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Sean Penn
Irak 2003
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We see chaos in the Baghdad streets - but no WMDs Über Sean Penns ersten Aufenthalt im Irak wurde abseits der offiziellen, kurzen Statements nicht sehr viel bekannt. Dies sollte sich aber ändern. Am 30. Mai 2003, also ein paar Wochen nach dem offiziellen Ende des dritten Irak-Krieges, veröffentlichte er nämlich einen weiteren offenen Brief - diesmal in der New York Times und wiederum von ihm selbst als politische Werbeanzeige gebucht und bezahlt. Hier erzählte er zum erstenmal darüber, wie
seine Reise in den Irak zustandekam, warum er die Reise unternommen hat
und er berichtete über das, was er erlebt hatte. Und wo er noch in seinem
ersten offenen Brief an Präsident Bush sehr respektvoll und zurückhaltend
war, wird er diesmal sehr
deutlich: U nd dieser Artikel entbehrt auch nicht einer gewissen Komik, wenn er sich über Präsident Bush's 'Mission Accomplished' Aktion auf dem Flugzeugträger Abraham Lincoln lustig macht:'This is his debutante ball, isn't it? This young man of privilege, who never had the curiosity to set foot outside our country before becoming our President, was dressed in his 'Top Gun' jumper, flown in, onto the flight deck of the LINCOLN. I didn't need a second viewing of this one. Tom Cruise was fine by me ...' Schwach Für ihn, so erklärt er in diesem offenen Brief weiter, war der eigentliche Beweggrund dieser Reise, die Fernsehbilder mit der Realität zu ersetzen, mit einem wirklichen Ort und echten Menschen. Über seinen Eindruck von Bagdad sagt er folgendes: 'Es war der kraftloseste, ausgehungerteste, verseuchteste und verschmutzteste Ort, den ich je gesehen habe.' Sean Penn bringt in diesem offenen
Brief Dinge zur Sprache, die in den Medien nur selten diskutiert werden:
Der Einfluss der Großkonzerne auf die Bush-Regierung, die Angriffe auf
freie Meinungsäußerung und die auf Lügen gestützte Außenpolitik, die sich
deutliche im Nichtauffinden der Massenvernichtungswaffen zeigt (Artikel
lesen:
Kilroy's still here - PDF).
When I told my
wife and daughter:
'I
'm thinking of going back to
Iraq', Ein Jahr nach seinem ersten Irak-Besuch und kurz bevor man Saddam Hussein gefangennahm besuchte Sean Penn ein zweites Mal den Irak. Und dieses Mal nicht nur mit einer privaten sondern auch mit einer öffentlichen Mission, denn dieses Mal reiste er als Freier Journaliste im Auftrag des San Francisco Chronicle.
Die Artikel über seinen zweiten Irak Besuch erschienen am 14. Januar 2004 (SFC - Artikel I) und am 15. Januar 2004 (SFC - Artikel II) im San Francisco Chronicle.Beide Artikel sind sehr lebensnah und einfühlsam geschrieben. Man begibt sich mit Sean Penn auf eine ungewisse Reise, leidet mit ihm Hunger und Durst, durchsteht Todesängste und fängt sogar hier und da einmal laut an zu lachen, denn die Berichte sind trotz allem kriegerischen Desaster durchaus mit einer gehörigen Portion Witz geschrieben.
Und politisch korrekt ist er mit Sicherheit auch nicht immer. Über die Nachkriegssituation bemerkt Sean Penn zum Beispiel: 'Wenn die Militärintervention im Irak eine grobe Fehleinschätzung war, dann eine, die Tausende und Abertausende Tote zur Folge hatte, und für die es nicht den geringsten glaubwürdigen Beweis einer akuten Bedrohung für die Vereinigten Staaten gab. Unsere Flagge wehte, so scheint es, im Dienste eines Regimewechsels, der vor allem für die US-Konzerne von großem Nutzen ist.'
Woraus sich natürlich die Frage ergibt: Muss er denn überhaupt ein Experte sein? Sean Penn hat immer wieder betont, dass er in erster Linie als Bürger der USA, als Patriot und Vater handelt. Und er ist vor allem unabhängig - im Gegensatz zu einem professionellen Journalisten, der ja doch mehr oder weniger seinem Redakteur und Herausgeber verantwortlich ist. Sean Penn sprach mit ganz gewöhnlichen Irakern und Mitarbeitern der UN. Die Journalisten halten sich für gewöhnlich in dem ihnen zugewiesenen Militärbereich auf und haben zu allem ungehinderten Zugang - so lange sie nichts Negatives über das Militär berichten .... Natürlich ist Sean Penn kein Experte auf dem Gebiet der Irakpolitk, der geschichtlichen Hintergründe und der wirtschaftlichen Verflechtungen - aber das erwartet doch auch niemand! Seine Qualitäten sind viel wichtiger: uneingeschränkte Unabhängigkeit und keine direkte Verwicklung in diesem Spiel der Mächte. Wie kommentierte jemand so schön: 'Ja, Sean Penn hat tatsächlich den Irak besucht - und das ist mehr, als viele Journalisten von sich selbst behaupten können.' Auch Sean Penn's zweite Reise verdient allen Respekt. Kritiker werfen ihm Selbstdarstellung und Überheblichkeit vor. Aber, mal ehrlich, würde dafür wirklich jemand sein Leben riskieren? Sean Penn jedenfalls wird sich auch in Zukunft nicht den Mund verbieten lassen oder davor zurückschrecken, seine Meinung zu sagen. So schrieb er im Oktober 2004 einen offenen
Brief an die Macher von 'Team America'(*), Trey Parker and Matt Stone,
die öffentlich erklärt hatten, 'man solle doch nicht wählen gehen, wenn man keine Ahnung
hat'.
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