Ekeltraining

zur Übersicht

"Exkremente verzehren, Hühnern den Kopf abbeißen, überhaupt alles, was einen anwidert" - so sieht die gängige Vorstellung von Ekeltraining aus. Die Normalos schütteln sich angewidert, die ganz Kaputten tun es "für Satan" (oder sonstwen), und was steckt da nun hinter?

Als Ekeltraining kann man jedwede Behandlung bezeichnen, die Körper oder Geist gegen etwas, worauf diese negativ reagieren, abstumpfen.

Das macht Sinn bei Situationen oder Einflüssen, wo man völlig überzogen, sinnfrei und letztlich zum eigenen Schaden reagiert, und zwar wiederholbar, ohne das wirklich zu wollen. Allergien und Phobien sind hierbei hervorragende Beispiele.

Es ist eine gängige Therapie etwa bei Heuschnupfen, die ich selbst schon erfolgreich mitgemacht habe: Es wird ermittelt, worauf genau man allergisch ist, und dann wird einem in steigender Dosis ein Extrakt aus genau diesem Zeug gespritzt, vereinfacht gesagt. Das Ergebnis ist eine abnehmende Sensibilität gegenüber den entsprechenden Pollen, auch wenn das nicht immer ganz klappt.

Ein anderes Beispiel, mal aus dem psychologischen Bereich: Höhenangst, die ich ich früher enorm hatte. Das milderte sich dann durch Enduro-Offroadfahren, weil ich oftmals Abhänge einfach runter mußte, Bremsen war gar nicht mehr möglich. Ich habe das genau wie bei den Pollen angegangen, erstmal kleinere Hügel runter, dann langsam größere und steilere, und auf diese Weise meinen grundlosen Ekel vor Steilgefällen bekämpft. Ist zwar beileibe nicht weg, aber lange nicht so übel wie zu Beginn. Das heißt, daß ich inzwischen zwar immer noch vor fiesen Abhängen zurückschrecke, wo Freunde ohne Probleme hinunterfahren, aber auf den Strecken eben nicht mehr, die mir bei meinem Fahrkönnen Spaß machen.

Das grundlegende Problem liegt stets darin, daß man unbegründete Angst, die die eigene Freiheit einschränkt, von hilfreicher, weil sehr wohl begründeter Furcht unterscheiden muß, was ohne fremde Hilfe sehr schwer sein kann, weil es sich eben so ähnlich anfühlt. Man muß den goldenen Mittelweg finden, und weder seiner unbegründeten Angst nachgeben -denn genau um diese loszuwerden, macht man den ganzen Aufwand ja-, noch, die sehr wohl begründete Furcht zu ignorieren, denn wenn jemand, der Angst vor Schlangen hat, dann ganz radikal anfängt, mit einer Kobra zu kuscheln, könnte das sein letztes Ekeltraining gewesen sein.

Bei der Heuschnupfenbehandlung, auch "Hyposensibilisierung" genannt, übernimmt der Arzt die Beurteilung, ob eine Dosissteigerung denn vertretbar ist, oder ob dann ein lebensgefährlicher allergischer Schock droht.

In meinem Beispiel der Höhenangst habe ich einfach geschaut, welche Abwärtspassagen Leute fahren konnten, die auch nicht besser waren als ich, und mir dann gesagt: "Also wenn der da runter kommt, dann schaffe ich das auch!" Naja, wenn dummerweise gerade ich zuerst am Abhang angelangt war, und mit mentaler Blockade davor stand, wollte ich natürlich wieder zurück, das ging aber nicht, weil das Vorderrad schon zu weit war. Also fragte ich den Mitfahrer, der dann auch mal angekommen war, ob er mir helfen könne. Klar konnte er, wenn auch nicht so, wie ich erwartet hatte, nämlich mit nem kräftigen Vorwärtsschubs und einem "Und nun fahr endlich!" :-)

Ein weiteres Beispiel ist die Vernichtung der Hemmschwelle, einen Menschen zu töten, was dann nötig ist, wenn der Schüler das Töten lernen soll. Das ist genau das, was die Medien natürlich bei diversen satanischen Sekten reißerisch wittern.

Tatsächlich aber ist das eine gängige Praxis in jedweder Armee, und auch der Bundeswehr. Man gewöhnt die Rekruten daran, auf Menschen zu schießen, indem man sie auf menschlich geformte Pappkameraden schießen läßt. Das ist nichts anderes als ein Ekeltraining! Denn der Zweck eines Soldaten ist es nunmal, Menschen zu töten, und wenn er mitten im Gefecht auf einmal eine mentale Blockade hat, ist er schlicht wertlos.

Zusätzlich ist es eine beliebte Technik, den Gegner zu dämonisieren und sozusagen entmenschlichen, um dem Kämpfer zu suggerieren, er töte ja gar keine Menschen. Das hat bei den Nazis sehr gut funktioniert, indem die Opfer als "Untermenschen" deklariert wurden, und nach dieser Logik die Totenkopfverbände ja gar keine "richtigen" Menschen gefoltert und getöt haben. Daher kamen denn auch bei den NS-Prozessen nach Kriegsende KZ-Wärter ohne jedes Schuldgefühl vor. Dieser Mechanismus ist aber uralt, schon bei den Römern verhalf die Einteilung der Menschen in "richtige" Römer (=vollwertige Menschen), und eben anderen Menschen, z.B. "Barbaren", beliebige Foltermethoden, Sklaverei usw zu rechtfertigen. Auch Reagans bekannte Dämonisierung der UdSSR als "Reich des Bösen" fällt hierunter.

Dieselbe Methode läßt sich jedoch auch anders einsetzen, um das Ekeltraining zu unterstützen: Der Abhang ist doch gar nicht so steil, das sieht nur so aus, das ist tatsächlich doch beinahe eine Ebene schon. Damit wirkt man der unbegründeten Angst entgegen, und verhindert, daß sie wirre Gespenster im Kopf erzeugt.

Freilich kann man das auch alles ohne Lehrer machen, es erfordert allerdings eine gewisse Selbstdisziplin, die man sich dabei jedoch auch gleich erwerben kann. Wenn man einen Lehrer sich dabei wählt (egal, ob das nun im konkreten Fall ein Arzt, Magier, Psychotherapeut oder Motocrosser ist), muß man diesem vertrauen können, und umgedreht muß der Lehrer auch genau abschätzen, in welcher Phase er wieviel zumuten kann. Wenn der Arzt sofort die Höchstdosis des Allergikums spritzt, dürfte das einen allergischen Schock zur Folge haben.

Ekeltraining ist damit etwas an sich Neutrales; es ist dann sinnvoll, wenn man auf irgendetwas, was einem rational besehen gar nicht schadet, derart überzogen reagiert, daß man eine Minderung der Lebensqualität feststellt.

Das war bei mir mit Gräserpollen der Fall - wenn ich hingegen etwa eine Allergie gegen Opossum-Haare habe, ist mir das reichlich egal, solange ich sowieso nichts mit diesen Tieren zu tun habe. Ich finde außerdem nicht, daß der Ekel, Fäkalien zu mir zu nehmen, mich in meinem Leben einschränkt, darum tue ich nichts dagegen. Ich tue auch nichts gegen den Ekel, verfaultes Fleisch zu essen - weil dieser Ekel nämlich meiner Ansicht nach sehr gut begründet ist, denn er hilft, eine Lebensmittelvergiftung zu vermeiden.

Die Frage, wogegen man Ekeltraining einsetzt, ist eine nach dem Motiv, also losgelöst vom Ekeltraining an sich zu sehen. Das ist wie mit einem Messer, womit man ja auch Brot schneiden oder jemanden erstechen kann - wobei in letzterem Fall es ja auch seine gescheiten Gründe haben kann. Auch bei der Bundeswehr wird die Hemmschwelle zum Töten anderer Menschen eingerissen - nur berichten die Medien nicht davon, und faseln lieber von mordgeilen Satanisten herum.

Was natürlich auf dem Pfad zur Linken durchaus geschieht, eben weil man eigene Moral und Ethik will, ist die Dekonstruktion all des gesellschaftlich implantierten Drecks, von political correctness bis hin zu "moralischen" Werten. Nebenbei bemerkt wird die Tötung anderer Menschen ja selbst vom ansonsten eher auf christlichen Werten fußenden Strafgesetzbuch legalisiert: Wenn mir einer ans Leben will, ist es nicht verboten, ihn in den Dauerschlafsaal zu verlegen - nur nutzen viele in so einer Lage diese Option nicht, weil sie mental dazu gar nicht fähig sind, also im subtileren Sinne sich ekeln, anderen Gewalt anzutun.

Insofern sind natürlich beispielsweise diese modernen "Selbstverteidigungskurse für Frauen" sowohl Ekeltraining als auch satanisch: Die Ausbilder tragen entsprechende Schutzkleidung, und die Schülerinnen lernen nicht nur, wie frau sich ihrer Haut wehrt, sondern lernen auch, wirklich hart zuzuschlagen/treten, um eben die Hemmung abzulegen, jemandem Schmerzen zuzufügen. Sie lernen also, wie man einen Angreifer wirksam kampfunfähig macht, und lernen, das als Teil gesellschaftlichen Drecks implantierte Mitgefühl zu Leuten, die es gar nicht verdienen, abzulegen - sie lernen, zuzutreten, wenn es ihrer eigenen Haut nutzt. Entsprechende Praktiken, nur eben nicht als "Wendo", sondern mit etwas okkultem Hintergrund als "Satanische Ausbildung" deklariert, rufen dann die BILD auf den Plan..

Richtig angewandt und verstanden wirkt Ekeltraining befreiend!

Man kann sich per Ekeltraining von seinen Phobien lösen und freier werden (sich dabei, einen schlechten Lehrer vorausgesetzt, aber auch neue Psychoprobleme einhandeln), wie man sich zu nem Psychopathen ausbilden lassen kann. Es ist sicherlich keine Methode, die man von jedem mit sich machen lassen sollte - aber andererseits würde man ja auch nicht zu irgendeinem Typen am Bahnhof gehen und dem sagen, er solle einem etwas gegen Heuschnupfen spritzen.


xeper!

Daelach, 23.6. 2k1 zum Textanfang