Die Vergrößerung der Tankleitungen und des Tankstutzens

 
 

Ursachenforschung:

Mit dem bisherigen Umbau funktionierte das Pölen ganz gut, allerdings nur bis zu einem Pölanteil von 75%. Mit 85% Pöl im Tank wurde der Passat zur Schnecke. Die Beschleunigung war fast Null. Irgendwas war noch nicht richtig.

Nach einigen Recherchen kam ich dahinter:
Die orginalen Kraftstoffleitungen vom Dieselfilter bis zum Tank im Passat haben nur 4,8 mm Innendurchmesser !!! Es ist zwar ein 8 mm Schlauch am Tankanschlußstutzen und am Dieselfilter angeschlossen, diese gehen aber auf ein plastikumantelte Kupferrohr mit dem Innendurchmesser von 4,8 mm. (Danke an ÖlKlaus für diese Info!)
Da war die Erklärung wird die mangelnde Beschleunigung sehr einfach: Durch die (für Pöl) sehr dünne Leitung konnte nicht genug Krafststoff zur ESP gefördert werden. Der Innendruck der ESP sank daher sehr stark und der Einspritzzeitpunkt wurde stark nach spät verstellt. Mit dem späteren Öffnungsdruck konnte nun nicht mehr das richtige Drehmoment entfaltet werden. Die Beschleunigung nam stark ab.
Bei nicht kurzgeschlossenem Rücklauf sind dickere Tankleitungen ein MUSS.
(Weitere Infos zum Phänomen dünne Tankleitungen sind hier zu finden)

So, die Diagnose war gestellt, was tun sprach Zeus ?
 

Welches Material  und wie dick ?

Die originale Krafststoffleitung sollte wegen evt. Rückbaumöglichkeit verbleiben.
Als Innendurchmesser wollte 10mm nicht unterschreiten. Es gab aber bei manchem Pöler auch das Problem, daß bei zu dicken Leitungen beim Stillstand  das Pöl wieder in den Tank zurückläuft und Luft in der Leitung war.
Dann stellte sich die Frage des Materials der zu verwendeten Leitung. Aus den Erfahrungen mit dem Einbau des Wärmetauschers weiß ich, daß der schwarze Kraftstoffschlauch, wenn er sehr warm wird,  sehr biegsam wird und durchhängt wegen seines Eigengewichtes. Am Bodenblech unterm Auto sind aber nur wenige Befestigungspunkte, an denen man zwei (Vor- und Rücklauf) dicke Schläuche festmachen kann. Die Leitung wäre der tiefste Punkt untem Auto. Weil ich schon mal Feldwege befahre, sollte nicht gerade die Kraftstoffleitung beim Aufsetzen in Fetzen gehen.

Die nächste Alternative ist das biegsame WiCu-Rohr. Hier habe ich lange gesucht, um 12er WiCU-Rohr zu bekommen, am bestem mit Isolierung (weil bei Verlegung bei winterlichen Temperaturen einem nicht die Finger abfrieren und später das Pöl nicht ganz so schnell kalt wird.) Ich bin schließlich bei einem Sanitär/Heizungsfachhandel fündig geworden. Preis: 4,70 DM /m für 12er WiCu-Rohr mit Isolierung.
Man benötigt ca. 4 m Rohr pro Leitung. Das 12er-Rohr hat einen Innendurchmesser von 10mm, das 15er 13mm.
Ich habe für den Vorlauf 15er Wicu-Rohr benutzt. Das würde ich nicht wieder tun. Das dickere Rohr ist doch sehr schwer zu biegen unterm Auto. (Kommt jetzt nicht mit Vorschlägen mit Sand einfüllen und so, das Rohr muß am/unterm Auto gebogen werden)
Außerdem musste ich an beiden Enden ein Reduzierstück von 15 auf 12mm hart anlöten lassen, weil ich keinen15mm Kraftststoffschlauch bekommen habe. (Hartlöten wegen TÜV !)
Der Rücklauf ist dann mit 12er Rohr ausgeführt.

Zur Befestigung wollte ich nicht auf Rastband und Rödeldraht zurückgreifen, das hat der TÜV nicht gerne. Ich bin bei Obi fündig geworden. In der Sanitär/Elektroabteilung (liegt direkt nebenander) gibt es Rohrschellen aus Plastik  (der Marke Variolux) und Rohrschellen aus Metall (mit innenliegender schwarzen Gummiisolierung). Normalerweise wird damit Plastikleerrohr in der Elektroinstallation festgemacht oder eben Cu-Rohr.

Plastikschellen:
Die Schellen gibt es als Einzel und als Doppelschellen und haben ein M5 Gewinde. Man kann also eine Schraube durch ein Blech führen und die Schelle auf der anderen Seite damit festschrauben. Die Bauhöhe ist relativ gering. Zu bekommen von 0-22mm Rohrdurchmesser, auch für 15mm. Das Rohr wird nur in die Schelle geklemmt. und nicht geschraubt.
Achtung! Bei Verwendung von 12er Cu-Rohr mit Isolierung die 15er-Schellen verwenden.

Metallschellen:

Diese sind so Minitaturausführungen wie z. Bsp. Fallrohrbefestigungen für Dachrinnen. Sie haben auch ein M5-Gewinde und haben eine M5-Gewindestück mit Holzschraubengewinde dran. Normalerweise wird das in den Dübel in die Hauswand gedreht.
Die Metallschellen umfassen das Rohr richtig und können an beiden Seiten des Rohres festgeschellt werden. Auch hier gilt: Die Schellen eine Nummer größer wählen, wenn die Gummiisolierung in der Schelle nicht entfernt werden soll.
Die Bauhöhe ist etwas größer als die Plastikschellen.
 
 

Vorbereitungen:

Man braucht ganz dringend eine Hebebühne oder eine Grube, um die Arbeiten ausführen zu können. Ich habe 4 Abende damit zugebracht. Mit Abmessungen, gucken, wiederausbauen, Reduzierstück anlöten, wieder einlöten. etc... Eine Menge Arbeit. Man kann es aber auch in 3h mit guter Vorbereitung schaffen.
Außerdem braucht man ca. 2,5m 10mm Kraftststoffschlauch, für die Anschlüsse an den Tank und an den Dieselfilter.
Ein zweiter pölbegeister Helfer ist teilweise vonnöten. Einen normalen Kollegen kann man sowieso nicht erklären, warum man jetzt eine "zöllige Spritleitungen verlegen will"....
(Danke Hardy, daß du es trotzdem getan hast.)
 
 

Durchführung:

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, daher habe ich hier ein paar Bilder gemacht und etwas erläutert.
Ich habe insgesamt 4 Befestigungspunkte für die ganze Länge verwendet.
  1. Direkt an der Spritzwand am Beginn der Leitung (im Moment noch Plastikschelle, wird aber durch Metallschelle ersetzt, weil stabiler)
  2. Plastikschelle unterhalb des Beifahrerfußraumes
  3. Plastikschelle unterhalb der hinteren Befestigunges des Beifahrersitzes
  4. Metallschelle unterhalb des rechten Rücksitzbankesitzes
Da es nicht sehr schön ist, vom Innenraum durch den Teppich ins Bodenblech eine Schraube zu setzen, habe ich geguckt, wo man den Teppich hochnehmen kann und trotzdem von unten die Schlauchschellen sinnvoll plazieren kann.
Für Befestigungspunkt 1 habe ich eine Holzschraube verwendet und mit der Plastikschelle zusammen in die Spritzwand gedreht.
Für Befestigungspunkt 2 muß an der Beifahrerseite die Plastikverkleidung zum Türrahmen abgenommem werden. Dann kann man den Teppich etwas anlupfen und durch ein von unten gebohrtes Loch eine nicht zu lange M5-Schraube von oben durchstecken.
Für Befestigungspunkt 3 habe ich den Beifahrersitz ganz nach vorne geschoben und den Teppich an der Überlappungstelle zwischen vorderem und hinteren Teppich hochgehoben. Da konnte man dann auch eine Schraube von oben unter dem Teppich durchstecken.
Für Befestigungspunkt 3 habe ich die Rücksitzbank umgeklappt. Da kommt man dann gut an die von unten gebohrten Löcher dran. Hier habe ich die Metallschellen verwendet.

Sinnvollerweise fängt man von vorne an, das Rohr zu verlegen.Die schwierigste Stelle ist vorne der Knick an der Vorderachse. Das Rohr befestigt man erst ganz zum Schluß an die Schellen, vorher braucht man jeden Zentimeter Bewegungsfreiheit.
So jetzt geht es los!
 
Hier lugen der Vor- und der Rücklauf direkt zwischen den Luftansaugstutzen hervor. (Befestigungspunkt 1)
Hier sieht man die beiden Cu-Rohre von oben an der Spritzwand herunterkommen.
Dies ist von hinten nach vorne fotografiert. Zu sehen ist der Kanal im Bereich des Beifahrerfußraums für die originalen Kraftststoffleitungen.  (Befestigungspunkt 2 im unteren Teil des Bildes),  (Befestigungspunkt 3 knapp am oberen Bildrand zu erkennen)
Auch von hinten nach vorne gesehen, ca. ab der Hinterachse. Wichtig ist der Knickschutz der Leitung an dem Knick nach oben.
So werden die Rohre an dem Bodenblech befestigt. Es sind Plastikschellen für 15mm Rohre. Mit der Isolierung passt das 12er Rohr optimal, beim 15er muß daher die Isolierung abgemacht werden.
Hier von vorne nach hinten zum Übergangsstück zum Tank fotografiert. Beim Verlegung auf das Bremsseil achten, nicht knicken. Die aerodynamische Verkleidung (die Glasfiberplatte) wurde hier abgenommen. 
 (Befestigungspunkt 4 etwa in Bildmitte)
Hier noch einmal dasselbe als Detailaufnahme. Hier habe ich Metallschellen zur Befestigung genommen, weil die Schellen das Rohr richtig umfassen und nicht nur aufgeklemmt werden. (Befestigungspunkt 4)  Dafür stehen diese Schraubschellen ca. 1 cm vom Bodenblech ab. Das ist hier nicht kritisch, aber direkt unter dem Bodenblech zählt jeder Zentimeter. 
Das untere Rohr ist das 15er WiCu mit hart aufgelötetem Reduzierstück auf 12mm und Verlängerung. Wenn ich die richtige Länge ausgemessen hätte, hätte ich nicht so einen Bogen mit dem Kraftstoffschlauch legen müssen :-)
So sieht später mal (in 1,5 Jahren) der Tüv die Unterseite. Die Glasfiberplatte ist wieder aufgeschraubt. Wie man sieht, musste die Platte etwas ausgesägt werden für die beiden Cu-Rohre.
Zu sehen ist hier der Tankanschlußstutzen im Kofferraumboden. Dazu wurde die Kofferraummatte abgenommen und die runde Abdeckplatte abgeschraubt. Man sieht den Tankgeberdeckel und den Anschluß der (hier noch orginalen) Vor- und Rücklaufleitungen. Die neuen Leitungen liegen noch davor.
Der Schrau-Bär höchstpersönlich beim Aufräumen in der Garage mit Grube von zwei Freunden (Danke schön Hardy und Michael !) 
Zu sehen: die "kleine Bastelkiste mit Pölzutaten ;-)

Jetzt müssen vom Tankanschlußdeckel bis zum Cu-Rohr unterhalb des Tankes 2 x 1m Kraftststoffschlauch verlegt werden. Dazu am besten wieder eine Glasfiberute benutzen, damit man sich durchangeln kann. Der 10mm Schlauch geht mit etwas Pöl und warmmachen ganz gut auch das 12er Rohr. Schelle drum und Vor- und Rücklauf markieren an beiden Enden !!

So, jetzt kann man aufräumen und die Grube/Hebebühne freigeben und nach Hause fahren.
(Nicht vergessen dem Besitzer der Grube ein Bier auszugeben)
Der Rest kann in der heimischen Garage gemacht werden.
 

Modifizierung des Ansaugstutzens

Die originalen Leitungen am Tank abmachen und festbinden, sonst sind die weg zwischen Tank, Hinterachse und Bodenblech. Da kommt man nicht mehr dran.
Vorne die Leitungen am Dieselfilter abmachen.
Für folgende Arbieten sollte der Tank nur max. halbvoll sein. Sonst gibt es eine Pöl/Dieselüberschwemmung im Kofferraum.
Dann den runden Tankdeckelstutzen abschrauben und komplett mit dem Ansaugstutzen und Schwimmer herausnehmen. Da sieht man auch sofort, wie der Schwimmer aussieht und wie das alles funktioniert:
Hier der der Tankanschluß. (Das Foto ist von Bigmic)

Der Vorlauf und der Rücklauf gehen zusammen bis auf den Tankboden. Dort ist ein kleiner Plastikbecher, der durch eine Feder auf den Boden gedrückt wird. Im Plastikbecher ist ein kleines Sieb drin, so ca. 2 x 2cm mit kleiner Maschenweite, ca. 0,5 mm.
Ich habe jetzt mit einem 4mm Bohrer rund um den Boden des Plastikbechers ungefähr 12 Bohrungen gemacht. Damit soll der große Widerstand bei kalten Winterpöl durch das Ansaugsieb verringert werden. Für allerei Schmutzreste habe ich ja den Benzinfilter (siehe hier).

Bei dieser Gelegenheit habe ich den Schwimmer etwas verbogen. Der Tank war leergefahren bei Beginn des roten Bereiches. Und die ersten 400 km tat sich an der Anzeige nichts. Jetzt zeigt die Tanknadel zumindestens im roten Bereich etwas genauer an. Man muß aber sagen, daß mit Pöl oder Diesel die Tankanzeige gleich bleibt. Es ist also kein Festkleben/Festhängen des Schwimmers o.ä. zu beobachten.
 
 

Anschluß der Kraftstoffleitungen

Nun wollte ich den Rest Pöl (85% Mischung) aus den Leitungen drücken. Na klar, mal eben vorne reinpusten, und hinten in den Tank laufen lassen.
Nix da, Pustekuchen ! Ich konnte pusten und pusten, es ging nicht. Erst mit einer Fahrradpumpe konnte ich das Pöl aus der 4,8 mm Leitung drücken. Jetzt weiß ich warum der Wagen nicht beschleunigte. Ich wundere mich, warum der überhaupt noch lief!.

Nach der kleinen Erfahrungssammlung geht´s weiter.
Nun wieder den Tankstutzen einschrauben. Auf beide Tankanschlüsse ein 2cm Stück 6mm Schlauch aufsetzen (Ja, ich weiß, der Vorlauf hat 8, der Rücklauf 6mm). Aber mit etwas Pöl und Wärme geht alles. Nun den angewärmten und eingeölten 10mm Schlauch auf die 6mm Stücke schieben. Vor- und Rücklauf nicht vertauschen !
Nun jeweils eine Schlauchschelle drum machen und die Verbindung ist dicht.

Den runden Deckel noch nicht aufschrauben, erst später nach der Funktionskontrolle.

Nun vorne am Dieselfilter denselben Trick mit den 2 Schläuchen übereinander für den Rücklauf anwenden.
Dann mit einen kleinen Trichter Pöl in den Vorlauf geben. Wundert euch nicht, wieviel da rein geht. Die Leitung ist ja jetzt auch recht dick.
Der Vorlauf bekommt einen Benzinfilter (oder Conrad oder Oldtimerfilter) als Vorfilter verpasst.
Die Sägespäne des Cu-Rohres etc. soll ja nicht den Dieselfilter zusetzen. Wie die Späne so aussehen, findet man  hier. Der Vorfilter dient gleichzeitig als Reduzierstück von 10 auf 8mm.

Sooooo, jetzt sollte wieder alles wieder dicht sein und der Passat sollte auf anhieb anspringen.
 
 

Fertig !

So, jetzt noch Bier und sich freuen.
 
 

Erfahrungen

Auf der Bahn läßt sich feststellen, das die Beschleunigung deutlich besser geworden ist. Ist zwar immer noch kein Ferrari, aber die Werte sind mit Diesel vergleichbar. Zumindest subjektiv. Vmax aber immer noch nicht wieder erreicht. Jetzt kommt bei 100 km/h im 5. Gang noch was, ohne Vollgas.

Ich hatte bis hier noch 1-2 kleinere Undichtigkeiten, aber insgesamt hat sich der Aufwand gelohnt. Wie schon beschrieben, ich würde auch für den Vorlauf ein 12er Wicu-Rohr nehmen.
Nach einer halben Stunde Fahrt werden beide Leitungen etwas mehr als handwarm (Bei Außentemperaturen um +15° und viel Wind, zu Pfingsten!). Zu erwarten war, daß der Rücklauf warm wird, aber der Vorlauf ????
Es muß wohl so sein: der Rücklauf hat ca. 60-70°C an der ESP. Der Thermostat im Dieselfilterrücklauf ist bei dieser Temperatur natürlich geschlossen und leitet alles Pöl in den Tank zurück. Dort läuft das Pöl in den Becher des Stutzen und vermischt sich nicht sehr mit dem Tankinhalt. Dann wird es wieder angesaugt. Daher ist auch der Vorlauf warm. So habe ich ein gleichzeitig beheizte Tankleitung :-) Aber erst nach einer halben Stunde Fahrt :-(

Ich hätte gedacht, daß die Wärme vom Rücklauf durch die Kupferleitung und den Fahrtwind komplett an die Umgebung abgegeben wird.
 
 
 
 
 

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Letztes Update 10.06.2001  ( http://www.salatoel-kombi.tk )