Der Salz-in-Pöl-Test

oder

Der Salatölferrari, Pizza Frutti di mare und das Salz

 

Wie kommt das Salz in das Pöl ?

Zum Thema Altpöl will ich mal etwas länger ausholen:

Es gab mal eine Pizzeria, die machte sehr gute Pizzen. Besonders die Frutti di mare Pizza hatte es den Kunden angetan. Eben weil eine Extraportion Thunfisch drauf war. Und weil viele Kunden diese Pizza besonders lecker fanden, buk der Mafiosi (ähm Pizzabäcker) sehr viele von diesen Pizzen.
Nun fischte der Pizzabäcker den Thunfisch nicht selbst im Mittelmeer, sondern hat eine Zulieferei. Der liefert den Thunfisch in großen Dosen (ich glaube 5Kg) an. (Wahrscheinlich nicht delphinfreundlich gefangen :-( ) Auf den Dosen steht dann drauf: Inhalt Thunfisch, Pflanzenöl, Salz.

Wenn der Pizzabäcker dann den Thunfisch mit einem Sieb von der Soße getrennt hat, bleibt die Soße zurück. Diese Soße ist fast klar und ist natürlich das Pflanzenöl.

Jetzt kommt die Gretchenfrage: Wo bleibt das Salz in der Dose ?  Wird erst der Fisch gesalzen und der wasserhaltige Fisch saugt das Salz auf ? Und das restliche Pöl ist frei von Salz ? Oder sollte man sicherheitshalber nur die obersten 95% eines abgestandenden Kanisters nehmen ? Weil in den anderen 5% nur evt. das Wasser und das gelöste Salz drin ist ???
Dieses Pöl ist nicht erhitzt. (Naja, höchsten um den Fisch in der Dose haltbar zu machen, aber eben nicht frittiert)

Ich habe mir nun Gedanken und Tests gemacht, wie das Problem des Salzes im Pöl zu bewerten ist.
 
 
 

Und wie kommt es wieder heraus ? Der Testaufbau

 

 


Impression des Meßaufbaus in meiner Küche, die immer  noch nach Fisch riecht...



Zur praktischen Handhabung habe ich mir 5l Probegemisch vom Pizzabäcker besorgt. Das habe ich einen Tag im Kanister stehen gelassen. Etwa 1/3 setzte sich unten ab, es war ein undurchsichtiges schleimiges weißes Gemisch. In den oberen 2/3 war ganz klares sehr dünnflüssiges Pflanzenöl zu sehen. Schmeckt fast geschmackslos, auch nicht nach Salz, nur riechen tut es nach Fisch !

Vorsichtig schüttete ich das oben abgesetzte Pöl in einen Topf (Der gute Silitbratentopf mußte dran glauben....). Dabei guckte ich immer darauf, daß kein Gemisch mit in den Topf reinlief, irgendwann war der Bratentopf voll und ich hätte fast eine Überschwemmung gemacht, aber glücklicherweise war vorher das abgesetzte Pöl im Kanister alle.
Puh , nochmal Glück gehabt.
Das Pöl im Topf war ganz klar, sah aus wie aus der Aldiflasche. Den Rest des Kanisters (das undurchsichtige Gemisch) schüttete ich dann in den anderen Silittopf. Der Rest schmeckte recht salzig und roch noch mehr nach Fisch als das Pöl. (Im übrigen roch jetzt die ganze Küche nach Thunfisch und Pöl...) Der abgesetzte Teil war also hauptsächlich Wasser mit irgendwelchen flüssigen Beimischungen.

So, das wäre geschafft. Jetzt habe ich Pöl vom Wasser getrennt. Aber wie nun herausbekommen, ob da noch Salz im Pöl drin ist ???

Zusammen mit einer Chemikerin bin ich auf eine Idee gekommen. Wasser ist seeeehr viel salzlösender als Pöl. Wenn man nun Wasser und Pöl zusammenschüttet und die Moleküle recht nahe aneinander bringt (= kräftig schütteln bis zur Emulsion), wandert das evt. vorhande Salz aus dem Pöl in das Wasser.
Das Wasser kann man dann abstehen lassen und der Rest ist salzfreies Pöl !
Ich ging davon aus, daß das bisherige Wasser in der Mischung evt. eine gesättigte Lösung ist und dann vielleicht kein Salz aus dem Pöl mehr lösen kann.

Angenommen dieser Versuch klappt so. Dann ist es aber recht aufwendig, bei jeder Charge extra Wasser in das Pöl zu schütten und wieder herauszuholen. Ich will natürlich auch wissen, ob im Pöl Salz gewesen ist ! Wenn nicht, dann kann ich mir das "Abwässern" ja sparen. Dazu muß ich dann das übergebliebene Wasser auf Salzgehalt testen. Aber wie ? Abdestillieren, filtrieren, abkochen ?
Alles Käse sagte die Chemikerin. Wasser ist leitfähig, Salzwasser umso mehr, Pöl dagegen ? Also die Leitfähigkeit des übriggebliebenen Wasser messen! Soweit die Theorie.....

Heureka! Das versuche ich mal, denn Versuch macht kluch !

Da habe ich mir mein recht gutes Digitalmultimeter genommen und mal gemessen.
(Der Widerstandsmeßbereich geht bis 2000 Megaohm !!! Ich weiß zwar, daß da dann nur Schätzwerte herauskommen, aber so als Anhaltspunkt bestimmt brauchbar.)

Die Meßspitzen in ca. 2cm Abstand voneinander in folgende Flüssigkeiten gesteckt:
- Trinkwasser aus der Leitung ("Kraneberger")
- Destilliertes Wasser aus dem Baumarkt (so in den 5l Kanistern, Qualität ?)
- und eben Pöl frisch aus der Aldiflasche

Ergebnis:
Stoff:
Widerstand:
Kraneberger (Trinkwasser)
500-700 KOhm
Aqua dest
3,3 MOhm
Aldi Pöl
unendlich

Na, das sind doch Anhaltspunkte. Da konnte ich meine Versuchsreihe beginnen.

Ich habe dann 1l des abgeschöpften Pöl und 0,2l Auqa dest. in einem 6l Kanister zusammengeschüttet. Dann habe ich alles ganz kräftig geschüttelt, bis eine milchigweiße Emulsion herauskam. Die Emulsion habe ich dann wieder in den Topf zurückgeschüttet, weil im Kanister kann ich schlecht die Meßspitzen reinhalten.

Dann habe ich 10 min gewartet, bis sich eine erste Schicht Wasser unten gesammelt hatte. Langsam habe ich die Meßspitzen in die Emulsion eingeführt. Im oberen Bereich zeigte das Meßgerät ca. 5-20 MOhm an, stark schwankend. Wahrscheinlich haben sich schon erste Wasserblasen und Pölblasen gebildet, die jeweils eine unterschiedliche Leitfähigkeit haben. So, nun gut, den Topf habe ich dann 2 Tage stehen gelassen.

Nach 2 Tage ist zwar der obere Bereich immer noch etwas milchig, aber ich dachte, teste einfach mal, vielleicht habe ich zu gut geschüttelt ? :-) (Die Küche riecht immer noch nach Fisch !)

Wieder langsam die Meßspitzen eingeführt: Im oberen Bereich.. unendlich. Aha, das ist jetzt Pöl. Weiter heruntergegangen mit den Spitzen.. plötzlich sinkt der Widerstand sehr schnell 500, 200, 100, 50... bis er sich stabilisiert bei 3,3 MegaOhm.
Das wollte ich nochmal sehen, also diese Messung mehrmals wiederholt. Die Grenzschicht zwischen Pöl und Wasser ist sehr scharf abgegrenzt, ( so wie es eigentlich sein sollte). Der Meßwert für das Wasser ganz unten im Topf betrug IMMER 3,3 Megaohm!!!!

Das ist der Wert für destilliertes Wasser !!!

Das heißt, das Wasser hat KEINERLEI Salz aus dem Pöl gefischt !!!
Das heißt, daß keinerlei Salz im Pöl drin ist.
Das wiederum heißt, daß ich kein Salz nach dem Absetzen aus dem Pöl herausbekommen muß!
Es ist schon alles Salz im Absetzwasser enthalten!

Das vereinfacht die Pölregeneration bedeutend. Ich muß nur das Gemisch stehen lassen und den oberen sauberen Teil abnehmen. Das Pöl gieße ich dann in ein Nudelsieb mit dem 5µm Filtervlies vom Unterkofler.
Und Voila: die Pizza-to-Pöl-Maschine ist fertig :-)

Tirilirtraratrarum !
Freu!

Wie die Physik und Chemie doch klappt.

Also Feuer frei und die nächste Pizzeria gesucht ! Aber wehe, ihr findet meine !!!
 
 
 
 

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Letztes Update 01.04.2002  ( http://www.salatoel-kombi.tk )