Japan Radtour Kyoto - Tokyo 2005

5. Tag; Fujisawa - Tokyo; 65 km



Ich wachte um acht auf - lausche, schaue nach draußen - Ein Glück, es regnete noch nicht! Nach dem Aufstehen wusch ich mir erst mal mit Meerwasser den Schlaf aus den Augen. Dann gab es wieder gemütlich Frühstuck im Zelt und noch einen kurzen Blick in den Reiseführer was es in Kamakura zu sehen gibt. Cirka neun Uhr ist dann alles zusammengepackt und ich war startklar. Leider musste ich feststellen das meine Knieprobleme übernacht nicht weggegangen, sondern sogar noch etwas schlimmer geworden waren, da das Knie geschwollen war. Das Fahren tat weh. Nur eine knappe halbe Stunde brauchte ich bis Kamakura. Der große, freistehende Buddha war schnell gefunden.




Dann ging es weiter zum Hasekannon-Tempel. Dieser ist mit einer der schönsten, die ich gesehen habe. Es gibt viele Blumen, Blühende Baume und andere bunte Blickfänger.















Es regnete eine Zeitlang stärker. Ich nutzte die Gelegenheit für eine kleine Essenspause. Danach besuchte ich zum Abschluss noch den Zenaribenten-Schrein. Dort kann man sein Geld in einer Quelle waschen und somit die Götter um Reichtum bitten. Für Tokyo würde ich das bitter nötig haben. Dieser Tempel war viel kleiner, jedoch auch interessant. Ich beobachtete die Japaner um rauszubekommen wie das Geldwaschritual durch zu führen sei.



Dabei stellte sich heraus das ich erst einen Strohkorb für 100 Yen kaufen musste. Da es mir widersprüchlich erschien die Japaner zu bezahlen, um von den Göttern mein Geld vermehren zu lassen, ließ ich es dann doch sein. Es war nun auch schon sehr spät (fast um eins) und ich musste zusehen, dass ich die 40 Kilometer wirklich in den nur noch zwei Stunden schaffte. Wie ich wieder in Richtung Hauptstrasse fuhr traute ich meinen Augen nicht: YASU! Ein Japaner den ich aus Leipzig kannte, kam mir entgegen!



Was für ein unglaublicher Zufall hier jemand zu treffen, den ich kenne! Er war gerade mit einigen anderen ex.-Klassenkameraden von seinem Deutsch Sprachkurs zum Sightseeing da. Wir redeten nur kurz und tauschen Nummern aus, um uns in Tokyo zu treffen. Dann fuhr ich weiter. Mein Knie begann nun so sehr zu schmerzen, dass ich beschloss nur mit rechts weiter zu treten. Ein Glück das ich die Klickies hatte, sonst wäre es da zuende gewesen! Es ging auch ganz gut. Nur Anfahren nach einem Halt und bergauf war problematisch. Wie ich so durch Kamakura fuhr, stellte ich fest, dass dies eine Wunderschöne Stadt ist, wo ich den ganzen Tag mit Sightseeing hätte verbringen können. Vor einem anderen Tempel sah ich noch ein japanisches Brautpaar in einer Rikscha, die wohl gerade von der Hochzeit kamen.



Das größte Gebäude Japans, welches in Yokohama steht, strich ich aus Zeit-, Wetter- und Beinproblem- Gründen von meiner Liste. Schon komisch. An diesem Tag war, abgesehen von dem großen Umweg am Vortag, der erste Tag an dem ich Probleme hatte. Trotzdem hatte ich immer noch Freude an meiner Tour. Langsam wurde die Strecke immer Urbaner. Umso näher ich Tokyo kam, umso mehr häuften sich die Ampeln. Diese entwickelten sich langsam zu einem richtigen Problem. Sie stehen alle 300 Meter. Sie schalten immer alle gleichzeitig. An vieren kam ich vorbei, dann musste ich warten. Als ich mal wieder volle (beziehungsweise halbe) Kraft rein trat, um eine schon gelbe Ampel noch mitzunehmen, trat ich auf einmal voll ins leere, so dass ich Mühe hatte mein Gleichgewicht zu halten. Meine Pedale hatte sich raus gedreht.



Die letzten Millimeter war sie sogar aus dem Gewinde raus gerissen! Trotz längerer, vorsichtiger Fummelei schaffte ich es nicht das Gewinde wieder zu treffen. So würgte ich sie am Ende mit Gewalt so weit es ging wieder rein.



Sehr ungern hatte ich dies getan, befürchtete ich doch, dass ich so die Pedalen kaputt machen würde. Zu meiner Erleichterung stellte beim Abbauen jedoch fest, dass nur das Gewinde in der Kurbel hinüber war. Da die Pedalen wohl aus härterem Metall waren, war deren Gewinde noch unbeschädigt. Dann musste ich Hide noch mal anrufen, dass es wohl doch eine Stunde später werden würde. Wegen Regen hielt ich auch noch zwei mal an. Es waren immer nur Huschen, die schnell wieder aufhörten. Den Weg zu finden war vorerst einfach. Immer geradeaus die große B15 bis ich im Zentrum am Tokyo Hauptbahnhof angekommen war.



Irgendwo in der Nähe musste mein Ziel Kodemmacho sein. - Aber wo genau? Kein Japaner konnte mir das sagen. Und auch von der großen Edo-Dori schien keiner je etwas gehört zu haben. Und eines hätte ich inzwischen schon gelernt haben sollen: Das es sehr heikel sein kann einen Japaner darum zu bitten einem etwas auf einer Karte zu zeigen. Weil ich nicht wusste wie man Kodemacho in Kanjis schreibt, und so auf der Karte selbst nicht suchen konnte, versuche ich es erst mit einem vermeintlichen Studenten und dann mit einem jungen Geschäftsmann, die mir recht gebildet ausschauten. Der Student gab zum Glück schnell zu, dass er mir nicht weiter helfen konnte. Aber der Geschäftsmann bemüht sich fast 15 Minuten vergeblich. Auch aus dem Index indem Staßen- und/oder Stadteile aufgelistet sein mussten wurde er nicht schlau. Gab es überhaupt so etwas wie eine Alphabetische Reihenfolge für Kanjis? Nachdem auch dieser besonders hilfsbereite Japaner aufgegeben hatte, kramte ich endlich doch noch die deutsche Karte ganz unten aus der Radtasche raus. Wieder musste ich alles ausräumen und es war inzwischen schon um vier. Mit Hilfe des Index fand ich es sofort. Überrascht stellte ich fest, dass ich nur ein Paar Blocks von meinem Ziel entfernt war. Warum kannte hier niemand die Edo Dori? Ich hatte fünf Leute nach ihr gefragt. Das ist war, als wenn man in Leipzig am Hauptbahnhof fragt, wo sich die Jahnallee befindet und keiner weiß es. - Egal. Ich beeilte mich – so schell es halt mit einem Bein ging. Die ganzen, letzten 40 Kilometer war ich nur mit rechts gefahren. Und wieder musste Hide eine Ewigkeit auf mich warten. Das ärgerte mich und macht mir ein sehr schlechtes Gewissen. Er rief mich nun noch mal an. Als ich dann bei ihm ankam wartete er unten schon auf mich mit einer vom Computer ausgedruckten Karte. Bis zum Jugendhotel waren es noch einmal fünf Kilometer. Aber die schaffe ich nun auch noch. Ich war am Ende meiner langen, schönen und interessanten Reise.