Tannhäuser - Fassungen

 



"Ich schulde der Welt noch den Tannhäuser"

bemerkte Wagner in seinem Todesjahr seiner Frau und Biographin Cosima gegenüber.  Ein Eingeständnis, das von Wagners Versuchen zeugt, eine endgültige Fassung der Oper zu schaffen, die sowohl die innerer Balance zwischen den beiden Gegenwelten (Venusberg - Wartburg), als auch das Publikum erreicht. Dieses Ringen nach Perfektion brachte viele Fassungen des Werks hervor, unzählige Mischfassungen sind darüber hinaus im Laufe der Aufführungsgeschichte entstanden.



Fassung der Uraufführung (1845)
Die Erstfassung des Werkes, die auf Grund der überwiegend ablehnenden Haltung des konservativen Dresdener Publikums  jedoch nur acht mal gespielt wurde. Die Besetzung der Uraufführung finden Sie hier.


Dresdener Fassung (1847)
Für die Wiederaufnahme des Werkes an der Hofoper ändert Wagner den Schluß: Venus tritt noch einmal in Erscheinung, und der Sarg der toten Elisabeth wird auf die Bühne getragen. Die Dresdener Fassung ist eine der heute meistaufgeführten. 


Pariser Fassung (1861)
Für die Aufführung an der Pariser Oper  in französischer Sprache (Übersetzung: Edmond Roche und Charles Nuitter) hat Wagner das Werk umfassend umgearbeitet: Die Venusbergszene im ersten Akt wurde, um den Gewohnheiten des Pariser Publikums zu entsprechen, um eine Ballettszene  (Bacchanal) erweitert, die sich unmittelbar an die verkürzte Ouvertüre anschließt. Weitere auffällige Änderungen sind die Erweiterung der zweiten Szene des ersten Aktes (Tannhäuser-Venus) und die Kürzung des "Sängerkriegs" im zweiten Akt. Obwohl die stilistische Einheitlichkeit durch das nach Tristan komponierte und von diesem beeinflußte Bacchanal in dieser Fassung leidet, ist sie eine er beiden heute gebräuchlichen. Die Besetzung der Uraufführung dieser Fassung finden Sie hier.


Münchner Fassung (1867)
Für eine Aufführung des Tannhäuser in München unter Hans von Bülow am 01. August 1867 komponierte Wagner ein kurzes Vorspiel von 26 Takten, das an Stelle der Ouvertüre vor dem Bacchanal des ersten Aktes gespielt wurde. 


Wiener Fassung (1875)
Wagners letzter Eingriff in die Partitur fand anläßlich einer Produktion an der Wiener Hofoper am 23.11.75 statt. Diese Fassung, die die Änderungen der Pariser Fassung im ersten Akt im wesentlichen übernimmt, wurde auch für die Bayreuther Erstaufführung unter Cosima Wagner im Jahre 1891 verbindlich. 

 

 (GD)

 

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