Im Sommer 1857 faßte ich den
Entschluß, mich in der musikalischen Aufführung meines
Nibelungenwerkes durch die Vornahme einer kürzeren
Arbeit, welche mich wieder mit dem Theater in Berührung
setzen sollte, zu unterbrechen. Tristan und Isolde
ward noch in diesem Jahre begonnen, die Vollendung aber
unter allerhand störenden Einflüssen bis in den Sommer
1859 verzögert. In betreff einer ersten Aufführung, die
ich nur unter der Annahme meiner persönlichen
Beteiligung dabei denken konnte, hatte ich, da ich damals
noch vom Gebiete des deutschen Bundes ausgeschlossen war,
im Sinne, mit einem Theaterdirektor mich über eine
deutsche Opernunterhaltung für einige Sommermonate in
Straßburg zu verständigen. Der Direktor des großherzoglichen
Theaters in Karlsruhe, Herr Dr. Eduard Devrient, den ich
deshalb um Rat fragte, stellte mir die großen
Schwierigkeiten einer solchen Unternehmung vor und riet
mir dagegen, abzuwarten, ob es den edelsinnigen Bemühungen
des Großherzogs von Baden gelingen werde, für die nötige
Zeit des Studiums meines Werkes mich nach Karlsruhe zu
berufen, wo man mir dann gerne alle Mittel zu einer guten
Aufführung bereithalten würde. Leider blieben die hierfür
in Dresden getanen Schritte meiner durchlauchtigsten Gönner
ohne den gewünschten Erfolg; mein persönliches
Fernbleiben von Karlsruhe erschwerte die nötige Verständigung
mit den zur Darstellung meines Werkes bestimmten Sängern
derart, daß, bei den großen und durchaus ungewohnten
Schwierigkeiten der gestellten Aufgabe, von da an, wo
meine persönliche Anwesenheit in Karlsruhe sich als eine
Unmöglichkeit herausstellte, von ferneren Versuchen zu
ihrer Lösung abgesehen werden mußte. Wäre damals meine
Berufung nach Karlsruhe möglich geworden, so hätte ich
gerade dort diejenigen Sänger für die Hauptrollen des Tristan
vorgefunden, welche selbst nach sechs Jahren, bei nun mir
gewonnener gänzlicher Freiheit der Wahl, als einzig zur
Lösung meiner Aufgaben befähigt, aus dem zahlreichen
Personale der deutschen Operntheater von mir berufen
werden konnten. Ich bezeichne hiermit das mir seitdem
innig befreundete vortreffliche Künstlerehepaar Schnorr
von Carolsfeld.
Welcher
Umwege es nun für mich bedurfte, um das damals mir ganz
nahe Gelegene, einzig durch oben bezeichnete Bedenken
Verhinderte, zu erreichen, mögen Sie mit lächelndem
Staunen erfahren.
Um
mir die Möglichkeit einer ersten Aufführung von Tristan
und Isolde unter meiner persönlichen Beteiligung zu
verschaffen, siedelte ich im Herbste 1859 nach - Paris über.
Mein Plan ging dahin, für Mai und Juni 1860 eine
deutsche Musteroperngesellschaft nach Paris zu berufen;
das italienische Operntheater, welches um diese Zeit alljährlich
frei wird, sollte für ihre Aufführungen gemietet werden.
Da ich die meisten der mir befreundeten und bekannten Künstler
im allgemeinen bereit fand, meiner Einladung Beachtung zu
schenken, mußte ich vor allem an die materielle Ermöglichung
der Unternehmung denken. Ein geschäftlicher Leiter war
in der Person eines der Eigentümer des italienischen
Operntheaters unschwer zu finden; schwieriger war es, die
finanzielle Garantie eines Kapitalisten zu verschaffen.
Zur Übernahme derselben mußte einem wohlwollenden
reichen Mann, dem Freunde einer meiner Pariser Freunde,
Mut gemacht werden: auf eigene Gefahr hin richtete ich
drei große Konzerte im italienischen Operntheater ein,
in welchen ich Bruchstücke meiner Musik von einem großen
Orchester und - wie dies in Paris nicht anders möglich
ist - mit sehr bedeutenden Unkosten ausführen ließ. (siehe: Anmerkungen
zum Tristan-Vorspiel, geschrieben zu ebendiesen
Konzerten, Red.) Der unleugbare große und bedeutende
Eindruck dieser Konzerte auf das Publikum hatte für mich
einzig den Sinn, das Vertrauen jenes zur Unterstützung
meiner beabsichtigten Opernunternehmung in das Auge gefaßten,
vermögenden Mannes zu gewinnen. Unglücklicherweise war
gerade dieser ältliche Herr gänzlich verhindert, den
Konzerten beizuwohnen; die Berechnung meines Freundes
scheiterte. Während sich außerdem herausstellte, daß
das richtige Zusammentreffen der von mir einzuladenden
deutschen Sänger, der ihnen nur verschiedentlich
freigestellten Zeit wegen, nicht zu vermitteln war, und
schon die Opfer und Anstrengungen, welche mich diese drei
Konzerte gekostet hatten, mich von weiteren Wagnissen
dieser Art abschreckten, stellte sich der Erfolg meines
Auftretens in Paris nach einer anderen Seite hin zu
meiner Überraschung ergebnisvoll heraus. Der Kaiser der
Franzosen gab den Befehl zur Aufführung meines Tannhäuser
in der großen Oper. - Sie kennen genauer, in welche neue,
sonderbare Verwirrung mich diese mit ziemlichem Geräusche
in Europa begleitete Unternehmung verwickelte; sie
kostete mich ein tief zerstreuendes Jahr meines Lebens. Während
ich mit einem großen Erfolge, wäre er selbst möglich
gewesen, nicht eigentlich gewußt hätte, was anfangen, fühlte
ich mich mitten unter dem Wüten des entsetzlichen Mißerfolges
wie von einer verderblichen Störung befreit, die mich
bis dahin auf meinem wahren Wege aufgehalten hatte, und
dieser Weg führte mich, da Paris mir anderseits
wenigstens zur Wiedererschließung Deutschlands verholfen
hatte, sofort nach Karlsruhe, um dort die endliche Ermöglichung
einer ersten Aufführung meines Tristan zu
betreiben.
Es
war Mai 1861 geworden. Sofort der gnädigsten und fördernsten
Gesinnungen des durchlauchtigsten großherzoglichen
Paares versichert, hatte ich dagegen den währenddem
stattgefundenen Fortgang des Künstlerpaares Schnorr zu
beklagen, welches eine dauernde Anstellung in - Dresden
angenommen hatte. Ich sollte nun, der geneigten Absicht
meines edlen Gönners gemäß, mir die Sänger nach
meinem Wunsche aussuchen, die man zu einer musterhaften
Aufführung meines Werkes nach Karlsruhe berufen könnte.
Der Besuch von - Dresden war mir damals noch nicht
gestattet: ich eilte nach - Wien, um die dortigen Kräfte
näher zu prüfen. Sie, lieber Uhl, erlebten mit mir die
damals stattfindende schöne, für mich - erste Aufführung
meines Lohengrin und finden begreiflich, daß
alles, was ich an diesem berauschenden Mai-Abende erlebte,
meinem gestörten Lebenslaufe plötzlich eine neue
Richtung geben mußte. Die vortrefflichen Sänger der
kaiserlichen Oper für eine Aufführung meines Tristan
in Karlsruhe überlassen zu bekommen, stellte sich sofort
als eine Unmöglichkeit heraus. Dagegen lag es mir nun
nahe, dem Anerbieten der ersten Behörde des kaiserlichen
Theaters, den Tristan alsbald in Wien unter meiner
persönlichen Mitwirkung selbst zur Aufführung zu
bringen, mit keinem Bedenken entgegenzutreten.
Sie
wissen, worin mein Hauptbedenken bestehen mußte: dem
beliebten Sänger Ander, dessen neulicher Tod uns alle
mit so herzlicher Trauer erfüllte, mußte die ungemein
anstrengende Aufgabe der Darstellung der Hauptrolle des Tristan
jedenfalls zu viel zumuten. Da alle übrigen Partien aber
vortrefflich zu besetzen waren, konnte ich mich dazu
verstehen, die nötigen Änderungen, Kürzungen und
Aneignungen vorzunehmen, welche die Lösung seiner
Aufgabe auch diesem Sänger ermöglichen sollte. Im
Herbst 1861 sollten die Proben beginnen. - Sie entsinnen
sich, daß eine andauernde Stimmkrankheit Ander für
diesen ganzen Winter zu irgendwelcher anstrengenden Beschäftigung
unfähig machte; ein anderer Sänger war um diese Zeit
nicht zu gewinnen - Tichatschek und Schnorr, beide in
Dresden, konnten nicht abkommen. Das Unternehmen mußte
auf ein Jahr verschoben werden. - Im Sommer 1862
verzweifelte ich bereits an der Möglichkeit einer
Wiederaufnahme meines Werkes in Wien, als die Direktion
zu meiner Überraschung mir anzeigte, Herr Ander fühle
sich vollkommen wiederhergestellt und erklärte sich zur
Wiederaufnahme des Studiums von Tristan und Isolde
bereit.
In
diesem Sommer lernte ich die vorzüglichen, mir ungemein
sympathischen Leistungen des trefflichen Schnorr von
Carolsfeld, eines singenden wirklichen Musikers und
Dramatikers, kennen; er und seine Gemahlin, das als wahre
und edle Künstlerin in Karlsruhe zuvor gefeierte,
ehemalige Fräulein Garrigues, hatten die Hauptpartien
meines Werkes sich bereits aus reiner Neigung, mit größter
Liebe und innigstem Verständnisse, so weit angeeignet,
daß wir, als sie mich am Rheine, wo ich mich damals vorübergehend
aufhielt, besuchten, in meinem kleinen Zimmer, zu Bülows
unnachahmlicher Klavierbegleitung, vollständige
musikalische Aufführungen davon stattfinden lassen
konnten. Dies ging in meinem Zimmer vor, während auf
keinem Theater mir die Möglichkeit, das gleiche zu tun,
geboten werden konnte. Auch Dresden, wo alle Mittel zur
Ausführung meines Werkes vorhanden waren, durfte ich nun
zwar wieder betreten, - als ich im Herbst des gleichen
Jahres mich nur für einige Tage dort einfand, mußte ich
aber an der besonderen Haltung der königlichen
Generaldirektion des dortigen Hoftheaters sofort erkennen,
daß an ein Befassen mit mir und meinem Werke dort nicht
im entferntesten auch nur zu denken sei. Welche
Hoffnungen ich mir überhaupt auf die Direktionen der größeren
deutschen Theater zu machen hatte, lernte ich außerdem
noch näher kennen, als ich nicht lange nachher bei
Gelegenheit einer Durchreise durch Berlin mich dem
Generalintendanten der königlich preußischen Hoftheater
zum Besuch anmelden ließ, und dieser einfach meinen
Besuch - verbat.
Unter
solchen Umständen mußte ich denn aufs neue meine, wenn
auch sehr geschwächten Hoffnungen auf Wien richten. Hier
hatte seit den ersten Verzögerungen des Tristan
die musikalische Presse sich mit besonderer Vorliebe der
Aufgabe hingegeben, zu beweisen, daß mein Werk überhaupt
unausführbar sei, kein Sänger könne meine Noten
treffen, noch behalten: dieses Thema war zur Losung für
alles, was über mich berichtete, schrieb oder sprach,
durch ganz Deutschland geworden. Eine französische Sängerin
allerdings, Mme. Viardot, drückte mir eines Tages ihre
Verwunderung darüber aus, wie es nur möglich wäre, daß
solche Behauptungen, irgend etwas sei nicht zu treffen
und dgl., von uns gemacht werden könnten: ob denn die
Musiker in Deutschland nicht auch musikalisch wären? Nun,
hierauf wußte ich nicht recht, was ich sagen sollte,
namentlich zur Belehrung der Künstlerin, welche einst in
Paris gelegentlich einen ganzen Akt der Isolde
ausdrucksvoll vom Blatt gesungen hatte. In Wahrheit war
es auch mit meinen deutschen Sängern gar nicht so
schlimm bestellt: auch meine Wiener Sänger machten mir
endlich, durch meines werten Freundes Kapellmeister Esser
ungemein intelligenten Fleiß und Eifer angeleitet, die
große Freude, die ganze Oper mir fehlerfrei und wirklich
ergreifend am Klavier vorzusingen. Wie es ihnen später
beikommen konnte, wiederum zu behaupten, sie hätten ihre
Partien nicht erlernen können - denn so ist mir
berichtet worden -, bleibt mir ein Rätsel, über dessen
Lösung ich mir den Kopf nicht zerbrechen will:
vielleicht geschah es aus Gefälligkeit gegen unsere berühmten
Wiener und anderweitigen Musikkritiker, denen nun einmal
auffallend viel daran gelegen war, mein Werk für unausführbar
angesehen zu wissen, und welche die dennoch ermöglichte
Aufführung geradezu beleidigen mußte; vielleicht aber
auch ist, was mir berichtet worden ist, selbst wieder
unwahr; alles ist möglich, denn in der deutschen Presse
geht es heutzutage nicht immer ganz christlich her. Genug!
In Moskau erhielt ich im März 1863 eine Mitteilung der
kaiserlich-königlichen Hofoperndirektion, nach welcher
ich mit meiner Rückkehr nach Wien zu den um diese Zeit
anberaumten Generalproben des Tristan mich nicht
zu beeilen hatte, da Krankheitsstörungen eingetreten
seien, welche die Aufführung vor den Theaterferien unmöglich
machten. Diese Ferien gingen vorüber und - von Tristan
war nicht mehr die Rede. Ich glaube, es herrschte im
Personale allgemein die Ansicht, Ander würde, auch beim
besten Willen, seine Partie nicht 'aushalten', geschweige
denn öfter durchführen können. Unter solch mißlichen
Umständen konnte die 'Oper' auch unmöglich der
Direktion als ein Gewinn für das 'Repertoire' gelten.
Ich fand dies und vieles andere so ganz richtig und in
der Natur der Dinge begründet, so daß ich mich endlich
gar nicht mehr um Aufklärung über das verschiedentlich
mir Hinterbrachte bekümmerte. Aufrichtig gesagt: ich
hatte es satt und dachte nicht mehr daran.
So war denn mein Tristan
und Isolde zur Fabel geworden. Ich war hier und da freundlich
behandelt: man lobte Tannhäuser und Lohengrin; im
übrigen schien es mit mir aus zu sein.
Das Schicksal hatte es
aber anders beschlossen.
Die Ausführung
jedes bis dahin entworfenen Planes, wäre sie geglückt, hätte die
Frage, um die es sich bei der Aufführung dieses Werkes handelte, nicht
vollkommen rein gelöst: - diese Lösung so rein, als irgend die
Umstände der Gegenwart es ermöglichen, zu bewirken, war mir dagegen
vorbehalten. Als mich alles verließ, schlug um so höher und wärmer
ein edles Herz dem Ideale meiner Kunst: es rief dem preisgegebenen
Künstler zu: "Was du schaffst, will ich!" Und diesmal ward
der Wille schöpferisch, denn es war der Wille eines - Königs.
Die wunderbare
Schönheit der anregenden und fördernden Kraft, die seit einem Jahre in
mein Leben getreten ist und sich meines ernstesten Dichtens und
Trachtens mit lächelnd drängender Gewalt bemächtigt hat, kann ich
meinen Freunden nur durch die Tat ihres Waltens offenbaren.
Eine solche Tat
kündige ich Ihnen heute an. Und wie die Kraft beschaffen ist, welche
hier wirkt, mögen Sie aus der Art ihrer Kundgebung schließen, wenn ich
Ihnen melde, in welcher Weise der Tristan meinen Freunden
vorgeführt werden soll.
Die
Aufführungen von Tristan und Isolde, von denen drei wohl
vollständig gesichert sind, werden gänzlich ausnahmsvolle und
mustergültige sein. Hierzu sind vor allem die Darsteller der beiden
ungemein schwierigen Hauptrollen, in den Personen meiner teueren
Freunde, Ludwig und Malwina Schnorr von Carolsfeld, besonders nach
München berufen: sie begleitet mein altvertrauter Kunstkampfgenosse,
Anton Mitterwurzer, als 'Kurwenal', treu und echt wie einer. Somit, wie
irgend die Umstände es ermöglichten, ist für die Besetzung der
übrigen Partien in zweckmäßigster Weise auf das großmütigste
gesorgt worden: jeder der Mitwirkenden ist mir freundlich ergeben. Um
von jeden störenden Einflüssen eines täglich arbeitenden
Theaterbetriebes frei gehalten zu werden, ist uns das trauliche
königliche Residenztheater zur ausschließlichen Benützung
überlassen; alles wird in ihm sorgsam für die Bedürfnisse einer
innigen, klaren und trautverständlichen Aufrührung nach meinen Angaben
hergerichtet. Hier steht uns fast täglich das herrliche königliche
Hoforchester, Franz Lachners meisterhafte Schöpfung, für zahlreiche
Proben zur Verfügung, bei welchen wir, nur auf die Erreichung der
höchsten künstlerischen Feinheit und Korrektheit des Vortrags achtend,
volle Muße und Zeit haben, dies ohne Anstrengung zu bewerkstelligen. Um
mir den fördernden Überblick über die Leistungen der Gesamtheit zu
erleichtern, ist mir mein lieber Freund Hans v. Bülow für die Leitung
des Orchesters beigegeben, - gerade er, der einst das Unmögliche
leistete, indem er einen spielbaren Klavierauszug dieser Partitur
zustande brachte, von dem noch keiner begreift, wie er dies angefangen
hat. Ihm, der mit dieser so vielen Musikern noch rätselhaft dünkenden
Partitur bis zum Auswendigwissen jedes kleinsten Bruchteiles derselben
vertraut ist und meine Intentionen bis in ihre zartesten Nuancen in sich
aufgenommen hat, - dieses zweite Ich zur Seite kann ich mit jeder
Einzelheit der musikalischen, wie szenischen Darstellung mich in der
ruhig traulichen künstlerischen Stimmung befassen, wie sie nur der
liebevolle Verkehr mit innig befreundeten Künstlern selbst ermöglicht.
Für schöne Dekorationen und höchst charakteristische Kostüme ist mit
einem Eifer gesorgt worden, als gälte es nicht mehr einer
Theateraufführung, sondern einer monumentalen Ausstellung.
Auf diese Weise,
wie aus der Wüste unseres theatralischen Markttreibens in die
erfrischende Oase eines anmutigen Kunstateliers entrückt, bereiten wir
das Werk einer dramatischen Aufführung vor, die, rein als solche, bei
allen, die ihr anwohnen werden, Epoche machen muß.
Diese
Aufführungen, für jetzt - wie gemeldet - vielleicht nur drei an der
Zahl, sollen als Kunstfeste betrachtet werden, zu welchen ich von Nah
und Fern die Freunde meiner Kunst einladen darf: sie werden demnach dem
Charakter der gewöhnlichen Theateraufführungen entrückt und treten
aus der üblichen Beziehung zwischen dem Theater und dem Publikum
unserer Zeit heraus. Mein huldreicher Beschützer will, daß diese
bedeutungsvollen Aufführungen nicht der gewöhnlichen Neugier, sondern
lediglich dem ernsteren Interesse an meiner Kunst geboten werden sollen:
somit bin ich ermächtigt, in alle Ferne hin, soweit meine Kunst sich
Herzen gewann, die Einladung zu diesen Aufführungen ergehen zu lassen.
Sie werden etwa
in der zweiten Hälfte dieses Mai stattfinden, und es sollen die Tage,
soweit sie sich mit Sicherheit vorausbestimmen lassen, durch die
verbreitetsten Blätter zur rechten Zeit noch genau angezeigt werden.
Wir nehmen an, daß, wer sich eine Reise nach München eigens für
diesen Zweck nicht verdrießen läßt, hiermit keine überflächliche
Absicht verbindet, sondern dadurch seine ernste Anteilnahme am Gelingen
der Lösung einer bedeutenden und edlen künstlerischen Aufgabe bezeugt;
und jeder, der sich in diesem wohlverstandenen Sinne bei der
königlichen Intendanz des Hof- und Nationaltheaters in München
anmeldet, wird sicher sein können, zu der von ihm bezeichneten
Aufrührung einen Platz im Theater sich aufbewahrt zu finden. - Wie an
Fremde, wird an die hier einheimischen Freunde meiner Kunst eine
gleichlautende und auf den gleichen Zweck gerichtete Einladung ergehen.
Dem
etwaigen Spott darüber, daß durch solche Maßnahmen
eben nur für ein besonders befreundetes Publikum gesorgt
zu werden scheine, welchem zu gefallen es allerdings dann
keiner großen Kunst bedürfe, werden wir ruhig entgegnen,
daß es sich diesmal nicht um Gefallen oder Nichtgefallen,
dieses wunderliche moderne Theaterhazardspiel, handelt,
sondern einzig darum, ob künstlerische Aufgaben, wie die
von mir in diesem Werke gestellten, zu lösen sind, auf
welche Weise sie zu lösen sind und ob es sich der Mühe
verlohne, sie zu lösen? Daß mit der letzten Frage nicht
gemeint sein kann, zu erfahren, ob mit dergleichen Aufführungen
viel Geld zu machen sein könnte (denn dies ist der Sinn
des heutigen Gefallens oder Nichtgefallens im Theater),
sondern lediglich, ob mit Werken der vorliegenden Art,
durch vorzügliche Aufführungen, die erwartete richtige
Wirkung auf das gebildete menschliche Gemüt überhaupt
zu ermöglichen ist, dies wäre hier zu betonen: daß es
sich also zunächst um die Lösung reiner Kunstprobleme
handle und zur Mitwirkung bei ihrer Lösung somit nur
diejenigen herbeizuziehen seien, welche durch ernsten
Anteil an der Sache wirklich vorbereitet und befähigt
hierzu sind. Ist das Problem gelöst, so wird die Frage
sich erweitern, und in welcher Weise wir dem eigentlichen
Volke Anteil an dem Höchsten und Tiefsten auch der Kunst
gönnen und zu bereiten bestrebt sind, wird sich dann
ebenfalls zeigen, wenngleich wir für jetzt das
eigentlich stehende Theaterpublikum unserer Tage noch
nicht unmittelbar hierbei in das Auge fassen zu dürfen
glauben.
Finden
Sie nun, lieber Uhl, daß ich Sie von keinem ganz
unbedeutenden Kunstvorgange unterhalten habe und daß es
sich der Mühe verlohnen dürfe, für die Verbreitung der
hierin enthaltenen Ankündigung etwas zu tun, so bitte
ich Sie, nach bestem Ermessen Ihre publizistischen
Verbindungen hierfür zu benützen. Ich bin bescheiden
genug, zu wissen, daß ich mit meiner Einladung mich nur
an wenige wende; aber ich weiß auch, daß diese wenigen
überraschend weithin zerstreut sind: ihnen, den
Zerstreuten, möchte ich gerne meinen Aufruf zukommen
lassen; denn was sie zunächst zu einer seltenen Sammlung
beruft, ist, sollte selbst die Kunstleitung hinter ihr
zurückbleiben, jedenfalls eine so seltene, schöne und
ruhmreiche Tat, daß sie wohl weithin zu beachten sein
sollte. Unsere Losung sei: Heil dem edlen Wirker dieser
Tat!