Erfahrungen und Meßwerte

 

Geruch:

Zuerst einmal möchte ich was zum Geruch sagen. Alle reden vom Frittengeruch. Habe ich bei mir noch nicht festgestellt. Gut der Kaltstart riecht ANDERS, eben nicht nach Diesel, aber auf gar keinen Fall wie die Pommesbuden im Ruhrgebiet :-) . Sonst würde ich wahrscheinlich auch keine Currywurst mit  Pommes mehr essen.
Im warmengefahrenem Zustand merke ich keinen Unterschied. Selbst bei ersten Testfahrten, noch ohne Umrüstung, habe ich keine Pommesgeruch festgestellt. Da war die Konzentration aber nur max. 50%.
 

Leistung:

Ich habe erst 2 Vollgasfahrten machen können nach dem Umbau (Autobahnen waren zu voll). Mit Diesel und ohne Umrüstung lief der Passat 170 Km/h Spitze. Mit Diesel und Vorwärmung auf 60°C (Testfahrt mit nachgeschaltetem Dieselfilter) fuhr er nur 160 Km/h. Mit mit 75% Pöl und Vorwärmung auf 65°C läuft er auch nur 160 Km/h. Das liegt wohl an dem angewärmten Kraftstoff. Erwärmter Kraftstoff läßt sich stärker zusammendrücken als kalter (bei den betrachteten Drücken um 150 Bar). Also wird der Kraftstoff in den Einspritzleitungen mehr zusammengedrückt und nicht eingespritzt. Dies sollte sich durch Veränderung der maximalen Einspritzmenge korrigieren lassen. Ein netter Nebeneffekt soll sein, daß man mit Diesel ca. 0,5l weniger verbraucht. Aber "There is no free lunch", es fehlen auch ein paar PS.
Der Minderverbrauch von 0,5l wird durch den etwas geringeren Heizwert von Pöl wieder aufgefressen und ich erwarte einen gleich hohen Verbrauch wie bei reinem Dieselbetrieb.
Mein erster Eindruck von war auch, das etwas Leistung fehlte. Aber nach einer halben Tankfüllung hat sich das Gefühl subjektiv erledigt. Ich fahre ganz selten Vollgas, die Rush-hour läßt selten mehr als 140 Km/h zu.
 

Verbrauch:

Zum Verbrauch kann ich noch nichts sagen, da ich erst zwei Tankfüllungen getankt habe und noch keinen Durchschnitt angeben kann. Außerdem erleichtert das Kanistertanken nicht unbedingt das Literzählen...
 

Geräusch und Fahrweise:

Tja, was soll ich sagen. Mit 75% Pöl läuft der Motor wie ein 6-Zylinder. Schön ruhig und samtweich. Das Pöl verbrennt langsamer und nicht so explosiv wie Diesel. Es macht richtig Spaß, den warmgefahrenen Motor mal etwas hoch zu drehen.
Ich muß allerdings sagen, daß ich nicht über 2000 U/min drehe, solange die Kühlwassertemperatur unter 70°C ist. Vielleicht bin ich etwas zu ängstlich, aber mein Motor soll noch lange leben.
 

Das Starten:

Sehr viele Erfahrung kann ich hier auch nicht vorweisen. Ich fahre eben zur Zeit nur 75% Pöl und die Außentemperaturen lagen minimal bei 0°C.
Es stellt sich aber folgende Startweise heraus,
(VG = Vorglühen; Der Ausdruck "sägen" bezeichnet das Verhalten der Drehzahl kurz nach dem Start. Es kommt manchmal zum starken Schwanken der Drehzahl (600-1400 U/min), trotz Gasgeben im Stand.)
 
0°C
3 x VG, Choke ganz raus, Halbgas geben,Starten, 10 sec. Sägen (etwas durch Halbgas verringern) , dann ist Leerlauf normal, und Fahren auch normal, nach ca. 1 min Chok rein
5°C
2 x VG, Viertelgas geben, Starten, 5, sec. Sägen, dann normal, Choke, ca. 30 sec. rein.
10°C
1 x VG, Starten wie mit Diesel, kein Unterschied

Der Anlasser läuft genauso lange wie mit Diesel, ich muß also nicht orgeln.
Das Startverhalten ist noch ausbaufähig. Ich kann bei gleichen Temperaturen den
Pöl-Anteil erhöhen oder denselben Pölanteil bei tieferen Temperaturen fahren.

Subjektiv gesehen braucht der Motor länger, um die Betriebstemperatur zu erreichen. Das kann an der höheren Menge Kühlwasser liegen (ca. 1,5l mehr) und daran, daß von Anfang an Wärme an das Pöl abgegeben wird.
Es kann auch daran liegen, daß ich jetzt die Kühlwassertemperatur öfter beobachte und genauer messe. Ich werde nochmal mit abgeschaltetem WT eine Messung machen.
 
 
 

Temperaturmessungen:

Um die Wirksamkeit des Umbaus zu testen, musste ich natürlich auch Temperaturmessungen machen. Die Thermofühler sind wie beschrieben am Ausgang des WT und vor der ESP.

Tag: 06.03.2001: Außentemperatur 0°C
Start: 08:00 Uhr, 3x Vorglühen, 5sec. Halbgas geben, Choke ganz raus, 5 sec. "Sägen", dann steht der Leerlauf wie eine "1"
Mischung 75%/25% kaltgepresstes Pöl/Diesel

Zeit vom Start/min Pöl am WT/°C Pöl vor ESP /°C Bemerkung 
0 1,9 0,9
1 4,0 24,2 Choke ganz rein
2 12,4 34,1
3 16,7 34,7 bis hier viel Leerlauf
(Ausparken, Ampel,etc)
4 22,4 40,3
5 30,6 47,8
6 37,5 50,0
7 42,7 57,6 elektr. Vorwärmer schalten aus
8 48,0 53,9 für 20 sec. kurz wieder an
9 50,9 54,2 AB-Beginn (90 Km/h)
10 55,2 56,3 ab hier dauernd aus
11 61,2 55,4
12 65,1 58,0 ab hier ca. 120 Km/h AB
13 68,2 60,5
14 >70 61,1 Motor betriebswarm, Kühlwasserthemometer zeigt 80°C an
16 >70 64,0
17 >70 65,2
25 >70 67,0 30-40Km/h Stau
26 >70 68,9
27 >70 68,2 Landstraße 80 Km/h
34 >70 67,1 Motor aus
Tag: 06.03.2001: Außentemperatur ca 8°C (geschätzt), Motor noch "warm " von morgens,
Start: 17:00 Uhr, 2x Vorglühen, 5sec. Halbgas geben, Choke ganz raus, kein "Sägen"
Zeit vom Start/min Pöl am WT/°C Pöl vor ESP /°C Bemerkung 
0 15,7 11,3
1 16,0 22,9
2 19,0 31,3
3 23,8 37,9
4 29,1 44,4
5 36,8 51,5
6 45,3 55,1 elektr. Vorwärmer schalten aus
7 51,9 53,2 kurz wieder an
8 56,3 57,9 ab hier dauernd aus
9 61,7 56,1 AB-Beginn (90 Km/h)
10 64,5 58,4
11 >70 62,1 ab hier ca. 120 Km/h AB
12 >70 66,1
13 >70 67,3
14 >70 68,0 Motor betriebswarm, Kühlwasserthemometer zeigt 80°C an
15 >70 67,8
16 >70 67,8
18 >70 68,3 Spitzenwert
26 >70 >70 Motor aus

 
Tag: 07.03.2001: Außentemperatur ca 5°C
Start: 8:14 Uhr, 1 x Vorglühen, 5sec. wenig Gas geben, Choke ganz raus, kein "Sägen", 10 sec. nach dem Start Choke wieder ein.
 
Zeit vom Start/min Pöl am WT/°C Pöl vor 
ESP /°C
Bemerkung 
0 5,6 4,9
2 32,1 45,2
5 46,6 60,0
13 >70 65° Motor betriebswarm

 
 

Allgemeines während der Fahrt:

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß nach Abschalten der elektrischen Vorwärmer Pöltemperaturen von >55°C immer erreicht werden. Bei Erreichen der Betriebstemperatur des Motors werden 65 °C nicht unterschritten. Je nach Fahrweise und Außentemperatur kann die Pöltemperatur auch >70°C werden.
 

Interpretation der Meßwerte:

Es zeigt sich, daß nach 6-7 Minuten die Pöltemperatur an der ESP 55°C beträgt. Es folgt eine kleine Hysterese des Thermosschalters, aber 2 Minuten später gehen die Vorwärmer endgültig aus. Mir ist klar, daß nach 8 min. der Kraftstoff im Hochdruckteil niemals 60°C hat. Die kalte ESP muß ja ziemlich aufgewärmt werden.
Aber der Einbau des Gastherme-WT hat sich gelohnt. Die elektrische Belastung der Lichtmaschine hält sich in Grenzen.
Die elektrische Vorwärmung mit zusammen 300 W bringen ziemlich genau 20°C Temperaturerhöhung. Mit nur einer Purflux käme ich nie so schnell auf die 60 °C.
Trotzdem ist der Temperaturschock der ESP von heissem Pöl und kalter ESP ziemlich erträglich, weil doch 7 Minuten vergehen, bis die 60°C erreicht sind.
Ich habe einen relativ langen Totweg von 1,5m Schlauch (10mm ID) vom Ausgang des WT bis zur ESP. Hier gehen bestimmt 10°C an Wärme verloren. Das ist der Preis für einen nahen Anschluß an den kleinen Kühlwasserkreislauf.
Ich glaube aber trotzdem, daß mein Umbau ein guter Kompromiß für den Montageplatz und die erreichbaren Pöltemperaturen sind.
 
 

Fazit:

Die Vorgabe
"Das Fahren ist schon kompliziert genug. Fahren Sie, wir kümmern uns um die Details" hat sich erfüllt.

Mein Auto ist jetzt pöltauglich und zum

mutiert  :-)

Zugegeben,
das mit dem Salatöl klappt jetzt, aber an dem Ferrari arbeite ich noch...
 
 
 

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Letztes Update 20.03.2001  ( http://www.salatoel-kombi.tk )