Zurück zur Homepage

Hurrikane

Extremer Regen, unglaublich hohe Wellen und kaum vorstellbare Windstärken - nichts kann sich mit der zerstörerischen Kraft eines Hurrikans messen. In Australien nennt man sie Zyklon, in Südostasien Taifun - es sind alles tropische Wirbelstürme, die über dem warmen Wasser der tropischen Ozeane entstehen. Die besten Bedingungen für ihre Enstehung herrschen zwischen 5° und 15° geographischer Breite, also etwas vom Äquator entfernt. Dort ist die Corioliskraft bereits stark genug, die Wirbelstürme in eine Drehbewegung zu versetzen und die Wassertemperatur von 26°C oder mehr wird dort erreicht. Nach ihrem Entstehen können sie Tage- ja wochenlang überleben, bevor sie Richtung Pol über kühlere Gewässer oder mit verheerenden Auswirkungen über Land ziehen. Jedes Jahr entwickeln sich ca. 80 Hurrikans, Taifune und Zyklonen, davon ca. 20 bei Südost- oder Südasien und 10 bis 15 an den Küsten Amerikas. Die Hurrikansaison dauert auf der Nordhalbkugel von Juni bis November, auf der Südhalbkugel von November bis Mai. Im Nordwestpazifik treten solche tropischen Wirbelstürme auch das ganze Jahr über auf.


Die Saffir-Simpson Skala

In Amerika wird die Intensität eines Hurrikans durch seine maximalen Dauerwindgeschwindigkeiten in einer 5-stufigen Skala angegeben. Die seltenen Stürme der Kategorie 5, wie z. B. der Hurrikan Andrew, der die Küste von Florida und die Südstaaten an der Golfküste im Jahr 1992 mit katastrophalen Auswirkungen traf, sind die stärksten. Stürme ab der Kategorie 3 - das sind mittlere Windgeschwindigkeiten von über 177 km/h - werden als Major Hurricane (starker Hurrikan) bezeichnet. Sie erreichen diese Stärken unter günstigen Bedingungen, d. h. sehr hohe Wassertemperaturen, kein Land in der Nähe, günstige Höhenwinde usw..


Die Saffir-Simpson Skala
Kategorie Windgeschw. in km/h Sturmflut in m Zerstörungsintensität
1 118 bis 152 1,2 bis 1,6 gering
2 153 bis 176 1,7 bis 2,6 mäßig
3 177 bis 209 2,6 bis 3,7 großräumige Verwüstungen
4 210 bis 249 3,8 bis 5,4 extreme Zerstörungen
5 über 249 > 5,4 katastrophal, totale Zerstörung.


Die Entstehung eines Hurrikans

In einer stillen Region in der Nähe des Äquators, der sog. innertropischen Konvergenzzone, strömen die feuchten Luftbänder, die von den Passatwinden dicht über der Meeresoberfläche angetrieben werden, beständig zusammen. Treffen zwei dieser Luftbänder aus unterschiedlichen Richtungen zusammen, beginnen sie, sich zu vermischen. Wenn die Luft über das warme Wasser in der Nähe des Äquators strömt, wird sie durch den aus dem Ozean aufsteigenden Wasserdampf warm und sehr feucht. Auf diese Weise zwischen zwei gegeneinander drückenden Strömungssystemen gefangen, kann die Luft nur nach oben ausweichen. Die Luft dehnt sich dabei aus und kühlt ab, wodurch es zu Kondensationsprozessen kommt und Wolken entstehen. Durch die Kondensationsenergie wird Wärme freigesetzt, die dafür sorgt, dass sich die Luft in Bodennähe ausdehnt und aufsteigt. Während sich immer mehr Wolken bilden, entwickeln sich Gewitter. Die Höhenwinde entscheiden nun, ob aus einer solchen tropischen Störung ein Tief wird oder sie sich einfach auflöst. Wenn Boden- und Höhenwinde aus unterschiedlichen Richtungen oder mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten wehen (starke vertikale Windscherung), zerfällt der junge Gewittersturm, bevor er eine Chance hat, sich weiterzuentwickeln. Sind diese Windschichten gleichförmig, steigt die Luft jedoch ungehindert auf, kondensiert und setzt noch mehr Wärme frei. Dadurch wird auch die Luft in der Höhe erwärmt, die sich ausdehnt und sich dann von den entstehenden Gewittertürmen nach außen fortbewegt. Dadurch wird noch mehr warme und feuchte Luft von unten angesogen, wodurch sich der ganze Kreislauf selbst verstärkt. Nun ist ein tropisches Tief entstanden.

Damit sich ein solches tropisches Tief zu etwas schlimmeren entwickeln kann, stellt die Natur einige Mindestanforderungen: Das Meer muss eine Oberflächentemperatur von mindestens 26 °C haben und bis in ca. 70 m Tiefe warm sein. Diese angestaute Energie ist notwendig, um das entstehende Monster am Leben zu erhalten, das soviel Energie erzeugen kann, um die gesamten USA ein halbes Jahr lang mit Strom zu versorgen. Nach jüngsten Beobachtungen scheint sich aber zunehmend die Erkenntnis durchzusetzen, dass unter besonderen Bedingungen auch bei geringeren Wassertemperaturen von nur knapp über 20 °C tropische Stürme und Hurrikane entstehen können. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sich ein außertropisches Tiefdruckgebiet zu einem System mit tropischen Eigenschaften umwandelt. Jüngstes Beispiel hierfür ist der Hurrikan Epsilon Anfang Dezember 2005.

Dass aus einer solchen Zusammenballung von Gewitterstürmen ein Hurrikan werden kann, hat seinen Grund auch in der Drehung der Erde. Ab etwa 5° nördlich oder südlich vom Äquator ist die Corioliskraft stark genug, um die Gruppe der sich bildenden Gewitterstürme in Rotation zu versetzen. Die Winde werden zum Zentrum hin immer schneller und es bilden sich spiralförmige Regenbänder um das Zentrum aus. Wenn die Winde immer schneller werden, bildet sich durch absinkende Luftbewegungen in der Mitte schließlich ein wolkenarmer und fast windstiller Bereich, das sog. Auge, aus. Die höchsten Windgeschwindigkeiten des Sturms treten im Bereich der Augenwand, einem Ring aus gewaltigen Gewitterstürmen rund um das Auge, auf. Ist die durchschnittliche Windgeschwindigkeit in diesem Bereich auf mindestens 118 km/h angewachsen, spricht man von einem Hurrikan.



Die Grafik unten zeigt den Aufbau eines Hurrikans.

Auswirkungen eines Hurrikans

Hurrikans gehören zu den Naturphänomenen mit dem größten Zerstörungspotenzial. Der Wind dieser mächtigen Systeme kann in Böen bis über 300 km/h stark werden. Obwohl Tornados noch höhere Windgeschwindigkeiten erreichen können, dauern sie selten länger als wenige Stunden. Im Gegensatz dazu kann ein Hurrikan eine Lebensdauer von mehreren Wochen haben. Zerstörungen durch Hurrikans sind schon vor tausenden von Jahren aufgezeichnet worden. Wütende Stürme und berghohe Wellen versenkten ganze Flotten und zerstörten Städte. Die Schäden von Hurrikans reichen von nur relativ geringen Auswirkungen bis hin zur totalen Zerstörung. Die größten Verwüstungen entstehen gewöhnlich durch Flutwellen, die der Sturm vor sich herschiebt. Wenn er dann die Küste erreicht, führt dies dort zu einem sprunghaften Anstieg des Meeresspiegels. Die Höhe und damit auch der mögliche Schaden durch die Sturmflut hängt von der Neigung des Meeresbodens entlang der Küste ab.

Wenn Hurrikans ins Landesinnere vordringen oder über kühlere Gewässer ziehen, geht ihnen regelrecht der Treibstoff aus. Der Mangel an Wärme und Feuchtigkeit bedeutet, dass weniger Gewitterstürme entstehen können und die Temperatur an der Spitze des Systems sinkt. Dadurch wird gewissermaßen ein Deckel auf den Sturm gelegt - die Luft dehnt sich nicht mehr aus und bewegt sich nicht länger von der Spitze nach außen, sodass auch vom Boden keine Luft mehr nachströmt. Dadurch flauen die Winde ab und der Hurrikan wird zu einem tropischen Sturm und später zu einem tropischen Tief. Er kann so auf seiner weiteren Zugbahn bis weit nach Norden und schließlich über den Nordatlantik weiterziehen und sich dabei zu einem außertropischen Sturmtief der mittleren Breiten umwandeln. Ein solches Tiefdruckgebiet kann auch bis nach Mitteleuropa gelangen und hier das Wetter mit Regen und kräftigen Winden beeinflussen.


Überwachung von Hurrikans

Spezielle Warnzentralen der nationalen Wetterdienste für Hurrikans achten überall auf der Erde rund um die Uhr auf die ersten Anzeichen eines sich entwickelnden tropischen Wirbelsturmes. Dafür wird jede erdenktliche Technologie genutzt, angefangen von Wettersatelliten, speziell verstärkten Hurrikan-Überwachungsflugzeugen bis hin zu Wetterradar, Wetterschiffen, driftenden Bojen und automatischen Wetterstationen auf entlegenen Inseln. Ist ein Hurrikan erkannt, werden regelmäßig und präzise Anweisungen und Warnungen sofort weltweit verbreitet. Die Hinweise werden mit allen erdenklichen Kommunikationsmitteln an bedrohte Staaten und Schiffe, die sich auf See befinden, verschickt. Aktuelle Hurrikan-Warnungen könnt ihr auch auf der Seite des nationalen Hurricane-Centers in Miami nachlesen.



Weitere umfangreiche Informationen findet ihr auch auf der Hurrikanseite von Thomas Sävert.

Zurück zur Homepage

Sitemap