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Trash? Ja, Bitte! - Aber mit Niveau!
- von Martin Marheinecke -

Trash - zu deutsch Abfall. Ein Wort, daß viele PERRY RHODAN-Leser nicht gerne hören, wenn man es im Zusammenhang mit PR verwendet. Trash - das sind Billigfilme mit rudimentärem Drehbuch, lächerlicher Ausstattung und Schauspielern, deren Fähigkeiten an die weggeworfener Marionetten erinnern, grottenschlechte, hyperalberne Fernsehserien, die nur von den eigenen Klischees zusammengehalten werden, Popsongs, die so wirken, als seinen sie in einer drogengeschwängerten Nacht geschrieben und auch gleich produziert worden, Heftromane, in einer Woche bei maximal zwei Stunden täglicher Arbeitszeit ohne Exposé runtergerotzt - Schund, Müll, unterste Schublade. Trash - "beißt" sich das nicht mit jedem noch so bescheidenen Anspruch an Niveau?

Diese Frage stellt sich völlig anders, wenn man sich die Matineen eines typischen Programmkinos ansieht oder in einer Videothek nach "Kultfilmen" fragt. Jene Streifen, die kein Filmkritiker, der etwas auf sich hält, auch nur mit der Feuerzange anfassen würde, haben offensichtlich besonders große Chancen, zum "Kult" zu avancieren.
Was finden völlig normale, harmlose, erwachsene Menschen, oft sogar mit höherem Bildungsabschluß, nun an "Godzilla und die Urweltraupen", "Großangriff der Zombies", "Die Rückkehr der Killertomaten" oder "Tumak, der Herr des Urwalds" und ähnlichen Heulern, die man eigentlich nur mit absolut dichter Gummihose ertragen kann?
Außer der Mode und einem gewissen Protest-Faktor liegt es vielleicht daran, daß viele Trash-Machwerke keineswegs schlechte Filme, Songs, Romane, Comics usw. sind. Sie sind oft sogar besser als manche ihrer hochgelobten, hochliterarischen, hochkulturellen Gegenstücke.
Besser? Das ist eine Frage der angelegten Kriterien. Ein drastisches Beispiel. Vergleichen wir einmal einen der anerkanntermaßen handwerklich und inhaltlich schlechtesten Film aller Zeiten, Ed Woods "Plan 9 From Outer Space" (natürlich ein SciFi-Film!) mit Lucio Viscontes "Tod in Venedig". In einem keineswegs unwesentlichem Punkt ist Ed Woods cineastischer Supergau Viscontes anspruchsvoller Verfilmung von Thomas Manns sperrigem Roman turmhoch überlegen: "Er ist der ohne Zweifel amüsantere und unterhaltsamere Film". Vielleicht ist er auch der interessantere.
In seiner Geschichte der Science Fiction "Der Milliarden-Jahre-Traum" verglich Brian W. Aldiss zwei 1923 erschienene SF-Romane miteinander: H. G. Wells "Menschen wie Götter" und Edgar R. Burroughs "Pelucidar".
"Welches von den beiden ist das "bessere" Buch? Wenn diese Frage überhaupt irgendeine Bedeutung hat, dann würde ich sagen, es ist "Pelucidar". Wenn man die Wahl der Gesellschaft eines ermüdenden Schulmeisters oder eines begeisternden Anekdotenerzählers hat, entscheidet man sich wohl besser für den Anekdotenerzähler."
Wenn man wirklich Hunger hat, ist der deftige Eintopf gegenüber dem Feinschmecker-Gemüsesüppchen im Edelrestaurant zweifelsohne das bessere Essen.

Stimmt also der Spruch "Trash funktioniert immer?" - Nein!
Schon die beiden Vergleiche zeigen, das Trash ein "gewisses Extra" braucht, um "gut" - oder richtiger "gut doof" zu sein. Ed Woods Elaborat enthält in einer Minute etwa 87 (unfreiwillige) Gags. Borroughs schreib so gut er kann - was nicht sehr gut ist, jedenfalls nicht annähernd so gut wie Wells - aber er ist ein packender Erzähler. Sein unerschöpflicher Einfallsreichtum bringt ständig bizarre, unglaubliche, faszinierende, wunderbare (sprich "echt geile") Details seiner albernen und unglaubwürdigen Phantasiewelt hervor.
Um diesem "gewissen Extra" noch etwas näher zu kommen, sehen wir uns einmal den allseits unbeliebten Film "PERRY RHODAN - SOS aus dem Weltall" an. Ein typischer Billigfim der 60er Jahre, mit einer allerdings guten Vorlage und einer dementsprechend nicht uninteressanten Handlung. Selbst einige Schauspieler, die diesen Namen verdienten, gehörten zum Ensemble. Eigentlich gute Voraussetzungen für einen B-Film-Klassiker.
Das "SOS aus dem Weltall" einfach nur schlecht ist, liegt vor allem an seiner einfallslosen, uninspirierten Machart. Vielleicht wäre der Film noch zu retten gewesen, wenn er etwas augenzwinkernder, ironischer, spielfreudiger gewesen wäre.

Trash darf alles - nur nicht langweilen!
Das ist das gewisse Extra. Nicht zu langweilen ist gar nicht so einfach - es sei denn, man hat das fragwürdige Glück, wie Ed Wood unfreiwillige Komik zu produzieren. Nur die wenigsten Trash-Werke sind "Kult", die meisten langweilen nur. Die zahllosen billigen Star Wars-Kopien, die um 1980 heruntergekurbelt wurden, sind heute ebenso zu recht vergessen, wie die meisten der fleißigen deutschen SF-Leihbuchschreiber der 50er Jahre. Keine neuen schrägen Einfälle zu haben ist tödlich für Trivialschreiber - fast so schlimm, wie keinen tragfähigen Spannungsbögen zusammenzimmern zu können.
"Trash darf alles - nur nicht langweilen". Das ist auch die große Chance, die "Edelfilme" und "Hochliteratur" nicht haben. Eine "Barbarella" durfte im Comic und später im Film ihre selbstbestimmte sexuelle Gefräßigkeit ausleben - zu einer Zeit, als selbst Oswald Kolles harmlose Aufklärungsfilme heftig diskutiert wurden. Politische Verschwörungen, korrupte Polizisten, skrupellose Wissenschaftler, profitgeile Konzernherren - im "Trash"-Bereich dürfen sie sich austoben. Und vor allem - in den Niederungen der Tivialkultur kann experimentiert werden, während auf den Gipfeln der etablierten Kultur der eisige Wind des Konservativismus weht.
Und damit wären wir bei meinem Wunsch: "Trash? Ja Bitte! Aber bitte mit Niveau." Diesen Wunsch richte ich vor allem an die PERRY RHODAN-Scheiber. PERRY RHODAN ist, wie Klaus N. Frick einmal sagte, keine Literatur (im Sinne von Hochliteratur). Enge Termine, kurze Romanlängen, die wöchentliche Abstimmung am Kiosk, der Zwang, auch Leser erreichen zu müssen, die um jeden "dicken Wälzer" einen Bogen machen und viele andere "Sachzwänge" mehr, lassen es gar nicht zu, daß die Autoren etwas anderes als Lesefutter, als gedrucktes Fast-Food, produzieren. ( Relativ) schnell geschrieben, schnell in der U-Bahn, in der Pause, im Bett, in der Badewanne oder im Büro (letzteres heimlich) gelesen. Alle PR-Autoren haben bewiesen, daß sie durchaus "anspruchsvolle Literatur" schreiben können - einige schreiben sogar echte "Hochliteratur". Verschwenden sie bei PR ihr Talent? Nein, denn es ist schmerzhaft einfach, schlechte Heftromane zu schreiben - so wie es sehr einfach ist, eine gummiartige, aromafreie Currywurst mit fettigen Pommes herzustellen. Auch gutes Fast-Food will gekonnt sein!
PERRY RHODAN ist keine "richtige" Literatur. PR ist noch nicht einmal "wirklich gute" Science Fiction. Aber PERRY RHODAN hat durchaus Niveau - interessante Einfälle, spannende Handlung, farbige Charaktere und die Vision einer großartigen Zukunft. PERRY RHODAN hat das, das der deutschen Hochliteratur oft bitter fehlt - Würze.

- ENDE -


 

 

 

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