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Bericht einer Familie Ute Ludwig berichtet: Unsere Tochter erkrankte 1999 an einem pilozytischen Astrozytom am Hirnstamm. Obwohl unsere Tochter
eine gute Krankheitsprognose erhalten hat, waren die letzten Jahre durch viele Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Im Zusammenhang mit meiner Kalenderaktion zu Gunsten der deutschen Hirntumorhilfe ist unten
genannter Artikel in unserer Regionalzeitung, der Märkischen Oderzeitung, zur Familiensituation erschienen. Von Daniela Windolff, Märkische Oderzeitung ( 06.Oktober 2006 )
Angermünde (MOZ) Es ist der Alptraum jeder Mutter: das geliebte Kind ist sterbenskrank und die Eltern fühlen sich ohnmächtig, verzweifelt und müssen doch stark sein, müssen Zuversicht geben, obwohl ihre
Hoffnungen zu zerplatzen drohen. Ute und Andreas Ludwig sind durch diese Hölle gegangen und haben in all ihrem Schmerz die Kraft gefunden, anderen zu helfen.
Ihre Tochter erkrankte im Alter von 15 Jahren an einem gefährlichen Hirntumor. Heute engagiert sich Ute Ludwig für die Deutsche Hirntumorhilfe, gibt ihre Erfahrungen in einer Selbsthilfegruppe
weiter und sammelt mit einem selbstgestalteten Fotokalender Spenden für die Hirntumorhilfe. Nichts ist mehr, wie es war. Sätze verändern ihre Bedeutung, alltägliche Ärgernisse verlieren ihre
Wichtigkeit, kleine Begebenheiten wachsen zu großen Glücksmomenten. "Das wird schon wieder." Wie oft hat Ute Ludwig diese als Aufmunterung gedachte Bemerkung gehört.
Wie oft hat sie gehadert: nein, es wird nicht wieder! Seit dem 22. Mai 1999. Dieser Tag veränderte das Leben der Familie. "Unsere Tochter hatte häufig Beschwerden, für die wir keine Erklärung
fanden, Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen. Aber sie sagte lange nichts, klagte nicht", erinnert sich Ute Ludwig. Nach vielen Arztbesuchen fand das Rätsel dann jähe Aufklärung. Bei der damals erst
15 Jahre alten Christiane wurde ein Hirntumor entdeckt, so groß wie ein Tischtennisball, ganz zentral gelegen. Von einer Sekunde zur anderen stürzte eine Welt zusammen. Das Mädchen weinte. Die
Eltern waren fassungslos. "Man kann gar nicht mehr klar denken, funktioniert nur noch. Es ist die Hölle", erinnert sich die Mutter. Die folgenden Wochen erlebte die Familie wie im Trance voller
Angst, Zweifel, Hoffnung und emsigem Aktionismus. Ute Ludwig wälzte Bücher, recherchierte im Internet, wollte alles wissen über diese heimtückische Krankheit, verbrachte Tage und Nächte bei ihrer Tochter im
Krankenhaus, kämpfte gegen die Verzweiflung und für ihr Kind. Sie fand einen Spezialisten, der solch komplizierte Operationen durchführen konnte. Im Berliner Gertraudenkrankenhaus wurde Christiane
schließlich von Professor Vogel zehn Stunden lang operiert. Der Tumor konnte ganz entfernt werden. Doch aufatmen konnte die Familie noch lange nicht. Christianes Zustand verschlechterte sich rapide, das
Gehirnwasser konnte nicht abfließen, weil der Zugang verschlossen war. Ein künstliches Ventil musste am Kopf gelegt werden, um den Gehirndruck auszugleichen. Dazu entwickelte sich bei dem Mädchen eine sehr
seltene Form der Diabetes. Ute Ludwig ringt noch heute um Fassung, wenn sie von den dramatischen Ereignissen erzählt. Die Begleitung ihrer Tochter zur anschließenden Rehakur musste sich die Mutter mit
Unterstützung der behandelnden Stationsärztin hart erkämpfen. Christiane hatte kein Kurzzeitgedächtnis mehr und brauchte Hilfe. "Meine Tochter ist als Kind ins Krankenhaus gegangen und als Erwachsene
wiedergekommen", erzählt Ute Ludwig leise. Nicht nur seelisch hat sich das junge Mädchen verändert, auch körperlich durch die Cortisonbehandlungen. Ab November konnte Christina
wieder stundenweise in die Schule gehen. Ihre Mitschüler erkannten sie kaum wieder. Sie wiederholte die 9. Klasse im Gymnasium. Doch die Krankheit hatte Spuren hinterlassen. "Christiane litt still, war
immer müde und erschöpft. Sie gab alles auf, was ihr lieb war. Sie konnte kein Buch mehr lesen, nicht mehr Keybord spielen", erinnert sich Ute Ludwig. In der 12. Klasse musste sie aufhören, bekam einen
Reha-Ausbildungsplatz, 900 Kilometer von Angermünde entfernt in Bitburg, lernte eineinhalb Jahre, schaffte eine gute Zwischenprüfung trotz vieler Fehlstunden durch die Krankheit. Dennoch wurde die Ausbildung
abgebrochen. "Christiane hat noch immer große Beschwerden, ist nicht sehr belastbar, klagt aber nicht. Deshalb wurde ihr oft nicht geglaubt, wenn sie krank war und fehlte. Einen gebrochenen Fuß sieht
jeder, einen kranken Kopf nicht", sagt Ute Ludwig. Weit weg von zu Hause konnte die Mutter nicht viel ausrichten. "Ich musste lernen, loszulassen und merkte dann erst, wie sehr ich
selbst unter Strom stand und erschöpft war." Nach Angermünde wollte Christiane nicht zurück. "Sie hat sich in Bitburg eingelebt und wird dort hervorragend fachärztlich betreut. Das ist
hier viel schwieriger. Nachsorge gibt es hier kaum", erzählt Ute Ludwig. Das ehrgeizige Mädchen meldete sich in Bitburg erneut fürs Gymnasium an und wurde angenommen - als 21-Jährige.
"Sie will unbedingt das Abitur schaffen und später mal Biologie und Chemie studieren, um vielleicht in der Medizin zu arbeiten", erzählt Ute Ludwig. Auch Zukunftspläne haben eine andere Bedeutung
bekommen. "Ein Schuljahr hat sie gepackt, mit einem Notendurchschnitt von 2,6 trotz 222 Fehlstunden. Wir können endlich mal aufatmen. Die Lichtblicke werden größer", freut sich Ute
Ludwig und ist stolz auf ihre kämpferische Tochter, die die Krankheit zerbrechlich und stark zugleich gemacht hat. Stark geworden ist auch die Familie. "Wir sind zusammengerückt. Man merkt auf einmal,
wie viel unwichtiger Ballast einen im Alltag beschäftigt, über welche unnützen Dinge man sich aufregt, wieviel Zeit man verschwendet und wie oft man die kleinen Glücksmomente des Lebens übersieht", sagt
Ute Ludwig. Durchs schwarze Tal mussten sie allein gehen, doch sie haben viel Hilfe erfahren. "Ohne meine Eltern, die immer für uns da waren, und meine Kollegen in der Adler-Apotheke hätte
ich das gar nicht überstanden, sie haben zu mir gehalten, mit mir gelitten, meine Arbeit mit gemacht, wenn ich fehlte", erzählt Ute Ludwig. Ganz große Unterstützung hat sie auch bei der Deutschen
Hirntumorhilfe erfahren, sich selbst dort in der Selbsthilfegruppe Berlin/Brandenburg engagiert. "Man trifft andere Betroffene, kann sich austauschen. Man dürstet danach, sich seinen Kummer von der
Seele zu reden und verstanden zu werden, wertvolles Wissen mit anderen zu teilen. Und man sieht viel Leid und erkennt, welch Riesenglück wir dennoch hatten", erklärt Ute Ludwig. Sie ist dankbar.
Dankbar, dass sie Hilfe erfuhr, dankbar, dass sie Kraft und Zuversicht schöpfen konnte, dankbar, dass Christiane lebt. Nun will sie etwas zurückgeben, sich revanchieren. Die leidenschaftliche
Hobbyfotografin hat einen Kalender gestaltet, dessen Erlös sie für die Deutsche Hirntumorhilfe spendet. "Die Idee dazu enstand eher zufällig. Ich hatte einen Kalender für Freunde und Verwandte als
Weihnachtsgeschenk gestaltet, der viel Anklang fand. Meine Fotos waren der Ausgleich für die großen seelischen und körperlichen Belastungen, meine Sprache, damit umzugehen. Wir kamen ins Gespräch. So wurde
die Idee geboren, diesen Kalender zu vervielfältigen und für einen guten Zweck zu verkaufen". Im vergangenen Jahr verkaufte Ute Ludwig die ersten Kalender bei Bekannten und auf dem Gänsemarkt.
Inzwischen ist der neue Kalender fertig mit eindrucksvollen Fotografien und Sprüchen, die Ute Ludwig aus der Seele sprechen. Unterstützung findet sie bei vielen Angermünder Händlern, die ihren Kalender
anbieten und auch selbst kaufen. In 13 Geschäften ist der Kalender erhältlich, der 8,50 Euro kostet. Die Firma Pegasus übernimmt die Herstellung und berechnet nur die reinen Materialkosten, so dass von jedem
verkauften Kalender drei Euro gestiftet werden können. Auch über die Homepage der Selbsthilfegruppe wird die Kalenderaktion bekannt gemacht. "Ich habe schon viele Anfragen aus der Uckermark, Berlin,
sogar aus österreich", erzählt Ute Ludwig. "Firmen können auch ihr Logo einfügen lassen." 91 Kalender für 2007 hat sie bereits verkauft. "Ich will auf diese Weise auch anderen
Betroffenen Mut machen. Und jeder, der den Kalender kauft, unterstützt die Hirntumorhilfe, die Menschen nach so einer schrecklichen Diagnose zur Seite steht ", sagt Ute Ludwig.
Ein Spruch aus ihrem Kalender: "Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung." |