Hier möchte ich nun genauer beschreiben, was es mit dem sog. Asperger-Syndrom auf sich hat, da ich selber davon
betroffen bin. Dabei handelt es sich um eine Variante aus dem autistischen Spektrum. Die Ursachen sind nicht bekannt,
man kann aber soviel sagen, dass diese Störung angeboren ist und wahrscheinlich vererbbar ist. Das zeigt sich daran,
dass das Asperger-Syndrom in Familien gehäuft auftreten kann. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Auch ist
das Asperger-Syndrom bei Mädchen versteckter, sodass diese eher Gefahr laufen, mit ihrer Krankheit unentdeckt
und undiagnostiziert zu bleiben.
Jedoch fallen Menschen mit Asperger-Syndrom immer irgendwie auf und erleben sich selbst auch oft als "anders" oder nicht
zu dieser Menschheit gehörend, weshalb man das Asperger-Syndrom eher aus Spaß auch manchmal "Oops Wrong Planet Syndrom"
bezeichnet. (Keine Angst, ich bin kein Ausserirdischer *g*)
Hier unten habe ich zunächst mal eine Auflistung der typischen Symptome zusammengestellt:
Probleme mit sozialen Kontakten und Regeln
Menschen mit AS haben vor allem das Problem, dass sie unausgesprochene Regeln nicht verstehen oder ihnen das
"Zwischen den Zeilen lesen" extrem schwer fällt. Auch kann man Gestik und Mimik nicht oder nur schwer deuten.
Ein Beispiel von mir selbst wäre hier, dass ich während meiner Ausbildung nicht zwischen Humor und Ernst von meinem
Chef unterscheiden konnte, sodass es manchmal auch zu kleineren Missverständnissen kam.
Menschen
mit Asperger-Syndrom sind, wie zuvor schon beschrieben, auch in ihren sozialen Kontakten gehandycapt. Man lebt ruhig und
zurückgezogen, beschäftigt sich oft gerne allein und kann besonders mit größeren Gruppen nichts anfangen. Solche
Menschen treffen Freunde am liebsten unter vier Augen und haben auch kein Bedürfnis nach intensiven Kontakt. In großen
Gruppen, wo man viele Menschen um sich herum hat, fühlen sich Aspies oft überfordert und verlieren den Überblick über
die einzelnen Gespräche. Sie verhalten sich selber sehr zurückhaltend und wirken z. T. extrem schüchtern.
Sowas kann auch zu Problemen im Berufsleben führen, vor allem wenn man in einem Job arbeitet,
wo man viel mit Kunden zu tun hat. Mir wurde es in meiner Ausbildung z. B. zu viel, als ich in der Telefonzentrale
eingesetzt wurde. Von den vielen Anrufen war ich immer schnell überfordert und verlor immer wieder den Überblick über
die Tätigkeiten, die ich nebenbei ausübte.
Besonders in der Kindheit und Jugend hat man auch oft nicht das Bedürfnis danach, Freundschaften aufzubauen. Das entwickelt
sich meist erst in der Übergangsphase zum Erwachsen werden. Dann ist man aber oft nicht in der Lage dazu oder hat große
Probleme mit dem Finden von Freunden. Das führt oft zu Unausgeglichenheit oder sogar ernstzunehmenden Störungen wie
Depressionen.
Geräuschempfindlichkeit
Viele Autisten reagieren empfindlich auf Geräusche. Sie nehmen dabei z. B. Geräusche war oder hören Dinge heraus, wo anderen nichts auffällt. Z. B. kann ich es oft schon am Geräusch der Schritte erkennen, wer gerade ins Haus oder die Treppe hinauf kommt. Dazu kann auch Übersensiblität gegenüber Lärm oder plötzlichen unerwarteten Geräuschen gehören. Ich z. B. reagiere manchmal schreckhaft auf die Explosionen von Böllern, oder auf lautes Klimpern von Geschirr in Küchen. Besonders in meiner Kindheit war dies bei mir sehr ausgeprägt. Man konnte mit mir z. B. nie zu einer Veranstaltung gehen, wo ein Feuerwerk veranstaltet wurde, da ich sehr empfindlich auf das Knallen der Feuerwerkskörper reagierte und immer zu schreien anfing.
Motorik
Menschen mit Asperger-Syndrom sind in ihrer Motorik oft ungeschickt oder wirken unbeholfen. Dies äußerte sich bei
mir darin, dass ich in Geräteturnen oder bei Ballsportarten nicht sehr gut war,
da ich oft Probleme hatte, den Ball zu fangen oder sogar Angst vor Verletzungen durch
mögliche Sportunfälle hatte. Bei Manschaftssportarten war es bei mir immer so, dass ich als letzte Person gewählt wurde,
die zum Schluss noch übrig war.
Hobbys und Interessen
Autistische Menschen haben oft sehr ausgeprägte Interessengebiete, die sie sehr faszinieren und daher auch
Spezialinteressen genannt werden.
Der Betroffene verfügt in diesen Gebieten oft über enormes Wissen.
Meistens handelt es sich dabei um Interessen aus dem mathematischen und / oder
naturwissenschaftlichen Bereich, aber auch andere Gebiete sind möglich. Solche Menschen sprechen ständig
oder immer wieder über ihr
Interesse, egal ob es den anderen interessiert oder nicht. Auch vereinnahmen sie manchmal fast völlig die Zeit des
Autisten und können zu Isolation und Vereinsamung führen.
Bei mir zählen zu diesen Spezialinteressen, wie schon zuvor beschrieben, Astronomie und Meteorologie. Auch mit dem
besagten Spezialwissen trifft bei mir zu, dass mir schon einige Besucher meiner Homepage gesagt haben, dass ich enorm
über das Wetter bescheid weiss und in meiner früheren Schulklasse war ich als Wetterexperte bekannt. Auch neige ich
dazu, immer wieder anderen Leuten davon zu erzählen, sie soz. damit "vollzuquatschen", was ja auch zu den zuvor
beschriebenen Symptomen zählt. Habe
wahrscheinlich auch schon so manchen genervt, wo ich intensiv über den Tornado-Verdacht hier in Plön nachgeforscht habe
und dadurch sehr viele Fragen gestellt habe, um jedes Detail zu dem Ereignis zu erfahren ;)
Andersherum werde aber auch ich meistens gefragt, wenn jemand darüber bescheid
wissen will, wie das Wetter werden soll *g*.
Sprachentwicklung
Meistens sprechen Aspies ungewöhnlich früh erste Worte, monotone Sprechstimme, Probleme beim Einschätzen der eigenen Sprechlautstärke (mir wurde auch schon öfter gesagt, ich solle nicht so laut reden, wenn ich mich z. B. während einer Zugfahrt unterhalten habe)
Depressionen
Auch kommt es oft vor, dass Menschen mit AS eine verstärkte Neigung zu depressiven Phasen haben. Das liegt meist an ihren Problemem mit den sozialen Kontakten. Man sehnt sich nach Freundschaften und Zuneigung, ist aber aufgrund seines Handycaps kaum in der Lage dazu oder hat Schwierigkeiten, feste Freundschaften oder Beziehungen aufzubauen.
Wie ich persönlich mit dem Handycap umgehe und wie ich zur Diagnose kam
Es war schon in meiner frühen Kindheit, dass ich dadurch auffiel, dass
ich oft in mich verschlossen war und mich am liebsten alleine mit mir
selbst beschäftigte. Im Kindergarten gab es dann erste Probleme, dass
ich nicht mit anderen Kindern spielen wollte und diese auch mit mir
nicht zurecht kamen. In der Grundschule war ich gegenüber den anderen
oft zurückhaltend und im Unterricht teilweise sehr verträumt. In der
Realschule dann wurde es sehr deutlich, dass ich ein Einzelgängertyp
bin und hatte hier auch Probleme mit meinen Klassenkameraden, indem ich
oft gehänselt wurde. Von Seiten der Lehrer hieß es, dass ich mich mehr
mündlich beteiligen müsse, jedoch gut im Schriftlichen sei und dass ich
lernen muss, mehr aus mir herauszugehen. Im weiteren Verlauf meines
Lebens traten immer wieder Probleme in dieser Art auf und keiner konnte
sich recht erklären, warum ich mit bestimmten Dingen solche Probleme
habe oder wurde manchmal auch missverstanden. Für mich war es dann wie
ein glücklicher Zufall, als im Oktober 2005 ein Artikel über das
Asperger-Syndrom in der Zeitung stand. Ich fand mich in der
Beschreibung der dort genannten Probleme genau wieder und bei diversen
Selbsttests im Internet kam heraus, dass ich auch vom Asperger-Syndrom
betroffen bin. So suchte ich schließlich im Dezember 2005 einen Arzt
auf, der darauf spezialisiert ist. Dieser konnte dann offiziell die
Diagnose stellen.
Insgesamt war ich eher froh und erleichtert, als das Asperger-Syndrom bei mir offiziell bestätigt wurde. Das gute ist, dass ich
nun weiß, woran ich bin und warum ich so bin wie ich bin und woran ich arbeiten kann.
Natürlich ist es für mich manchmal auch belastend, weil ich
dies und das nicht kann oder mich mit Dingen sehr schwer tue, was andere ohne Probleme hinbekommen
und somit nicht alles haben und erreichen kann, was andere haben. Aber insgesamt stehe ich dazu, dass ich das
Asperger-Syndrom habe. Denn es kann auch seine Vorzüge haben und solche Menschen haben Eigenschaften, die man sonst nicht
bei jedem findet. Solche Menschen sind oft sehr ehrlich und zuverlässig. Auch haben
mir andere schon gesagt, dass ich das ganze nicht als Negativmerkmal an mir sehen soll, denn es heißt, ich habe
durch meine eher zurückhaltende, ehrliche und auch manchmal übervorsichtige Art etwas
sympatisches an mir, was man nicht bei jedem anderen Menschen vorfindet. Deshalb sehe ich das Asperger-Syndrom gar nicht
mal als eine Krankheit.
In diesem Zusammenhang nervt es mich manchmal schon ganz schön, wenn das Asperger-Syndrom immer wieder als Krankheit
dargestellt wird. Ich finde viel eher, dass man in bestimmten Punkten einfach nur anders ist als andere. Viel schlimmer
finde ich es, wenn ganze Massen meinen, sich nach bestimmten Normen richten oder dass sie alle gleich sein oder
wie ein bestimmtes Vorbild sein müssten. In diesem Zusammenhang denke ich immer an einen Spruch von Peter Altenberg:
"Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein - aber noch viel trauriger ist es, keine zu sein."
Weitere Infos über das Asperger-Syndrom findet ihr auch unter www.aspergia.de