Der Greis im Zug

Ich beabsichtige übrigens, 100 Jahre alt zu werden. Und zwar in brauchbarem Zustand. Etwa wie Johannes Heesters.


Vorvorletztes Jahr sitz ich im Zug nach Haus. Mir gegenüber sitzt ein relativ langer und sehr alter Mann: schaut mich mit weit offenen Augen an, Mund steht halb offen, alle Anzeichen von Parkinson. Hose vollgeschifft. – Die ganze Wahrheit? Ich ekel mich. – Die Mädels ringsum schauen starr geradeaus. Ich wechsel den Sitzplatz.

Nun gut, das Gesicht vergess ich nicht. In den folgenden Monaten sehe ich ihn in unregelmäßigen Abständen im Zug. Ich denke mir: wer lässt den alten Kerl ungepampert durch die Welt kutschieren? Wer will ihn mit Gewalt los werden?

Langsam wird es mir klar. Den hat keiner geschickt. Der fährt schwarz. Der ist aus dem Altersheim ausgebüchst.


Lieber Leser. Ich will gar nicht, dass du mich verstehst. Aber: indem mir das klar wird, wird mir der Alte zunehmend sympathisch.

Weil, so Leute braucht die Welt. – Ich bin gerne ein Drecksack.