Parsifal - Das Vorspiel zum ersten Akt

 
 



Wagner über das Vorspiel zu Parsifal

Liebe - Glauben: Hoffen?

 

Erstes Thema: "Liebe"

"Nehmet hin meinen Leib, nehmet hin mein Blut, um unserer Liebe Willen!"
(verschwebend von Engelsstimmen wiederholt).

"Nehmet hin mein Blut, nehmet hin meinen Leib, auf daß ihr mein gedenkt!"
(Wiederum verschwebend wiederholt).

 

Zweites Thema: "Glaube"

Verheißung der Erlösung durch den Glauben. - Fest und markig erklärt sich der Glaube, gesteigert, unerschütterlich selbst im Leiden. Der erneuten Verheißung antwortet der Glaube, aus zartesten Höhen - wie auf dem Gefieder der weißen Taube - sich herabschwingend, immer breiter und voller Brust, das menschliche Gefieder einnehmend, die Welt, die ganze Natur mit mächtigster Kraft erfüllend -, dann wieder nach dem Himmelsäthger wie sanft beruhigt aufblickend-.

 

Da, noch einmal, aus Schauern der Einsamkeit, erhebt die Klage des liebenden Mitleides: Bangen, heiliger Angstschweiß des Ölbergs, göttliches Schmerzens-Leiden des Golgatha - der Leib erbleicht, das Blut entfließt und erglüht nun in himmlischer Segensglut im Kelche, über alles was lebt und leidet die Gnadenwonne der Erlösung durch die Liebe ausgießend. - Auf ihn, der - furchtbare Reue im Herzen - in den göttlich strafenden Anblick des erglühenden Grales sich versenken mußte, auf Amfortas, den sündigen Hüter des Heiligtumes, sind wir vorbereitet: wird seinem nagenden Seelenleiden Erlösung werden? - Noch einmal vernehmen wir die Verheißung; und - hoffen?


 


 

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