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MONOPOL
- von Roland Triankowski -

Dieser verdammte Perry Rhodan! fluchte er bei sich. Auf einmal taucht da dieser Kerl aus heiterem Himmel in der Milchstraße auf und schmeißt alles über den Haufen!
Er seufzte kurz und versuchte sich wieder zu beruhigen. Im Grunde war er niemand, der lange über ungünstige Umstände klagte. Er hatte es schon immer als seine Mission verstanden, seine Umwelt zu gestalten. Unerwartete äußere Einflüsse hatte er dabei seit jeher in seine Planungen einkalkuliert und war auch bereit, auf sie zu reagieren.
Er hatte jetzt also überhaupt keine Zeit, weiterzujammern, geschweige denn, daß dies irgend einen Effekt gehabt hätte. Es galt also, die veränderte Situation optimal auszunutzen.

Er war jetzt völlig beherrscht und gelassen. Schnell, aber nicht zu hastig begab er sich in den kleinen Raum, zu dem nur er Zutritt hatte. Einige knappe akustische Befehle aktivierten die hier installierten Anlagen und bereiteten sie auf ihre Aufgabe vor.
Mit einem Lächeln begab er sich in den Wirkungsbereich des Gerätes, das, wie er wußte, vor vielen Jahrhunderten bei den Terranern als „Fiktivtransmitter" bekannt war.
Eigentlich war solch ein Gerät nicht sonderlich schwer zu konstruieren, überlegte er amüsiert, wenn man nur ausreichende Erfahrung in sechsdimensionaler Technologie hatte.
Doch er wischte diesen Gedanken wieder beiseite. Jetzt hatte er einiges zu tun.
Ein letzter Befehl ließ den Fiktivtransmitter in Funktion treten, und einen Augenblick später befand er sich am gewünschten Zielort.
Mit einem schnellen Griff an die entsprechenden Kontrollen seines Multifunktionsarmbandes versetzte er seinen Körper in Phase, um so von den geschäftig umherwuselnden Terranern beziehungsweise Camelotern weder gesehen noch umgerannt, geschweige den geortet zu werden. Konnte man bei Verwendung eines lichtumlenkenden Deflektorfeldes durch einfaches Anrempeln entdeckt werden, war dies bei seinem Tarnsystem unmöglich. Man würde einfach durch ihn hindurchgehen.
Er brauchte nur kurz, um sich zu orientieren. Er war an Bord der SOL, genauer gesagt in ihrem Mittelteil nahe der fünfhundert Meter durchmessende Stahlkugel, die SENECA beherbergte. Genau wie er programmiert hatte.
Er hielt sich nicht lange mit sentimentalen Gedanken auf, obwohl er nicht umhin konnte, die hier tätigen Menschen zu bewundern, wie sie eifrig und voller Enthusiasmus an der Wiederherstellung dieser Legende namens SOL arbeiteten. Letztlich konnte auch er sich dem ehrfurchtgebietenden Schauder nicht entziehen, den dieses Schiff allenorts verbreitete.
Doch er riß sich zusammen und konzentrierte sich auf seine Aufgabe. Den Weg zu seinem endgültigen Ziel kannte er genau, er hatte ihn sich nur einmal einprägen müssen. Nach wenigen Minuten Flug mit einem Antigrav - in Phase konnte man selbstverständlich nicht auf festen Boden gehen, man würde darin versinken - erreichte er die gesicherte Tür, die ins Innere der SENECA-Kugel führte. Nur der jeweilige Kommandant der SOL und Perry Rhodan selbst waren berechtiget und in der Lage, diese Tür zu öffnen. Er durchdrang sie einfach.


*

„Hallo SENECA, ich hoffe, ich komme nicht ungelegen. Ich schaue auch nur kurz vorbei, um dir ein paar Fragen zu stellen."
Er war nicht mehr in Phase. Die Ausstrahlung eines weiteren Gerätes, das er bei sich trug, hinderte die Hyperinpotronik daran, Alarm zu schlagen oder sonstige Aktionen gegen ihn anzustrengen.
„Dein Verhalten stellt einen Angriff dar", erwiderte SENECA tonlos. „Du bist nicht berechtigt, die Alpha-Zentrale zu betreten. Verlasse sie augenblicklich oder ich sehe mich gezwungen, Maßnahmen in die Wege zu leiten!"
Er ging nicht auf die Drohungen des Bordcomputers der SOL ein, da er wußte, daß sie gegenstandslos waren.
„Ich habe gehört, daß du dich weigerst, in eine Syntronik umgerüstet zu werden. Tja, man weiß hier eben kaum noch etwas über Hyperinpotroniken, ihre Eigenarten und Qualitäten. Bei mir ist das anders, ich vergesse nie etwas.
Weißt du, SENECA, ich glaube, daß du einiges über die tolle Technologie weißt, die die SOL neuerdings in sich birgt."
„Das wüßte ich aber!"
Er mußte schmunzeln. Er hatte sich niemals zuvor mit der Impotronik unterhalten, jedoch schon einigen über ihre Eigenwilligkeit gehört.
„SENECA, ich bewundere deine Intelligenz und dein Selbstbewußtsein. Dennoch fürchte ich, daß du mir deine Geheimnisse nicht vorenthalten kannst. Ich hatte lange Zeit an einem ´Verwandeten´ von dir üben können."
Mit sicherer Hand nahm er einige Schaltungen an den Konsolen der Alpha-Zentrale vor. Es dauerte eine Weile, doch dann zeigten ihm aufflammende Holoschirme endlich die gewünschten Daten.
„Na also", murmelte er. „Da haben wir es ja. Anscheinend hättest du mir diese Daten nicht einmal geben können, wenn du es gewollt hättest."
„Das ..."
„Laß gut sein, SENECA", unterbrach er den Gigantcomputer. Dann wurde seine Stimme um eine Nuance härter und sachlicher: „SENECA, du löscht sofort alle soeben von mir geöffneten Dateien, die das Hypertakttriebwerk sowie Carit betreffen. Ebenso die Erinnerung an meinen Besuch."
Fast schien es, als ergebe sich die riesige Hyperinpotronik mit einem Seufzer ihrem Schicksal, als gebe sie sich ihm geschlagen.
„Jawohl", bestätige sie knapp.


*

Zufrieden verließ er den kleinen Raum und verschloß ihn gewissenhaft, so daß niemand auch nur von seiner Existenz erfahren konnte.
Ein knappen Dakarkomsignal hatte den Fiktivtransmitter erneut ausgelöst und ihn so wieder von Bord der SOL transportiert.
In seinem Kopf befanden sich nun die genauen Daten des Hypertakttriebwerks und Carits. Er verstand nicht unbedingt alles, was er sich in der Alpha-Zentrale SENECAS eingeprägt hatte. Dennoch war er nun jederzeit in der Lage, die Daten detailliert wiederzugeben, schließlich vergaß er nie etwas.
Er hatte somit das höchstwahrscheinlich uneingeschränkte Monopol für diese Technologie inne, und das möglicherweise in dieser und mehreren umliegende Galaxien.
Sicher, er mußte sich nun noch eine Quelle des Ultimativen Stoffs erschließen, ohne den weder das eine noch das andere herzustellen war. Aber er hatte Zeit, sehr viel Zeit.
Womöglich würde es noch tausend Jahre dauern, ehe er aus seiner neuen Errungenschaft etwas machen konnte. Dennoch würde er froh sein, dies Chance heute genutzt zu haben.
Schon sehr früh hatte er erkannt, daß mit Hochtechnogie-Monopolen eine Menge Geld zu machen war, und nicht nur das. Wer ein solches Monopol besaß hatte im Grunde alle Fäden einer Region, einer Galaxis, einer Mächtigkeitsballung in der Hand.
Seit jeher war es sein Bestreben gewesen, möglichst das alleinige Wissen um solche Hochtechnologien zu besitzen. Seit den ersten Tagen war es ihm auch immer wieder gelungen., und er hatte seine Position ausbauen und durch alle Schwierigkeiten halten können.
Im Grunde genommen konnte er Perry Rhodan nicht böse sein. Schließlich hatte er ihm alles erst ermöglicht.
Wäre er damals nicht gewesen, um ihm das Monopol über die Technik der Arkoniden zu verschaffen, ihn sogar in den Kreis der Unsterblichen aufzunehmen ...
Nein, er konnte ihm nicht böse sein, selbst wenn er Camelot und alles, was er damit aufgebaut hatte, bald wieder aufgeben mußte.
Er, Homer Gershwin Adams, behielt die Fäden in der Hand. Ob nun mittels eine General Cosmic Company, einer Kosmischen Hanse oder einer Organisation TAXIT.
Oder dereinst einer Koalition Thoregon.
Zufrieden konzentrierte er sich wieder auf seine Pflichten, schließlich wollte er Rhodan nicht enttäuschen und die Sol in der angegebenen Frist wieder einigermaßen auf Vordermann gebracht zu haben.

- ENDE -


Quelle: WORLD OF COSMOS Nr. 20


 

 

 

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