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Kleine Monster
- von Martin Marheinecke -
Teil 4
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Zwei Stunden später war der Einsatz vorbei. Vom Orbit aus besah Pincer die traurigen Überreste der hoffnungsvollen Versuchsfarm EF-607. Wenn ihnenauch nicht das Vergnügen vergönnt war, gegen schleimige Aliens zu kämpfen, so waren Stilleas Leute so gründlich gegen potentiellen Gefahren vorgegangen, wie es ihnen die Vorschriften erlaubten. Mit Desintegratoren waren alle Versuchsfelder restlos vernichtet worden, das Gleiche galt für die Farmgebäude mit allen Einrichtungen. Pincer war den Tränen nah.
"20 Millionen Solar Forschungmittel einfach desintegriert! Dazu bekommen wir sicher noch einen saftigen Kostenanteil an dem Flotteneinsatz aufgebrummt. Das werden sicher noch mal 12 Millionen extra werden - mindestens."
"Berühige Dich, Johnny. Du hast ja nur deine Pflicht getan", versuchte Cora ihn zu trösten.
"Ja, das habe ich. Wenn es um die Sicherheit der Erde geht, müssen alle persönlichen Belange zurückstehen. Aber - ich konnte doch nicht ahnen, daß man unseren Alarm so mißverstehen würde."
Cora schluckte ein "Das habe ich geahnt" herunter. "Hauptsache, es ist nicht Schlimmeres passiert. Übrigens - wo ist eigentlich Prinz geblieben?"
Derweil verließ Hauptmann Stillea, die riesige rechte Hand dick verbunden, die Krankenstation. "Sie hatten recht, Leutnant Okoby. Man sollte auch kleine Viecher nie unterschätzen. Okay, die Plattschnecke war harmlos - aber das andere kleine Biest war nicht ohne. Ganz schön agressiv und was für Zähne! Ging glatt durch den Handschuh durch. Na, konnte ihm gleich das Genick brechen. Übrigens, Okoby, Sie kennen sich doch mit Viechern aus? Kennen Sie die Spezies?"
"Soweit ich erkennen konnte, handelte es sich um einen Hund, Sir!"
Stillea schüttelte den Kopf. Er hatte gehört, daß Hunde auf Terra beliebte Haustiere waren. Wo er nun eines dieser Biester erlebt hatte, konnte er sich über den Geschmack der Erdbewohner nur wundern.
Cora war einem Nervenzusammenbruch nahe, als ihr die biologische Abteilung der PUTESCHESTWENNIK die in Konservierungslösung eingelegten Überreste ihres geliebten Prinz zeigte. Pincer war völlig verzweifelt. Es ging wirklich alles schief, was schiefgehen konnte. Seinen Job, sein Ansehen, seine Ehe - alles war im Eimer. Und das wegen einer einzigen angefressenen Topfpflanze!
Pincer reagierte deshalb ziemlich gereizt, als ein Anruf von der Kommandantin, Oberst Johanowput, kam. "Hoffentlich ist es wichtig!"
"Ja, unbedingt! Sie haben der Menschheit einen großen Dienst erwiesen, John Edgar Pincer."
"Wenn Sie mich trösten wollen - vielen Dank!"
"Warum so verbittert? Wir haben das Erbgut Ihrer Wunderpflanzen noch einmal untersucht. Wir fanden in einer Möhrensorte einen inaktiven Genabschnitt, der aktiv geworden wären, wenn man das Gemüse unter epsalischen Umweltbedingungen gezogen hätte. Ein Gen, das die Pflanze dazu bringt, ein langsam wirkendes tödliches Gift zu produzieren."
"Das ist ja interessant! Wieso hat Dr. Fischer von der Genetik das nicht entdeckt?"
"Wir sind uns nicht ganz sicher, aber es sieht so aus, als ob er ein Ara-Agent wäre. Wer hätte gedacht, daß sie es so schnell nach dem Angriff mit der Plasmaseuche noch einmal versuchen würden?"
"Dr. Fischer - ein Agent? Und sind Sie sich sicher, daß Aras dahinter stecken?"
"Da sind wir uns ganz sicher, denn wir haben hier auf Omega Eridiani II einen getarnten Stützpunkt gefunden. Wir konnten die Aras schnell überrumpeln. Mit so starken terranischen Einsatzkräften haben die nicht gerechnet. Die Vernehmungen sind noch nicht abgeschlossen, aber es deutet alles darauf hin, daß man die IFC absichtlich auf diesen Planeten gelockt hatte. Sie haben es mal wieder geschafft, Pincer! Offenbar haben Sie ein besonderes Talent zum Aufdecken geheimer Aktionen gegen die Erde."
John Edgar Pincer lehnte sich erleichtert zurück. Er hatte jetzt nur noch ein Problem: Wie konnte er Cora über der Verlust ihres geliebten kleinen Monsters hinwegtrösten?
- ENDE -
Quelle: WORLD OF COSMOS Nr. 15
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