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Gurnemanz hat seinen Gralsrittermantel
herbeigeholt; er und Kundry bekleiden Parsifal damit. Parsifal ergreift
feierlich den Speer und folgt mit Kundry dem langsam geleitenden
Gurnemanz. Die Gegend verwandelt sich sehr allmählich, änlicherweise
wie im ersten Aufzuge, nur von rechts nach links. Nachdem die drei eine
Zeitlang sichtbar geblieben, verschwinden sie gänzlich, als der Wald
sich immer mehr verliert und dagegen Felsengewölbe näher rücken. In
gewölbten Gängen stets anwachsend vernehmbares Geläute. Es öffnen
sich die Felsenwande, und die grösse Gralshalle, wie im ersten Aufzuge,
nur ohne die Speisetafeln, stelelt sich wieder dar. Düstere
Beleuchtung. Von der ersten Seite ziehen die Titurels Leiche im Sarge
tragenden Ritter herein, von der anderen Seite die Amfortas im
Siechbette geleitenden, vor diesem der verhülte Schrein mit dem Grale.
Erster Zug der Ritter:
Geleiten wir im bergenden Schrein
den Gral zum heiligen Amte,
wen berget ihr in düst'ren Schrein
und führt ihr trauernd daher?
Zweiter Zug der Ritter:
Es birgt den Gelden der Trauerschrein,
er birgt die heilige Kraft,
der Gott einst selbst zur Pflege sich gab;
Titurel fürhen wir hier.
I Zug:
Wer hat ihn gefällt, der, in Gottes Hut,
Gott selbst einst beschirmte?
II Zug:
Ihn fällte des Alters siegende Last,
da den Gral er nicht mehr erschaute.
I Zug:
Wer wehrt ihm des Grales Huld zu erschauen?
II Zug:
Den dort ihr geleitest, der sündige Hüter.
I Zug:
Wir geleiten ihn heut, weil heut noch einmal -
zum letzten Male -
will des Amtes er walten.
Ach, zum letzten Mal!
Amfortas ist jetzt auf das Ruhebett hinter dem Gralstische
niedergelassen, der Sarg davor niedergesetzt worden; die Ritter wenden
sich an ihn.
II Zug:
Wehe! Wehe! Der Hüter des Grals!
Ach, zum letzten Mal,
sie deines Amtes gemahnt!
Zum letzten Mal! Zum letzten Mal!
Amfortas:
Ja, wehe, wehe! Weh' über mich!
So ruf' ich willig mit euch,
williger nähm' ich von euch den Tod,
der Sünde mildeste Sühne!
Der Sarg wird geöffnet - Beim Anblick der Leiche Titurels bricht
alles in einen jähen Wehruf aus. Amfortas richtet sich hoch von seinem
Lager und wendet sich zur Leiche.
Mein vater!
Hochgesegneter der Helden!
Du Reinster, dem einst die Engel sich neigten;
der einzig ich sterben sollt',
dir - gab ich den Tod!
O! Der du jetzt in göttlichen Glanz
den Erlöser selbst erschaust,
erflehe von ihm, dass sein heiliges Blut,
wenn noch einmal heut sein Segen
die Brüder soll erquicken,
wie ihnen neues Leben
mir endlich spende - den Tod!
Tod! Sterben!
Einz'ge Gnade!
Die schreckliche Wunde, das Gift, ersterbe,
das es zernagt, erstarre das Herz!
Mein Vater! Dich - ruf' ich,
rufe du ihm es zu;
Erlöser, gib meinem Sohne Ruh'!
Ritter:
sich näher an Amfortas herandrängend
Enthüllet den Gral!
Walte des Amtes!
Dich mahnet dein Vater;
du muss! Du muss!
Amfortas springt in wütender Verzweiflung auf und stürzt sich unter
die zurückweichenden Ritter.
Amfortas:
Nein! Nicht mehr! Ha!
Schon fül' ich den Tod mich umnachten
und noch einmal sollt' ich ins Leben zurück?
Wahnsinnige!
Wer will mich zwingen zu leben?
Könnt ihr doch Tod mir nur geben!
Er reicht sich das Gewand auf
Hier bin ich - die offne Wunde hier!
Das mich vergiftet, hier fliesst mein Blut.
Heraus die Waffe! Taucht eure Schwerter,
tief - tief, bis ans Heft!
Auf! Ihr Helden!
Tötet den Sünder mit seiner Qual,
von selbst dann leuchtet euch wohl der Gral!
Alles ist scheu vor Amfortas gewichen. Parsifal ist, von Gurnemanz
und Kundry begleitet, unvermerkt unter den Rittern erschienen, tritt
hervor und streckt den Speer aus, mit dessen Spitze er Amfortas' Seite
berührt.
Parsifal:
Nur eine Waffe taugt -
die Wunde schliess
der Speer nur, der sie schlug.
Amfortas' Miene leuchtet in heiliger Entzückung auf; er schient vor
grösser Ergriffenheit zu schwanken; Gurnemanz stützt ihn.
Sei heil, entsündigt und gesühnt!
Denn ich verwalte nun dein Amt.
Gesegnet sei dein Leiden,
das Mittleids höchste Kraft,
und reinsten Wissens Macht
dem zagen Toren gab!
Parsifal schreitet nach der Mitte, den Speer hoch vor sich erhebend.
Den heil'gen Speer -
ich bring' ihn euch zurück!
Alles blickt in höchster Entzückung auf den emporgehaltenen Speer,
zu dessen Spitze augschauend Parsifal in Begesiterung fortfährt.
O! Welchen Wunders höchstes Gluck!
Der deine Wunde durfte schliessen,
ihm seh' ich heil'ges Blut entfliessen
in Sehnsucht nach dem verwandten Quelle,
der dort fliesst in des Grales Welle.
Nicht soll der mehr verschlossen sein;
enthüllet den Gral, öffnet den Schrein!
Parsifal besteigt die Stufen des Weihtisches, entnimmt dem von den
Knaben geöffneten Schrein den Gral und versenkt sich, unter stummem
Gebet, kniend in seinen Anblick. Allmähliche sanfte Erleuchtung des
Grales. Zunehmende Dämmerung in der Tiefe, bei wachsendem Lichtscrein
aus der Höhe.
Knaben, Jünglinge und Ritter:
mit stimmen aus der mittleren sowie der
obersten Höhe kaum hörbar leise
Höchsten Heiles Wunder!
Erlösung dem Erlöser!
Lichtstral; hellstes Erglühen
des Grales. Aus der Kuppel schwebt eine weisse Taube herab und verweilt
über Parsifals Haupt. Kundry sinkt, mit dem Blicke zu ihm auf, langsam
vor Parsifal entseelt zu Boden. Amfortas und Gurnemanz huldigen kniend
Parsifal, welcher den Gral segnend über die anbetende Ritterschaft
schwingt. |