LEUTE IM LANDKREIS / aus: DIE RHEINPFALZ, 17.02.2001

Nele auf der Spur der kanadischen Regenwürmer

ANNWEILER/PLEISWEILER-OBERHOFEN: 16-jährige TGA-Schülerin für fünf Monate am College in Montreal - Tolles Zeugnis
 
Austauschprogramme für Schüler und Studenten sind heutzutage gang und gäbe. Die meisten jungen Menschen nutzen die Gelegenheit, - ein anderes Land kennen zu lernen und Spaß zu haben. Das hat auch Nele Müller gemacht. Allerdings hat die Zehntklässlerin auch mit außerordentlichen schulischen Leistungen geglänzt. Die Schülerin des Trifels-Gymnasiums Annweiler (TGA) verließ im Sommer vergangenen Jahres die Südpfalz, um für ein halbes Jahr das John-Abbott-College in Montreal, in der kanadischen Provinz Quebec zu besuchen. Nun ist ihr Zeugnis per Post eingetroffen. Und siehe da: Sie war nicht nur die Beste aller ausländischen Schüler, sondern gehört mit ihren Leistung zu den oberen-fünf Prozent - aller College-Besucher - insgesamt sind das an die 6000, erzählt die 16-jährige Nele, die in Pleisweiler- Oberhofen wohnt. Das Schulsystem in Kanada ist völlig anders als in Deutschland. Während bei uns selbst in der Oberstufe die freie Fächerwahl bestimmten Beschränkungen unterliegt und nur gewisse Fächer unterrichtet werden, ist das Spektrum in Kanada breiter. So belegte Nele neben Mathematik, Französisch und Englisch auch Kurse in Zaubern, Computer-Nutzung und "Lifestyle" - eine Mischung aus Sport, Ernährung und Bewegungslehre.

Auch außerhalb des eigentlichen Unterrichts bieten die nordamerikanischen Oberschulen ganz andere Möglichkeiten als hierzulande: Die so genannten Clubs - vergleichbar mit unseren Arbeitsgemeinschaften.

Doch während sich in Deutschland das Angebot meist auf Sprachen, Sport oder Musik beschränkt, gibt es in Kanada wesentlich mehr Angebote. So hat Nele bei einer Regenwurm-AG mitgemacht. Einfach mit einer Gruppe draußen rumspazieren und schauen, wo Regenwürmer zu finden sind und wo sie leben.

Forderungen an die UN

Besonders "spannend" fand sie aber die UN-Arbeitsgemeinschaft. UN steht für United Nations (Vereinte Nationen). Überall in Nordamerika gibt es sie an Schulen. Sie befassen sich mit allen vielerlei Themen wie Politik, Menschenrechte oder eben mit den Be- langen der Jugendlichen. Es werden Vorschläge und Programme ausgearbeitet, man trifft sich mit AGs anderer Schulen in großen Konferenzen, verabschiedet Resolutionen, stellt Forderungen und leitet sie dann an die Vereinten Nationen in New York weiter. Beeindruckt war Nele von der Mentalität der Kanadier:

"Die sind wahnsinnig offen und fremdenfreundlich", berichtete sie.

Ständig wurde sie - und nicht nur von Mitschülern - gelöchert, wo sie herkommt, was sie nach Kanada verschlagen hat und was sie hier macht. Auch ihre Gastfamilie sei »sehr nett" gewesen. Wenn Nele mit irgendetwas nicht zurecht kam oder Hilfe brauchte, war sie zur Stelle. Toll fand die 16-Jährige auch die Küche ihrer Gastmutter. Kein Fast Food, sondern durchweg ausgewogene Ernährung und sehr international. International wie die gesamte Region um Montreal.

Zweisprachigkeit mit Tücken

Lustig fand Nele, dass sie im französisch sprechenden Quebec mit ihren Sprachkenntnissen nicht besonders weit kam. Während am College ausschließlich Englisch gesprochen wurde, hat es Nele zunächst in einigen Geschäften mit Französisch versucht. "Aber die haben mich überhaupt nicht verstanden", erzählt sie lachend. In Quebec werde ein so eigener Dialekt gesprochen, dass sie mit ihrem europäischen Französisch nicht viel anfangen konnte. "Dann habe ich es halt gelassen. Aus Bequemlichkeit schaltet man dann schnell auf Englisch um." Die Zweisprachigkeit war einer der Gründe, weshalb das Trifels-Gymnasium vor anderthalb Jahren zum ersten Mal Schüler nach Kanada schickte, klärt Helmut Schlieger auf. Der Lehrer ist Ansprechpartner für das Projekt, das auf einer Privatinitiative basiert. Die Idee dazu hatte sein kanadische Kollege Dr. Alan Weiss, der regelmäßig nach Deutschland reist, erzählt Schlieger. Schade findet er nur, dass sich die Aufnahmebedingungen auf kanadischer Seite geändert hätten. Damals gingen noch 17 junge Leute auf die Reise. Dieses Mal waren es nur noch fünf. Und Nele war die einzige aus Annweiler, der Rest kam aus Landau.

Neue Altersgrenze für Austausch

Der Grund ist eine neue Altersbeschränkung. Um aufs College gehen zu dürfen, müssen die deutschen Schüler mittlerweile 16 Jahre alt sein. Und das sind eben nicht alle, die hier in die zehnte Klasse gehen. So falle schon einmal ein großer Teil an Interessenten weg. Wer jünger als 16 ist, könne auf

die High School. Das entspricht in etwa der deutschen Mittelstufe.  Nele war übrigens die einzige der fünf Südpfälzer, die aufs College durfte, die anderen vier gingen auf die High School.

Nele Müller

Hat mit ihren Leistungen die meisten ihrer kanadischen Mitstudenten in den Schatten gestellt: Nele Müller.

- FOTO: SCHMECKENBECHER

INFO - Interessenten für einen fünfmonatigen Aufenthalt am John Abbott College in Montreal können sich per eMail an Helmut Schlieger wenden. Weitere Informationen

Jeder Zehntklässler kann sich melden. Die nächste Gruppe soll im Sommer starten.

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