erste Fassung seiner Oper "Tannhäuser" beendet und einen Entwurf zu den "Meistersingern" verfaßt hatte.

Im „Lohengrin“ werden im wesentlichen zwei Sagenkreise verwandt: die Sagen um den Gral und das Märchen vom Schwanenritter vereinen sich zu einer Handlung. Im November 1845 war die Dichtung zu "Lohengrin " völlig abgeschlossen, und Wagner trug sie sogleich öffentlich vor. Mit der Komposition seines Textes begann Wagner wohl aber erst 1846 – die wegen Wagners Tätigkeit als sächsischer Hofkapellmeister oft unterbrochene Arbeit vollendete er am 28. April 1848.

Die Partitur wurde sogleich der Intendanz der Dresdner Oper vorgelegt, wo die Uraufführung stattfinden sollte. Wagners Teilnahme am Maiaufstand in Dresden sowie die Tatsache, daß er in der Folge der revolutionären Bewegung steckbrieflich gesucht wurde, führte dann aber zur Ablehnung der Dresdner Aufführung. "Lohengrin" konnte so erst auf das Betreiben von Franz Liszt am 28. August 1850 am Hoftheater in Weimar uraufgeführt werden, Liszt selbst dirigierte die Vorstellung, an der der immer noch steckbrieflich gesuchte Komponist aber nicht teilnehmen konnte – er befand sich im sicheren Schweizer Exil.

Wagner selbst konnte seinen "Lohengrin" erst am 15.Mai 1861 in Wien hören, in Bayreuth wurde die "Romantische Oper in drei Aufzügen" erstmals im Jahre 1894 einstudiert.

(CH)

 

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CD Empfehlung

 
Rudolf Kempe, Wiener Philharmoniker

"Jess Thomas ist ein geschmackvoll phrasierender, leuchtkräftiger Lohengrin, Elisabeth Grümmer gepflegt timbriert als Elsa. Überragend gelingt es Christa Ludwig und Dietrich Fischer-Dieskau das Porträt eines intellektuell-streitsüchtigen Ehepaares mit Phrasierungskultur und expressiver Gewalt darzustellen." (FonoForum 11/87)

"Kempes musikalisch bisher unübertroffene Einspielung hat auf CD - trotz relativ hohen Grundrauschens - eine klangliche Verjüngungskur erfahren." (Berliner Opernblätter)

Aufnahme von 1962/63

Elisabeth Grümmer (El), Christa Ludwig (Or), Jess Thomas (Lo), Dietrich Fischer-Dieskau (Te), Gottlob Frick (KH), O. Wiener (He), Chor der Wiener Staatsoper T

EMI, 3 CDs, ADD

 

Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin

"Chor und Orchester und Dirigent bieten hohen professionellen Standard. Das ist differenziertes, präzises Musizieren" ( Fono Forum) .

"Eine künstlerisch gelungene Aufnahme" (Oper&Tanz)

Studioaufnahme von 1998

Emily Magee (El), Deborah Polaski (Or), Peter Seiffert (Lo), Flak Struckmann (Te), René Pape (KH), Roman Trekel (He), Chor der Deutschen Staatsoper Berlin

Teldec, 3 CDs, DDD



Weitere Aufnahmen finden Sie in der Diskographie.

Hinweise zur Auswahl unserer CD-Empfehlungen finden Sie hier.

 

 

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Hintergrundmaterialien

 


Quellen, denen sich Wagner bei der Konzeption der Lohengrin-Dichtung bedient hat:

 

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