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Die Lausitzer- oder Görlitzer Neiße
Aus drei Quellflüssen, deren längster aus der Moosbeerheide kommt, strömt sie am Südhange der Wohlischen (Iser) Kämme
zusammen und fließt bei Reichenberg durch die Lausitzer Pforte. So die Landeskunde von Fedor Sommer. Wie der Nachbar Bober hat
auch die Neiße ihre Besonderheiten. Sie entspringt nicht auf Schlesiens Boden und sie mündet außerhalb Schlesiens in Brandenburg
bei Ratzdorf in die Oder. Und 1945 wurde die Neiße zum Schicksalsfluß, als alle Hoffnungen dahinschmolzen, die Alliierten könnten vielleicht doch die andere, die Glatzer Neiße gemeint haben.
Die Gesamtlänge der Görlitzer Neiße wird mit 256 km angegeben, wovon nur 84 Kilometer Schlesien betreffen. Auf Böhmen entfallen
71 km, auf Sachsen 24 km.(Bober 255 km, Naab 165km)
Die Neiße ist auch der Fluß mit den meisten Städten an seinen Ufern, als da sind: Gablonz, Reichenberg, Zittau, Görlitz, Rothenburg,
Muskau, Forst und Guben, heute Grenzfluß auf 180 Kilometer Länge. Bei den Tschechen heißt die Neiße Luzicka Nisa, bei den Polen Nysa Luzycka.
Als wichtigster Zufluß ist die Wittig zu nennen, die auch vom südlichen Iserkamm kommt und bei Radmeritz und Hagenwerder der
Neiße mitunter viel Wasser zuführt.
Das Foto oben zeigt das Kloster Marienthal unmittelbar an der Neiße im Sächsischen. Von hier aus sieht man gewaltige
Abraum-halden des Braunkohleabbaus auf der nun polnischen Seite.
Die Stadt Zittau, in der DDR-Zeit sehr heruntergekommen, hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Von Westen fließt
hier die Mandau zu, vor Görlitz das Rothwasser von Osten. Die Neiße nähert sich nun Görlitz mit der weithin sichtbaren Landeskrone.
(420m) Die Stadt ist dabei sich von 40 Jahre Sozialismus mit gutem Erfolg zu erholen. Sie liegt an der berühmten “Hohen Straße” über
Liegnitz nach Breslau. Die Eisenbahn überquert hier die Neiße auf einem 35 m über dem Fluß erhabenen Viadukt mit 31 Bögen und
475 m Länge. Wie in “Schlesien Heute” Nr. 4/2000 nachzulesen, wurde das beeindruckende Bauwerk 1844 – 1847 aus Königshainer
Granit errichtet. Das schmale Flußtal ist hier bei Görlitz 30 bis 40 m tief eingeschnitten und der Fluß 45 m breit.
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Görlitz, genau auf dem 15. Meridian, gegründet zwischen 1210 und 1220, wurde später die wichtigste Stadt des
Sechs-Städte-Bundes. Sie hat heute 63 000 Einwohner, die Tendenz ist aber eher abneh-mend. 1910 aber waren es bereits 85790,
allerdings mit dem östlichen Stadtteil. 1949 sogar 101 000. Sieben Brücken über-spannten vor dem Krieg einst den Fluß. Rechts der
Blick auf das Ostufer der Neiße 1996. Leider ist die Stadt seit 45 durch die Neiße, bzw. durch die „Verzichtgrenze“ geteilt. Dem
ansässigen Waggonbau geht es auch nicht gerade besonders gut. Aber Görlitz nennt sich die schönste Stadt Deutschlands und
schon Bismarck wollte seinen Ruhesitz hierhin verlegen. Jetzt profitiert die Stadt vom Fremdenverkehr, wobei immer noch der „Heimwehtourismus“ eine wichtige Rolle spielt.
Nördlich Görlitz wird das Flußtal wieder breiter und der Fluß beginnt bald in engen Waldgrenzen zu mäandern, dem Unterlauf des
Bobers sehr ähnlich. Von der Landesgrenze bis Görlitz wurden die (größeren) Orte Hirschfelde, Ostritz, Hagenwerder und Deutsch
Ossig auf dem linken Ufer passiert, während auf dem Ostufer Schönau, Radmeritz und Warnsdorf zu nennen sind.
Etwa 10 Kilometern nördlich Görlitz, nach Hennersdorf, Ludwigsdorf, Lissa, Zodel, Deschka und Zentendorf tritt der Wald nahe an den
Fluß heran. Nur bei Rothenburg und Forst sind die Rodungsflächen breiter. Nieder Bielau und Nieder Neundorf, dann die Kleinstadt
Rothenburg, eine Kreisstadt mit 1939 2000 Einwohnern, jetzt mit kleinem Flugplatz für Flugzeuge bis 7,5 t, den auch die Stadt Görlitz nutzt.
Für die Durchquerung der Niederschlesisch-Lausitzer Heide gilt etwa dasselbe wie für Bober und Queis ausgeführt. Hier im
nordschlesischen Raum versteht man unter Heide eine Landschaft mit einförmigen Vegetationsbild, deren karger Sandboden meist von
Wald bedeckt ist, wobei die Kiefer stark vorherrscht. Forst- und Holzwirtschaft, Glashütten und die frühere Ausbeutung der
Raseneisensteinerze stellen und stellten die Arbeitsplätze für die hauptsächlich in der Flußzone ansässige Bevölkerung. Auch die
Imkerei war und ist hier sehr verbreitet. Nicht zu vergessen die Braunkohlenflöze, die in der Heide über- und untertage abgebaut werden und die Tonvorkommen.
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Bleichenau, Lodenau, Zoblitz, Steinbach, Sänitz, Dobers, Klein Priebus, Buchwalde, Grenzkirch und Priebus säumen in geringem
Abstand voneinander den Fluß. Früher war Priebus eine rege Kleinstadt mit 1300 Einwohnern, inzwischen sind es nur noch 1000 und
Stadt ist man auch nicht mehr. Die Neiße verfolgt nun von Priebus bis Muskau einen nordwest-lichen Kurs. Grenzkirch, Werdeck,
Pechern, Schönlinden und Sagar begleiten den Fluß auf der Westseite, Pattag, Jamnitz, Lichtenberg, Birkfähre und Luknitz, dessen
Polenmarkt gut besucht wird, auf dem Ostufer. Muskau, Bad Muskau ist eng verbunden mit dem Landschafts-gärtner, Weltreisenden
und Schriftsteller Fürst Pückler. Er schuf den herrlichen 1250 ha großen Park beiderseits der Neiße. Neben dem prächtigen Schloß,
das nach Zerstörung im Kriege oder kurz danach wieder aufgebaut wird, denkt man natürlich auch an das berühmte „Fürst
Pückler-Eis“. 3850 Einwohner hat das Städtchen derzeit. Die Neiße fließt durch den Pücklerschen Park, siehe Foto oben .
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Bild rechts: Blick zum Schloss vom Park aus
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Nur sechs Kilometer legt die Neiße noch auf schlesischem Gebiet zurück, jetzt wieder mit Kurs Nord. Am Westufer liegt nur eine
Försterei und Köbeln, auf der andern Seite nur Wald. In einem nach Osten ausholenden Bogen in einer Waldschneise, kaum einen
Kilometer breit, kommt nach 20 Kilometern, vorbei an Klein- und Groß Bademeusel links und Groß Särchen, Zelz, Buchholz und
Scheuno rechts der Neiße die Stadt Forst in Sicht. Wie Görlitz und Guben ist auch Forst eine geteilte, zerrissene Stadt mit rund 28
000 Einwohnern. Nördlich von Forst erreicht die Waldrodung 3 bis 6 Kilometer Breite, der Kurs der Neiße buchtet bis Guben nun nach
Westen aus und die Besiedlung ist wieder dichter. Ab Forst etwa ist die Neiße ein- oder beidseitig durch Dämme geschützt.
Zu nennen sind auf der Ostseite Jähnsdorf, Mehlen, Strega, Markersdorf, Sadersdorf, Niemitzsch und Schenkendorf, auf der
Westseite der einstigen „Grenze der Freundschaft“ liegen Sacro, Briesnig, Gastrose und Schlagsdorf.
Etwa 60 000 Sorben, vormals Wenden genannt, leben in der Ober- und Nieder Lausitz und so führen einige Orte hier einen deutschen
und einen sorbischen Namen. Sogar die Straßennamen sind zweisprachig. So heißt z.B. die Spreestraße in Cottbus auch „Sprjewjowa droga“. Ob das wirklich der Sache dienlich ist ?
Während die Stadt Forst hauptsächlich auf der Westseite der Neiße liegt, war es bei Guben umgekehrt. Jetzt aber hat Guben 31 000
Einwohner und das östliche Guben (Gubin) nur 17 000. In Guben spielt die Chemieindustrie und die Braunkohlegewinnung eine
wichtige Rolle. Grunewald, Groß Breesen, Coschen, Seitwann, Beslack und Kuschern werden noch passiert, bevor die Neiße bei dem vom letzten Großen Hochwasser her bekannten Ratzdorf in die Oder mündet.
Hier noch ein Bild vom Neißeverlauf zwischen Grenzkirch/Priebus und Muskau. Sehr ähnlich in engen Wald-Schneisen fließen auch
Bober und Queis:
Ausschnitt aus Karte von Schlesien 1: 300000, Institut für angewandte Geodäsie.
Das Gefälle über die ganze Länge beträgt durchschnittlich 3, 43m per Km oder 1:291, im Abschnitt Görlitz – Ratzdorf 1,35m, bzw. 1:
740. (Vergleiche Bartsch
1: 2890, Naab 1: 637)
Der sich der Neiße streckenweise bis auf wenig mehr als fünf Kilometer von Westen nähernde Weiße Schöps gehört bereits zum
Einzugsbereich der in die Nordsee abfließenden Spree.
Hellmut Seidel, im März/April 2000.
Quellen:
Karte Schlesien 1:800000 Paul List Verlag KG Karte von Schlesien 1:300000 Institut f. angewandte Geodäsie K. Ullmann, Schlesien-Lexikon H. Sieber, Schlösser und Herrensitze in Schlesien
H. Hupka (Herausgeber) Schlesisches Panorama Josef von Golitschek, Schlesien – Land der Schlösser W.E. Peuckert, Schlesien Birke, Niederschlesien in 144 Bildern, Riesengebirge in 144 Bildern
Kraft/Niekrawietz, Schlesien Dr.Josef Partsch, 1896/1911 Schlesien (Landeskunde) Fedor Sommer, Landeskunde Schlesien Eigene Fotos
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