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Allan D. Mercants Eiskeller
Wo liegt das Hauptquartier der International Intelligence Agency?
- von Martin Marheinecke -
Teil 4
Zurück zum Teil 3
Scheers Ortsangabe aus Band 3 - "tief unter dem Festland" - scheidet also aus praktischen
Gründen nahezu aus. Darltons Angaben sind so ungenau, das etwa ein Drittel der größten Insel
der Erde in Frage käme. Die präzisesten Ortsangaben macht W. W. Shols.
Allerdings sind diese Angaben zum größten Teil plumpe Desinformation, eigentlich unter
Mercants Niveau. Der Ort Uummannaq/Umanak liegt nämlich nicht an einem Fjord - er liegt
weit entfernt vom Inlandeis auf einer der Nordküste der Halbinsel Nuukssuaq vorgelagerten
Insel. Diese Insel wird von einem bis zu 1170 Meter hohen Berg eingenommen. Der Ort hat
keinen Flugplatz, nur ein mittels Sprengungen der felsigen Landschaft abgetrotztes
Helicopter-Landefeld, das nebenbei mangels Alternative auch noch als örtlicher
Fußballplatz benutzt wird. Es gibt in Uummannaq und Umgebung buchstäblich keine
ebene Fläche!
Ein Eislandefeld kommt, da die See dort im Sommer mehrere Monate vom Treibeis abgesehen
offen ist, auch nicht als IIA-Flughafen in Frage. Der schnellste Weg nach Uummannaq
führt über den Flugplatz in Qaarsut auf Nuukssuaq, von dort aus weiter mit dem
Helicopter. Im Sommer lässt sich Uummannaq auch gut mit dem Schiff erreichen, im Winter
per Schlitten (auch im Jahre 2000) vorzugsweise mit Hundeantrieb).
Damit scheidet das Städtchen Uummannaq an der Westküste Grönlands als IIA-HQ Standort
aus. Ich vermute einen Recherche-Irrtum Scholz'. Auf vielen großmaßstäblichen
Atlas-Karten lässt sich die genaue Lage Umanaks/Uummannaqs beim besten Willen nicht
erkennen.
Allerdings heißt "Uummannaq" auf grönländisch schlicht "herzförmig", und an Grönlands
felsigen Küsten gibt es zahlreiche herzförmige Felsen. (Spitze nach oben wohlgemerkt!)
Einer dieser Felsen liegt in der Nähe des US-Luftwaffenstützpunkts Thule Airbase in
Nordgrönland. Die "zivile Siedlung" in der Nähe der Airbase heißt zwar nach dem dort
mündenden Fluss Pituffik, allerdings hieß das 1954 nach dem Bau der Airbase
zwangsevakuierte Dorf nach dem Felsen Uummannaq. Und das alte Uummannaq stand nicht auf
Dauer völlig leer, denn nachdem die Vorschriften gelockert worden waren, zogen einige
Einheimische dorthin zurück.
Liegt das IIA-Hauptquartier bei der Thule-Airbase?
Thule Air Base hat eine über 4 Kilometer lange Landebahn, die ganzjährig auch von den
größten Maschinen angeflogen werden kann. Sie liegt an einem großen Fjord, dem
Wostenholme-Fjord, und ist ca 10 Kilometer von einem Küstengletscher entfernt, zu den
Ausläufern des Inlandeis sind es ca. 15 Kilometer. Für Thule/Umanak spricht außerdem,
das die tarnende Pelzhandelsgesellschaft einen englischen und keinen grönländischen
oder dänischen Namen trägt. Für Thule sprechen auch die "Radarinseln" - in weitem Umkreis
um die Airbase liegen zahlreiche Radarstationen, bei Thule selbst die gewaltigen
Radarantennen des Missile Early Warning Systems. Mahrs Angaben über "Umanak" scheinen
zuverlässig zu sein.
Thule Airbase ist militärisches Sperrgebiet - ohne Überprüfung kommt dort niemand hinein
oder hinaus. Auf dem Stützpunkt und in der damals Dundas genannten Zivilsiedlung
wohnten am Höhepunkt des Kalten Krieges in der ersten Hälfte der 1960er Jahre ca.
8000 Menschen. Somit ist der Nachschub und der Personenverkehr der 500 IIA-Mitarbeiter
nicht von vornherein verräterisch. Da es in Thule "sowieso" sehr viel "Geheimkram" gibt,
fallen ein paar zusätzliche sehr verschwiegene Leute, von denen niemand weiß, wohin sie
gehen und woher sie kommen, nicht sonderlich auf. Der Zugang zum HQ liegt geschickterweise
in der Zivilsiedlung. Damit hält man seine Existenz selbst vor dem Personal der Airbase
geheim. In dem kleinen Ort fällt jeder Fremde sofort auf, das gewährleistet zusätzliche
Sicherheit. Einen anderen Zugang als über die Airbase und den Hafen von Pituffik gibt es
nicht, es sei denn, expeditionsmäßig über das Eis oder mit einem kleinen Boot. Beides
ist in der Regel nicht eben einfach - und keineswegs unauffällig. Der Datenverkehr des
IIA-HQ lässt sich in dem umfangreichen Kommunikationsbetrieb der Air-Base leicht
verstecken. Da der eigentliche Stützpunkt durch ein Stollensystem unbestimmter Länge
erreicht wird, ist siene genaue Lage nicht zu bestimmen, auch wenn der Gegenseite
bekannt sein dürfte, dass das Hauptquartier des NATO-Geheimdienstes im Thule-Gebiet
liegen könnte. Eine Gefahr könnte der nahe Stützpunkt im Falle eines Atomkriegs sein, er
ist primäres Ziel der ersten Angriffswelle. Allerdings geben Eis und Fels im
Falle eines Falles Schutz - und wenn es erst mal "richtig losgeht", ist es für
militärische Geheimdienstarbeit eh zu spät. Gegen "kleinere" Angriffe ist das HQ gut
geschützt, selbst wenn Thule Airbase im Handstreich genommen werden sollte.
Die "Thule-Theorie" setzt voraus, dass die Autoren Shols und Scheer irreführende Angaben
zum Opfer fielen. Am einfachsten lässt sich Shols "Pröven"-Angabe bereinigen. Pröven ist
dänisch für "die Probe" oder "der Versuch". Es könnte also eine Codebezeichnung z. B.
für eine Landmarke in Nordgrönland sein. Damit ließe sich auch die rätselhafte Angabe
"Südwestkurs" erklären. Schwerer wiegt die Angabe, das HQ hätte eine Eispiste. Da
Eispisten ohnehin unpraktisch sind (siehe Teil 3) könnte die Angabe vielleicht ignoriert
werden. Die Thule-Piste wird im Sommer zeitweilig künstlich gekühlt, damit sie nicht
im an der Oberfläche auftauenden Permafrostboden im Schlamm versinkt. So könnte sie im
Truppenjargon also durchaus "Eispiste" genannt werden.
Etwas problematisch sind die 3000 Meter Tiefe - das erscheint mir etwas tief. Ebenfalls
ein Problem ist die Entfernung zwischen Uummannaq und dem Inlandeis (10 - 15 Kilometer) -
vielleicht ist der Eingangsstollen länger als nur 50 Meter, vielleicht gibt es auf
Sohle 15 einen langen Stollen, in dem auch Scheers Röhrenbahn verkehren könnte.
Somit dürfte - vorausgesetzt, die Quellen der Autoren waren nicht generell nur wertloses
"Spielmaterial" - Mercants Eiskeller, das IIA-HQ, ganz nahe bei der ehemaligen
"Kalten Festung des Kalten Krieges" liegen. Es spricht einiges dafür, dass die SolAb
den Stützpunkt über das Jahr 2000 hinaus nutzte. Und wer weiß: Vielleicht entstand auch
"Newland City", der spätere Geburtsort des legendären USO-Spezialisten Sinclair Marout
Kennon, auf dem Gelände der ehemaligen Airbase ...
- ENDE -
Quelle: WORLD OF COSMOS Nr. 25
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