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Die Kosmokraten und das Multiversum
- von Harun Raffael -
Wie wir durch die Geschichte des Virenimperiums wissen, gibt es Kosmokraten in voller Handlungsfähigkeit mindestens seit 5 Milliarden Jahren. Die Frage, die dabei offen bleibt ist, ob die Kosmokraten interuniverselle Wesen sind. Noch im Tarkan-Zyklus schien man diese Frage mit Einschränkung verneinen zu können. Man lernte von den Sieben Mächtigen Tarkans; die nach Anzahl, Organisationsform und Mitteln mit den Sieben Mächtigen unseres Universums gleich waren, aber von anderer Herkunft - die Mächtigen unseres Universums Androiden, die Tarkans herausragende, auserwählte Wesen normaler Völker. Es schien eine Gleichheit im Prinzip, aber eine unabhängige Entwicklung in Details zu bestehen. Mit den Enthüllungen über die Sieben Mächtigen des Arresums ist dies nicht mehr haltbar. Das Mächtige-Modell im Arresum (d.h. in der fernen Vergangenheit unseres Parresums) und in Tarkan ist im Wesentlichen identisch. Ein Unterschied - das Androiden-Modell - ist offenkundig bei uns erst später entstanden.
Man kann das Folgende annehmen: die Kosmokraten sind grundsätzlich dem Universum, aus dem sie entstammen, verhaftet. Es bestehen aber klare Kontakte über die Grenzen der Universen hinweg - als Ausnahmefall zwar, aber ausgeprägt genug, um die komplette Weitergabe des Konzeptes der Sieben Mächtigen zu erlauben. Taurecs Vorgehen im Inneren von DORIFER bestätigt klar, daß den Kosmokraten die interuniverselle Verbindung durch die Kosmonukleotide bestens vertraut ist. Für die Kosmokraten bilden also alle Universen - das ganze Multiversum - eine Einheit. Damit wird freilich völlig unverständlich, wieso das Arresum für die Kosmokraten unzugänglich sein sollte. Ein einziger Versuch, Mächtige zu entsenden, vor zumindest hunderten Millionen Jahren - und seither nichts, völlige Untätigkeit. Bis, nach endlosen Zeiten, zur improvisierten Notreaktion auf die Abruse. Warum nicht auch hier eine endlose Abfolge von etlichen Generationen Mächtiger? Wo lag das Problem?
Bis zu einem bestimmten Punkt ist die Entwicklung durchschaubar genug. Zunächst mußte im Arresum die Entwicklung bis zur Entstehung "einheimischer" Kosmokraten voranschreiten. Diese mußten sich erst einmal konsolidieren, die Idee der Mächtigen erfinden oder übernehmen, und die Aussaat von Leben und Intelligenz im Parresum befriedigend in Gang bringen. Irgendwann werden sie die Natur des Arresums durchschaut haben - und begonnen haben, es zu erkunden. Schon hier muß die Grenze überschritten worden sein. Erst diese Erkundung kann ihnen klargemacht haben, daß dort das eigene Leben fehlte, dort sich auch keine eigenen Kosmokraten entwickelt hatten, daß also sie, die Kosmokraten unseres Parresums, dort eine Aufgabe hatten. Im lebensleeren Arresum selbst gab es nichts, womit die Kosmokraten hätten arbeiten können; es war also notwendig, Mächtige "hinüberzuschicken".
Schließlich sahen sie sich im Besitz von genügend Ressourcen, um ein Team von Mächtigen ins leere Arresum zu entsenden. Dieses Team scheiterte schnell; alle sieben kamen ums Leben, nachdem nur eine minimale Menge von Sporen ausgestreut werden konnte, einer von ihnen hatte eine entartete Form von Leben erschaffen. Und hier beginnt das Rätsel. Wieso nur wurde das Arresum fortan wieder völlig sich selbst überlassen? Wieso wurde den Mächtigen kein Nachfolgeteam erschaffen?
Lösungsmöglichkeiten:
1)
Daß der Übergang ins Arresum nur unter großer Gefahr für die kosmische Ordnung möglich sei, und deshalb nur so selten wie irgend möglich unternommen wird, kann man unmöglich gelten lassen. Das ist ein offensichtlicher Schmarrn. Es muß jederzeit der Weg durch ein Kosmonukleotid wie DORIFER offenstehen. Taurec wie auch die Gänger des Netzes haben dort zu unbekümmert agiert, als daß hier ein entscheidendes Hindernis bestehen kann. Selbst ESTARTU konnte sich den Weg öffnen, es braucht also nicht einmal unbedingt Kosmokratenmittel dazu.
2)
Es kam damals zur endgültigen Aufgabe des alten Mächtigen-Konzepts. Die Erschaffung von Androiden wurde eingeführt und erprobt. Die Kosmokraten waren anderweitig beschäftigt - und dies vielleicht seither ständig. Wir wissen ja nicht, wie schwer die Kosmokraten eventuell durch die Chaotarchen unter Druck gesetzt werden, und in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind. Aber die eisern aufrechterhaltene Serie der Mächtigen-Teams in unserem Parresum spricht stark dagegen.
3)
Der abtrünnige Mächtige Batalik hatte dem Arresum nicht nur seine Abruse- Saat hinterlassen, sondern das Arresum auch präpariert, um die Kosmokraten auszusperren. Erst durch eine Manipulation seinerseits ist die Grenze zum Arresum hochempfindliche Tabuzone. Aber diese Idee läßt sich kaum auf die ganze Kette der Kosmonukleotide ausdehnen.
4)
Wir wissen absolut nichts über das Arresum außerhalb der Abruse-Zone. Vielleicht haben die Kosmokraten etliche weitere Mächtigen-Teams dorthin geschickt. Die Verhinderung von Durchgängen, wie sie die Ayindi schufen, mag dennoch notwendig sein. Eine akute Notwendigkeit, gegen die Abruse vorzugehen, entstand aber erst spät, und ein Zugriff von außerhalb des Abrusegebiets im Arresum erwies sich als nicht praktikabel. Im "Spätentwickler" Arresum hatten sich noch nicht schlagkräftige Strukturen gebildet, auf die die Kosmokraten zurückgreifen konnten, wie die Ritter der Tiefe. Deshalb wurde ein Spezialmächtiger mit einem Spezialsporenschiff erschaffen, und als sich mit Galaktikern, Arcoana und Ennox in unserem Parresum eine vielversprechende Kombination zusammentat, entschied man sich für den Zugriff über die Ayindipassagen.
5)
Eine ganz profane Lösungsmöglichkeit ist vielleicht die beste. Wie viele Kosmokraten gibt es überhaupt? Sind genug da, um in jedem Universum alle erwünschten Ziele zu verfolgen, oder müssen die Kosmokraten sich auf eine enge Auswahl von Aktionen einschränken? ("Sie haben ein Abruse-Problem? Lassen sie sich von meiner Sekretärin einen Termin geben." "Rufen sie uns nicht an, wir rufen sie an.")
Wie auch immer, es kommt ein ziemlicher Krampf heraus.
- ENDE -
Quelle: WORLD OF COSMOS Nr. 17
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