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Die Katzbach
mit ihren Zuflüssen
Wütende Neiße, Schnelle Deichsa und Schwarzwasser
Zuerst gleich mal die Orientierungskarte mit Liegnitz in der Mitte. Der Einzugsbereich des „Katzbachsystems“ erstreckt
sich nach Süden bis zur Linie Hirschberg – Schweidnitz und im Norden reicht das Schwarzwasser bis in die Sprottauer Heide, ins Gebiet von Bober und Sprotte hinein. Das sind 2500 qkm, was der Größe des
Saarlandes entspricht.
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Die Katzbach, die Polen nennen sie Kaczawa, entspringt im Bober-Katzbachgebirge, das sich von Löwenberg etwa vierzig
Kilometer in südöstlicher Richtung erstreckt und mit der Hohgolje oder Hugulge und dem Blücherberg nahe Kauffung über
700 m erreicht. Am Bleiberg nahe Ketschdorf wurde die Quelle gefaßt und bald rauscht ein munteres Bächlein zu Tale.
Das Gefälle beträgt über die ganze Länge von 98 Kilometern 3,67 m pro Kilometer oder 1: 272 und ist natürlich hier am
Oberlauf noch wesentlich stärker. Das Katzbachtal und das benachbarte der Wütenden Neiße gehören zu den ältesten
deutschen Siedlungsgebieten in Schlesien. Dorf an Dorf, oft ineinander übergehend, mit auskömmlichen Bauern-höfen reiht
sich die Flußtäler entlang: Rode-land, Heiland, Stöckel, Kauffung, jetzt etwa 5000 Einwohner, bestehend aus Ober-,Mittel-
und Nieder-Kauffung, 6 Kilometer lang. In Kauffung gibt es Marmor- und Kalk-steinbrüche. Es folgt, die Katzbach aufwärts,
das Städtchen Schönau. Wenn die Liegnitzer früher, vor dem Krieg am Wochenende ins Gebirge fuhren, dann nahmen sie
den Weg über Goldberg und Schönau, wo die Straße 121 nach Hirschberg aus dem Katzbachtal abzweigt. Dichter
Verkehr herrschte dann schon damals hier. Folgen wir dem Lauf der Katzbach weiter bis Goldberg. Röversdorf, Willenberg
mit der „Orgel“ aus Porphyrsäulen, Rosenau, Oberdorf, Neukirch mit Gut und Schloß, Taschenhof, Neuländel, Hermsdorf,
Seiffenau. Neun Dörfer, meist noch getrennt in Ober- und Niederdorf, auf einer Strecke von 15 Kilometern ! Meist im engen
Tal, das sich die Orte noch neben der „Bache“ mit Straße und Eisenbahn teilen müssen. Und doch ist diesem Vorgebirgslande jede Enge fremd, schreibt Jochen Hoffbauer in „Schlesisches Panorama.“ Bei Peuckert ist das
„Katzbachtal von Goldberg bis Kauffung der Weg vieler Sucher, ein Goldgräberweg durch viele Jahrhunderte, der immer
noch lockte, wenn nicht auf Gold, dann heut doch auf ähnlich wertvolle Erze.“ Man wusch Gold aus dem Bachsand, worauf
der Name des Dorfes Seiffenau, dicht bei Goldberg, Bezug nimmt. Schlesien ist ein reiches Land, nicht nur wegen seiner
Bodenschätze, womit allein neuerliche polnische Ansprüche an Deutschland mehr als abgegolten sein dürften.
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In Goldberg, 1211 Aussetzung als deutsche Stadt mit Magdeburger Recht, betrieb man im 13. Jahrhundert Goldbergbau
und im 16. Jahrhundert Kupferbergbau, der kurz vor dem letzten Kriege wieder aufgenommen und von den neuen Herren
groß aufgezogen wurde. Nach scheinbarer Erschöpfung der Lagerstätten wandte man sich auch hier der Tuchherstellung
zu. Goldberger Knappen sollen maßgeblich an der Mongolenschlacht 1241 beteiligt gewesen sein. Durch den wieder
belebten Kupferabbau beflügelt, erhöhte sich die Zahl der Einwohner von 7 900 im Jahre 1939 auf 12 700 im Jahre 1975.
Von sanften Hügeln und sieben Dörfern begleitet wird nach rund 20 Kilometern die Stadt Liegnitz erreicht. Erwähnt seien
die Bauerndörfer Kosendau, Röchlitz und Dohnau, sowie die Gutsdörfer Kroitsch, Schmochwitz und Prinkendorf, in denen
es natürlich neben den Rittergütern auch noch kleine und größere Bauernhöfe gab. Bei Dohnau, dort mündet die Wütende
Neiße ein, denkt man natürlich an die Schlacht an der Katzbach, aber da sie eigentlich an der Wütenden Neiße stattfand, sei sie dort später angesprochen.
Liegnitz, einst Marktort (1149),Herzogsstadt (1175), 1252 mit Magdeburger Recht ausgestattet und als deutsche Stadt
ausgesetzt, wurde 1742 preußisch. Eng verbunden ist die Stadt mit der Heiligen Hedwig und der Schlacht bei Wahlstatt
1241. Durch Kampf-handlungen im Februar 1945 nur wenig beschädigt, litt die Innenstadt erst später unter Bränden und
Zerstörungen, denen ein zögerlicher Wiederaufbau folgte. Erst 1976 erreichte die Einwohner-zahl wieder die Vorkriegszahl um
85 000, jetzt über 100 000. Liegnitzer Gurken und Liegnitzer Bomben sind schon lange ein Begriff geworden und auch als
Gartenstadt mit schönen Anlagen war die Stadt bekannt. Liegnitz war auch eine Garnisonstadt mit langer Tradition. So war z. B. der spätere Generalfeldmarschall von Manstein Divisionskommandeur in Liegnitz.
Die Katzbach bei Liegnitz 1998
Etwa in den 80er Jahren (des 20. Jahrhunderst) wurde die einst evangelische Stadt Bischofssitz, als Residenz dient die
stattliche ehemalige Auguste-Viktoria-Schule. Die Katzbach, einst nur den Stadtteil Carthaus und Stadtrandsiedlungen
abtrennend, fließt begradigt zwischen Dämmen ostwärts an der Innenstadt vorbei, überspannt von drei Straßenbrücken.
Bei Prinkendorf zweigt der Stadt-Mühlgraben ab, der die ganze Stadt durchfließt und in der Nähe des städtischen Bauhofs
in das Schwarzwasser mündet. Ein Arm der Katzbach soll dieser Mühlgraben einst gewesen sein. Anfang der 70er Jahre
hat es die Katzbach fertiggebracht die halbe Stadt zu überfluten und großen Schaden anzurichten. So etwas hatte es schon seit vielen Jahren nicht mehr gegeben.
Nördlich an der Peripherie der Stadt bei Pfaffendorf stößt das Schwarzwasser dazu, das sich vorher noch die Schnelle
Deichsa einverleibt hat. Im weiteren Verlauf zieht der Fluß, durch geringeres Gefälle etwas behäbig geworden, durch
ebenes Gelände der Oder zu. Pfaffendorf, Panten, Bienau, Pohlschildern mit bekanntem Herrenhaus, Parchwitz, Altläst
und Kohlhaus sind die Orte bis zur Oder. Kurz vor dem Städtchen Parchwitz zweigt ein Mündungsarm, Böberle genannt , auf neueren Karten als Katzbachkanal bezeichnet, ab und mündet bei Aufhalt in die Oder.
Wie Liegnitz entstand auch Parchwitz an einer Furt durch die Katzbach. 1217 erst-mals erwähnt mit Burg und Schloß,
zwischen zwei Katzbacharmen gelegen, erreichte die Einwohnerzahl der kleinen Landstadt kaum 3 000.
Das Schwarzwasser. (Polnisch Czarna Woda)
Aus der Oberheide, dem Bunzlauer Stadtforst, etwa zwischen Kittlitztreben und Rückenwaldau kommt dieses Flüßchen,
das in seinem Charakter nicht so recht zu den munteren Vorgebirgsflüssen Katzbach, Wütende Neiße und Schnelle
Deichsa passen will. Es kommt nämlich aus der Oberheide, einem Teilgebiet der ausgedehnten niederschlesischen Heide
südlich von Sagan, unweit des bei den Soldaten gefürchteten Truppenübungsplatzes Neuhammer. Aus mehreren Gräben
zwischen Rückenwalde und Kittlitztreben aus einem Torfabbaugebiet nördlich von Greulich formiert sich unser
Heidewasser. Es strebt nicht nach Norden, wie seine nahen Nachbarn Sprotte und Bober, sondern nach Südosten. Beim
Bahnhof Modlau nähert sich die Bahnlinie Liegnitz – Sagan dem Schwarzwasser, dem es dann auf seinem etwa 40
Kilometer langen Lauf mehr oder weniger nahe bis Liegnitz folgt. Bis Reisicht geht es durch schmale Rodungs-flächen im großen Wald-gebiet, dann durch nach
Westen offenes Gelände über Hammer, Vorhaus, Buchwald und bald werden die von Westen kommende Schnelle Deichsa und weiter Brocke und Carlsgraben aufgenommen. Es entstand hier zwischen
Langenwaldau, Rüstern und Pansdorf ein Feuchtgebiet, Bruch genannt, das sich bis Liegnitz hinzieht. Im Winter bot das überschwemmte und zugefrorene Bruch eine imposante Eisbahn.
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Die Wütende Neiße. (Polnisch Nysa Szalona)
Halbwegs zwischen Katzbach und Striegauer Wasser südlich Würgsdorf bei Thomasdorf, der Bober ist auch nur 5 km
entfernt, hat die Wütende Neiße ihren Ursprung. Vielleicht ist sie wütend, weil sie nicht gleich zum Bober abfließen kann,
aber ihr Beiname deutet natürlich auf ihre zerstörerischen Fähigkeiten hin, nicht zuletzt wegen des erheblichen Gefälles im
Oberlauf. Bis zum knapp 20 Kilometer entfernten Jauer beträgt der Höhenunterschied rund 200 Meter ! Nach nur sechs
Kilometern wird das malerische Städtchen Bolkenhain mit seiner berühmten Bolkoburg und der nahen Burg Schweinhaus
erreicht. Bolkenhain ist eine deutsche Gründung vor 1241 zu deutschem Recht. Im Dreißigjährigen Krieg mehrfach
zerstört, entwickelte sich spät eine bescheidene Textilindustrie. Der Kurort hatte 1939 4 600, 1979 5 100 Einwohner. Auf
der Bolkoburg war eine Jugendherberge und das Heimatmuseum untergebracht. Die Wütende Neiße macht nun einen
ostwärts gerichteten Bogen, an dem die Dörfer Klein Waltersdorf, Wolmsdorf, Kauder, Rohnstock, Bohrauseifersdorf, Dätzdorf, Girlachsdorf und Dornberg aufgereiht sind. Im schönen Schloß von Rohnstock nahmen die
Oberkommandierenden der österreichischen und sächsischen Armee 1745 hier Quartier und Friedrich der Große hielt
nach der Schlacht von Hohenfriedeberg eine Parade hier ab. Statt im Schloß zu wohnen soll es der König vorgezogen haben, im Park ein Zelt aufschlagen zu lassen.
Zwischen Girlachsdorf und Dornberg fließt von Westen her die Kleine Neiße zu.
Nun kommt Jauer, die Herzogthum- und Kreisstadt, eine Gründung etwa 1241 nach Magdeburger Stadtrecht. 1939 13 700
Einwohner. Im letzten Krieg stark zerstört, da es zwischen die Fronten geraten war. Wie durch ein Wunder blieb aber die
hölzerne, prächtige Friedenskirche erhalten. Typische Straßendörfer ziehen sich vom Fluß zum Mönchswald hin, z.B. das
6 Kilometer lange Poischwitz. Nach Alt Jauer, Schlaup, Schlauphof, Weinberg, Schönau und Krayn mündet die Wütende
Neiße bei Dohnau in die Katzbach. Hier schlug Blücher mit einem preußischen und zwei russischen Korps am 26.8.1813
die „Schlacht an der Katzbach“. Dabei spielte die hochgehende Wütende Neiße eine wichtige Rolle, hunderte französische
Soldaten ertranken im Hochwasser des reißenden Flußes. - Zur Regulierung hat man nach dem Zweiten Weltkrieg bei Alt
Jauer zwei Rückhaltebecken angelegt. Wie das Katzbachtal zählt auch das Tal der Wütenden Neiße, sowie das der Schnellen Deichsel zu den ältesten deutschen Siedlungsgebieten.
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Die Schnelle Deichsel, oder Deichsa
(polnisch Skora)
Dieses Vorgebirgswasser ist zwar nur ein Nebenfluß 3.Klasse, denn es mündet ins Schwarzwasser und dieses erst in den
Nebenfluß der Oder. Aber die Schnelle Deichsa ist ein interessanter Fluß, zieht sich an ihr doch ein kaum unterbrochene
Kette urdeutscher Dörfer entlang, von Radmannsdorf bis Bärsdorf-Trach, also über eine Strecke von 50 Kilometern, auch
lange Gasse oder lange Zeile genannt. Als Ursprung der Schnellen Deichsa wird Süssenbach am Probsthainer Spitzberg
angegeben, die aber dann erst vor Pilgramsdorf in das von Südwesten nach Nordosten ziehende Flußtal einmündet. 277
qkm Einzugsfläche werden der Schnellen Deichsa zugeordnet. (Obere Katzbach 324, Wütende Neiße 435 qkm) Um
1200 begann hier bereits die Besiedlung. Wie die Perlen sind sie im anmutigen Flußtal aufgereiht, die schmucken
Bauerndörfer, auch einige Rittergüter sind dabei. Der wieder erhebliche Höhenunterschied von der Quelle bis Haynau hat
wohl zum Attribut „Schnelle“ geführt. Langneundorf, Harpersdorf, - wo sich die Schwenckfelder, eine protestantische
Sekte, nach ihrer Vertreibung ansiedelten, - Pilgramsdorf, Ulbersdorf, Leisersdorf, Adelsdorf, Modelsdorf, St.Hedwigsdorf,
Petersdorf und Konradsdorf, säumen vor Haynau die Ufer. Im Auwald bei Konradsdorf z.B. kann man heute noch die Nachtigallen singen hören.
Auch die Stadt Haynau ist eine alte deutsche Gründung vor 1241. Vor dem Krieg hatte die Stadt 11 000 Einwohner, jetzt
sollen es 12 000 sein. Beeindruckend der wuchtige Turm der Pfarrkirche.
Hellmut Seidel, im März 2000
Quellen:
Karte Schlesien 1:800000 Paul List Verlag KG
Hantschke, Unser Liegnitz und sein Landkreis K. Ullmann, Schlesien-Lexikon H. Sieber, Schlösser und Herrensitze in Schlesien G. Kaske u. H. Hiller, Liegnitz H. Hupka (Herausgeber) Schlesisches Panorama
Josef von Golitschek, Schlesien – Land der Schlösser W.E. Peuckert, Schlesien J. Partsch, Schlesien
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