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Feuerwerkstechnik

Auf dieser Seite möchte ich ein weiteres Interessengebiet von mir vorstellen. Besonders seit dem großen Feuerwerk zur Eröffnung der Fielmann-Akademie Schloss Plön interessiere ich mich vermehrt für Pyrotechnik und bin vor allem fasziniert von der Atmosphäre, die durch die vielen Formen und Farben und besonders durch ein Feuerwerk zusammen mit Musik entsteht. Ich sehe Feuerwerke oft als ein Symbol für eine (positive) Veränderung, wenn ein bestimmter Abschnitt im Leben abgeschlossen ist und dies gleichzeitig ein neuer Anfang ist. Dennoch sind Feuerwerke für mich auch in allen Lebenslagen immer wieder schön anzusehen und informiere mich deswegen oft im Internet, wann und wo das nächste größere Feuerwerk in meiner Umgebung stattfindet.

Ich möchte nun aber mal kurz beschreiben, wie ein Feuerwerk überhaupt erzeugt wird und welches "Prinzip" dahinter steckt. Ich möchte vorweg kurz sagen, dass ich kein Pyrotechniker bin und auch nicht vorhabe es zu werden, ich interessiere mich einfach rein hobbymäßig für die Funktionsweise von Feuerwerken.

Nun möchte ich kurz das Prinzip eines Feuerwerkes beschreiben: Die Chinesen und Inder waren vermutlich die ersten, die vor über 1000 Jahren durch Zufall das Schwarzpulver entdeckten und es außer für Feuerwaffen dazu verwendeten, um Feuerwerkskörper herzustellen und in den Himmel zu schießen. Auch heute noch bildet Schwarzpulver die Grundlage eines jeden Feuerwerkes. Nur Schwarzpulver allein würde jedoch ein ziemlich eintöniges Feuerwerk erzeugen. Für die vielen bunten Farben und Effekte sind verschiedene Chemikalien verantwortlich, die dem Schwarzpulver beigemischt werden z. B. Bariumcarbonat für grüne Leuchtsterne, Aluminium für brilliant silberne und funkelnde Leuchtsterne oder Kupfer für bläuliche Farben. Hier unten möchte ich nun kurz auflisten, welche Arten von Feuerwerkskörper hauptsächlich bei Großfeuerwerken verwendet werden.



Beschreibung des Feuerwerkskörpers
Effektbeispiel

Kugelbomben:
Dies sind die am häufigsten zum Einsatz kommenden Feuerwerkskörper bei Großfeuerwerken. Solche Bomben bestehen aus zwei zusammengeklebten Halbkugeln (meist aus starker Pappe, seltener Kunststoff), die im Inneren hauptsächlich mit Schwarzpulver gefüllt sind, welches als Zerlegerladung dient. Die Zerlegerladung bringt die Bombe hoch am Himmel zur Explosion und verteilt dabei gleichzeitig die Effekte gleichmäßig über den Himmel. Rund um die Zerlegerladung werden um die Innenseite der Bombenschale die Sterne in Form kleiner Kugeln aus gepresstem Schwarzpulver angeordnet, die mit bestimmten Chemikalien angereichert sind. Je nach Art der Bombe kann es sich um eine oder um mehrere Lagen von Sternen handeln, jeweils jede Lage mit Sternen einer anderen Farbe, wodurch wunderschöne Effekte wie Feuerblumen erzeugt werden können. Auch können bei bestimmten Sonderausführungen von Kugelbomben die Sterne speziell so angeordnet sein, dass bei der Explosion der Bombe verschiedene Formen wie Ringe, Smileys oder Herzen am Himmel erzeugt werden können. Kugelbomben steigen nicht durch einen Eigenantrieb wie bei Raketen auf, sondern werden aus stabilen Abschussrohren, sog. Mörsern, geschossen und steigen dann nur durch die Wucht des Abschusses auf. Dies ist ein ähnliches Prinzip wie bei einer Kanone. Während der Steigphase der Bombe brennt in ihrem Inneren ein Verzögerungszünder, der die Zerlegerladung im Inneren der Bombe zündet, wenn diese ihre maximale Steighöhe erreicht hat. Die Zerlegerladung zerreißt die Bombe und zündet außerdem die Sterne, die nun den Effekt am Himmel erzeugen und sich gleichmäßig vom Explosionszentrum weg am Himmel ausbreiten, bis sie verlöschen. Die Sterne können auch mehrere Lagen verschiedener Chemikalien enthalten, sodass die Sterne beim Abbrennen ggf. mehrmals die Farbe wechseln, bevor sie verlöschen.

Kugelbomben gibt es in verschiedenen Größen (Kaliber). Größere Bomben erzeugen entsprechend kraftvollere und größere Effekte als kleine Kaliber und haben auch eine größere Steighöhe. In Deutschland werden bei Großfeuerwerken meist Bomben mit einem Kaliber von 60 bis 250 mm, seltener 300 mm eingesetzt. In besonderen Fällen werden auch mal einzelne Bomben mit einem Kaliber von 400 mm geschossen.





Kugelbomben mit rotem Bukett

Zylinderbomben:
Zylinderbomben werden genau wie Kugelbomben aus Mörsern geschossen. Sind die Bomben sehr groß, werden meist Stahlrohre verwendet. Mehrschlag-Zylinderbomben enthalten mehrere übereinander geschichtete Zündsätze. Jeder Zündsatz stellt eine eigenständige einzelne Zylinderbombe mit je einem Verzögerungszünder dar, Die Bombenhülle ist zur Verstärkung mehrfach mit kräftigem Garn umwickelt. Beim Erreichen der maximalen Steighöhe zündet der Verzögerungszünder des ersten Schlages, welcher bei seiner Explosion wiederrum den Verzögerungszünder des nächsten Schlages aktivert usw.. Während die Bombe nun wieder herabfällt, zünden nacheinander alle Schläge durch. Der letzte Schlag ist meist mit einem Knallsatz gefüllt, welcher in relativ geringer Höhe zündet und einen kräftigen Schlussknall erzeugt. Zylinderbomben haben meist 3 bis 8 Schläge. Es wurden aber auch schon welche mit bis zu 15 Schlägen gezündet.


Zündung von Mehrschlag-Zylinderbomben während des Abschlussfeuerwerks der Kieler Woche (unten im Bild)

Batterien
Feuerwerksbatterien sind mehr oder weniger große Kisten, in denen zahlreiche relativ kleinkalibrige Papprohre angeordnet und komplett mit einer Zündschnur miteinander verleitet sind. Wenn die Zündschnur gezündet wurde, zündet sie beim Durchlauf alle Rohre nacheinander in schneller Folge. Die Rohre in den Batterien sind vergleichbar mit den Mörsern von Kugelbomben, nur dass sie meist deutlich kleiner sind. Die Rohre sind mit einer Ausstoßladung aus Schwarzpulver und jeweils einem Effektkörper, meist einer sog. Bombette, gefüllt. Nach dem Abschuss steigt die Bombette nach dem gleichen Prinzip wie bei einer Kugelbombe auf. Im Inneren der Bombette sind Leuchtsterne ungeordnet mit einer Zerlegerladung vermischt. Ein Verzögerungszünder zündet die Zerlegerladung der Bombette, wenn diese sich hoch in der Luft befindet. Die Zerlegerladung zündet zugleich die Sterne und treibt sie am Himmel auseinander. Außer mit einem Leuchteffekt kann eine Bombette auch nur mit einem Knallsatz gefüllt sein. Eine Batterie kann aus bis zu 1000 Abschussrohren bestehen. Außer bei Großfeuerwerken werden kleinere Batterien heutzutage auch immer häufiger bei Silvesterfeuerwerken von Privatpersonen gezündet. Bei dem Video von meinem Silvesterfeuerwerk 2008/2009 auf meiner Videoseite handelt es sich ebenfalls um solche Batteriefeuerwerke.



Bild eines Batteriefeuerwerkes

Raketen
Raketen werden seltener bei Großfeuerwerken, am häufigsten jedoch immer noch beim Silvesterfeuerwerk gezündet. Eine Rakete besteht im unteren Teil aus einem mit Schwarzpulver gefüllten Treibsatz, der die Rakete nach der Zündung nach dem Rückstoßprinzip in die Höhe befördert. Oberhalb dieses Treibers befinden sich im Raketenkopf die Leuchtsterne. Wenn am Ende der Steigphase der Rakete der Treibsatz bis nach oben zum Raketenkopf durchgebrannt ist, werden die dort befindlichen Leuchtsterne gezündet und aus der Rakete ausgestoßen. Die Effekte werden nur mit relativ geringer Wucht aus der Rakete "ausgeschüttet". Es gibt allerdings auch Raketen, die außer den Sternen auch eine Zerlegerladung enthalten und die dann mit kräftigem Knall explodieren und die Sterne regelrecht ausschleudern. Sog. Bombenraketen enthalten im Raketenkopf eine kleine Bombette oder Kugelbombe, die nach der Zündung des Raketenkopfes aus der Rakete gestoßen wird und unmittelbar darauf am Himmel explodiert.



Zündung einer Bombenrakete an Silvester


Außer diesen wichtigsten Arten von Feuerwerkskörpern gibt es noch die sog. römischen Lichter, Feuertöpfe oder die Silvester meist beliebten Chinaböller.


Hier gibt es nun noch eine kurze Beschreibung zur rechtlichen Einteilung von Feuerwerkskörpern nach Klassen:

Klasse 1 (Kleinstfeuerwerk):
Diese Feuerwerkskörper dürfen das ganze Jahr über auch an Personen unter 18 Jahren verkauft werden. Feuerwerkskörper der Klasse 1 dürfen maximal 3 Gramm Satzmenge enthalten. Bei diesen Feuerwerkskörpern handelt es sich meist um Bodenkreisel, Wunderkerzen oder Knallerbsen.

Klasse 2 (Kleinfeuerwerk):
Hierunter ist vor allem das Silvesterfeuerwerk bekannt. Diese Feuerwerkskörper dürfen nur an den letzten drei Werktagen vor Neujahr an Personen ab 18. Jahren verkauft und generell nur am 31. Dezember ab 18 Uhr bis zum 01. Januar 1:00 Uhr von diesen Personen gezündet werden. Wer während des Jahres ein Feuerwerk dieser Klasse abbrennen will, muss eine Genehmigung vom Ordnungsamt erhalten. Die maximale Satzmenge darf bei Feuerwerkskörpern der Klasse 2 bei 50 Gramm z. B. in Raketen und max. 200 Gramm in zusammengesetzten Gegenständen, z. B. Batterien, betragen.

Klasse 3 (Mittelfeuerwerk):
Diese Feuerwerke dürfen nur von ausgebildeten Pyrotechnikern abgebrannt werden. Im Gegensatz zu Feuerwerken der Klasse 4 ist die zulässige Satzmenge der Feuerwerkskörper jedoch begrenzt. In Bezug auf den Sicherheitsabstand, Vorraussetzungen des Abbrennplatzes usw., sind die Bestimmungen hier jedoch etwas weniger streng als bei Feuerwerkskörpern der Klasse 4.

Klasse 4 (Großfeuerwerk):
Diese Feuerwerke dürfen nur von ausgebildeten Pyrotechnikern abgebrannt werden. Insgesamt ähnlich wie bei Klasse 3. Die Feuerwerkskörper sind jedoch in ihrer zulässigen Satzmenge unbegrenzt und benötigen keine BAM-Zulassung im Gegensatz zu Feuerwerkskörpern der Klassen 1 bis 3. Dennoch sind bei Herstellung und Einsatz dieser Feuerwerkskörper strenge Sicherheitsvorschriften einzuhalten. Die Feuerwerkskörper dieser Klasse sind die größten, ausschließlich für Großfeuerwerke konzipierten Feuerwerkskörper. Dazu zählen Kugel- und Zylinderbomben, Batterien und große Raketen.


Ich hoffe, an dieser Stelle eine leicht verständliche Einführung in die Feuerwerkstechnik für alle Interessierten gegeben zu haben. Wenn ihr euch näher für die Pyrotechnik interessiert und umfangreiche Infos darüber sucht, dann schaut doch auch mal auf www.feuerwerk.net vorbei.



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