Für eine ordentliche Batucada (was man grob gesagt mit "Trommelei" übersetzen könnte) braucht es natürlich diverse Trommeln. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit stelle ich hier einige in Bild und Worten vor. Die Bilder sind "Click Maps", wenn ihr auf das jeweilige Instrument klickt, landet ihr beim zugehörigen Text.
1. DIE KRACHMACHER: Surdo, Caixa, Repinique
2. KLEINE NERVENSÄGEN:
Tamborim, Pandeiro, Cuica, Ganzá, Reco Reco
3. NOCH MEHR GERAFFEL:
Agogo, Cowbell, Triangel, Zabumba, Timba
4. TRADITIONELLE INSTRUMENTE:
Berimbau & Caxixi
[picture&clickmap 14/10/1998 YHW]
Der Surdospieler schleppt also nicht nur eine ziemlich dicke Trommel (zwischen 14 und 24 '' Durchmesser, Tiefe meist um 24 ''), sondern auch eine ziemlich große Verantwortung für den ganzen Groove mit sich rum.
Man kann - je nach Größe der Bateria - einen oder mehrere Surdos spielen. Lange Zeit wurden nur zwei verschiedene Stimmen gespielt, mittlerweile haben die großen Samba-Schulen meistens fünf.
Das erste Surdo ("Surdo de Primeira", "Gigante", "Abre Alas"-"öffne die Arme"oder auch "Treme Terra" - "Erdbeben" genannt) spielt den in der Batucada so typischen Auftakt. Dieses Surdo ist das tiefste und auch vom Volumen her das größte.
Die zweite Stimme ("Surdo de Secunda", "Resposta" - Antwort, "Surdo Agudo" - "Spitzes Surdo" oder auch "Contrasurdo") wird original auf einem Surdo kleineren Durchmessers gespielt, das eine Oktave höhergestimmt ist.
Standardmäßig kam später eine dritte Stimme hinzu: das Mittlere Surdo ("Surdo Medium", "Surdo Centrador", - Zentraler Surdo, "Maracana" - benannt nach dem Durchmesser, der gerade eben noch durch die schmalen Tore des Maracana-Stadions in Rio paßt).
Traditionell wird das Surdo mit einem Riemen über der Schulter getragen und mit einem Filzschlegel in der rechten Hand gespielt. Die linke Hand wird zum Dämpfen des Fells gebraucht. Da Surdos aber nicht nur dick und laut, sondern auch monstermäßig schwer sind, tragen immer mehr Spieler sie an einem Hüftgurt oder einem kombinierten Hüft-/Schultergurt. Schöner sieht's natürlich in der Originalhaltung aus.
Das Wort "surdo" tauchte erstmals in den 40er Jahren schriftlich auf.
eine ganz einfache Surdostimme für ein bißchen Erdbeben und die einzig richtige Antwort darauf
A . . . 1 . . . 2 . . . 3 . . . 4 . . . --------------------------------------- O . O . H . . . O . . O H . . . ( ) "Treme Terra" O . . . H . . . O . . . H . . . "Resposta"
O = offener Schlag, Schlegel rechts H = linke Hand dämpft A = Auftakt, im weiteren Spiel Beat 4
Dieses Teil heißt im Deutschen "Marschtrommel", im Portugiesischen "caixa" ("Kiste"), die Brasilianer kennen auch den Namen "Tarol". International gebräuchlich ist der Begriff "Snare Drum". Diese scheppernde Trommel stammt aus der europäischen Marschmusik, was aber nicht bedeutet, daß auch die europäischen Rhythmen ("umpf- umpf- umpumpumpf") darauf gespielt werden.
Der Korpus der Snare ist meist flacher als ihr Durchmesser, auf der Unterseite ist ein "Teppich" aus Drahtspiralen angebracht, der bei jedem Schlag auf die Oberseite mitscheppert. (Wer einen Proberaum mit Schlagzeugern teilt, die immer vergessen, diesen Teppich bei ihrer Snare vom Fell zu heben, weiß, was ich meine. Für die Afro-Trommler unter Euch: Ein Vogelkäfig auf einer Edelstahlspüle, neben der zwei Leute Djembe spielen, kommt dem Sound auch schon ziemlich nahe.)
Snares werden mit
zwei Stöcken gespielt, wobei die rechte Hand immer die Beats und Offbeats
schlägt und die linke die Synkopen.
Diese Spielweise nennt man "Hand-to-Hand". Wie bei allem im Leben, gibt
es auch hier Abweichungen und andere Methoden, Triller, Flames, einhändig
geklopfte Patterns mit Füllgedöns... aber das soll mal gerade
nicht
interessieren.
Je nachdem,
ob man die Snare schräg umschnallt oder auf dem Arm trägt, oder
gerade vor sich stehen hat, gibt es auch verschiedene Handhaltungen. Die
alte europäische "Spielmannshaltung" ist, beide Handflächen nach
oben zu halten und die Sticks noch vorm Zeigefinger-Grundgelenk zwischen
Handteller und Daumen festzuklemmen. (Im Prinzip kennt jeder diese Haltung
von Horrorfilmen, in denen Schatten mit nach unten weisender Dolchspitze
an der Wand erscheinen...). Diese Haltung war für das Marschieren
mit der Trommel konzipiert.
Eine Zwischenvariante
ist, der linken Hand die "Spielmannshaltung" und der rechten Hand die "Standard-Schlagzeuger-Haltung"
zuzumuten (NICHT "Schlagzeug-Erhaltung"!!). Hierbei kann man die Snare
schräg vor die Wampe hängen, was das Laufen erleichtert, oder
auch für den endgültigen Trommelfell-Overkill beim Spielen wie
eine Geige tragen (ohrenzerreißendes Gedröhn, I love the Schepperdi,
Baby, uh-uhuhuuu).
Die "Standard-Schlagzeugerhaltung"
("Schlagzeuger-Haltung"! U remember?) letztlich sieht die Handflächen
unten und den Stick zwischen Daumen- und Zeigefingerspitze ausbalanciert.
Sie ist am leichtesten zu erlernen, hat aber den "Nachteil", daß
die Ellbogen beim Spielen mit umgeschnallter Snare ganz schön spitz
nach hinten stehen, weil das Teil einfach zu nahe am Spieler dran ist.

ein typisches Caixa-Pattern
1 . . . 2 . . . 3 . . . 4 . . . r l r l r l r l r l r l r l r l Handsatz R . . L . . R . . . R . R . . L Pattern
r = rechte Hand l = linke Hand R,L = betonter Schlag . = unbetonter Schlag (Tip)
Auch unter dem Namen Repique bekannt. Meist mit einem Durchmesser von 10'' oder 12''. Die Repinique wurde erst in den 50er Jahren als Ergänzung zu den Tamborims in die Bateria eingeführt. Man kann sie von der Tonlage her als penetrant bezeichnen, andere Leute sagen "Tenortrommel" dazu. Das Fell der Repinique ist sehr straff gespannt, schließlich soll sie mit den Tamborims konkurrieren.
Der Repiquespieler gibt meistens die Zeichen und spielt neben durchgehenden Patterns auch die "chamadas" ("calls", Rufe), auf die alle anderen Spieler antworten ("response"), und die Breaks. Auch Soli werden auf der "Repi" hingelegt, (wenn es unbedingt sein muß). Normalerweise leitet "die arme Sau" mit der Repinique den Spielablauf der gesamten Gruppe und muß folglich nicht nur mit seinem Instrument, sondern auch mit den Widerspenstigkeiten "dreyerley Tempos" und "persönlicher Interpretation der Zeichen, Du" kämpfen.
Das macht das Repinique-Lernen in kleinen Gruppen nicht unbedingt zur streßfreien Beschäftigung.
Je nach Rhythmus wird die Repinique mit einem oder zwei Sticks gespielt. Die Spielweise in der Batucada ist: rechte Hand Stick, linke Hand schlägt in Conga-Technik. Die rechte Hand macht mit dem Stick oft drei Schläge, und die linke lediglich die Synkope vor dem nächsten Beat. Im Bahia sieht die Sache schon anders aus: hier haben linke wie rechte Pfote einen dünnen Stick (Weidenrute, Tamborimpeitsche oder -stick) in der Hand und spielen wieder mal brav Hand-to-Hand (siehe auch Caixa).
Die Repinique wird mit einem Gurt über der Schulter getragen.
eine typische Repinique-Stimme (Batucada)
1 . . . 2 . . . 3 . . . 4 . . . r r r l r r r l r r r l r r r l Handsatz o r r s o r r o o r r s o r r o Pattern
HANDSATZ: r = Stick rechte Hand l = linke Hand PATTERN: o = "open", re.Hand: "open" Stick, li.Hand: "open" Schlag r = Rimshot, Randschlag (rechte Hand) Stick s = slap linke Hand
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WEITER MIT: 2. KLEINE NERVENSÄGEN: Tamborim, Pandeiro, Cuica, Ganzá, Reco Reco
ERKLÄRUNGEN:
Synkope: auch als "Double-Off-Beat" bekannt, die 16tel direkt vor und nach dem Beat. zurück zum Text "Snare"
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