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PERRY RHODAN - der "Hitler des Raumzeitalters"?
Ein alter Vorwurf und seine Hintergründe
- von Martin Marheinecke -


Teil 6

Zurück zum Teil 5

Warum werden die Vorwürfe, Perry Rhodan sei rechtsextremistisch, auch heute noch erhoben??

Ahnungslosigkeit
Der wichtigste Grund, weshalb „Perry Rhodan" trotz Richtungswechsel in der Serie selber, trotzt besserem Image der SF in der Öffentlichkeit, trotz eines weniger verkrampften politischen Umgangstons als vor 30 Jahren, immer noch immer wieder als „rechtes Lesefutter" bezeichnet wird, ist eindeutig Ahnungslosigkeit.
Das gilt nicht nur für Wichtigtuer und Besserwisser in Politik, Journalismus und Literatur, bei denen Mundwerk und Ahnung bekanntlich im umgekehrt proportionalen Größenverhältnis stehen, oder für den vielzitierten „Mann auf der Straße". Leider merkte ich auch, daß der von H. Joachim Schwagerls in seinem (durchaus empfehlenswerten) Buch „Rechtsextremes Denken" erhobene Vorwurf, PR enthalte rechtes Gedankengut, darauf beruhen, daß er über PP im Grunde genommen nichts weiß. Ich vermute nicht nur, daß er niemals ein PR-Heft selber gelesen hat - er verläßt sich, was SF angeht, völlig auf Informationen aus zweiter Hand. Er weiß möglicherweise nicht, wo er Informationen über SF im allgemeinen und Perry Rhodan im besonderen her bekommen soll. Das die von ihn benutzten Pressetexte aber unzuverlässig, parteiisch oder veraltet sind, ahnt Schwagerl möglicherweise nicht einmal. Er weiß deshalb nicht, daß die Aussagen von Jungk und anderen vielleicht vor 30 Jahren berechtigt waren, heute aber überholt sind, er weiß auch nicht, daß er eigentlich nur mal bei der PR-Redaktion anfragen müßte, um Auskunft über die politischen Ansichten und den Werdegang der Autoren zu erhalten, er kennt auch keine neueren Untersuchungen über „Perry Rhodan". Leider tritt diese Schwäche in Schwagerls Buch auch an anderen Stellen auf - er bemerkt ganz richtig, daß sich die „neuen Rechte" für ihr Weltbild gerne bei Verhaltensforschern wie Eibl-Eibesfeld oder den Soziobiologen und den Neo-Darwinisten bedienen. Daß er darauf hin diesen Wissenschaftlern ihr „biologistisches Menschenbild" vorwirft und gegen sie, wie gegen die Humangenetiker, ganz generell den Vorwurf des Rassismus erhebt, zeugt eigentlich nur davon, daß Schwagerl nur höchst oberflächlich über die moderne Biologie im Bilde ist - daß eben nur das weiß, was in der Zeitung steht. (In diesem Zusammenhang fällt mir die „Gelbe Seiten" Werbung ein: „Er hätte jemanden fragen sollen, der davon etwas versteht".)
Was für einen immerhin sonst gut recherchierenden und differenziert schreibenden Rechtsextremismus-.Forscher gilt, gilt erst recht für z. B. den politisch aktiven Lehrer oder den besorgten Lokaljournalisten. Sie wissen es einfach nicht besser. Sie ahnen nicht, wie linksdogmatisch das Weltbild der „Science Fiction Times" in der 70ern war, sie wissen nicht, wie weit sich die Perry Rhodan-Serie seit den 60er Jahren von den „Weltraum-Kriegsberichten" wegentwickelt hat, sie halten das „Lexikon der Science Fiction Literatur" für unparteiisch, sie wissen, zumal wenn sie jünger oder ehemalige DDR-Bürger sind, vielleicht auch nicht einmal, wie aufgeheizt das politische Klima in der BRD Ende der 1960er war und wie leichtfertig die Bezeichnung „faschistisch" als politischer Kampfbegriff mißbraucht wurde.
(Apropos „Science Fiction Times": mir fiel in „Zeitgeist und Zeitmaschine" auf, daß der Autor Salewski offenbar der Meinung war, daß ausgerechnet Isaac Asimovs „Foundation" Zyklus auf faschistischem Gedankengut beruhen würde. Offenbar hatte Salewski als Quelle einen Artikel der SFT benutzt, in dem es jemand „dem alten Knacker Asimov mal so richtig gezeigt hatte", ohne die Polemik als solche zu erkennen. Ich vermute außerdem, daß Salewski „Foundation" selber nie gelesen hat.)

„Mitschleppen" alter Vorurteile
Mit Vorurteilen ist es wie mit alten Schuhen - sind sie erst mal schön bequem ausgelatscht, trennt man sich ungern von ihnen, auch wenn sie schon arg verschlissen sind. So geht es auch mit den Vorurteilen gegen „Perry Rhodan". Für andere gilt: wozu sich selber eine Meinung bilden, wo es doch das „Lexikon der Science Fiction Literatur" gibt. Das Problem dabei ist, daß in diesem Lexikon zum Thema „Perry Rhodan" Textstellen mitgeschleppt werden, die unverändert aus der Erstausgabe von 1980 stammen. So absurd es schon damals war, als der anerkannte Kriegsdienstverweigerer Willi Volz Exposeautor, Chefredakteur und Chefautor in einer Person war, PR nach wie vor als SF-Landserroman zu beschreiben - die Zeiten der scharfen Polemiken in der „SF Times" waren halt noch nicht lange vorbei (alle Autoren des Lexikons waren zumindest zeitweilig bei der SFT dabei). Sicher trug der SF-Boom Ende der 70er Jahre, der nicht zuletzt auf der Nachfrage nach „Action" beruhte, dazu bei, daß die 4. PR-Auflage (samt ihrer „reaktionären" Tendenz) reißenden Absatz fand. Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, daß die darüber entsetzten Herausgeber des Lexikons ihre warnende Stimme erhoben - aber mein Verständnis hält sich eben in engen Grenzen. (Besonders bizarr - schon in der Erstausgabe wurde Willi Volz das Verdienst zugesprochen, Perry Rhodan „entmilitarisiert" zu haben. Ich vermute daher, daß schon 1980 die Abschnitte über PR im einleitenden Teil „Themenkreise der Science Fiction" unverändert aus älteren Quellen übernommen wurden.)
Weshalb konservierten diese und andere SF-Schaffende ihre Vorbehalte gegen PR so hartnäckig? Ich vermute, daß sie ein „Feindbild" brauchen. Etwas, daß sie von Herzen verabscheuen können, an dem sie sich als „seriöse" SF-ler definieren können, dem sie gegebenenfalls die Schuld an Mißständen in der SF-Szene in die Schuhe schieben können.

„Political Correctness"
„Politcal Correctness" - das ist, kurz gesagt, die Hoffnung, daß, wenn man diskriminiernde Sprache vermeidet, damit auch die Diskriminierung aufhört. Das mutet zwar etwas naiv an, aber trägt - zumindest in den USA, wo diese Haltung entstand - dazu bei, daß die immer schwelenden Rassenkonflikte etwas zu entschärfen. Allerdings ändert sie an den gesellschaftlichen Bedingen, die diesen Diskriminierungen zugrunde liegen, überhaupt nichts - der Arme bleibt arm, der Schwarze bleibt Bürger 2. Klasse, der rücksichtlose Spekulant bleibt rücksichtslos, der korrupte Politiker korrupt, den illegalen Einwanderer aus Mexiko frag man nach wie vor nicht, wieso er illegal eingewandert ist, sondern schiebt ihn ab, die Indianer, sorry „Native Americans", schmoren nach wie vor in ihren Reservaten - aber die Sprache ist entschärft. „Der Schein regiert das Bewußtsein". Eher man über die „heuchlerischen Amis" die Nase rümpft oder sich darüber amüsiert, daß z. B. „Huckleberry Finn" wegen des gelegentlich von Mark Twain benutzten Wortes „Nigger" an vielen Schulen nicht mehr im Unterricht gelesen werden darf, soll man sich daran errinern, daß vergleichbare Euphemismen und Leisetretereien auch in Deutschland gang und gebe sind. Und es fällt auf, wie oft ein Text oder eine Aussage nicht in dem Zusammenhang, in dem er steht, sondern nach einem bestimmten „Reizwort" verurteilt wird. Z. B. wurde schon 1984 dem Hamburger Völkerkundemuseum vorgeworfen, rassistisch zu sein, weil sie eine Ausstellung „Zigeunerleben" genannt hatte - obwohl die Veranstalter lang und breit begründet haben, wieso sie sich in ihrer aufklärerischen und anti-rassistischen Ausstellung bewußt nicht für den korrekten Terminus „Sinti, Roma und Völker verwandter Lebensweise" entschieden haben. Ich selber wurde einmal darauf angesprochen, daß meine Artikel manipulativ seien - der Grund: ich verwende sehr viele Adjektive, und daß sei nun einmal Kennzeichen manipulativer Texte. Solch eine Haltung reizt natürlich zum wenig konstruktiven Spott („Afrikanerkuß", „Kinder und Kinderinnen") und erleichtert das Heucheln - man darf ruhig „die behinderten Mitbürger" wie „Krüppel" und die „sozial Benachteiligten" wie „Proleten" behandeln, solange man sie nur nicht so nennt.

Was bedeutet P.C. für Perry Rhodan? Da P.C. nur selten nach Zusammenhängen fragt, sondern am Wort klebt, sind natürlich auch in neueren PR-Romanen vorkommende Begriffe wie „Elite", „Rasse", „Kolonie", „natürliche Überlegenheit" und die in diesem Romanen nach wie vor geschilderten Kampfhandlungen als Indiz für eine reaktionäre, gewaltverherrlichende, unkritische, kurz „politisch inkorrekte" Gesinnung zu werten. Aber nicht nur Wortklauberei dieser Art machen PR zu schaffen, sondern auch die Political.Corectness im eigentlichen Sinne: „Rassistische, reaktionäre, gewaltverherrlichende, dem sozialen Frieden abträgliche, drogenverharmlosende usw. Texte sind konsequent zu unterdrücken".
Gerade in der deutschen SF-Szene hat P.C eine lange Tradition, die schon in den 60er Jahren begann. Walter Ernsting zufolge versuchten einige „Politfanatiker" im SFCD, die SF-Literatur ideologisch zu beeinflussen, und nur noch solche Veröffentlichungen positiv zu besprechen, die in ihrem Inhalt eben diese Ideologie vertraten. Diese selbstgerechte Haltung, die ich auch dann für bedenklich halten, wenn sie von Leuten vertreten wird, mit deren Weltanschauung ich übereinstimme, fand leider viele Anhänger. Konkret bedeutete sie: Da z. B. in Robert A. Heinleins „The Moon is A Harsh Mistress" („Revolte auf Luna") die sympathisch geschilderten Revolutionäre sich schmutziger politischer Tricks bedienen, um an die Macht zu kommen, bzw. Uneinsichtige auf die rüde Art zur Räson bringen oder sie kurzerhand liquidieren, dann ist dieses Buch unbedingt zu verreißen und schlechtzumachen - mag es auch sonst noch so gut geschrieben sein, so viele interessante Ideen und Denkanstöße enthalten, so viele Diskussionen anregen und so glaubwürdig sein, wie es dieses Buch nun einmal ist. Weil sich die Protagonisten so verhalten, wie sich die Anführer von Revolutionen und Unabhängigkeitskriegen tatsächlich verhalten (und nicht so, wie sie sich politisch korrekt verhalten sollten), ist „The Moon is A Harsh Mistress" eben kein guter SF-Roman, sondern ein übles reaktionäres Machwerk. Dachten damals nur einige weniger „Eiferer" so, so sind derartige Ansätze zur „Zensur mittels Rezension" inzwischen leider weit verbreitet. Man sehe sich nur einmal die Verrisse an, die die später zurecht als „Genre-Klassiker" gelobten SF-Filme „Star Wars", „Mad Max" oder „Terminator" bei ihrer Deutschlandpremiere nach sich zogen. Als 1996 die US-Serie „Space 2061" in Deutschland anlief, bildete sich prompt eine Aktion „Boykottiert Space" - die Serie sei gewaltverherrlichend und vertrete ein zu pro-amerikanischen Weltbild, gehöre also von Bildschirm verbannt. Auch heute noch gilt, daß in einem Weltraumspektakel - egal ob auf der Leinwand, den Bildschirm oder in gedruckter Form - nur mal die Lasergeschütze sprechen müssen, und schon erhebt irgend ein Kritiker den Vorwurf, das Werk enthalte faschistische Züge.

Argwohn
Kommen wir nun zu einem Grund, PR nach wie vor des Rechtsextremismus zu verdächtigen, der konkret mit der Heftserie selber bzw. dem Verlag, in dem sie erscheint, zusammenhängt. Gerade politisch aufmerksame, besorgte Bürger neigen mitunter dazu, auch dort düstere Machenschaften, geheime Zusammenhänge oder Verschwörungen zu sehen, wo es keine gibt. Bekanntlich erscheint die umstrittenen Heftserie „Der Landser" mit der Schilderung von Kriegserlebnissen ebenfalls bei VPM. „Der Landser" gilt, ob zurecht, möchte ich einmal dahingestellt lassen., als kriegsverherrlichend - und ist leider bei „Skinheads" und ähnlich martialisch auftretenden Leuten recht beliebt. (Das z. B. Wolfgang Kehl alias Arnd Ellmer, und sicher auch andere PR-Autoren und Mitarbeiter nicht eben glücklich darüber sind, daß „Der Landser" nun ausgerechnet bei „ihrem" Verlag erscheinen muß, sei nur am Rande erwähnt. Dafür können oder etwas dagegen machen können sie ohnehin nicht.) Nun setzt bei einigen besorgten Zeitgenossen der Argwohn ein. Ich übertreibe mal ein bißchen: „So etwas wie „Der Landser" kann doch eigentlich nur in einem rechtsextremistischen Verlag erscheinen. „Perry Rhodan" erschient beim selben Verlag. Und irgendwo, irgendwann, habe ich mal gelesen, daß auch Perry Rhodan rechtsextremes Gedankengut enthält. Sicher hängen die Serien irgendwie zusammen. Ganz klar: Perry Rhodan gehört als rechtsextrem Propaganda verboten!" Bei der von mir im ersten Teil erwähnten Schüleraktion gegen den „Landser" sollten die Schüler deshalb auf „Perry Rhodan"-Hefte achten, da sie zeigen, daß der jeweilige Zeitschriftenhändler VPM-Produkte im Sortiment hätte - vielleicht die nicht ganz so offen gezeigten „Landser"-Hefte. Natürlich werden nun etliche Schüler zu dem Schluß kommen, daß „Perry Rhodan" so etwa wie ein „getarnter Landser" ist. Haben sie dann noch das Pech, einen Lehrer zu haben, der die alten Vorwürfe gegen PR noch „draufhat", dann sehen sie möglicherweise bald in jedem PR-Leser einen heimlichen Neo-Nazi (die altkluge Penetranz, mit der ich von einer Schülerin auf mein PR-Heft angesprochen wurde, legt diesem Schluß nahe). Sicher gibt es auch übereifrige Antifas, die zwar wissen, daß PR eigentlich nichts mit „Der Landser" zu tun hat - aber die vielleicht meinen, man müsse VPM als Ganzes treffen, damit „Der Landser" endlich von Zeitschriftenmarkt verschwindet. Das ist aber nur meine Spekulation - bisher habe ich jedenfalls noch keine Aufkleber mit dem Aufdruck „Boykottiert Perry Rhodan, damit „Der Landser" verschwindet!" oder ähnliches gesehen.

Ratlosigkeit angesichts des Wiederauflebens des Rechtsextremismus
Seit dem Ende der 80er Jahre können selbst verbohrte „Rotenfresser" nicht mehr leugnen, daß die rechte Terrorszene gegenüber der linke bzw. der „autonomen" das größere Gewaltpotential besitzt. Die Blutspur rechter Gewalttäter ist jedenfalls ungleich breiter als die der „RAF" in ihren aktivsten Tagen. Parallel dazu beunruhigen die (zum Glück mittlerweile wieder abgeflauten) Wahlerfolge rechtsextremer Parteien und das offenbar in vielen Köpfen festsitzende rechtsextreme Weltbild besorgte Demokraten bis weit in konservative Kreise hinein. Wenn es darum geht, die Ursachen für diese Entwicklung festzumachen, dann schweigen viele Politiker, aber auch Kirchenvertreter, Pädagogen, Gewerkschaftler, Unternehmer, Polizisten und Verfassungsschützer betreten. Entweder sie sind selber ratlos - oder einige der bekannten Ursachen für rechtsextreme Tendenzen sind ihnen zu heikel. Was gebraucht wird, ist ein bequemer Sündenbock - z. B. die „Medien". Da dieser Sündenbock tatsächlich teilweise für das Problem mitverantwortlich ist, eignet er sich bestens für Schuldzuweisungen.
Ein „schönes" Beispiel für diese Tendenz ist Astrid Langes „Was die Rechten lesen", eine Art Katalog tatsächlich oder vermeintlich rechtsextremer Schriften, das vor für mich nicht nachvollziehbaren fragwürdigen Interpretationen geradezu strotzt. Folgt man diesen Überlegungen, dann wird man zum Nazi, wenn man in der Jugend das Falsche liest oder ansieht. Leider werde ich den Verdacht nicht los, daß Science Fiction und Fantasy recht gerne zu den „falschen" Formen der Unterhaltung geschlagen werden. Ich erinnere mich mit Grausen daran, daß Norman Spinrads „Der stählerne Traum", ausgerechnet eine Satire auf faschistoide Elemente in SF und Fantasy, wegen angeblicher Nazi-Tendenzen in der BRD jahrelang auf dem Index für jugendgefährdende Schriften stand, oder die diversen Versuche, die „Conan"-Romane indizieren zu lassen.
Zum Glück geriet PR noch nicht in die „Schußlinie" - was sich leider sehr schnell ändern könnte.
Vor einiger Zeit machte mich ein Clubkamerad aus einem Star Trek-Club, der wußte, daß ich auch PR lese, darauf aufmerksam, daß einer der führenden Neo-Nazis dieses Landes, früher mal einen Perry Rhodan-Club geleitet haben soll. Ich dachte zunächst, er wolle mich aufziehen, denn wir hatten uns schon mal über des Thema „PR und Faschismus" unterhalten. Aber es stimmte leider: Christian Worch, so heißt der derzeit in Hamburg einsitzende Neo-Nazi, hatte in den 70ern tatsächlich einen Perry Rhodan-Club gegründet. Zum Glück hat sich das noch nicht über das SF-Fandom hinaus herumgesprochen. Ich stelle mir mit Grausen vor, was passieren würde, wenn z. B. in „Explosiv" oder ein ähnliche Sensationsmagazin oder in einem Boulevardblattt ein Bericht über den „Weltraumabenteuer-Fan, der zum Nazi wurde" kommen würde. Selbst ein entsprechender Bericht in einem besseren Magazin oder in der seriösen Presse wäre für Perry und seine Fans äußerst unangenehm ...

Versäumnisse der Herausgeber
Zu guter letzt möchte ich einen weiteren Mitverantwortlichen dafür vorstellen, daß der alte Käse „Perry und die Naziideologie" immer noch stinkt: den Verlag VPM und die Perry-Rhodan-Redaktion selber nämlich, bzw. diverse Ungeschicklichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit.
Gut, die „Landser"-Reihe kann man nicht so einfach absetzen... Als „Beinahe-Altleser" (mein „erstes" PR-Heft las ich vor gut 25 Jahren), weiß ich, daß Verlag und Redaktion diesem Thema, als es in den 70ern noch „heiß" war, eher aus dem Weg gingen - frei nach dem Motto: „Bloß nicht daran rühren!" Leider scheint diese Haltung nicht ganz verschwunden zu sein. Im Perry-Rhodan-Computer, Heft 1859. Thema: „Schlachtszenen" wurde u. A. behauptet, es gäbe in PR nicht annähernd so viele Schlachten, wie gemeinhin angenommen. Das stimmt - für die Serie als Ganzes. Nimmt man aber z. B. den M 87-Zyklus, dann sieht das Bild schon anders aus - und dieser Zyklus lief gerade, als die Vorwürfe gegen PR ihren Höhepunkt zustrebten. Die Leute, die DAMALS meinten, in PR würde es vor Raumschlachten nur so hageln, hatten DAMALS auch recht! Immerhin, es war schon mal prima, daß der PR-Computer sich einmal mit diesem alten, aber immer noch heiklen, Thema auseinandergesetzt hat.
Na, gut, wichtiger war es schon, daß sich PR inhaltlich wandelte - aber auch das hätte man auch besser „verkaufen" können. In dem ZDF-Special 1995 vermißte ich jedenfalls einen entsprechenden Hinweis. Von der Kritik kann ich leider auch den „Briefkastenonkel" Arndt Ellmer nicht ausnehmen. Gut, wenn er einem Fan wir mir vor ein paar Jahren flappsig-knapp auf die Frage: „Gibt es auch heute noch Faschismus-Vorwürfe gegen Perry Rhodan?" „antwortete", dann kann ich das schon ab. Aber hätte Arndt einem recherchierenden Journalisten auf diese Weise geantwortet, dann hätte das dem Ruf „Perrys" nicht unbedingt genützt. Selbst beim Inhalt der Romane gibt ab und an heikle Punkte, die den „demokratischen" Charakter der Serie in Frage stellen. Im ersten Teil dieses Artikels erwähnte ich „Camelot". So eine „Eliteorganisation" ist nicht unproblematisch - besonders, wenn der Begriff „Bewegung" noch reichlich unbedacht verwendet wird. Ich denke zwar bei „Bewegung" eher an „Bürgerrechtsbewegung" oder „Friedensbewegung", aber man muß kein Vertreter extreme „Political Correctness" sein, um bei „der Bewegung" den Nazi-Sprachgebrauch dieses Wortes („Hauptstadt der Bewegung") sozusagen auf der Zunge zu spüren. Ich meine damit nicht, daß es tatsächlich faschistoide oder auch nur autoritäre Tendenzen in PR gäbe - aber solche kleinen „Schnitzer" sind die Wunden, auf die sich die Haie stürzen könnten.

- ENDE -

Literatur:
Friedrich Hacker: Das Faschismus-Syndrom, Fischer, Frankfurt a. M, 1992
Alpers/Fuchs/Hahn/Jeschke: Lexikon der Science Fiction Literatur, Heyne, München, 1992
Horst Hoffmann (Hg.): Perry Rhodan Werkstattband, Moewig, Rastatt, 1986
H. Joachim Schwagerl: Rechtsextremes Denken, Fischen, Frankfurt a. M., 1993
Alpers/Fuchs/Kaiser (Hg.): Science Fiction Jahrbuch 1984, Moewig, Rastatt, 1983
"Der Superastronaut als ein galaktischer Romantiker,ein Emotionaut?" in Zeit-Magazin Nr. 49, Zeit-Verlag, Hamburg, 29.11.1991
Astrid Lange: Was die Rechten lesen, Beck, München, 1993
Michael Salewski: Zeitgeist und Zeitmaschine, dtv, München, 1986
Hans Joachim Alpers: Interview mit Clark Darlton, aus: Der Clark-Darlton-Reader, Moewig, Rastatt, 1983
Ronald M. Hahn: Die Star Trek-Filme, Heyne, München, 1993
Wolfgang Jeschke: Vorwort zur Anthologie „Eispiloten", Lichtenberg Verlag, München, 1971
Jörg Kastner: Das große „Raumschiff Orion" Fanbuch, Goldmann, München, 1991
Manfred Nagl: Science Fiction in Deutschland. Untersuchung zur Genese, Soziographie und Ideologie der phantastischen Massenliteratur, Uni-Press, Tübingen, 1972
SOL - Das Magazin der Perry Rhodan-Fanzentrale, Nr. 5, 1997


Quelle: WORLD OF COSMOS Nr. 11, WORLD OF COSMOS Nr. 12


 

 

 

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