Tornados treten als Begleiterscheinungen schwerster Unwetter auf, die man als Superzellen bezeichnet. Sie sind gekennzeichnet durch extrem heftige Aufwinde, die manchmal die Obergrenze der Gewitterwolke durchbrechen und dem klassisch abgeflachten Gewitteramboß noch eine Ausbauchung nach oben aufsetzen ("Overshooting-Top"). Da die Windgeschwindigkeit mit der Höhe bei gleichzeitiger Änderung der Windrichtung sehr stark zunimmt - ein Vorgang, der als Windscherung bezeichnet wird - gerät die Aufwindströmung im Unwetterzentrum in die typische extrem starke Rotationsbewegung, aus der heraus der Tornado seine in alle Richtungen wütenden und zerstörenden Kräfte schöpft. Seine Gewalt unterstreicht er durch das ihn begleitende ohrenbetäubende und kilometerweit vernehmbare Gebrüll und Gefauche, das am lautesten ist, wenn sein Rüssel gerade den Boden erreicht.
Die Windgeschwindigkeiten in einem Tornado sind so hoch, dass man sie nicht direkt messen kann, da selbst robuste Messgeräte im Tornadorüssel zu Bruch gehen. Man hat aber mittels Dopplerradar-Messungen die Windgeschwindigkeiten in sehr starken Tornados auf über 500 km/h schätzen können. Ein Maß für die Stärke eines Tornados gibt die sog. Fujita-Skala:
| Fujita-Skala für Tornados | |||
| Stärke | Windgeschw. in km/h | Bezeichnung | Auswirkungen |
| F0 | 65 bis 115 | leicht | Kleinere Schäden an Häusern und Dächern, Äste werden abgerissen |
| F1 | 116 bis 180 | moderat | Dächer werden teilweise abgedeckt, kleinere Bäume entwurzelt. |
| F2 | 181 bis 252 | beträchtlich | Ganze Dächer werden abgedeckt, Bäume entwurzelt und Fahrzeuge umgeworfen |
| F3 | 253 bis 331 | schwer | Schwere Verwüstungen, Aussenwände brechen zusammen. |
| F4 | 332 bis 418 | verheerend | Häuser werden zerstört, schwere Gegenstände und Autos durch die Luft geschleudert. |
| F5 | 419 bis 511 | unglaublich | Totale Zerstörung, Häuser und Geröll werden fortgeblasen. |
Genaueres über den Tornado
Die Fujita-Skala klassifiziert die Stärke eines Tornados mit Hilfe der Verwüstungen, die er hinterlässt. Zieht ein Tornado der Stärke F5 über ein bewohntes Gebiet hinweg, verursacht er dort meist einen Totalschaden und lässt nichts mehr stehen, was nicht niet- und nagelfest ist. Die Stärkeskala geht auf Theodor Fujita (1920 - 1998), Professor für Meterologie an der Universität von Chicago, zurück. Die hoch reichenden Wirbelwinde verursachen den meisten Schaden bei einem Tornado, allerdings entstehen auch Zerstörungen durch extrem starke Luftdruckänderungen. So können Häuser im Tornado regelrecht explodieren, wenn der Druck im Gebäude höher ist als im Tornado.
Tornados sind nur schwer vorherzusagen, da man sie auf Satelliten- oder Radarbildern kaum erkennen kann. Der typischste Hinweis auf einen Tornado ist ein sog. "Hook-Echo", d.h. auf dem Radarbild zeigt sich die Form eines Hakens, der aus dem Zentrum des Unwetters herausragt. Dort wo der Haken zu sehen ist, bildet sich stets der Tornado. Viele Tornados treten jedoch auch auf, ohne das auf dem Radarbild ein Hakenecho zu sehen ist. Allgemein gibt man Warnungen heraus, wenn allein die Wetterbedingungen die Entstehung von Tornados begünstigen.
Auch wenn die meisten und vor allem starken Tornados aus Superzellen hervorgehen, können sie sich aber auch bei jeder Art von konvektiven Luftbewegungen in Schauer- und Gewitterwolken entwickeln. Bei uns in Deutschland entstehen z. B. die meisten Tornados nicht unbedingt aus Superzellen, sondern bilden sich oft in Bereich von kräftigen Schauern oder an Kaltfronten. So können sich auch Tornados im Bereich einer Böenfront entwickeln, vor allem dadurch, wenn sich am Boden durch die turbulenten Luftbewegungen Verwirbelungen ("Gustnado") bilden. Wenn ein solchen Wirbel Kontakt zu den Aufwinden im Bereich der Wolken bekommt, kann er zu einem Tornado werden.
Die meisten und stärksten Tornados treten in den USA auf, jährlich bis zu 1200. Sie entstehen, wenn vom Golf von Mexiko her feuchtwarme Luft nach Norden strömt. Gleichzeitig fließt von den Rocky-Mountains trocken-kalte Luft nach Südosten und legt sich über die Warmluft. Die Warmluft steigt normalerweise wie ein Ballon auf, kühlt sich dabei ab und es kommt zu Kondensationsprozessen. So bilden sich bei einer solchen Wetterlage enge Aufwindschlote, in denen sich bei entsprechender Labilität der Atmosphäre schwere Gewitter oder Superzellen entwickeln. Wenn nun in der Höhe ein Seitenwind dazukommt, der die aufsteigende Warmluft seitlich ablenkt, beginnt sich diese mit Geschwindigkeiten von bis zu 500 km/h um die eigene Achse zu drehen. Durch den schnellen Druckabfall kondensiert die hochwirbelnde Luft in Bodennähe, sodass schließlich der Tornadorüssel sichtbar wird. Aktuelle Tornadowarnungen könnt ihr auch auf der Seite des Storm Prediction Center (SPC) nachlesen.
Bei uns in Mitteleuropa verhindern normalerweise die Alpen, dass so extrem feucht-warme Luftmassen auf direktem Wege zu uns gelangen können. Unter besonderen Bedingungen können aber auch hier Tornados auftreten, jährlich etwa 20 bis 30 im Durchschnitt. Die Dunkelziffer dürfte aber noch weitaus höher liegen. Wenn auch nicht so oft wie in den USA kommt es auch in Deutschland mehrmals im Jahr vor, dass Tornados größere Schäden anrichten. So wurde das Dorf Micheln in Sachsen-Anhalt am 23. Juni 2004 von einem Tornado der Stärke F3 schwer verwüstet oder im Jahr 1973 kam es in Kiel durch einen ebenso starken Tornado zu schweren Schäden. Der Begriff "Windhose" oder "Mini-Tornado", der bei uns oft verwendet wird, ist nicht ganz richtig. Im Grunde genommen gibt es bei den Tornados in Deutschland keinen Unterschied zu denen aus Amerika, nur dass sie hier seltener auftreten. Mehr zu den Tornados in Deutschland auch in der Tornadoliste von Thomas Sävert .
Computergenerierte Grafiken von Tornados, wie man sie in diesem Ausmaß meist aus den USA kennt. So soll das Bild von dem sehr breiten Trichter den Eindruck vermitteln, wie ein Tornado der Stärke F5 aussehen könnte. Solche Monster treten in den USA etwa ein mal pro Jahr auf, in Deutschland sind sie dagegen ein Jahrhundertereignis, was ja aber bedeutet, dass auch hier solche Tornados der höchsten Stufe nicht unmöglich sind.
Die Grafik unten zeigt noch einmal den Aufbau einer Superzelle, die zu den verlässlichsten Tornadoproduzenten zählt und oft auch mit anderen heftigen Wettererscheinungen wie Hagel, Starkregen und Sturm verbunden ist.