Ich hab schon zwo mal aufgehört, zu rauchen: das erste Mal von 1981 bis 1987, das zwote Mal 2001, diesmal für immer.
Ich erzähl das jetzt, weil sich vielleicht eine Regel ableiten lässt. Wenn du am Stängel hängst und los willst, gibts ein paar Techniken, wie es klappen kann (aber nicht muss):
Hauptregel: Keine Angst vor den Folgen.
Ich meine es ernst. irgendwann in den späten Siebzigern sah ich eine Fernsehsendung gegen Nikotin. Sie war voller Raucherbeine und Kehlkopfmikros. Ich war so schockiert von den schädlichen Auswirkungen, dass ich mit zittrigen Fingern erst mal eine angezündet hab. Zum Abregen, Jungejunge.
Mein Vorgehen: 1981 verabredete ich mit einer Walküre (bzw. mit einem Mädel, das ich toll fand, das aber traurigerweise nach Australien verliebt war), dass wir Sylvester um 24:00 den Stängel ausdrücken.
Ok, Regel Eins – du brauchst Verbündete und einen Termin.
Regel Zwo. Sei freundlich mit dir selbst, du kannst es brauchen. Nimm die Zigarette als einen guten Freund, von dem du dich demnächst verabschiedest – rauche, Junge. Genieß die Tage bis zum Termin. Am Tag des Termins: genieß die Stunden bis dahin. Achte drauf, dass dir trotzdem nicht schlecht wird.
Drittens. Halt den Termin ein. In meinem Fall war ich beim Gerd Weyand zu Gast. Im Fernsehen lief die 14. Wiederholung des „Langen Blonden mit dem schwarzen Schuh“. Um 00:00 ging bei mir ein Stängel aus.
Viertens. Trag es mit Fassung. Eine Hauptregel lautet: nicht drüber sprechen (denn die Sprache ist stärker als wir). Der Schmacht ist nicht tödlich. Mit der Zeit vergeht er von allein. In der Zwischenzeit – je nach Vorliebe – habe stets eine kalte Pfeife dabei. Habe stets Kleingeld für eine Bockwurst bei. (Im ersten Vierteljahr sind mir mehrere Hosen auf der Naht gekracht. Das dürft ihr wörtlich nehmen.)
Optional gibts die Möglichkeit, sich eine Abwehrregel anzutrainieren: niemals inhalieren. In meinem Fall war ich stolz auf mein Talent, Ringe zu blasen; das geht über den Mund-Rachen-Raum. Meiner Lunge habe ich jeglichen Zug strikt verweigert. Klappte damals und klappt sogar heute, obwohl ich heute nicht mehr so waghalsig wie damals bin.
Ok. Ging ganz gut. 1987 lernte ich meine spätere Frau bzw. meine heutige Ex kennen. Sie rauchte morgens im Bett. Um nicht zu explodieren (einziger Grund) rauchte ich mit, und innerhalb weniger Wochen hing ich am Stängel wie eh und je.
2001, etwa ein Jahr nach unserer endgültigen Trennung, habe ich das 2. Mal aufgehört. Diesmal war der ganze Kladderadatsch von oben nicht erforderlich. Diesmal bin ich weniger waghalsig. Und das Mädel, mit dem ich nach Auszug des Nachwuchses in WG ziehen werde, ist Nichtraucherin.
Aber daraus lässt sich keine Regel ableiten.