Die Meistersinger von Nürnberg - Informationen zu den Personen

 



     

Hans Sachs

Hans Fol(t)z

Sixtus Beckmesser

Eduard Hanslick




     



Hans Sachs

Der "historische" Hans Sachs Im Gegensatz zu den meisten Mitgliedern der Nürnberger Meistersingerzunft ist über den historischen Hans Sachs relativ viel bekannt, sogar Bilder von ihm sind überliefert:

 

5. Nov. 1494

  Hans Sachs wird als Sohn des Schneidermeisters Jörg Sachs in Nürnberg geboren

1502-1509

  Schüler der Lateinschule

1509-1510

  Schusterlehre

1511-1516

  auf Wanderschaft:

1513

  Innsbruck: Hier soll sich Sachs zum Studium des Meistergesangs entschlossen haben
    München: Unterricht im Meistergesang durch den Meister Lienhard Nunnenbeck (Leinenweber)

1516

  Sachs läßt sich in Nürnberg nieder

1. Sep. 1519

  Heirat mit Kunigunde Creutzer (*1512)

Ab 1525

  Sachs tritt nach und nach für Luthers „Reformation“ ein

18. März 1560

  erste Frau Kunigunde stirbt

2. Sep. 1561

  Sachs heiratet die junge Witwe Barbara Harscher

19. Januar 1576

  Sachs stirbt in Nürnberg in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar im Alter von 82 Jahren


Stand Sachs’

Hans Sachs war wohl als Meistersinger und Dichter der bekannteste Vertreter der bürgerlichen Literatur des 16. Jahrhundert. Er war führendes Mitglied der Nürnberger Meistersingerzunft und zeitweise deren Vorsitzender (wohl um 1555).

Produktivität Hinzukommt noch seine unglaubliche Produktivität als Lyriker und Dramatiker. Sein geschätztes Opus umfaßt unter anderem: mehr als 4.200 Prosastücke
  • über 100 Dramen und Komödien
  • ca. 1.000 Fabeln
  • mehrere hundert Faschingsschwänke
  • mehr als 6.000 Lieder
  • Seine zahlreichen Meisterlieder sind streng nach den Regeln der Tabulatur gestaltet.

Bedeutung Hervorzuheben unter Sachs Werken sind auch seine in der Nürnberger Tradition stehenden Schwänke und Fastnachtsspiele. Diese sind gekennzeichnet durch eine drastische Komik, jedoch bereichert Sachs diese Gattung durch weitere Elemente und führte sei so zu einem neuen Höhepunkt und entwickelte sie unter Beibehaltung schwankhafter Motive zum Meistersingerdrama weiter.

Stoffe Sachs‘ In seinen Erzählungen und Schauspielen greift Sachs meist auf klassische, biblische und mittelalterliche Stoffe zurück, die, angepaßt an die damalige biedere, kleinbürgerliche Vorstellungswelt, einen lehrhaft-satirischen Charakter aufweisen.

Sachs als Reformations-schriftsteller Mit Sachs gewann die Reformationsbewegung Luthers ihren bedeutendsten literarischen Parteigänger (vgl. u.a. das Reformationslied „Wach auf“, dessen Sachs‘ Originaltext Wagner in den Meistersingern vertonte). Jedoch blieb Sachs‘ Engagement für Luther nicht ohne Folgen: im damals noch katholischen Nürnberg erhielt Sachs Schreibverbot und er mußte sich auf seinen ordentlichen Beruf beschränken (Das Sprichwort „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ wurde wohl hier geprägt). Als Nürnberg sich letztendlich doch der Reformationsbewegung anschloß, wurde der schon weithin bekannte Sachs zum Volkshelden.

Wichtige Werke
  • Das Hofgesin der Venus (Fastnachtsspiel, 1517)
  • Schlaraffenland (Schwank, 1530)
  • Das ucretia (Drama, Narrenschneiden (Fastnachtsspiel, 1534)
  • Der schwangere Bauer (1544)
  • Der Teufel mit dem alten Weib (Fastnachtsspiel, 1545)
  • Das Kälberbrüten (Fastnachtsspiel, 1551)
  • Die ungleichen Kinder (Drama, 1553)
  • St. Peter mit der Geiß (Schwank, 1555)
Wagners Hans Sachs "Ich faßte Hans Sachs als letzte Erscheinung des künstlerisch produktiven Volksgeistes auf" (Wagner über Sachs)

  Den Charakter der Opernfigur „Hans Sachs“ hat Wagner - wie auch bei den übrigen Personen - frei erfunden. Er wurde jedoch stark beeinflußt von den historischen Quellen zum Meistersang, in denen Sachs als weiser und angesehener Mann, künstlerische Persönlichkeit und Volksliebling dargestellt wird. Wagner übernimmt all die positiven Eigenschaften, fügt noch Eignes hinzu und macht Sachs zur Idealfigur; auf Grund gewisser autobiographischer Züge ist Sachs wohl auch ein idealisierter Wagner. So kann man in dem freiheitlich denkenden, sinnvollen Neuerungen aufgeschlossenen Künstler Sachs und klugen Anwalt/Politiker der Kunst durchaus Wagner erkennen.
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Hans Foltz (Folz)

Leben Hans Foltz war neben Hans Sachs einer der bedeutendsten Meistersinger Nürnbergs. Er wurde in Worms um das Jahr 1450 geboren. Er kam 1479 nach Nürnberg, wo er (vor dem 16.9.) 1515 starb. Sein bürgerlicher Beruf war Barbier (Wundarzt), was ihm den Beinamen „der Barbierer“ brachte.

Reformer In die Geschichte ging Foltz um 1480 durch seine bedeutende Reform des Meistergesangs ein, wodurch der Meistergesang ein weiteres Jahrhundert überleben konnte:
  • Vor der Reform war es nur erlaubt, die 12 bestehenden „Töne“ zu verarbeiten. Foltz konnte die Aufnahme weiterer Weisen durchsetzen und erfand selbst 27 Töne.
  • Den Meistertitel konnte von nun ab nur der beanspruchen, der einen neuen Ton geschaffen hatte und der beim Vortrag des Tons die Zustimmung des Merkers erhielt.
  • Zuvor durften nur theologische Themen verarbeiten werden. Foltz erreicht, daß auch ernste weltliche Stoffe gestattet wurden.

Werk Foltz verfaßte Meisterlieder mit vorwiegend religiösen Inhalten; wohingegen seine Spruchdichtungen neben religiösen auch profane Themen behandelt. Seine Schwänke besitzen derb-drastische Komik und bringen meist eine moralische Nutzanwendung in allegorischer Form. Foltz lassen sich weiterhin 7-8 Fastnachtsschwänke zuschreiben, die in der Tradition Rosenplüts (berühmter Minnesänger) stehen.

Bedeutung Durch seine Ausgelassenheit, seinen Witz, Einfallsreichtum, Realismus und feinem Sinn für Wort- und Situationskomik hat Foltz Hans Sachs entscheidende Anregungen gegeben.
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Sixtus Beckmesser

Der „echte“ Sixtus Beckmesser Über den historischen Sixtus Beckmesser ist im Gegensatz zu seinem populären Zeitgenossen Hans Sachs wenig bekannt. Er wurde um 1500 geboren und starb vor 1539. Von den Werken dieses Nürnberger Meistersingers ist außer einem Gedicht auf Maria nichts mehr erhalten. Dagegen waren seine Melodien noch lange Zeit beliebt.

Wagners Beckmesser Der Charakter des Beckmessers hat wie bei den anderen Meistersingern mit den jeweiligen historischen Vorbildern (wenn überhaupt) nur den Namen gemein. Die Charakterzüge hat Wagner erfunden.

Die Figur des Merkers gab es schon seit den ersten Konzepten zu den Meistersingern. In dieser Figur wollte Wagner die „meistersingerliche Spießbürgergesellschaft“ mit ihrem „durchaus drolligen, tabulatur-poetischem Pedantismus“ verkörpern. Dies ist ihm in der Tat gelungen. „Beckmesser“, der rechthaberische, bornierte Pedant ist nicht umsonst dank Richard Wagner Sinnbild für philisterhaftes und kleinliches Verhalten geworden und hat Einzug in jedes deutsche Wörterbuch gehalten.

Jedoch hat der „Merker“ noch eine insbesondere für Wagner subjektivere Dimension.

Merker als Kritikerkarikatur Eine auf Wagners schwieriger Persönlichkeit beruhende "Unart" war, daß er alles, was über ihn gesagt und gesprochen wurde, oft allzu persönlich nahm. Das schließt auch und vor allem die (Musik-)Kritiker mit ein. Sein ganzes Leben lang sah sich Wagner den negativen Äußerungen der Kritik ausgesetzt, die seine Werke nicht verstand oder nicht verstehen wollte. In der Gestalt des Merkers wollte Wagner nun eben dieses kleinliche Verhalten der Kritik karikieren und sich so in aller Öffentlichkeit „rächen“.Wagner gab dem Sänger Rudolf Fenry, der 1872 den Beckmesser spielte, folgende Hinweise über die Rolle: „Große Borniertheit und viel Galle. Nehmen sie irgendeinen boshaften Rezensenten zum Muster. Die äußerst hohen Noten sind natürlich nur heftige oder lächerliche Sprechakzente, kein Gesang...

Hanslick als „Gegenspieler“ Wagners Zu den bekanntesten und gefürchtetsten Musikkritikern zählte damals der Wiener Eduard Hanslick. Als glühender Verfechter der Klassik lehnte er das Werk Wagners ab. Einigen Frühwerken Wagners zollte Hanslick durchaus Respekt, wohingegen er den Tristan verabscheute. Hanslick versuchte aber, bei seinen Rezensionen stets Objektivität zu bewahren und allzu subjektive und persönlichen Äußerungen zu vermeiden. Wagner sah sich dennoch durch Hanslicks Kritiken persönlich angegriffen Hanslick wurde zum „Prototypen“ der verhaßten Kritikergemeinde und als sein „Erzfeind“ angesehen.

Hanslick und Wagner begegneten sich im Laufe ihres Lebens mehrere Male. Vergeblich versuchte Hanslick dabei Wagner davon zu überzeugen, daß seine Kritiken in keinster Weise als persönliche Beleidigungen zu verstehen sind. Doch ohne Erfolg. Sämtliche Versuche Hanslicks, mit Wagner doch noch ein persönliches Einvernehmen herzustellen, scheiterten, wohl nicht zuletzt aufgrund Wagner Sturheit.

Hanslick - Hanslich Während in den ersten Entwürfen der Merker noch namenlos ist, so nennt ihn Wagner im zweiten und dritten Prosaentwurf von 1861 Veit Hanslich, eine boshafte Anspielung an den verhaßten Kritiker, mit dem Ziel ihn in aller Öffentlichkeit lächerlich zu machen.
  Freunde Wagners waren aber der Ansicht, daß dies Aktion zu einem Eigentor werden könnte, und der „Feind“ Hanslick durch die Figur des Hanslichs zu unverdientem Ruhm in der Nachwelt gelangen könnte. Deshalb ersetzte Wagner Hanslich mit dem Namen eines historischen Meistersingers, den er auf Geratewohl in seinem Meistersingerbuch gefunden hatte und der ihm zum Merker-Charakter passend schien: Sixtus Beckmesser hieß der Merker von nun an.

Wagner las die Dichtungen seiner Opern öfters in kleinem Kreise von Freunden und geladenen Gästen vor, um diese mit seinen neuen Werken vertraut zu machen.

Bruch mit Hanslick So trug auch am 23. November 1862 Wagner in der Wohnung seines Freundes Dr. Standhartner vor erwähltem Hörerkreis seine Meistersinger-Dichtung vor. Zu den geladenen Gästen gehörte auch Dr. Eduard Hanslick. Das konnte nicht gutgehen:

Ob sich Eduard Hanslick nun selbst in der Person des Beckmessers erkannt hatte oder gar einer der Zuhörer der Bescheid wußte, durch das Auditorium geflüstert hatte, daß der „Merker“ in den letzten Fassungen noch „Hanslich“ geheißen habe, kann dahin gestellt bleiben. Hanslick nahm nach Ende der Lesung gereizt Abschied, wobei man ihm hoch anrechnen muß, bis zum Ende mit Anstand „durchgehalten“ zu haben.

Der Bruch mit Wagner war nun endgültig und eine Annäherung ausgeschlossen.

In seiner Besprechung der Meistersinger-Uraufführung verriß Hanslick das neue Werk, jedoch gab es „kleinere“ Kritiker, die noch schärfer und negativer urteilten.

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Eduard Hanslick

Leben Eduard Hanslick wurde am 11. September 1825 in Prag geboren und starb am 6. August 1904 in Baden bei Wien. Er war einer der bedeutendsten Musikforscher und Musikästheten seiner Zeit.

Kritiker Hanslick wirkte seit 1848 Referent für verschiedene Zeitungen in Wien und war bald einflußreicher Musikkritiker. 1861 erhielt er in Wien an der Universität eine Professur für „Geschichte der Musik und Ästhetik“.

Verfechter der Klassizisten Hanslick war Anhänger der Klassizisten und er verehrte und förderte Johannes Brahms. Der Musik der sogenannten Neudeutschen, deren Hauptvertreter Franz Liszt und Richard Wagner waren, sowie der Anton Bruckners stand er ablehnend gegenüber.

In seiner bekanntesten Schrift, „Vom Musikalisch Schönen“ (1854), wandte er sich gegen Gefühlsästhetik und favorisierte einen formalen Stilbegriff, der auf der Annahme einer Identität von musikalischer Form und geistigem Gehalt beruht.

Weitere Werke:
  • Geschichte des Concertwesens in Wien (1872)
  • Aus dem Concertssaal (1848-68)
  • Die moderne Oper (1875-1900)
  • Aus meinem Leben (1894)
   
   
(KU)  

 

 

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