Indonesienreise 2006








Nias - Insel vor Sumatra

Nachdem wir von Rantepao/Toraja wieder in einer 8-stündigen Autofahrt gut zurück nach Makassar gekommen sind, übernachten wir dort. Am anderen Morgen geht es per Linienflug über Jakarta nach Medan auf Sumatra. Von Medan aus geht es einen Tag später Medan zur Insel Nias, wo wir drei Tage sein werden.

Nias erreichen wir mit einem eher kleinen  Flugzeug. Auch unser Gepäck ist beschränkt auf 10 kg pro Person, so dass wir den großen Koffer in Medan lassen.

Nias: Diese 240 km lange und 80 km breite Insel (800.000 Bewohner) ist Sumatra vorgelagert. Sie war direkte Zielscheibe des Tsunami Ende 2004 und eines Erdbebens im März 2005. Schon die Zahl der Todesopfer macht deutlich, welche der Katastrophen für Nias schlimmer war. Der Tsunami traf "nur" die dünn besiedelte Küstenregion zum indischen Ozean und kostete ca. 250 Menschen das Leben, das Erdbeben erschütterte die ganze Insel und hatte ca. 1000 Todesopfer zur Folge.

Knapp 1 ½ Jahre nach dieser letzten Katastrophe sieht man auf Nias alles: Noch stark vom Erdbeben gezeichnete, unbewohnbare Gebäude, Auffanglager für Obdachlose, wo Menschen in Zelten des UNHCR und anderen Hilfsorganisationen leben; eine rege Bautätigkeit nach den Erdbebenschäden und auch bereits eine reihe neuer, oft durch Hilfsorganisationen errichtete Wohngebäude.

Ein junger Familienvater ganz im Süden der Insel, den wir beim erfolglosen Fischen beobachten, lädt uns ein, sein vom Erdbeben geschädigtes Haus anzusehen. Es steht zwar, aber die Schäden sind unübersehbar. Keine deutsche Behörde würde dafür eine Nutzungsgenehmigung erteilen. Am Ende des Besuches fragen wir, ob wir für ihn und seine Familie beten dürfen. Dies nehmen sie gern an. Es herrscht große geistliche Offenheit im Land.

Wir besuchen ein Kinderheim für Kinder, die durch Tsunami oder Erdbeben elternlos geworden sind. Trotzdem fröhliche Kinder und motivierte Mitarbeiter bilden das Kontrastprogramm zu den Auswirkungen der Katastrophe. Als MV haben wir bereits dieser unabhängigen Initiative von Christen finanziell unter die Arme gegriffen.

Auf Nias gibt es zwei GGP - Gemeinden. Beide liegen recht abgelegen im Dschungel dieser Tropeninsel. Da viele Brücken durch das Erdbeben zerstört wurden, machen die Behelfsbrücken die Flussüberquerung zum Abenteuer für uns. Wir bewundern die Meisterleitung unseres Fahrers!

Eine Dschungelgemeinde erwartet uns bereits. Das vorhandene Kirchengebäude ist eng. Stolz zeigen uns die Männer der Gemeinde den begonnenen Kirchenneubau: Jeder Stein wird selbst gefertigt und gebrannt. Wir bekommen eine zehnminütige Einführung, wie das praktisch geschieht. Das benötigte Holz gibt der tropische Urwald her. Die Frauen der Gemeinde begrüßen uns mit dem Grundnahrungsmittel der Insel: der Durian-Stinkfrucht ("Smells like hell, tasts like heaven!" - stinkt wie die Hölle, schmeckt wie der Himmel)

Und wieder erleben wir fröhliche Gottesdienste, urwüchsige Menschen, jede Menge Kinder, große Armut, herzliche Gastfreundschaft und große Freude über den Besuch aus Deutschland. Viele Menschen auf dieser Insel benötigen dauerhafte Hilfe zur Selbsthilfe, insbesondere Kinder, die einen Elternteil oder beide Eltern verloren haben. Hier sind wir dabei, die im MV gesammelten Tsunami-Hilfsgelder nach und ach einzusetzen.