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Dr. Web 4.29 -- 
1. Aus der Werbung (http://www.dials.ru/english/)
"Doctor Web for Windows 95/98/ME/NT/2000/XP (DrWeb) is a powerful combination of an antivirus scanner and one of the world's most clever memory resident monitors - "Spider Guard", deeply integrated into the operating system of your PC, which practically excludes any possible intrusion of a malicious code, e.i. virus, worm, trojan program into your computer."
2. Version und Konfiguration

3. On-Demand-Scanner

Von 97 Schädlingen wurden beim On-Demand-Scan 56 erkannt. Die rot markierten
Schädlinge wurden nicht erkannt:
(Anm.: Es wurde nicht Sparta11JDPack, sondern Sparta11 erkannt. Die Dateinamen
sind im Screenshot vertauscht.)
4. On-Access-Scanner
Wir konnten keine auffälligen Unterschiede im Vergleich zum On-Demand-Scanner
feststellen. Auch der On-Access-Scanner konnte bestimmte gepackte Schädlinge
nicht erkennen oder am Starten hindern.
Obwohl die Option "Scannen des Arbeitsspeichers" aktiviert war, wurde ein gepackter Bionet Server, der gestartet werden konnte, im Arbeitsspeicher nicht entdeckt. Wir nehmen daher an, dass die Option "Scannen im Arbeitsspeicher" nicht zur Erkennung von Trojanern geeignet ist. Das Versprechen "practically excludes any possible intrusion of malicious code" scheint insoweit eher dem Wunschdenken eines übereifrigen Werbetexters entsprungen zu sein.
5. Fazit und Analyse
Dr. Web ist einer der wenigen Scanner, bei denen wir eine brauchbare Unpacking
Engine feststellen konnten. Die Unpacking Engine unterstützt viele wichtige
Packer und Crypter wie UPX, ASPack, PECompact, Winkript, WWPack32 sowie Yoda
Crypter. Gefakte Dateiheader und manuell entpackte Trojaner scheinen Dr. Web
nicht zu beeindrucken.
Sparta11WWPack32 wurde nicht erkannt. Dies ist aber, wie eine nachträgliche
Überprüfung ergeben hat, wohl nicht auf einen Fehler in der Unpacking
Engine von Dr. Web zurückzuführen, sondern darauf, dass WWPack32
in Verbindung mit Sparta 1.1 je nach Testumgebung zu einem Programmabsturz
neigt.
Noch nicht unterstützt werden beispielsweise Armadillo, ASProtect, JD
Pack, Netwalker, Noodlecrypt, PENinja, PKLite32 und tElock. Hier besteht Nachbesserungsbedarf.
Negativ ist uns ausserdem aufgefallen, dass Institution 1.2 nicht erkannt
wird.
Insgesamt ist die Unpacking Engine von Dr. Web zwar noch längst nicht
perfekt, gibt aber Anlass zur Hoffnung.
6. Nachtest
In einem am 27.12. durchgeführten Nachtest mit unserem Standard-Testset
erkannte Dr.Web 67 von 112 Schädlingen.
Der Scanner konnte dabei gut die Hälfte der getesteten Packer/Crypter
sicher durchleuchten und offenbarte auch sonst keine auffälligen Schwächen.
Es bestätigte sich also der recht positive Eindruck aus unserem ersten
Test.
Bei dieser Gelegenheit wurden wir allerdings nachträglich auf eine problematische
Eigenart des angeblich so cleveren On-Access-Monitors ("Spider Guard")
aufmerksam:
In der Default-Einstellung scannt "Spider Guard" eine Datei auf
einer Festplatte nämlich nicht wie sonst üblich bei jedem Datei-Zugriff
(ausführen, kopieren, umbenennen etc.), sondern nur einmalig kurz nachdem
die Datei neu erstellt wurde (z.B. infolge eines Kopiervorgangs.) Falls eine
Datei bei dieser Prüfung als infiziert erkannt wird, merkt sich dies
der Scanner offenbar und sperrt bis auf weiteres den Zugriff (also auch den
Start der Datei.) Diese vergeichsweise minimalistische Vorgehensweise erspart
zwar einiges an Zeit und reicht theorerisch aus, um "einfallende"
Schädlinge zu entdecken und zu blocken.
Leider kann dadurch aber ein Schädling, der sich schon vor der Installation
von "Spider Guard" auf der Festplatte befand, immer wieder ungestört
ausgeführt werden, da er ja de facto nie vom Wächter überprüft
wird!
Das gleiche gilt für neue Malware, die zum Zeitpunkt des Erstellens noch
nicht vom Wächter erkannt werden konnte: Auch nach einem entsprechenden
Signatur-Update werden die Dateien kein weiteres Mal überprüft und
folglich auch nicht am Start gehindert.
Doch selbst wenn "Spider Guard" einen Schädling überprüft,
erkannt und den Datei-Zugriff geperrt hat, kann diese Sperre durch einfaches
Umbenennen des übergeordneteten Ordners wieder aufgehoben werden. Auch
ein Neustart des Rechners bewirkt die Freigabe einer zuvor gesperrten Datei.
Danach kann der Schädling wieder ungestört gestartet werden...
Das folgende Bild zeigt beispielhaft, was dadurch möglich ist: Nur die
frisch erstellten Kopien der beiden Trojaner (Bionet3.18 und OptixLite5) werden
überprüft und lassen sich infolge der Zugriffssperre nicht ausführen.
Die beiden Originale konnten dagegen problemlos gestartet werden...

Immerhin lässt sich der Wächter so konfigurieren, dass die Dateien
auch beim Start/Ausführen überprüft werden. Dies entspricht
dem sonst üblichen Standard.
Leider ergibt sich dadurch ein neues Problem: Wie schon die Dr.Web-Hilfe zu
bedenken gibt, werden in dieser Einstellung nämlich alle Dateien bei
einem On-Demand-Scan grundsätzlich doppelt geprüft: Zuerst von "Spider
Guard", danach erst vom On-Demand-Scanner. Dies führt natürlich
zu einer unnötigen Erhöhung der Scanzeit.
An dieser Stelle sollte der Hersteller von Dr.Web wirklich nachbessern...
