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Die Lohe
Zur Orientierung gleich ein Ausschnitt aus der Übersichtskarte Schlesien
1: 800 000 (Paul List Verlag):
„Die Lohe, ein Fluß in Schlesien, auch Law oder Lau genannt, der im Herzogthum Breslau entspringt, Tintz, Teich und Jentz
vorbey flüsset und ½ Meile unterhalb von Breslau bey dem Dorffe Klein Maschitz in die Oder läuffet.“ So liest man es bei Zedler
aus dem Jahre 1738. Im Polnischen heißt die Lohe Lawa, jetzt aber allgemein Sleza. Diese Bezeichnung wird zurückgeführt auf den Wandalenstamm der Silinger, die den Zobten Siling nannten.
Lohe heißt sie erst ab Bohrau, 30 Kilometer südlich von Breslau, denn erst dort vereinigen sich Große und Kleine Lohe. Die
Quellen beider Flüßchen trennen bei Petershagen und Kaubitz , etwa 8 km südöstlich von Nimptsch, kaum zwei Kilometer voneinander. Das Einzugsgebiet beträgt 981 qkm. (Weistritz 1786, Ohle 989)
Den östlichen Bogen schlägt die Kleine Lohe. Über Lauenbrunn, Siegroth, Schmitzdorf, Prauß, Teichvorwerk, Peterwitz nähert
sich die Kleine Lohe der Stadt Strehlen bis auf 3 Kilometer, biegt aber dann bei Gurtsch scharf nach Norden ab. Über Klein Lauden, Groß Lauden und Ottwitz wird Bohrau nach etwa 40 km Flußlauf erreicht.
Die Große Lohe nähert sich nach 10 Kilometern über Rocksdorf, Kunsdorf, parallel zur ehemaligen Reichsstraße 116 Breslau –
Glatz der hoch über dem Lohetal thronenden Stadt Nimptsch. Nimptsch, der Name kommt von dem slawischen Wort Nemzi, oder
Niemci, was soviel wie stumm, aber auch deutsch bedeutet. Die Lohestadt ist die älteste Stadt Schlesiens, schon 1019 wird sie
in einer Chronik erwähnt. Auf dem Burghügel soll es vor slawischer schon eine spätgermanische Besiedlung, eine Burg gegeben
haben. Vom Lohetal ging sicher die Besiedlung Schlesiens durch Deutesche aus, heißt es in der Landeskunde Schlesien von Fedor Sommer aus dem Jahre 1913.
Außer Breslau, das aber nur am westlichen Stadtrand gestreift wird, ist Nimptsch die einzige Stadt an der Lohe.
Ernst Schenke, in Nimptsch geboren, erzählt in „Meine Heimat Schlesein“ von seiner „lieben kleinen Heimatstadt“, die um 1900
gerade mal 2000 Einwohner hatte, 1933 waren es 3800.
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Ein stilles, von Weißfischlein und Kaulquappen durchwimmeltes Flüßchen, das sich, nachdem es die Sandsteinfelsen, auf denen
die kleine Stadt erbaut ist, durchbrochen hat, ohne jede Eile in Richtung Breslau fortbewegt. Auf der Burg soll die Heilige Hedwig
residiert haben, deswegen Hedwigsburg genannt. Von der Stadtmauer ging der Blick über blühende Wiesen und wogende
Getreidefelder, meilenweit sich hinziehende Kirschalleen. Das Land war ( ist) ein fruchtbares Bauernland, wie an der Ohle auch.
Schlösser und Burgruinen begleiten die Große Lohe auf ihrem weiteren Weg über Vogelgesang, Groß Wilkau, Senitz,
Rothschloß, Poseritz, Trebnig, Lohetal, Dankwitz nach Jordansmühl, wo der Langen –Ölser-Bach aufgenommen wird. Dieser
Bach, der vom Geiersberg kommt, sammelt die Wässer, die von der Südseite des Zobtengebirges abfließen. Unten links auf
Seite 36, das ist Schloß Trebnig im Besitz der Familie von Schickfuß, zwischen Heidersdorf und Jordansmühl gelegen. Das
Straßen- und Eisenbahnkreuz Heidersdorf wird übrigens von der Großen Lohe in einem ostwärtigem Bogen umgangen.
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Das stolze, große Jordansmühl, wie es Ernst Schenke nennt, ist bekannt für seine Mineralien und für vorgeschichtliche Funde.
Der hier entdeckte grüngraue, auch bläulich getönte Nephrit wurde hauptsächlich in Idar-Oberstein verarbeitet und ist, besonders
als Andenken an die Heimat, bei den Schlesiern sehr beliebt. Von den vorgeschichtlichen Funden aus der Bronce- und Steinzeit ist der bedeutendste wohl der Jordansmühler Widder, 5000 Jahre soll er alt sein.
Gleich hinter Jordansmühl biegt die Große Lohe nach Osten Richtung Bohrau ab, vorbei an Dreihöfen, Loheichen, Groß Tinz,
Klein Tinz und Schönfeld. Am Westrand von Bohrau, dem großen Guts- und Bauerndorf, kommt es dann endlich zur Vereinigung
der beiden Lohen, die von hieran nur noch „Lohe“ heißen. Beide Flüßchen sind schon eine Strecke lang eingedämmt, denn die
flachen Ufer bieten bei steigenden Wasserständen kaum Schutz und sind allzuschnell überflutet. Nördlich Bohrau gibt es die Dämme nur noch an besonders gefährdeten Abschnitten.
Hier bei Bohrau verlief die letzte Frontlinie im Zweiten Weltkrieg von Zobten über Jordansmühl nach Strehlen bis zum 7. Mai 1945,
so daß die Gegend westlich dieser Linie von Zerstörungen durch örtliche Kampfhandlungen weitgehend verschont blieb. Durch
fruchtbares Guts- und Bauernland mit Getreidefeldern, grünen Zuckerrüben- und in der Blütezeit bunten Kartoffelschlägen verfolgt
die Lohe nun wieder einen streng nach Norden gerichteten Lauf und nicht weniger als 14 Dörfer säumen die Ufer bis zur
Stadtgrenze von Breslau. Die Größeren sind Merzdorf, Schwertern, Pastern, Herdhausen, Rothbach. In Rothbach/Rothsürben
stand der Sendeturm des Reichssenders Breslau und die schöne Renaissancekirche, ein Schmuckstück ersten Ranges, ist dort zu bewundern.
Die Kirche, die in Ortsmitte zwischen zwei Armen des Nebenflüßchens Sarofke/Moosbach steht, wird nicht mehr als Gotteshaus
genutzt.
Hier, zwischen Rothbach und Domslau, gab es keine Brücke über die Lohe, sondern eine Furt. Wenn später eine Brücke gebaut
wurde , so entzieht sich das meiner Kenntnis. Reppline, Schönwasser, Lohe, Klettendorf werden noch passiert und die
Stadtgrenze von Breslau ist erreicht. Die Lohe markiert dann auf sieben Kilometer Länge etwa die Westgrenze der Großstadt.
Opperau und Lohbrück bleiben links liegen und dann tritt die Lohe bei Maria Höfchen und Schmiedefeld in das Stadtgebiet ein, um nach sechs Kilometern bei Groß Masselwitz in die Oder zu münden.
Hellmut Seidel, im Frühjahr 2000
Quellen: Hupka, Schlesisches Panorama,
Ullmann, Schlesien Lexikon, Ahlfen, Der Kampf um Schlesien, Hupka, Meine Heimat Schlesien. Birke, Mittelschlesien in 144 Bildern, Div.Lexika, eigene Fotos Partsch, Schlesien
Karte 1:800 000 List-Verlag Fedor Sommer, Landeskund Schlesien
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