Brompton Faltrad
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Das ist das Fahrrad, mit dem ich hauptsächlich herumfahre - ein
Faltrad von Brompton.
Ein Faltrad hat wenig gemeinsam mit seinen Vorfahren, den wackeligen
Klapprädern der 70er Jahre. Moderne Falträder fahren sich gut, lassen
sich schnell falten und sind relativ leicht. Ich brauche nirgends einen
Parkplatz zu suchen, kann aber längere Strecken per Bus und Bahn
überbrücken - wenn das Rad zusammengefaltet ist, dann kostet
die Mitnahme nichts, und es gibt auch keine Sperrzeiten. Ein Faltrad
findet in jeder Wohnung einen Platz, so daß es trocken und sicher steht. Fahrraddiebstahl und Vandalismus sind kein Thema mehr.
Der Faltvorgang
Das ist das Faltrad ungefaltet.
Jetzt hebt man den Hinterbau an.
Der Hinterbau wird untergeklappt.
Das Rahmenscharnier wird gelöst und das Vorderrad seitlich angeklappt. Es hält sich dank des Hakens auf der linken Vorderradseite von selbst auf dem Hinterbau.
Das Scharnier am Vorbau wird gelöst und der Vorbau schräg nach vorne weggeklappt. Er rastet in den Gegenhalter an der Gabel ein. Das Faltpedal wird hochgeklappt.
Die Klemmung der Sattelstütze wird gelöst und die Sattelstütze eingefahren. Fertig!
Ich könnte auch die Teleskopsattelstütze jetzt noch einfahren,
wenn es auf den letzten Zentimeter ankäme, aber das spare
ich mir normalerweise.
Auseinanderfalten geht dann in umgedrehter Reihenfolge.
Der Faltvorgang dauert etwa 15 Sekunden,
und man braucht keinerlei Werkzeug. Das Faltmaß beträgt
56cm × 56cm × 27cm, das Gewicht liegt bei 14.9kg.
Das Gewicht ist v.a. Umbauten wie dem Tretlagergetriebe
geschuldet - man kann ein Brompton auch mit etwa 12kg haben.
Ich habe das Augenmerk allerdings mehr auf den Nutzwert als
auf das Gewicht gelegt. Für Kurzstrecken bis etwa 10km ist
das Brompton sehr gut geeignet, für lange Strecken weniger.
Dafür ist es ja auch nicht gedacht, weil man es auf
längeren Strecken eher in Bus und Bahn mitnimmt.
Außerdem habe ich für lange Strecken noch einen
Halbrenner.
Ich habe ein Brompton RD3, das ist das Modell
mit Dreigangnabe, Schutzblechen und Lichtanlage. Außerdem mit
einer Reihe von Verbesserungen:
- Tretlager-Getriebe "mountain-drive" von Schlumpf. Im
Normalfall ist das Getriebe gesperrt und wirkt sich nicht aus. Aber
bei Steigungen kann ich mit der Ferse einen Knopf in der Tretlager-Achse
betätigen, und dann bietet es eine Untersetzung von 1:2.5 an. Effektiv
habe ich dadurch neben meinen drei normalen Gängen noch drei Berggänge.
Kostenpunkt mit Einbau: Ungefähr 600 Euro.
- Bei der Nabenschaltung ist auf der rechten Seite der Nabe die Kette,
welche in der Achse verschwindet. Die Mutter hat oben und unten ein Loch,
das man braucht, um die korrekte Zugspannung einzustellen. Dummerweise
ziehen diese Löcher gerne Dreck an, und das direkt am Eingang
der Nabe. Mein Rat ist, etwas Klebeband um die Mutter
zu wickeln, das nur zur Einstellung der Zugspannung entfernt werden sollte.
Die Kette ölt man dann mit Teflon-Öl, das keinen Dreck anzieht.
- Satteltasche mit Überwürf von Carradice, aus dem
original-Brompton-Zubehör. Dadrin ist ein Set mit Flickzeug
(nicht im Lieferumfang) sowie
eben der Überwurf. Der ist praktisch, wenn ich bei Regenwetter
in überfüllte öffentliche Verkehrsmittel steige und anderen
Leuten nicht die Kleidung verschmutzen will. Kostenpunkt: 44 Euro.
- Teleskopsattelstütze von Brompton: Die normale Sattelstütze
ist ganz OK bis etwa 178cm Fahrergröße. Darüber sollte man entweder
eine lange Sattelstütze oder die Teleskopstütze nehmen. Erstere
ist billiger, aber zweitere vergrößert das Faltmaß nur unwesentlich.
Kostenpunkt im Austausch gegen die normale Stütze: 62 Euro (sonst
79 Euro).
- Große Gepäckträgerrollen, aus dem Zubehör von Brompton:
Diese sog. "Eazy Wheels" erleichtern das Rollen im gefalteten
Zustand. Ein Gummistopfen für die Sattelstütze ist auch dabei,
damit das Bromptonpaket sich nicht selbständig macht.
Kostenpunkt im Austauch bei einem neuen Brompton: 27 Euro
(sonst 43.50 Euro).
- Dynamo: Nabendynamo SON XS von Schmidt. Der einzige Nabendynamo, der in die schmale
Brompton-Gabel paßt. Die Seitenläufer haben das Problem, daß sie am
gefederten Hinterbau nicht sonderlich lange halten, und außerdem
hat man damit immer Ärger bei Schnee und Nässe. Mit Akkus muß
man sich um Aufladen kümmern, und die sind oft genug gerade dann leer,
wenn man sie am dringendsten braucht. Ein Nabendynamo ist zuverlässig
und problemlos. Da der Einbau ein Ausspeichen der alten Nabe, ein
Einspeichen des SON und neue Speichen verlangt, sollte man besser
gleich ein neues vorderes Laufrad bestellen. Noch geschickter ist
es, sein Brompton gleich mit SON im Vorderrad zu kaufen.
Kostenpunkt: 189 Euro.
- Scheinwerfer: Cyo Senso plus von Busch und Müller. Ich habe die Version mit Nahfeldausleuchtung, weil ich das in der Stadt für praktischer
halte. Die Helligkeit ist beeindruckend, ein klares
plus an Sicherheit. Der Lampenhalter ist erzsolide,
im Gegensatz zu 90% der üblichen Lampenhalter. Leider paßt er
nicht ans Brompton, weil man es dann nicht mehr falten kann. Allerdings
braucht man ihn nur etwas stärker zu biegen, dann geht es.
Das sollte man aber unbedingt im Schraubstock machen und nicht
im eingebauten Zustand.
Kostenpunkt: 90 Euro.
- Reifen: Marathon plus in 35-349 von Schwalbe. Pannensicherer geht es kaum noch, ich habe
mit diesen Reifen noch nie einen Platten erlebt. Sie sind nicht die
leichtesten, aber die Pannensicherheit ist mir an einem
Alltagsfahrzeug wichtiger. Kostenpunkt: ca. 30 Euro (pro Stück).
- Sattel: Flite Titanium von Selle Italia. Der originale Brompton-Sattel
ist billiger Wegwerf-Kram. Das ist allerdings an hochwertigen Fahrrädern
nicht ungewöhnlich, weil die Frage des besten Sattels sehr individuell
zu beantworten ist. Wer soviel Geld für ein Fahrrad ausgibt wie
für ein Brompton, dürfte wohl ein erfahrener Radfahrer sein, und der
weiß normalerweise genau, welchen Sattel er will. Von daher ist der
Brompton-Sattel nur der Vollständigkeit halber dabei. Ich selber
schätze den guten alten Flite über alles. Kostenpunkt: um die 60 Euro.
- Bremshebel: BL-R550 von Shimano. Die originalen Bromptonhebel
sind ziemlicher Mist - wackelig und nicht einstellbar. Das hätte man
besser machen können, aber bei Brompton fertigt man lieber
miserable eigene Hebel, als vernünftige bei Shimano einzukaufen.
Kostenpunkt: 15 Euro (pro Paar).
- Lenkergriffe: GP1 Ergon. Gibt es in zwei Größen, S und L. Am Brompton
empfehle ich die GP1 statt anderer Versionen mit Lenkerhörnchen, weil
diese mit dem Falten zu Probleme führen würden. Mit den Ergon-Griffen
gehören taube Hände der Vergangenheit an; die originalen Brompton-Griffe
sind da nicht der Hit. Die Griffe müssen auf etwa 10cm Länge gekürzt
werden, das macht man am besten mit einer Bandsäge.
Kostenpunkt: 25 Euro.
- Tacho: BC 506 von Sigma. Auch wenn es bei einem Faltrad verlockend
ist, ich setze lieber nicht auf Funktachos. Mit etwas geschickter
Kabelverlegung hat man auch mit dem Falten keine Probleme, und
bei einem Funktacho können Batterien sowohl im Geber als auch im
Tacho leergehen. Ich finde an einem Tacho mehrere Aspekte nützlich:
Vor allem mal die Uhrzeit. Daran sehe ich mich, ob ich mich bis zu
einem gewünschten Bus oder einer Fähre beeilen muß oder nicht. Den
Kilometerstand nutze ich, um Wartungsintervalle festzustellen.
Die Tageskilometer finde ich einfach informativ. Bei den 35-349
Reifen ist der einzustellende Umfang übrigens 1316mm. Kostenpunkt: 10 Euro.
Man kann ein Brompton ab 899 Euro
kaufen - mit Schutzblechen und Dreigangschaltung, aber
ohne Lichtanlage, Gepäckträger und diverse
Extras. Mein Brompton hat 1600 Euro gekostet,
da waren aber Gepäckträger,
SON, Teleskop-Stütze, Eazy-Wheels,
Ergon-Griffe und Überwurftasche schon dabei. Das Mountaindrive,
der Cyo, die Bremshebel, der Sattel und Kleinkram zum
Gebastel schlagen dann nochmal mit 800 Euro zu Buche, so daß
das gesamte Gerät bei 2400 Euro landet. Das ist erstmal eine ganze
Menge, zugegeben.
Aber in der Großstadt ersetzt die
Kombination von Brompton und ÖPNV spielend ein Auto. In
Hamburg gibt es ein ein Jobticket für 60 Euro im Monat.
Für einen Kompaktwagen kann man an monatlichen Gesamtkosten
locker 400 Euro ansetzen - d.h. inkl. Anschaffung, Steuern,
Versicherung, TÜV, AU, Reparaturen und Benzin. Der Löwenanteil
dabei sind die Fixkosten, d.h. man spart erst dann wirklich
Geld, wenn man die Kiste ganz abschafft.
Wenn ich das Brompton über 10 Jahre
abschreibe und dabei pro Jahr 100 Euro für Verschleißteile
einrechne sowie das Jobticket zuzähle, dann ergibt das weniger
als 90 Euro im Monat. Selbst mit 1500 Euro jährlich für
Mietwagen ergeben sich nur 213 Euro monatlich. Rein finanziell
gesehen ist das also durchaus nicht unvernünftig.
Vor allem aber gibt es für mich
keine Staus und keine Parkplatznot. Außerdem trage ich meinen
Teil dazu bei, meine Stadt nicht in giftigen, Menschen
tötenden
Blechlawinen ersaufen zu lassen.
Es gibt natürlich noch viele weitere
Falträder, die alle ihre eigenen Vorteile haben. Das
Birdy von Riese
und Müller ist ein Klassiker, der sich auch für
lange Strecken eignet. Dafür faltet es nicht so gut.
Auch Dahon
ist sehr bekannt - deren Falträder falten und fahren sich
nicht so gut wie Brompton oder Birdy, sind jedoch viel preiswerter.
Für Pendler, die mit Bus und Bahn unterwegs sind und das
Geld für ein Brompton haben, halte ich das Brompton aber
für die beste Wahl.